Eines gleich vorweg: Wenn ihr euch den Trailer anseht, dann erfahrt ihr einiges über „Das verborgene Gesicht“, das ihr vielleicht lieber im Film entdeckt hättet. Selbiges gilt auch für diese Kritik, denn ein Werk wie dieses kann man nur besprechen, wenn man sich auf mehr als nur die erste halbe Stunde konzentriert.

Geschichte zweier Frauen

Auf der anderen Seite: Ohne das Ansehen des Trailers hätte man vielleicht gar nicht Lust, „Das verborgene Gesicht“ zu sehen. Dies ist einer von jener Art Filmen, die von einer gewissen Überraschung leben, die jedoch schon im Trailer offenbart wird – denn nur mit ihr lässt sich das Interesse des Publikums wecken.

Das Verborgene Gesicht - Hinter dicken Mauern

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Zwei Frauen. Eine ist auf die andere angewiesen, wie nie zuvor.
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Der spanische Dirigent Adrian kommt in sein Haus in Bogota zurück und findet dort eine Kamera vor. Er spielt das Video ab, in dem ihm seine Freundin Belen erklärt, dass sie nicht den Mut gefunden hat, ihm von Angesicht zu Angesicht zu sagen, dass sie ihn verlässt.

Nach ein paar Tagen, in denen Adrian versucht, Belen ausfindig zu machen, endet er in einer Bar, betrinkt sich und lernt die Kellnerin Fabiana kennen. Zwischen Adrian und Fabiana knistert es. Er bringt sie mit zu sich nach Hause. Die Polizei ermittelt wegen Belens Verschwinden und Fabiana hat das Gefühl, als gäbe es in dem Haus einen Geist.

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Doch ein Geist wohnt nicht in diesem Haus. Es ist Belen, der von der Eigentümerin des Hauses von einem verborgenen Zimmer erfahren hat, von dem aus man das Schlafzimmer und das Bad beobachten und belauschen kann, das aber so isoliert ist, dass kein Ton nach draußen dringt. Belen hat sich in dieses Zimmer begeben und Adrian die Botschaft hinterlassen, weil sie ihn auf die Probe stellen will.

Das Verborgene Gesicht - Hinter dicken Mauern

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Kein Geist; sondern eine gefangene Frau.
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Sie will wissen, ob er mit anderen Frauen schläft. Doch als sie sich in das verborgene Zimmer zurückzog, beging sie einen schrecklichen Fehler – sie hat den Schlüssel vergessen, mit dem allein man das Zimmer wieder verlassen kann…

Was, wenn eine Frau auf die Hilfe der Geliebten ihres Freundes angewiesen wäre? Eine interessante Frage, die in einem soliden Film umgesetzt wird.Fazit lesen

„Das verborgene Gesicht“ ist im Endeffekt die Geschichte zweier Frauen. Belen auf der einen, Fabiana auf der anderen Seite – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Das Bindeglied der beiden Frauen stellt Adrian dar. Beide tun, was sie tun, aus nur einem einzigen Grund: Weil sie ihn lieben. Die eine testet ihn, die andere ist gar gewillt, das eigene Seelenheil zu opfern, um mit ihm zusammen zu sein.

Daraus bezieht der Film seine Spannung, denn nach der ersten halben Stunde steht die Frage gar nicht mehr im Raum, ob Adrian seine Belen nun ermordet hat oder nicht. Die Polizei glaubt das, als Zuschauer ist man da ohnehin nur wenig überzeugt – schon allein des Videos wegen.

Niemand ist unschuldig

Ist man völlig unvorbereitet, hat weder den Trailer gesehen noch die offizielle Plot-Synopsis gelesen, dann entdeckt man zusammen mit Fabiana dieses unheimliche Haus. In diesen Momenten fragt man sich, was sie eigentlich wahrnimmt, denn ganz offenbar ist etwas in diesem Haus.

Andrés Baiz, der nicht nur die Regie führte, sondern auch am Drehbuch mitschrieb, war wohl bewusst, dass dieses erste Drittel auf zweierlei Arten funktionieren muss: Für die Eingeweihten und für die, die bereits wissen, worum es im Film wirklich geht.

Gehört man zu letzteren, dann ist das erste Drittel keineswegs spannungsarm. Baiz nimmt eine Lektion auf, die Alfred Hitchcock einst lehrte: Suspense ist immer effektiver als Schock. Lässt man eine Bombe unter einem Tisch explodieren, sind die Zuschauer überrascht und erschreckt, zeigt man aber dem Publikum die Bombe und lässt danach Menschen an diesem Tisch ein Gespräch führen, steigert sich die Spannung ins Unendliche.

Das Verborgene Gesicht - Hinter dicken Mauern

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Gefangen und vergessen?
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Nach diesem Verfahren funktioniert auch „Das verborgene Gesicht“, und das noch mehr, als die Geschichte im zweiten Drittel in die Vergangenheit zurückkehrt und zeigt, wie und wohin Belen verschwunden ist.

Im letzten Drittel überlappen sich die Ereignisse dann – Momente aus dem ersten Drittel werden ergänzt und erhalten neue Bedeutung.

„Das verborgene Gesicht“ – ein in seiner Mehrdeutigkeit recht effektiver Titel – lebt von drei Figuren, die allesamt recht normale Menschen darstellen, aber nur wenig positives Identifikationspotenzial besitzen. Denn ein jeder von ihnen hat Schwächen, die verhindern, dass man wahre Sympathie empfinden kann.

Das Verborgene Gesicht - Hinter dicken Mauern

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Tröstet sich mit einer Geliebten über das Verschwinden seiner Frau hinweg.
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Sympathie gibt es anfangs noch, doch dann erhält die Fassade Risse. Man kann, wenn man so will, das verborgene Gesicht darunter erkennen, die wahre Fratze, die einem jeden von ihnen gemein ist. Denn die Handlungen der drei Protagonisten sind geprägt von Selbstsucht, Misstrauen und Rücksichtslosigkeit.