Das Schwarze Auge kennt vermutlich jeder. Entweder in seiner Urform als deutschtümliches Pen-&-Paper-Rollenspiel oder von einer der zahlreichen digitalen Varianten des Rollenspiels. Aber könnt ihr euch auch vorstellen, per klassischem Point-and-Klick auf Abenteuer in Aventurien zu ziehen?

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Dank Daedalic ist dies demnächst möglich. Die gefeierte Adventure-Schmiede (The Whispered World, Edna bricht aus) bastelt derzeit an einem entsprechenden Spiel, in dem ihr euch als Aventurier durch ein atmosphärisches Abenteuer klickt.

Aber geht das überhaupt? Ein Adventure im DSA-Universum? Schließlich handelt es sich beim Schwarzen Auge um ein mehr oder weniger heroisches Fantasy-Rollenspiel – mit Schwert und Zauberstab geht es gegen Orks und Dämonen, und unzählige spannende Geschichten warten in den Städten, wilden Landschaften und vereinzelten Dungeons auf tapfere Helden.

Sicherlich lässt sich der Rätselaspekt eines Rollenspiels ganz hervorragend in einem Adventure abbilden, und auch der hohe Stellenwert von Story-Telling und Atmosphäre sind den beiden Genres gemein. Daedalic wählt dafür eine 2D- und 3D-Mischung aus gezeichneten Hintergründen, animierten Figuren und in künstlerischen Holzschnitt-Stil gehaltenen Zwischensequenzen. Alles ist in braun-gelben Tönen gehalten, die schon wieder die für Daedalic fast handschriftlich zu nennenden Schwermut erahnen lassen, die The Whispered World oder auch A New Beginning so einzigartig machte.

Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten - Point and Click in Aventurien

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Das schwarze Auge als Point & Click statt RPG.
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Auch das Thema Kampf gehört zum Schwarzen Auge, wobei es natürlich auch genug Rollenspieleinsätze ohne blutige Auseinandersetzungen gibt. Im Point-&-Klick-Milieu herrscht aber nun üblicherweise Frieden, und Schwerter sprechen dort äußerst selten. Entsprechend ist der Held aus Satinavs Ketten ein junger Magie-Dilettant mit Namen Geron, der Kämpfen und Action überhaupt tunlichst aus dem Weg geht. Gestorben wird also im Spiel nicht, und an dem Orkheer kommen Geron und sein Sidekick, die Fee Nuri, vorbei, indem sie die Orks nach bester Adventure-Manier mit einem komplexen Plan austricksen.

Endgültig an die Grenze des Adventure-Genres stößt man aber, wenn es um nichtlineare Lösungsstrategien für Probleme und einen nicht deterministischen Spielverlauf geht. Denn geht es nicht genau darum in einem Rollenspiel? Eine Rolle zu spielen, seinen eigenen Weg zu gehen und sich – zumindest in gewissen Grenzen – frei bewegen zu dürfen?

Packshot zu Das Schwarze Auge - Satinavs KettenDas Schwarze Auge - Satinavs KettenErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Sei es bei einfachen Entscheidungen, wie die Ausrüstung zu wählen oder Fähigkeiten zu steigern, oder bei komplexeren Überlegungen wie der Wahl des eingeschlagenen Weges, eines Bündnispartners oder der Herangehensweise an Probleme: Rollenspiel bedeutet Freiheit. Das alles fällt in einem Point-&-Klick-Adventure natürlich unter den Tisch. Das Genre bedingt eine Linearität – alternative Handlungspfade oder gar eine offene Spielwelt sind quasi Dinge der Unmöglichkeit.

Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten - Point and Click in Aventurien

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Daedalic ist bekannt für einen stimmungsvollen Zeichenstil.
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Das soll nicht als Kritik am Genre missverstanden werden. Selbstverständlich steht das Adventure für seine ganz eigene, oft sehr intensive Spielerfahrung, die natürlich in dem Spielemarkt ihre Rechtfertigung hat. Und wenn es eine Firma gibt, die in der Vergangenheit immer wieder ihr Fingerspitzengefühl für atmosphärische Adventures bewies und es verstanden hat, meisterhaft Geschichten und Emotionen darin zu verpacken, so ist das Daedalic.

Insofern kann man auch ziemlich beruhigt sein und einige Wetten darauf abschließen, dass Satinavs Ketten bei den DSA-Enthusiasten im Hause Deadalic gut aufgehoben ist und mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein sehr, sehr anständiges Adventure und kein Koboldgeschenk werden wird.

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Die klassischen Adventure-Dialoge lassen keine Entscheidungsfreiheit.
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Das sieht man auch daran, dass man sich bei Daedalic die größte Mühe gibt, den Hintergrund mit Samthandschuhen anzufassen um die eingefleischten DSA-Fans nicht zu verprellen. In enger Zusammenarbeit mit der DSA-Redaktion wurde die Stadt Andergast als Handlungsort gewählt, ein verschlafenes Nest, in dem so gut wie nie etwas passiert und das bislang noch keine wichtige Rolle in Aventurien spielt.

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Dort also bekommt es Geron es mit einer düstere Prophezeiung und einer Krähenplage zu tun, versucht, auf einem Stadtfest eine Audienz beim Fürsten zu ergattern und zieht los, um zu beweisen, dass er nicht, wie es einst hieß, „großes Unglück“ bringen wird.