Seit seinem ersten Erscheinen im Jahre 1984 ist »Das schwarze Auge« das erfolgreichste deutsche Pen&Paper-Rollenspiel. Auch auf dem PC hatte die Serie Anfang bis Mitte der 90er einen beachtenswerten Auftritt hingelegt - zu einer Zeit, als Rollenspiele noch aus komplizierten Regelwerken, endlos und immer gleich erscheinenden Labyrinthen und rundenbasierten Kämpfen bestanden.

Mit »Drakensang« möchten die Berliner Entwickler Radon Labs der Vielschichtigkeit der Vorlage gerecht werden und die Serie gleichzeitig in die Neuzeit hieven. Dass das mehr als gelingen dürfte, davon konnten wir uns auf der Games Convention persönlich überzeugen.

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Let's have a Party
Schon ein erster Blick auf »Drakensang« genügt, um zu erkennen, dass der Rollenspiel-Titel sich nicht nur zu seinen Pen&Paper-Wurzeln bekennt, sondern auch seine Vorbilder klar definiert: »Zwar spielen wir bei Radon Labs auch gerne Titel wie Oblivion oder Gothic«, gibt Creative Director Bernd Beyreuther im Interview zu, »doch sind wir einhellig der Meinung: Zu einem richtigen Rollenspiel gehört einfach eine Party.«

Das Schwarze Auge: Drakensang - Die Rückkehr des Rollenspiels: Drakensang wandelt auf den Spuren von Baldurs Gate und Co.

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Wie in einem Gemälde von Caspar David Friedrich: Wanderer und Burg.
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Dem entsprechend habe man sich beim Design vor allem am Klassiker »Baldur's Gate« und dessen dynamischem Gruppenverhalten mit Kabbeleien, Intrigen und Liebschaften innerhalb der eigenen Mannschaft orientiert. Bis zu vier Mitglieder kann der Spieler in »Drakensang« in seine Party aufnehmen. Zudem ist Platz für einen temporären Gast, sowie eine beschworene Kreatur. Wächst euch euer Heldenverein zahlenmäßig über den Kopf, könnt ihr nicht benötigte Party-Mitglieder in eurem Zuhause »parken«, das sich mit dem nötigen Kleingeld erwerben lässt.

Bei so viel Teamwork brennt uns selbstverständlich die Frage nach einem Multiplayer-Modus, speziell einem Koop, auf den Nägeln: »Koop war eine Sache, die ganz oben auf unserer Wunschliste stand«, bestätigen die Entwickler. Allerdings würde es ein solcher Modus aus Zeitgründen nicht mehr ins Spiel schaffen. »Wir nehmen ihn uns aber ganz fest für einen möglichen zweiten Teil vor.« Soviel zu unserer nächsten Frage auf der Liste - die nach dem Nachfolger…

Packshot zu Das Schwarze Auge: DrakensangDas Schwarze Auge: DrakensangErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

You gotta fight for your right, Party!
Auch bei den Kämpfen sind Anlehnungen an BioWare-Titel wie »Knights of the Old Republic« und »Neverwinter Nights« unübersehbar: Ihr schickt eure Mannen in 3D und Echtzeit gegen üble Gesellen wie Orks und Oger, seid aber jederzeit in der Lage das Geschehen zu pausieren, um Befehle oder ganze Befehlsketten zu vergeben.

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Diese Gesellen waren aber nicht zu unserer Party eingeladen...
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Besonderes Augenmerk legte man bei Radon Labs auf das Ausrüsten der Charaktere: »Das Jagen und Sammeln nach Gegenständen hat sich in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Features von Rollenspielen entwickelt«, präsentiert Beyreuther stolz den Charakterbildschirm. »Und das Schwarze-Auge-Universum bietet uns schier unendlich viele Möglichkeiten, um uns in dieser Hinsicht auszutoben.« Drakensang werde wie eine Art »Barbie Fashion Designer« für große Jungs, fügt er schelmisch hinzu.

Apropos Orks: Anfängliche Befürchtungen der Fans, die Radon Labs könnten sich zu viele künstlerische Freiheiten herausnehmen und etwa grünhäutige Bösewichte abliefern, schieben die Entwickler einen Riegel vor. Man halte sich sklavisch an die Vorgaben der Pen&Paper-Originale. Schließlich arbeiten vier professionelle »Das schwarze Auge«-Autoren am Skript des Spiels mit. Über 1.000 Seiten haben die Spezialisten für die Story zu Papier gebracht.

Adventures in Aventurien
So viele Originaltreue kann zum Unmut der Spieldesigner auch schon mal in Arbeit ausarten: Da jeder noch so kleine Winkel von Aventurien in den Regelwerken der Vorlage bis ins letzte Detail genau beschrieben ist, mussten die Levelgestalter so manche Überstunde einlegen, um alles haarklein im Spiel abzubilden. Bei Städten mit zum Teil über 3.000 Einwohnern machte dies Berufsethos wahre Kraftakte notwendig.

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Die typisch deutsche Fachwerk-Architektur ist den Entwicklern hervorragend gelungen.
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Die Mühe hat sich allerdings gelohnt: Aventurien unterscheidet sich auf erfreuliche Weise von dem Fantasy-Einheits-Look, der sich im Gros der Rollenspiele eingeschliffen hat: »Wir wollten bewusst weg vom angelsächsischen Fantasy-Szenario, das durch Tolkiens Herr-der-Ringe-Trilogie zu einer Art Standard im Genre geworden ist«, begründet Beyreuther die ambitionierten Bemühungen. »Das schwarze Auge ist ein deutsches Rollenspiel, und daher orientieren wir uns an deutscher mittelalterlicher Architektur.« Besonders beim thüringischen Fachwerk habe man sich das Aussehen der Gebäude abgeschaut. Wir meinen: Sehr gelungen!

Trotz der Detailverliebtheit der Designer: Ganz Aventurien hat es natürlich nicht ins Spiel geschafft. So zaubert die Engine zwar eine enorme Weitsicht auf den Bildschirm, selbst die fernen Berge am Horizont sind dort, wo Kenner der Vorlage sie erwarten würden. Doch dorthin reisen könnt ihr nicht. Das Spiel beinhaltet nur ausgewählte Locations wie Städte und deren Umland, kommt allein damit aber schon auf eine Größe, die sich hinter der Rollenspiel-Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Auf einer übersichtlichen Map wählt ihr bei Fernweh euer nächstes Reiseziel an und begebt euch automatisch dorthin - es sei denn, Wegelagerer fangen eure Reisegruppe ab und fordern euch zum Kräftemessen heraus…

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Solch prächtige Landschaften zaubert die Nebula Engine.
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Für die gelungene Optik des Spiels sorgt die hauseigene Nebula Engine. Ungewöhnlich: Statt den mächtigen Grafik-Nachbrenner zu lizensieren und sich damit dumm und dämlich zu verdienen, stellen die Radon Labs ihn als OpenSource zur Verfügung. Derzeit ist »Drakensang« nach Aussage der Entwickler zu 75% fertig. Geplanter Release ist im ersten Quartal 2008.