Ein Rollenspiel aus deutschem Hause, das kann ja gar nicht gut gehen, sagt ihr? Vielleicht habt ihr Recht. Vielleicht ist Demonicon nicht das, was sich Fans von „Das Schwarze Auge“ wünschen. Vielleicht ist es einfach ein wenig zu sehr wie ein B-Movie und schlichtweg nicht konsequent genug. Vielleicht sollten es die Entwickler lassen und etwas Nützliches tun... Aber was – nur rein theoretisch – wenn dieses Spiel wirklich gut wird?

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Legende oder Lachnummer?

Der erste Eindruck kann oftmals trügen und unser Gehirn neigt dazu, uns dort schöne Dinge vorzugaukeln, wo gar keine sind. Alles sieht ein wenig schöner aus als es eigentlich ist und die Hoffnung, dass der Karren nicht nur aus dem Dreck gezogen wird, sondern anschließend in eine weiß glänzende Stadt einfährt, ist oftmals einfach zu stark.

Im Fall von Demonicon trügt jedoch nicht nur der erste Eindruck, sondern auch der zweite und dritte. Immer wenn man gerade dachte, man weiß genau, womit man es zu tun hat, trifft man geraume Zeit später auf dem nächsten Event ein und muss seine Meinung noch einmal überdenken.

Und bei Kalypsos Umsetzung des Schwarzen Auges scheint genau das der Fall zu sein. Anfangs (noch unter der Hand von TGC und Silver Style) sah der ganze Titel zu schön aus, um wahr zu sein. Und so war es ja schließlich auch: nichts als Schall und Rauch. Was dann folgte, war ein unfertiges Spiel, mit vielen Glitches, Bugs und Programmierfehlern, das es nicht recht verstand, sich zu präsentieren.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Es hat Ecken, es hat Kanten, aber es fesselt uns dennoch

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Ein neuer Hoffnungsschimmer am DSA-Himmel?
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Aber es war so voller Hoffnung, so fähig ein wirklich gutes Spiel zu werden, dass man das eine oder auch andere Auge zudrückte und sich auf das besann, was der Titel werden wollte. Man wollte der Geschichte von Cairon und seiner Schwester folgen; wie sie ihre dämonischen Kräfte erlangt haben, wie sie sich in einer düsteren Welt am Abgrund zurecht finden müssen und wie sie nach und nach in einem Strudel der Angst untergehen und einem drohenden Ende entgegen wanken.

Die Idee hinter Demonicon ist bereits zu interessant, um sich auf die negativen Aspekte der Vorschau-Version zu konzentrieren. Das düstere Reich der Schwarzen Lande, eine erwachsene und finstere Hintergrundgeschichte, viele Entscheidungsmöglichkeiten, die jedoch alle in einem Grau-Bereich liegen. Egal, welchen Weg ihr einschlagt, letztendlich ist die Welt danach genauso kaputt wie zuvor.

Packshot zu Das Schwarze Auge: DemoniconDas Schwarze Auge: DemoniconErschienen für PC und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Doch das böse Erwachen kommt stets dann, wenn wir uns zu sehr auf etwas freuen. Und die ganze Hoffnung bricht in sich zusammen und was am Ende zu sehen ist – jetzt klar zu erkennen und nicht durch den gläsernen Schleier der Erwartung getrübt – ist nichts von dem, was man sehen wollte.

Künstliches Blut, Ketchup-gleich, wie man es in billigsten Produktionen verwendet, auf einem matschigen Hintergrund, der so eine Art Höhle darstellen soll. Ein dunkler Dungeon, der zwar trotz allem recht stimmig wirkt, jedoch irgendwie das nötige Flair vermissen lässt. Gegner, einer Klon-Armee entsprungen, die euch stets mit den gleichen Attacken bearbeiten, und ein Held, der immer wieder auf die gleiche Weise antwortet: Ausweichrolle, Konter, Ausweichrolle, Konter, Ausweichrolle...

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Hässliche Gegner, dumme Bosse...
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Obendrauf, sozusagen die matschige Kirsche auf einem unappetitlichen Kuchen, gibt es noch einen Bossgegner, der nicht nur unbeschreiblich blöd aussieht, sondern diese Vermutung auch noch durch seine Handlungen, seine ganze Körpersprache, untermalt. Generell sind die Bewegungsanimationen so schlecht gelungen, dass einem erst nach vielen Minuten auffällt, wie einfallslos die Gegner aussehen, wie plump sie agieren. Nein, der Blick ruht zu allererst auf der affenartigen Bewegung von Cairon; so schlecht, dass sich viele das Lachen nicht mehr verkneifen konnten.

Hässlich, aber bewegend. Demonicon könnte trotz aller Fehler ein wirklich tolles Spiel werden.Ausblick lesen

Damit dürfte dann wohl alles gesagt sein. Die Hoffnung ist zerplatzt und in der Enttäuschung reicht es nicht einmal mehr für eine dumme Phrase über Seifenblasen und zerstörte Träume. Wie viel von dem, was man gerade gesehen hat, nun wirklich Teil des fertigen Spiels ist und was noch gefixt werden kann, ist mir egal, ich geh nach Hause und freue mich auf die nächste Umsetzung des Schwarzen Auges von Daedalic...

Zumindest dachte ich, dass es so sein würde, doch haben mich kostenfreie Getränke an Ort und Stelle gehalten und zu einer der vielen Stationen geführt, wo man selbst Hand an das Fantasy-Abenteuer legen konnte. Und erneut änderte sich meine Meinung über Demonicon. Erschreckend, welche Wege dieser Titel geht und wie er es immer wieder schafft, einen auf seine Seite zu ziehen und das, obwohl ich mit einem vorgegebenen Charakter durch schlauchartige Höhlen wandern muss...

Entscheidungen, Entscheidungen...

Wir haben hier also ein Spiel, dessen Hintergrundgeschichte auf der einen Seite recht unterhaltsam erscheint und durchaus Potenzial hat, um Fans von „Das Schwarze Auge“ in seinen Bann zu ziehen, aber auf der anderen Seite so schrecklich banal wirkt, als wolle man das Spiel nicht nur Hardcore-DSA-Fans ans Herz legen, sondern gänzlich neue Spieler damit für sich gewinnen – unerfahrene Spieler, ohne hohe Ansprüche.

Die Grafik ist gleichzeitig der zweite Faktor, der nicht so recht weiß, wohin er will. Da haben wir diese wunderschöne Stadt, mit ihren alten Fachwerkhäusern und den wirklich atemberaubend schönen Gassen, in stimmungsvoll düsterer Atmosphäre... Und gleichzeitig dieses Etwas von einem Dungeon, der eben bereits erwähnt wurde; voller Fallen, die ihr ohne entsprechendes Level gar nicht sehen könnt, euch aber fast alle Lebensenergie rauben, und dümmlichen Monstern, die stets mit der gleichen Attacke nerven kommen.

Aber genau dort liegt auch der Casus Cnactus, wenn es um die Frage der Qualität geht, die Demonicon zu bieten hat. Auf den ersten Blick kann man sich zu so gemeinen Äußerungen, wie gerade eben über die Grafik und die Story, hinreißen lassen, doch wird man dem Spiel damit nicht gerecht. Hinter der Fassade, die im ersten Moment so unfertig, so hässlich wirkt, liegt ein viel tiefgreifenderes Spielerlebnis.

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Hässliche Grafik, aber viel dahinter. Demonicon ist mehr, als es scheint.
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Klar, man kann auch sagen, dass das Spiel halt noch längst nicht fertig ist und sobald es auf den Markt geworfen wird, erstrahlt der ganze Titel in einem umwerfenden Glanz. Man könnte aber auch realistisch bleiben. Demonicon beweist nämlich immer wieder, dass es auf den ersten Blick keine Schönheit ist.

Da haben wir zum einen die actionreiche Steuerung, die von euch meist nur verlangt, den unglaublichen Massen von Gegnern auszuweichen, zu kontern und so nach und nach die kleineren Schergen zu erledigen und durch ihre Essenz die Möglichkeit zu gewinnen, mächtige Zauber vom Stapel zu lassen. Nur mit solch imposanten Attacken lassen sich die größeren Bosse legen.

Kein sehr einfallsreiches Spielprinzip, jedoch musste ich zugeben, dass meine Widersacher ordentlich knackig waren und trotz der sich stetig wiederholenden Aktionen ein Anflug von Ehrgeiz in mir aufstieg, diese Kolosse zu legen.

Auf der anderen Seite gibt es dann noch die Fertigkeiten, die in Demonicon mehr als überschaubar bleiben. Keine komplexen Bäume, die ihr immer weiter ausbauen könnt, bis man am Ende den Helden des einen Spielers nicht mehr von dem des anderen unterscheiden kann. Nein, stattdessen gibt es Kampf- und Waffenfertigkeiten, Alchemie und Wahrnehmung.

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Storytechnischer Tiefgang, gameplaytechnischer Sturzflug...
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Diese halten sich auch noch so rigoros an ihre Werte, dass es sich beim kleinsten Schlösserknacken oder Pflanzensammeln nicht um das Ergebnis eines mehr oder weniger glücklichen Würfelwurfs handelt, sondern schlichtweg um den Abgleich des vorgegebenen Wertes und dem, den ihr euer eigen nennt. Braucht ihre eine Fähigkeit auf Level 8, um etwas zu bewerkstelligen, habt ihr keine Chance, es auf Stufe 7 zu schaffen, erledigt es aber automatisch mit Bravour, sobald ihr den richtigen Wert habt.

Also was ist es, das Demonicon trotzdem in einem warmen Licht erstrahlen lässt? Warum macht es trotzdem Spaß, sich durch die überfüllten Dungeons zu prügeln, die hässlichen Klon-Gegner zu erschlagen und die dümmlichen Endbosse zu legen? Warum tue ich mir freiwillig ein Spiel an, das von mir verlangt, immer und immer wieder die gleichen vier Aktionen vom Stapel zu lassen, wo doch andere Titel viel mehr zu bieten haben?

Und genau hier setzt der Zauber von Demonicon ein, für den man nicht einmal ein Kenner des Schwarzen Auges sein muss. Denn auch wenn die Dungeons und Höhlen nicht die schönsten sind, so ist doch die Stimmung die richtige. Auch wenn Cairon läuft, als hätte er einen schlimmen Hüftschaden, so macht es dennoch Spaß, die Gegend zu erkunden und die alten Ruinen zu untersuchen.

Hinzu kommt die wirklich schöne Idee, einer sehr düsteren Welt, mit sehr finsteren Bewohnern. Wer nicht euer Feind ist, lebt meist ein Leben in den Schatten, ist am Ende und kann ohne Hilfe nicht mehr lange überleben. Das spiegelt sich in euren Quests wieder, die meist nur die Wahl zwischen einer schlimmen Entscheidung, oder einer noch viel schlimmeren zulässt. In ihrer Andersartigkeit so einfallslos, wie bei den meisten RPGs, doch trotzdem irgendwie... fesselnd.

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Wieso ist immer das Gleiche tun so fesselnd?
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Die Tatsache, dass es mehr als genug zu tun gibt und der Held sich selbst nicht so ganz als genau das sieht... Selbst nach kurzem Anspielen habe ich eine große Zahl von Entscheidungen treffen müssen, habe die Welt des einen Bauern ein klein bisschen besser gemacht und die des anderen zerstört. So viele Entscheidungen, so viel zu tun.

Und am Ende könnt ihr die Tatsachen, zu denen euer „heldenhaftes“ Eingreifen geführt hat, auch miterleben. Sei es die Mutter, die euch den Tod ihres geliebten Kindes vorwirft, oder der Menschenfresser, den wir am Leben gelassen haben, um andere zu retten, und der nun zurückkehrt und blutiger wütet als je zuvor...

Ja, Demonicon ist kein schönes Spiel und es hat vielleicht mehr Ecken und Kanten als ihm gut tut. Doch es ist ein ehrliches Spiel und es zieht einen in seinen Bann. Die Welt will erkundet werden und man möchte einfach wissen, was als nächstes passiert. Hoffen wir, dass noch viele Verbesserungen diesen Titel erreichen und er bis zum Release würdig die Aufschrift „Das Schwarze Auge“ tragen kann. Doch so oder so: Demonicon wird alles andere als ein schlechtes Spiel; sofern man bereit ist, sich auch mal an einer der Kanten zu schneiden, ohne wutentbrannt die Disc um sich zu werfen.