"Seht euch doch an. Los, Leute, seht euch um. Oh, Bürger von Aventurien, man hat euch reingelegt. Veräppelt. Übel vergackeiert. Lauft Amok. Wir sind nicht auf den Wäldern von Aventurien gelandet. Nein, die Wälder von Aventurien sind auf uns gelandet".

Das Schwarze Auge: Demonicon - Launch Trailer2 weitere Videos

"Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht"

So oder so ähnlich hätte es wohl Hatschi ausgedrückt, wenn er erfahren hätte, was Silver Style den DSA-Fans alles versprochen hat und auf welchen Trümmern die Noumena Studios jetzt aufbauen müssen. Diese haben sich des Rollenspiels nämlich angenommen, sind durch die Ruinen der Entwicklerträume gewandert und haben sich einmal die Wandgemälde und kunstvollen Ideen ihrer Vorgänger angesehen.

Nur dass es sich dabei um keine Kunst handelt, sondern um billige Kopien, gemalt auf Träumen und einem Hauch Größenwahn. Einen Multiplayer-Modus sollte Demonicon bekommen. Bis zu acht Spieler sollten die Kampagne zusammen bestreiten können. Heiraten sollte man können. Kinder bekommen, reiten, eine offene Welt erkunden, einzigartige Kämpfe bestreiten und, und, und. Nicht zu vergessen die angekündigte, bahnbrechende Rollenspielgrafik.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Demonicon ist tot! Lang lebe Demonicon!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 92/971/97
Das "alte" Demonicon war nur heiße Luft und kaltes Wasser.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Am Ende hätte es, dem Abendmahl von Da Vinci gleich, ein Kunstwerk von gigantischer Größe werden sollen. Wie unrealistisch die Ideen im Verhältnis zu den beschränkten Mitteln waren, ist scheinbar niemandem aufgefallen. Und allem Anschein nach hat auch niemand über die Konsequenzen nachgedacht, wenn von einem Spiel, das eigentlich in nicht allzu ferner Zukunft erscheinen soll, nur eine absolut unfertige Ein-Level-Version existiert, die mit sagenhaften zehn Bildern pro Sekunde läuft. Gerade genug, um Screenshots zu schießen.

Also vergessen wir den Mist, der uns vor drei Jahren noch auf einer Silberplatte serviert wurde, und hoffen auf das Beste. Und genau das will uns Noumena servieren. Aber mit realistischeren Zielen. Aus diesem Grund sprangen die Entwickler auch über ihren Schatten und präsentierten ihre unfertige Version. Trotz der Tatsache, dass das Spiel erst halbfertig ist, trotz zahlreicher Bugs, Glitches, Zombies als Lückenfüller für fehlende Dorfbewohner, unfertiger Animationen und vielem mehr.

Packshot zu Das Schwarze Auge: DemoniconDas Schwarze Auge: DemoniconErschienen für PC und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Und das alles nur, damit Demonicon nicht vergessen wird. Dass sich seine Fans noch erinnern: "Ah, da kommt ja was". Und damit sie sehen, dass das, was da kommt, tatsächlich verdammt gut werden kann.

Endlich wieder ein würdiger DSA-Titel? Wir sind gespannt.Ausblick lesen

Es ist die Geschichte von Cairon und Calandra, zwei Geschwistern, die mit ihrem Vater in die Schwarzen Lande flüchten und hier so einige Abenteuer zu bestehen haben. Das Ganze beginnt mit einem Rettungsversuch des kurzhaarigen Helden. Dieser sieht seine Schwester in Gefahr, eilt zur Rettung, schlägt die angreifende Brut zurück und versorgt die Wunden seiner engsten Verwandten.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Demonicon ist tot! Lang lebe Demonicon!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 92/971/97
Cairon: legendärer Held in spe. Man beachte die recht schöne Umgebung.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und bricht damit ein Familientabu. Denn das Blut der beiden darf sich niemals mischen, und warum, das weiß wohl nur der gute Herr Papa. Doch lassen sich Horden von Bestien schlecht abwehren, ohne auch nur den geringsten Kratzer abzubekommen. Und so passiert, was nicht passieren sollte, und in Cairon erwachen neue, dämonische Kräfte. So plötzlich, wie The Games Company Insolvenz anmelden musste, verfügt der junge Mann auf einmal über magische Fähigkeiten.

Doch welcher Natur sind sie? Blutmagie? Schwarze Magie? Oder etwas ganz anderes? Nur eines ist klar: Jedes Mal, wenn er diese Macht benutzt, wird etwas Dunkles, Bösartiges in ihm stärker und bricht durch sein Äußeres hervor. Cairons Aussehen entspricht seinen Taten. Und ob die als "gut" oder "böse" zu bezeichnen sind oder ob er sich in einem seichten, grauen Gewässer bewegt, liegt ganz in der Hand der Spieler.

Und all das wird nicht wie einst erwartet in einer "Open-World" stattfinden. Sondern sich eher auf ein System beschränken, wie es Dragon Age 2 benutzt hat. Eine große Stadt und viele kleine Orte und Dungeons, zu denen ihr reisen könnt. Bei der Größe der Hauptstadt, die wir zu Gesicht bekamen, gewiss nicht der schlechteste Deal.

Der schlimmste Weg, den man wählen kann, ist der, keinen zu wählen

Das schwarze Auge: Demonicon wird also kommen. Jedoch erst im nächsten Jahr. Denn so ein Spiel von Grund auf neu zu programmieren, das braucht seine Zeit. Doch was kann man wirklich erwarten? Vor allem, was kann man jetzt noch glauben? Um beide Fragen zu beantworten, durften wir die Alpha-Version einmal antesten... und waren hin- und hergerissen.

Wer schon einmal im trüben Wasser geschwommen ist und dort nach Schätzen Ausschau hielt, weiß vielleicht, was ich meine. Den Umfang und die Schönheit eines Spiels auch nur zu erahnen, wenn es sich in einer so frühen Phase der Entwicklung befindet, ist nichts gerade das, was man als "simpel" bezeichnet.

Und doch, erschreckenderweise und zum Glück: Es war deutlich sichtbar. Die Grafik mag unter den Umständen gelitten haben - kein Wunder bei fehlenden Animationen, unfertigen Charakteren und einer Hauptstadt, die sich noch im Aufbau befindet - aber trotz dieser Widrigkeiten konnte man erkennen, dass das Spiel echt nett aussehen wird.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Demonicon ist tot! Lang lebe Demonicon!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 92/971/97
Nicht annähernd fertig und doch schön anzusehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und damit meine ich kein Nett wie in "Och, joa, das war irgendwie ganz nett", sondern eher wie in: "Oh, ja, das sieht wirklich, wirklich, wirklich nett aus". Man konnte den Glanz unter dem Dreck erkennen, und das bedeutet doch schon eine ganze Menge.

Wie gesagt spielt der neueste DSA-Teil in den Schwarzen Landen, einem eher unwirklichen und feindseligen Ort in Aventurien. Und es ist die Mühe erkennbar, das auch einzufangen. Die Landschaft wirkt bedrohlich, fast erdrückend. Und sie ist besiedelt von den schlimmsten Kreaturen, die dieser Kontinent zu bieten hat.

Das bedeutet eine Menge Kämpfe für den jungen Cairon. Um diese zu bestreiten, greift ihr ganz klassisch auf vier Grundfähigkeiten zurück, die sich wiederum in zwei Nebenfähigkeiten aufteilen. Dadurch entsteht ein Hauch altes P&P-Gefühl, jedoch ohne anderen Menschen verschämt in die Augen zu gucken und sich zu fragen, ob man mit seiner eigenen Stimme antwortet oder diese verstellt, um wie ein Zwerg zu klingen.

Die Kämpfe sind recht actiongeladen und erinnern ein wenig an Kingdoms of Amalur. Schnell, mit netten Kombos und keineswegs wie früher angekündigt im Diablo-Stil. Zu den Gegnern gibt es bis jetzt noch nicht viel zu sagen. Liefen die in der Testversion doch teilweise orientierungslos im Kreis und suchten Gott-weiß-was bei Gott-weiß-wem.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Demonicon ist tot! Lang lebe Demonicon!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 92/971/97
Die Kämpfe sind schon recht nett, wenn auch alles andere als ausgereift.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und auch die Gegner, die etwas ausgereifter wirkten, etwa der erste Endboss, ein menschenfressender Hüne von fast drei Metern, der irgendwie völlig unerkannt unter den anderen Menschen lebte, bis plötzlich einer auf die Idee kam, dass mit dem Giganten irgendwas nicht stimmt. Dieser hatte nämlich keine wirkliche Lust, sich zu wehren, als wir stundenlang auf ihn einprügelten. Aber wie gesagt: Demonicon ist noch weit entfernt davon, fertig zu sein, also sei ihm diese Unlust verziehen.

Trotz all dieser Schwierigkeiten sieht man jedoch schon jetzt den Weg, den das Spiel einschlagen wird. Es geht um Entscheidungen in einer Welt, die keine Fehler zulässt. Es geht darum, wann und wie oft Cairon seine Fähigkeiten benutzt und welche Auswirkungen das hat. Es geht darum, das Richtige zu tun und damit vielleicht das Falsche zu erreichen. Oder genau umgekehrt. Es ist ein Spiel über Gut und Böse und den schmalen Grat dazwischen.

Töte ich den Menschenfresser, töte ich vielleicht auch viele Unschuldige. Denn mit einem unseligen magischen Band sind die Leben seiner Opfer in spe an sein eigenes gebunden. Somit bringt sein Tod der Stadt eine neue Leiche zum Abschrecken und viele jubelnde Menschen, die euch auf die Schulter klopfen. Aber auch verzweifelte Witwen und traurige Verwandte, die euch die Schuld an ihrem Unglück geben.

Oder lasst ihr ihn am Leben und hofft, dass er sich bessert. Vielleicht trefft ihr ihn dann erneut. Stärker. Wütend. Und besser vorbereitet. Wer es schafft, ihn zu überzeugen, dass seine Taten falsch, falsch und nochmals falsch waren, tut der Gerechtigkeit vielleicht nicht Genüge, findet aber einen guten Kompromiss, um die Unschuldigen zu retten.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Demonicon ist tot! Lang lebe Demonicon!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 92/971/97
Bis zum ersten Quartal 2013 müssen sich DSA-Fans noch gedulden.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei soll jede Entscheidung, die großen und die kleinen, sich auf den Spielverlauf auswirken. Erste Stufen davon durften wir bereits beobachten. Trauerplakate über die Vermissten. Der tote Menschenfresser, zur Abschreckung der Bevölkerung präsentiert. Eine Frau, die uns ihren Hass entgegenspeit, weil sie uns die Schuld am Tod ihrer Schwester gibt.

Man darf gespannt sein, inwieweit Demonicon den Ansprüchen der Fans entspricht. Aber bis jetzt darf man wohl froh sein, dass das Projekt neue Schöpfer gefunden hat. Schöpfer, die uns mehr servieren als kalte Träume und leere Versprechungen. Sondern eine liebevolle Welt und einen Titel, der dem Rollenspielgiganten DSA gerecht werden könnte.