„Frag nicht, was du in einem Videospiel tun kannst, sondern frag, was dich das Videospiel tun lässt!“ … So, nachdem wir den poetischen Teil mit dieser inhaltsleeren Blödelei abgedeckt hätten, können wir uns ja auf das Wesentliche konzentrieren: "Demonicon". Gut, schlecht und irgendwas dazwischen. Dieser „Das Schwarze Auge“-Ableger ist ein bisschen von allem und darüber hinaus auch noch ein bisschen mehr. Was das bedeutet? Seht ihr hier...

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Was das bedeutet

Hässlich, aber bewegend. Demonicon könnte trotz aller Fehler ein wirklich tolles Spiel werden.“. So haben wir im März noch über „Demonicon“ gedacht und alles in allem kann ich sagen: wir hatten Recht. Das fertige Spiel hat zwar viele Fehler ausmerzen können, bleibt in seinem Kern aber genau das, was wir erwartet haben: eine ordentliche Portion düsterer Rollenspiel-Action mit vielen Ecken und Kanten.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Hässlich, aber gut

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'Hübsch' ist wohl etwas anderes...
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Dieser Titel ist alles andere als perfekt und kann sich nicht mit solchen Giganten messen, die es vor Monaten noch rotzfrech in den Mund genommen hat; sich anschickte, den Vergleich mit der Keule zu schwingen und ernsthaft der Meinung war, jemand würde ernstzunehmende Konkurrenz für den Witcher erwarten und erhoffen.

Doch wenn man sich durch die ersten Stunden geboxt hat, viele schlimme Dinge über sich ergehen ließ und dem Abgrund gegenüber trat, um dem nackten Grauen direkt ins Angesicht zu lachen, dann wurde man entsprechend belohnt. Die sprichwörtliche Perle versteckt sich nicht einmal in Detail, sondern in der Liebe zu einer Welt; der Welt von „Das Schwarze Auge“.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Hässlich, aber gut

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... Dafür voller Liebe zu seiner Spielwelt.
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Nein! Nein, davon wollen wir definitiv weniger sehen

Beginnen wir, wie es das Spiel selbst auch tut: mit dem Schlimmsten. Circa die ersten vier Stunden des Spiels werdet ihr mit einer gewaltigen Menge an Müll überschüttet, die nicht wenige Menschen in die Flucht treiben könnte. Theoretisch ist es möglich, schon ab diesem Zeitpunkt die schönen Dinge zu entdecken, doch das wäre, als würde man im trüben Wasser mit einer verschmutzten Taucherbrille nach Schätzen am Meeresboden suchen.

Schlauchartige Dungeons führen uns zu Beginn von Punkt 'A' zu Punkt 'B' und überfallen uns alle paar Meter mit einigen Gegnern, die so automatisch, so angepasst angreifen, dass wir uns wie ein Rädchen im Getriebe fühlen. Besiegen wir sie, öffnet sich der nächste Gang. Wir folgen. Neue Gegner. Nächster Gang. *gähn*

Wer hätte das gedacht? Dieses Spiel verdient durchaus Aufmerksamkeit!Fazit lesen

Unser Held, Cairon, prügelt sich mit stupidem Geklicke durch die Horden und macht dabei eine äußerst hölzerne Figur. So muss sich ein Scharfschütze fühlen, wenn er einen Shooter mit Auto-Aim spielt; ungelenk, aber irgendwie ganz von alleine, springt der Krieger von einem Gegner zum nächsten und zerlegt diese nach allen Regeln der Kunst.

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Massen an witzlos einfachen Gegnern.
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Wirklich etwas dazu beigetragen habe ich nicht, außer die Maus ein wenig zu bewegen und zu klicken, als ob es kein Morgen gäbe. Den Rest macht Cairon und sorgt dadurch dafür, dass ich selbst nach einigen Stunden das Gameplay noch nicht so recht begriffen habe.

Später kommen noch einige mächtige Zauber hinzu, die in normalen Kämpfen, in denen ich einfach nur Unmengen an Witz-Gegnern niederdresche, eigentlich recht sinnlos sind; zumindest zu Beginn des Spiels. Obendrauf gibt es ein schrecklich unübersichtliches Menü, welches mir die Fähigkeiten des Hauptcharakters entgegenwürgt und zuzurufen scheint: „Hier! Mach was!“ Ja. Aber was? Alles springt mir entgegen – wirr und warr – und lässt Übersichtlichkeit vermissen.

Erklärungen sind rar, Verständnis kommt erst später auf. Zu Beginn des Spiels fühle ich mich einfach nur erschlagen: von altbackenen Schlauch-Leveln ohne Tiefgang, plumpen Endbossen mit hässlichen Fratzen, aufploppenden Texturen, die mich zu verhöhnen scheinen, eine Hintergrundgeschichte, die in den ersten Stunden so undurchsichtig ist, dass ich sie fast ignoriere...

Wenn es doch mal einen alternativen Weg gibt, ist er mit Fallen übersät und ich soll diese deaktivieren: mit einem plump an der Wand angebrachten Mechanismus, den ich nur bedienen kann, wenn mein Wert als „Grobschmied“ exakt der geforderten Vorlage entspricht oder höher ist. Prozentuale Chancen gibt es nicht, 'Versuchen' ist nicht... Ich kann nicht einmal eine Blume pflücken, wenn ich nicht wenigstens einen Wert von '1' in „Heilkunde“ habe.

Das Schwarze Auge: Demonicon - Screenshots zur PS3-Version

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Ja! Ja, davon wollen wir unbedingt mehr sehen

Ihr seht, am Anfang habt ihr eine Menge Schutt, den ihr aus dem Weg räumen müsst. Eure Charaktere haben Stimmungsschwankungen und wissen oft nicht so recht, welche Laune sie gerade an den Tag legen sollen, weswegen es mehr als schwer fällt sich mit Cairon zu identifizieren.

Und das liegt ganz sicher nicht nur an seiner äußerst rüden Art, die ihn in den ersten Stunden ziemlich unsympathisch macht, sondern auch in seinem Verlangen, die eigene Schwester aufs Bett zu werfen und eine ganz andere Art von Rollenspiel auszuleben. Pfui.

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"Cairon und Calandra sind allein im Wald..." *hust*
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Doch damit hätten wir bereits ein Thema angesprochen, welches den Beginn eines kleinen Lobliedes einstimmt. Denn wie viele Spiele kennt ihr noch, die sich so wenig daraus machen, den Spieler mit Glück und Erfolg zu überkotzen und stattdessen lieber einen anderen, düsteren und durchweg finster angehauchten Weg zu gehen?

Inzest, Mord, Vergewaltigung, Leichenschändung und der pure Horror. „Demonicon“ hat eine gewagte Geschichte und nimmt nie ein Blatt vor den Mund. Es ist dunkel, bedrohlich und vermag es, jeden, der sich darauf einlässt, in seinen Bann zu ziehen. Cairon ist kein Held: seine Liebe verboten und seine Kräfte verdorben.

Er prügelt sich durch die Ereignisse, wird wie eine Schachfigur über das Spielbrett gejagt und kann eigentlich zu keiner Sekunde behaupten, dass es nun endlich besser wird. Jede Entscheidung, die er trifft, hat einen Hauch von „Gut“, aber dafür auch ganz viel „Sche***“. Äh. „Schlecht“.

Zusätzlich wird das Spiel mit einer gewaltigen Menge Wissen über die Welt und die Ereignisse in „Das Schwarze Auge“ durchzogen, dass selbst der Hardcore-Fan noch etwas lernen kann. Massen an Texten, Tagebüchern und Erzählungen, erschaffen ein großes Ganzes, welches es locker mit Großkalibern wie „The Elder Scrolls“ aufnehmen kann.

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So viel Wissen, dass man zum "DSA"-Experten werden könnte.
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Aber neben der interessanten Welt und seinen unzähligen Anekdoten gibt es auch noch eine recht spannende Geschichte, die sich mit Cairon und seiner Schwester Calandra beschäftigt. Bis diese richtig Fahrt aufnimmt vergehen leider einige Stunden, in denen man sich quält und zwingt weiter zu spielen, doch am Ende soll es nicht zu euren Ungunsten gewesen sein.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken und die nervigen NPCs zu ignorieren, die gefühlt alle zwei Sekunden den gleichen nervigen Satz vom Stapel lassen, habt ihr einige sehr interessante Charaktere, die ihr ausfragen könnt und welche euch mit noch mehr Wissen bombardieren. Im Gegensatz zu vergleichbaren Spielen hörte ich diesen Gesellen auch stets gerne zu, denn ihre Synchronsprecher haben einen verdammt guten Job erledigt.

Gleichzeitig zieht sich durch das ganze Spiel ein düsterer, melancholischer Soundtrack, der nicht nur perfekt in diese Welt passt, sondern auch in meinen Gehörgang. Das gleiche gilt für die guten Kampfeffekte. Schade, dass in beiden Fällen Umfang vermisst wird.

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Wo guckst du denn so steif hin?
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Habt ihr euch lange genug in der Welt von Demonicon aufgehalten, um die positiven Lichtstrahlen euer Gesicht wärmen zu lassen, so wird euch auch schnell etwas anderes auffallen: das Kampfsystem (immer noch unübersichtlich und schrecklich steif) beginnt zu erblühen und eine gewisse Tiefe vermuten zu lassen.

Neue Fähigkeiten, Magie und Möglichkeiten machen aus den langweiligen und viel zu einfachen Kämpfen wenigstens ein kleines Erlebnis und ziehen den Karren zu einem kleinen Teil noch einmal aus dem Dreck. Das System „Töte Handlanger, um Magie aufzufüllen und erledige damit den Obermotz“ wird zwar nicht viel spannender und bleibt höchstens in der Mittelmäßigkeit, aber im Zusammenspiel mit den anderen Pro-Argumenten ergibt sich am Ende doch ein recht ordentliches Ergebnis.

Das Schwarze Auge: Demonicon - GDC-Screenshots zum Rollenspiel

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