Was dem amerikanischen Nerd sein "Dungeons & Dragons", das ist dem Deutschen sein "Das Schwarze Auge". Mit Kumpels an einem Tisch zu sitzen, sich Abenteuer auszudenken, zwanzigseitige Würfel zu rollen und die eine oder andere Zunge zu verknoten bei Sprüchen wie "Fulminictus Donnerkeil" oder "Ignifaxius Flammenstrahl" - solche Erinnerungen sind für begeisterte Rollenspieler unbezahlbar.

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Auch bei Daedalic Entertainment dürften einige Mitarbeiter glasige Augen bekommen, wenn sie an derartige Pen-and-Paper-Spieleabende zurückdenken. Dass die Entwickler in Hamburg ihr Aventurien kennen, hat Daedalic zuletzt mit "Das Schwarze Auge: Memoria" eindrucksvoll bewiesen. Nicht nur für Fans ist das Adventure ein Pflichtkauf, auch Einsteiger können bedenkenlos zugreifen.

Das Schwarze Auge: Blackguards - Fantasy mit Fantasie: Fantastisch!

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Friss meinen Flammenstrahl! In diesem Kampf müsst ihr auf den Feind im Hintergrund achten - der läuft eilig zur Alarmglocke, sobald ihr auftaucht.
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Doch jetzt wagt sich das Studio mit "Blackguards" auf gefährliches, weil ungewohntes Terrain: Kein Adventure, sondern ein waschechtes rundenbasiertes RPG soll der Titel werden. So richtig mit Sinnesschärfe, verpatzten Zaubern, Niederschlag mangels Selbstbeherrschung, Initiative und anderen Werten, die vom Würfelglück hinter den Kulissen abhängen. Jep, auch sterben kann man. Heilige Nordlandtrilogie, dass ich das nochmal erleben darf.

It's the Handlung, stupid!

So ganz von ihren Wurzeln mögen sich die Adventure-Profis von Daedalic freilich nicht verabschieden. Der Plot steht bei 'Blackguards' eindeutig an erster Stelle. Dahinter folgen in einigem Abstand die rundenbasierten Kämpfe. Der Rest der Präsentation fällt unter das Adjektiv "spartanisch".

Das merkt man schon bei der Charakter-Erstellung. In der Preview-Fassung erlaubt der Editor nur die Wahl zwischen Krieger, Magier und Jäger. Das Geschlecht steht euch frei, das Volk jedoch nicht: Ihr spielt als Mensch. Die Wahl eures Aussehens beschränkt sich auf eine Handvoll vorgerenderter Optionen - nicht viel Individualität, wenn man die üppigen Möglichkeiten anderer RPGs gewohnt ist.

Packshot zu Das Schwarze Auge: BlackguardsDas Schwarze Auge: BlackguardsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Interessanterweise wirkt sich das Geschlecht offenbar nur wenig auf die Story aus, soweit ich das beim Ausprobieren feststellen konnte. Die Stimme während der Dialoge und die Anrede in den Texten wurden weiblich. Auch die Klassenwahl scheint keine Rolle zu spielen. Der Plot und die Kampfgefährten, die sich euch im Verlauf des Abenteuers anschließen, bleiben gleich.

Wer braucht schon Grafikpracht? Ich hab Fantasie!Ausblick lesen

Ihr beginnt euer Abenteuer mit einem Gefängnisausbruch, nachdem man euch des Mordes an einer Prinzessin beschuldigt hat. Euer Charakter weiß selbst nicht so recht, was eigentlich Sache ist, und kommt dem Plot um Freundschaft und Verrat erst allmählich auf die Spur - auf der Reise in den Süden Aventuriens erwarten euch einige Plot-Twists, garniert mit allerlei Nebenquests und interessanten Schauplätzen, soviel ist sicher.

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So düstere Szenarien ist man von Daedalic nicht unbedingt gewohnt - die DSA-Fans freuen sich.
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Allerdings bewegt ihr euch nicht in einer ausgefeilten 3D-Welt oder ähnlichem. Ein paar Indiana-Jones-mäßige Linien auf einer Weltkarte hier, ein paar schematisch verbundene Punkte auf einer Gebiets-Übersicht dort, mehr ist nicht. Kommt ihr in eine Stadt oder betretet handlungstechnisch relevante Räume, werden euch gerenderte Standbilder mit ein paar verstreuten Animationen vorgesetzt, auf denen ihr über Icons Aktionen durchführt, mit NPCs redet oder handelt. Nicht gerade viel, aber passt dennoch zum Szenario - immerhin sind es gestandene Pen-and-Paper-Fans gewohnt, ihre Fantasie in solchen Dingen zu bemühen.

Sechs Ecken braucht das Rollenspiel

Trotz der minimalistischen Präsentation folgt man nach kurzer Eingewöhnung gebannt der Handlung. Die Autoren verstehen ihr Handwerk. Sämtliche Bildschirmtexte wurden auf Deutsch vertont, wobei die Sprecher schon in der Preview-Fassung einen ordentlichen Eindruck hinterlassen - wenn man von ein, zwei Ausreißern absieht.

Die auffallend häufig eingestreuten Zwischensequenzen und sporadische Dialogoptionen nehme ich positiv zur Kenntnis, auch wenn die Renderqualität sehr zu wünschen übrig lässt - optisch seit zehn Jahren altbacken, dafür gut geschriebene Texte, die sogar für gelegentliche Schmunzler taugen ("Das sind nicht die Druiden, die wir suchen").

Die Menüs für Inventar und Charakterentwicklung sollten keine allzu hohe Hürde für passionierte Rollenspieler darstellen. Außerhalb des Kampfes dürft ihr bis zu drei Waffensets zurechtlegen und euer Inventar verwalten (auf die maximale Tragekapazität achten), eure Statuswerte, Zauber und Waffenfähigkeiten mittels verdienter Abenteuerpunkten steigern und müsst gelegentlich rasten, um eure Gesundheit wiederherzustellen.

Die Kämpfe finden in 3D aus einer halb-isometrischen Sicht statt, die sich bis zur Vogelperspektive verschieben lässt. Eure Recken zieht ihr - abhängig von ihrer Initiative - über einen Spielplan aus Hexagon-Feldern. Per Rechtsklick öffnet sich ein Ringmenü, in dem ihr neben diversen Attacken, Zaubern, Waffensets und den Gegenständen aus eurem Gürtel auch Punkte wie "Sinnesschärfe" und "Interagieren" wählen dürft. Mit ersterem lassen sich Fallen und versteckte Feinde aufspüren, letzteres benötigt ihr, um Hebel zu aktivieren, Fässer und Kisten zu verschieben oder Gegenstände aufzuheben.

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Nicht zu Pferd oder zu Fuß - mittels Karte reisen wir. Die schöne Landschaft ist Sache eurer Fantasie.
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Die Interaktionen mit der Spielwelt sind ein nettes Feature, per Druck auf die V-Taste wird markiert, was sich manipulieren lässt. Da könnt ihr Wachen unter Kronleuchtern begraben, schmeißt Feinden Kistenstapel vor die Füße, öffnet Türen oder Schatztruhen, sammelt Pilze und steckt wildgewordene Waldschrate in Brand. Ich bin gespannt, was die Entwickler da noch aus dem Hut zaubern.