Schnickschnack. Zum Großteil bestehen Rollenspiele aus nichts anderem. Wenn riesige Welten damit locken, erforscht zu werden, wecken sie meist nur den müden Wandersmann statt den Entdecker. Wo alle so wie Skyrim sein wollen, sind sie am Ende nur Nordic Walking. Blackguards macht Schnippschnapp mit dem Schnickschnack und konzentriert sich auf das Wesentliche: Geschichte, Kämpfe, Rollenspiel. Basta.

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Eine Runde Sache

Während „Das schwarze Auge“ in der Regel der romantisierenden Wein-Weib-Gesang-Interpretation des Mittelalters Marke Dorffest zugeneigt ist, spielt Blackguards in einer Ausgabe davon, der man gemeinhin das „finster“ voranstellt. Mit Betonung auf „stockduster“. In jener Epoche Aventuriens gibt es kein Gut gegen Böse mehr. Hier ist jeder Schurke, Mörder, Dieb. Echte Helden sind wie der G-Punkt – man hat davon gehört, aber gefunden hat noch niemand einen.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass wir das Spiel im Folterkeller beginnen, wo wir des bestialischen Mordes an unserer Freundin verdächtigt werden. Dass wir unschuldig sind, scheint niemanden zu kümmern, sie wurde nämlich eben von einem Wolf zerfleischt, wie wir mit eigenen Augen mitansehen durften… oder doch nicht? Denn im weiteren Spielverlauf werden wir herausfinden, dass im Hintergrund eine uferlose Verschwörung ihre Fäden zieht und nichts ist, wie es zu sein scheint - wie uns Entwickler Daedalic bei einem Besuch in den gamona-Büros verriet.

Wie jetzt? Daedalic? Die mit den putzigen Adventures? Ja. Aber auch die mit der „Das schwarze Auge“-Lizenz und den beiden Fantasy-Abenteuern Satinavs Ketten und Memoria. Aber können die auch Rollenspiel? Können die 3-D-Grafik? Können die mit Skyrim und The Witcher mithalten? Wollen sie gar nicht, lautet zumindest die Antwort auf letztere Frage. Blackguards ist ein Runden-Rollenspiel, das sich mehr an der Pen-and-Paper-Vorlage orientiert als an den actionreichen Open-World-Begehungen.

Das Schwarze Auge: Blackguards - Schnippschnapp dem Schnickschnack!

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Die Rundenkämpfe funktionieren ähnlich wie in Heroes of Might & Magic.
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Im Zentrum stehen dabei die rundenbasierten Kämpfe, die denen im DSA-Klassiker der „Nordland-Trilogie“ ähneln, welche just dieser Tage neu aufgelegt wird. Iso-Perspektive, Hex-Felder, überlegtes Taktieren. So was. Heroes of Might & Magic beispielsweise funktioniert ganz ähnlich. Neben den Fähigkeiten und Zaubersprüchen eurer Partymitglieder spielt dabei vor allem auch die Umgebung eine entscheidende Rolle: Tische und Fässer stehen euch als Hindernis im Weg, können aber auch als Deckung fungieren oder im geworfenen Zustand als Waffe zweckentfremdet werden.

Ein von der Decke stürzender Kronleuchter erledigt unvorsichtige Gegner kampflos, ein aufgescheuchter Bienenstock sorgt für Panik - und wenn plötzlich der Schatten eines riesigen Drachen übers Schlachtfeld zieht, sollte man besser die feuerfeste Unterwäsche eingepackt haben.

Wie damals bei Baldur’s Gate?

Zweites Aushängeschild von Blackguards sind die Charaktere. Diese sollen eine zwischenmenschliche Dynamik entwickeln, wie man sie sonst nur aus verträumten Erzählungen ewig gestriger „Baldur’s Gate“-Fans kennt. Da die meisten Partymitglieder weniger aufgrund einer Freundschaftsanfrage, sondern in widerwilliger Zweckgemeinschaft oder als Feind meines Feindes in die Gruppe aufgenommen werden, sind sie selten gut auf uns zu sprechen, verfolgen ihre eigenen zwielichtigen Ziele und zögern nicht, uns zu hintergehen, sobald sich die Möglichkeit dazu bietet.

Zwei davon lernen wir gleich zu Beginn kennen: Ein Zwerg rettet uns aus dem eingangs beschriebenen Folterkeller – nicht, weil wir ihm so sympathisch sind, sondern weil er im Duett seine Ausbruchchancen steigen sieht. Wir erhöhen kurz darauf auf ein Trio, indem wir einen missmutigen Zauberer befreien. Wie wir uns mit ihnen stellen, wie wir sie behandeln und welche Entscheidungen wir treffen, beeinflusst maßgeblich ihr Verhalten uns gegenüber und den Verlauf der Geschichte. Drei unterschiedliche Enden soll es geben, davor jede Menge Verzweigungen.

Packshot zu Das Schwarze Auge: BlackguardsDas Schwarze Auge: BlackguardsErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wie so etwas aussehen kann, zeigt man uns in einer späteren Szene: Eine Baroness am Galgen, wir eilen zu ihrer Rettung. Fünf Runden haben wir Zeit, uns einen Weg durch ihre Bewacher zu kämpfen und sie loszuschneiden, sonst… passiert genau das, was jetzt passiert: Wir haben es nicht geschafft, die Baroness baumelt leblos am Strick. Doch wir starten die Mission nicht neu, wie wir es in einem anderen Rollenspiel getan hätten.

Das Schwarze Auge: Blackguards - Schnippschnapp dem Schnickschnack!

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Im Hintergrund: die Baroness am Galgen. Schaffen wir es nicht in fünf Runden zu ihr, wird sie sterben. Endgültig.
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Stattdessen nimmt die Geschichte einen anderen Fortgang. Die Baroness ist tot, und unser Gefährte Zurburan, der ein Freund von ihr gewesen ist, ist weniger gut auf uns zu sprechen, weil er uns vorwirft, wir hätten nicht alles gegeben. Er wird sich nun anders verhalten und möglicherweise sogar den nächsten Kampf als beleidigte Leberwurst vorzeitig verlassen.