Autor: Christopher Link

Psychisch gestörte und perverse Serienkiller, die ihre Opfer auf bizarre Art und Weise den ermittelnden Polizeibeamten hinterlassen, sind Lieblingsgrundlage für Hollywood-Filme wie "Sieben" oder "Suspect Zero".

Auch immer mehr Spiele kommen in letzter Zeit auf den Geschmack, kranke Mörder zum bedrohlichen Unheil für ihre Käufer zu machen. Dabei bewies unter anderem "Condemned: Criminal Origins", dass das Hollywood-Vorbild einen an sich normalen Shooter ordentlich aufpeppen kann. Mit dem Adventure "In Memoriam 2: Das letzte Ritual" heften wir uns an die Fersen eines weiteren, besessenen Killers...

Phoenix aus der Asche
Das Internet begeistert seit langem mit seiner unendlichen Weite, unzählbar vielen Websites sowie der absoluten Anonymität für Menschen, die in ihrem echten Leben nicht das erreichen konnten, was sie sich eigentlich vorgestellt haben. Die scheinheilige Online-Identität wird aufgebaut, man findet Bekanntschaften und vielleicht sogar Freunde für das ganze Leben. Aber hinter jedem Account befindet sich ein anderer Mensch, ein anderer Charakter mit mal mehr, mal weniger guten Eigenschaften. Und wenn man besonderes Pech hat, dann schmückt sich einer dieser Kontakte mit dem Namen "Phoenix".

Das letzte Ritual: In Memoriam 2 - Killer-Jagd per Internet: das ungewöhnlichste Spielkonzept seit dem Kreuzworträtsel.

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Um den Spitznamen einer Person zu erfahren, müssen wir Telefone abhören und die Geräusche zum gesuchten Begriff anreihen. Klingt komisch, ist es auch.
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"Wer ist der Phoenix?", werdet ihr jetzt sicherlich fragen. Die genaue Identität des Killers, der unter diesem Synonym schon seit Jahren sein internationales Unwesen treibt, ist leider noch nicht geklärt. Doch genau das sollen wir ändern, da keiner es bisher geschafft hat, Phoenix das Handwerk zu legen. Selbst erfahrene Ermittler mussten angesichts der komplexen und abstrusen Rätsel, die der Serienkiller gelegt hat, kapitulieren. Daher wurde mit der ICPA ("International Commitee for the Phoenix Arrest") eine Organisation ins Leben gerufen, die mit Hilfe der Öffentlichkeit die makaberen Spielchen - die vom Mörder selbst auf DVD gebrannt wurden - knacken und den bösen Buben höchstpersönlich für immer hinter Gittern sperren soll. Doch bis dahin ist es noch ein langer, beschwerlicher Weg.

Per E-Mail auf Verbrecherjagd
"In Memoriam 2" ist ein äußerst ungewöhnliches Werk. Oder wisst ihr sonst ein Spiel, bei dem eure E-Mail-Adresse eine tragende Rolle spielt? Wieso das so ist? Im Zuge eurer Ermittlungen bekommt ihr immer wieder Post von fiktiven Personen, die euch bei eurer Suche mit teils wertvollen, teils einfach nur interessanten Ratschlägen zur Seite stehen. Deshalb raten wir, ein separates E-Mail-Konto zu erstellen, was ja mit ein paar Klicks wirklich keine "Mörderarbeit" ist, da neue Mails manchmal im Minutentakt in euer Postfach flattern. Seid ihr fertig mit dem Erstellen eures Profils, bekommt ihr ein persönliches Passwort zugesandt, welches ihr - leider! - bei jedem Spielstart neu eingeben müsst.

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Das Videomaterial ist gut gefilmt und mit vielen guten Schauspielern eines der Highlights von "In Memoriam 2".
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Danach kann es endlich losgehen, und schon der Anfang des Spiels verspricht wahrlich nichts Gutes: Wir sehen durch die Augen einer Person, wie sie eine junge Frau durch ein Fenster beobachtet. Das Bild trägt einen Rotfilter, und grausame Fratzen zeichnen sich immer wieder stroboskopartig im Gesicht der Frau ab. Wie wir gleich erfahren werden, ist diese Frau ein weiteres Opfer des Phoenix, der von etwas ganz Bestimmtem förmlich besessen zu sein scheint.

Rätsel wie aus dem Wischmop
Als nächstes erwartet uns ein fremdartiger Bildschirm - davon gibt's im Spiel viele - auf dem die Frau von eben mit ihren Knien immer mehr in die Bildschirmmitte kriecht. Wir sehen das Ganze aus der Vogelperspektive und stellen fest, dass sie gefesselt ist. Mit einem Mausklick befreien wir sie, doch was macht sie? Sie weicht zurück und wischt mit ihren Händen auf dem Boden entlang. Als wir uns gerade fragen, ob sie in ihrem früheren Leben eine Putzfrau war, bemerken wir, dass durch ihr Wischen die Adresse einer Internetseite zum Vorschein gekommen ist. Wir navigieren unseren Mauszeiger ungläubig auf die URL, der Cursor formt sich zu einer Hand, und wir machen den entscheidenden Klick. Aah, was ist los!?

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"Was soll ich jetzt machen?" Diese Frage werdet ihr euch öfter stellen als euch lieb ist. Glaubt uns!
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Das Spiel minimiert sich in unserer Taskleiste und das Browserfenster öffnet sich. Zum Vorschein kommt eine rätselhafte Internetseite unter Hunderten, die ihr im Laufe der Story besuchen müsst. Grob gesagt erfordern die meisten Knobeleien - deren Lösungsansatz erst einmal erkannt werden will - den Einsatz des World Wide Web. Die Entwickler benutzen hierbei teils selbst erstellte, teils echte Websites, um euch auf Recherche zu schicken. Mag sich das am Anfang noch recht einfach gestalten, wird's mit zunehmendem Erfolg auch zunehmend schwerer. Irgendwann verraten nur noch Fragmente eines im Internet verfassten Satzes, wie es mit der Lösung des Rätsels weitergehen soll.

Sicherlich frustriert dies den einen oder anderen Spieler. Viele werden auch einfach gelangweilt aufgeben, zumal sich auf dem Bildschirm außer stilvollen Zeichnungen und gefilmten Personen relativ wenig tut. Doch nach jedem - zugegebenermaßen konfusen - Rätsel wird man mit neuem Videomaterial konfrontiert, welches frühere und zukünftige Opfer bei ihrer Suche nach dem Killer zeigen. Diese Filme wurden mit wirklich guten und echt agierenden Schauspielern an abwechslungsreichen Locations gedreht - da kann man echt nicht meckern. Außerdem kommt nach dem wirren Anfang die Story langsam in Fahrt und wird zunehmend spannender.

Wenn der Killer zweimal klingelt
Das Mittendrin-Gefühl will einfach - sofern man sich ernsthaft auf "In Memoriam 2" einlässt - nicht weichen. Schließlich fühlen wir uns wie eich echter Ermittler. Unsere Entscheidungen beeinflussen die Suche nach dem Killer und bestimmen über das Leben von Menschen, die in der Zwischenzeit vom Phoenix gekidnappt wurden. Zudem bekommen wir vom Mörder höchstpersönlich Post. Bei Sätzen wie "Ich weiß, wo du wohnst" oder anderen Drohungen packt die Angst unseren Kragen.

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Ungewöhnlich: Wir vermischen Tränen aus vier Schalen miteinander und erfahren dann einen wichtigen Namen.
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Selbst wenn wir uns einige Zeit nicht mit dem Spiel beschäftigen, meldet sich Phoenix zu Wort und beklagt sich darüber, dass er doch sonst immer so viel Spaß mit uns habe. Auch andere fiktive Personen melden sich mehrmals am Tag per Mail zu Wort und helfen bei wichtigen Lösungsansätzen, so dass man nicht allzu lange alleine im Tal der Unwissenden bleiben dürfte. Das macht das Programm aber zuweilen erst dann, wenn es merkt, dass wir eine längere Zeit an derselben Stelle feststecken. Freilich kann man diesen automatisch erstellten Mails jedoch nicht antworten.

Aber auch mit realen Personen kann der Spieler sich auf einer eigens eingerichteten Website zusammentun, um dem Phoenix auf die Schliche zu kommen. Hierzu benutzt ihr lediglich die Daten eures "In Memoriam 2"-Profils und loggt euch auf der vom Spiel an späterer Stelle erwähnten Website ein. Der Kontakt ist auf diese Weise um einiges persönlicher als per Mail, zumal sich viele User auch mit Fotos porträtieren. Bleibt nur zu hoffen, dass die Community so mitspielt, wie es eigentlich gedacht ist. Denn "In Memoriam 2" würde nur den halben Spaß machen, wenn es Schlaufüchse gibt, die gleich ganze Lösungen verraten, statt sie subtil anzudeuten.

Auch der Support sollte den Entwicklern sehr am Herzen liegen. Gerade dieses Spiel lebt vom Kontakt und der Recherche im Internet. Es wäre sehr schade, wenn Phoenix nicht dingfest gemacht werden könnte, nur weil einige wichtige Seiten aus den unendlichen Weiten des Webs verschwunden sind oder bei einer Google-Suche auf die hinteren Plätze rutschen. Wir machen uns deshalb Sorgen, weil schon jetzt einige Seiten nicht immer so funktionieren, wie sie es eigentlich sollten und zuweilen nicht aufgerufen werden können.

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Was soll das darstellen? a) Katze, b) Fratze, c) Lakritze
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In technischer Hinsicht erfüllt "In Memoriam 2" seinen Zweck voll und ganz: Zwar werden keine bahnbrechenden 3D-Grafiken gezeigt, aber solange das Shockwave-gepowerte Spiel gehaltvolle und geradezu leidenschaftliche Bilder auf den Monitor zaubert, dürfte dies nicht so schwer ins Gewicht fallen, uns hat es jedenfalls nicht gestört. Immerhin läuft das Programm auch auf älteren Rechnern ohne Mucks und Murks. Zumindest akustisch erfüllt "Das letzte Ritual" die ganze Bandbreite: Für Thriller- und Mysteryfans geht einfach nichts über unheimliche Geräusche wie einen plötzlich einsetzenden Windstoß oder ein Knarren in der Dunkelheit - das scheinen auch die Entwickler gewusst zu haben. Während wir ein Rätsel lösen, hören wir eine Frau im Hintergrund weinen. Dann bemerken wir plätschernde Tränen, die erst ganz leise und plötzlich lauter werden, dazu ein unterschwelliger und anscheinend unspektakulärer Soundtrack. Das reicht schon aus, um eine großartige Atmosphäre zu erzeugen.