Schon vor vier Jahren kam aus Gütersloh ein kosmischer Mix aus Wirtschaftssimulation, Weltraumabenteuer und Shooter auf den Markt und heimste durchweg gute Kritiken ein. Wen wundert's, denn schließlich stimmten die einzelnen Bauteile gut überein, waren in einen modernen Look verpackt und brachten endlich einmal wieder Spiele wie Elite, Yager oder Freelancer auf den neuesten Stand.

Den damaligen Entwickler Ascaron gibt es bekanntlich nicht mehr, dieser hat aber ein hübsches Vermächtnis hinterlassen. Publisher Kalypso hat sich netterweise dem letzten Projekt der Entwickler angenommen und bringt nun das bemerkenswerte Space-Spiel endlich auch für die Xbox 360 heraus.

Darkstar One: Broken Alliance - E3 2010 Trailer

Was lange währt...

Vier Jahre sind eine verhältnismäßig lange Zeit, möchte man meinen. Da sind schon ganz andere Spielideen wieder verworfen worden, einstige Dauerbrenner gehören mitunter zum alten Eisen oder leben höchstens noch durch eine treue Community weiter – dafür muss ein Entwickler aber auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen mitbringen und bereit sein, an sein Projekt auch nach dieser Zeit noch zu glauben. Wenn das Spielkonzept zusätzlich noch zeitlos genug ist, könnte der Versuch eines Revivals doch noch klappen und der Konsolenmarkt eröffnet eine zusätzliche Chance auf Umsatz.

Darkstar One: Broken Alliance - Der Klassiker jetzt endlich auch auf der Xbox 360

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Auch wenn die Grafik nicht mehr ganz zeitgemäß ist - der Weltraum ist äußerst hübsch designt.
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Umsatz ist auch ein zentrales Thema des Games, denn Marktwirtschaft ist auch bei anderen Völkern des Universums bekannt. Daraus lässt sich doch bestimmt Profit schlagen. Der Spieler wird dabei nicht einfach in den Weltraum entlassen, wo er seinem gewählten Tagesgeschäft nachgehen kann, sondern folgt einer Kampagnen-Story, in die die Space-Oper gekleidet wurde.

Hauptdarsteller ist neben dem jungen Piloten Kayron auch sein neues Schiff, das selbst in den unendlichen Weiten des Alls eine absolute Neuheit darstellt. Der Prototyp „Darkstar One“ ist nämlich kein starres Fortbewegungsmittel: Es kann mit organischen Updates erweitert werden, ist vollgestopft mit der modernsten Technik und entwickelt sich mit dem Raumschif-Kapitän mit.

Packshot zu Darkstar One: Broken AllianceDarkstar One: Broken AllianceErschienen für Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Kosmisches Beruferaten

Erbaut wurde dieser interstellare Vogel von Kayrons Vater, der unter tragischen Umständen ums Leben kam. Kyrons Mentor Robert überstellt dem jungen Heißsporn das Schiff und weist ihn in die Besonderheiten seiner neuen Gondel ein. Nebenbei stellt Robert auch noch Nachforschungen über den Tod von Kayrons Vater an – schnell stellt sich heraus, dass es sich nicht um einen Unfall handelte, sondern um heimtückischen Mord. Doch wer hatte ein Interesse, den Ingenieur aus dem Weg zu räumen? Was sind die Hintergründe? Was hat die einzigartige Darkstar One mit diesem Komplott zu tun? Kayron macht sich auf die Spur durch die Galaxis, um genau das herauszufinden.

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Jede Alien-Rasse hat ein individuelles Design für Schiffe und Raumstationen.
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Die stetigen Ausbauten kosten allerdings auch Geld. So weit haben sich die Planetenbewohner nicht entwickelt, dass sie nur von Nächstenliebe existieren können. Daher muss Kayron auch zusehen, wie er Kohle heranschafft, um neues Equipment zu erhalten. Bewaffnung, Technik, zusätzliche Hilfsmittel und tragende Teile werden in den Raumstationen beim Kauf automatisch ausgebaut und können sofort eingesetzt werden. Die Finanzierung der Tunings liegt ganz in den Händen der Spieler. Verdienstmöglichkeiten gibt es fast so viele wie Sterne im Weltraum. Je nach Naturell können sich die Spieler als profane Händler verdingen, Kopfgeld erjagen, Geleitschutz für Frachtkonvois anbieten oder sogar Minenarbeit leisten.

Die freie Berufswahl kann sogar auf die schiefe Bahn führen. Mit einem Frachtscanner kann zunächst die Ladung größerer Raumkreuzer abgetastet werden, um diese anschließend anzugreifen, wenn lohnenswertes Zeug in den Containern gelagert wurde. Die Konsequenzen hängen auch mit der Regierungsform des Sonnensystems zusammen, in dem sich Kayron gerade aufhält. Anarchistische Regime haben in der Regel weniger Raumpolizei im Orbit, dafür werden die großen Frachter durch starke Eskorten gesichert.

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Der Spieler ist wahlweise Händler, Pirat, Söldner oder gar Minenarbeiter.
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Wer sich an diese Leckerbissen heranwagt, sollte gut gepanzert und mächtig bewaffnet sein. Wohl organisierte Planeten haben einen großen Polizeiapparat, den man besser nicht gegen sich aufbringt. Eine kleine Vorstrafe hat noch nicht so viele Konsequenzen wie die Einstufung als „Top-Terrorist“: Jeder kleine Kopfgeldjäger wird einem im Nacken sitzen und die Erfüllung der Story-Missionen erschweren.

Unendliche Weiten, begrenzter Spielspaß

Die Betonung auf Action ist aber auch in den anderen Tätigkeiten höher als in vergleichbaren Games. Durch mehr als 300 Systeme können die Zocker ihrem Handeln nachgehen und sich viele Stunden aufhalten. Die Story-Missionen lassen sich durch Handel und Schmuggel lange hinauszögern, um sich eine Menge Reibach anzuhäufen. Mit der Zeit stellt sich eine gewisse Gleichförmigkeit ein, da sich die Aufgaben immer wieder ähneln: Auf der Sternkarte das nächste Reiseziel aussuchen, ins gewünschte System springen, gegebenenfalls Gefahren aus dem Weg räumen und in den Landeanflug auf die Raumstation gehen.

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Schießen, fliegen, schießen... Nach einer Weile wiederholen sich die Abläufe.
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Auf den Stationen stehen neue Aufträge bereit, befinden sich Waren- und Preisliste und warten viele Side-Quests auf waghalsige Piloten. Haben diese erst einmal Routine in ihrem Handeln, stellen aber auch Großangriffe auf Rebellenstützpunkte keine aufregende Herausforderung dar. Bis es aber soweit ist, haben die meisten Spieler schon so manche Stunde vor der Konsole verbracht.

Auch wenn man das Alter ein wenig anmerkt, ist Darkstar One: Broken Alliance auch für die Konsolen eine runde Sache.Fazit lesen

Auch die Gleichförmigkeit des Universums braucht länger Zeit, bis man sich daran satt gesehen hat. In hübschen Farben leuchten die Sternencluster und weit entfernte Nebel und erhebt sich majestätisch die Oberfläche des nächsten bewohnten Planeten im Bild. Trümmerteile legen Zeugnis ab über längst vergangene Raumgefechte, während Asteroidengürtel einen taktischen Rückzugsraum bilden können, wenn ein Angriff auf das eigene Raumschiff lebensbedrohlich geworden ist.

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Die Darkstar One lässt sich wie ein Rollenspiel-Charakter immer weiter ausbauen.
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Allzu nah sollte man den hübschen Gebilden nicht kommen. Dann offenbaren sich nämlich niedrig aufgelöste Texturen – es wirkt, als hätten die Programmierer hier die Politur vergessen, mit der dem Spiel ein zeitgemäßer Anblick spendiert wurde. Auch bei der Schrift und den Symbolen hätten die Größenverhältnisse gerne angepasst werden können. Man muss schon echte Adleraugen haben, um die Texte entziffern zu können. Wie wäre es mit einer Bildschirmlupe?

Allein unter Feinden

Wenn man nach dem Sprung in eine neue Umlaufbahn von einem Rudel Feinde begrüßt wird, passt sich die Musik schlagartig an. Der Soundtrack ist ansonsten eher orchestral gehalten, was gerade bei der Unendlichkeit des Alls eine majestätische Note einfließen lässt. Schade, dass die Synchronstimmen nicht immer mithalten können und manchmal etwas unglaubwürdig wirken.

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Die Sprüche der gegnerischen Piloten wiederholen sich schnell.
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In Gefechten wiederholen sich die provozierenden Funksprüche der Gegner etwas schnell. Ein paar zusätzliche Varianten hätten hier noch mehr Pfiff verliehen. Das ist aber eher zweitrangig, denn lange sollten die frechen Kontrahenten sowieso nicht überleben. Ein paar gezielte Lasersalven haben noch das größte Schandmaul gestopft.

Stellt sich dann irgendwann doch noch Monotonie ein, wünscht man sich schnell eine aufregende Variante in dem Game. Ein Multiplayer-Modus hätte wunderbar gepasst. Leider müssen alle Mehrspielerfreaks darauf verzichten. Dabei könnte man sich sehr gut vorstellen, dass mannschaftsbasierte Weltraumschlachten oder groß angelegte Fahndungen hier noch weiter Stunden Spielspaß erzeugt hätten. Die Hoffnung ruht hier auf dem Live-Marktplatz. Vielleicht erweist sich Darkstar One als erfolgreich genug, so das Download-Content eine logische Schlussfolgerung wäre. Verdient hätte es die Produktion allemal.