Maxis hat seinen exzellenten Ruf mit Simulationen wie „Sim City“ und „Die Sims“ begründet und ein ganzes Genre geprägt. 2008 zeigten die Kalifornier mit „Spore“, dass man durchaus gewillt ist, neue Wege zu beschreiten und Spieler kreativ in das Spielgeschehen einzubinden. Doch obwohl die Idee des Kreatureneditors hervorragend war, blieb die spielerische Umsetzung mau.

Trotz anfänglich guter Verkaufszahlen (über zwei Millionen Einheiten im ersten Monat) gab es keinen nachhaltigen Erfolg. Add-ons und Ableger enttäuschten ebenso auf ganzer Linie. Nun wagt das Studio mit einem deutlich veränderten Grundkonzept einen Neubeginn und will mit dem Action-Rollenspiel Darkspore neue Märkte erschließen.

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Mutanten-Heer gegen Darkspore-Genetik

Die Hintergrundgeschichte ist so trivial wie beliebig: Geniale Wissenschaftler, die Krogenitoren, haben’s mal wieder verbockt und mithilfe der instabilen E-DNA monströse Wesen erschaffen, die das Universum in Schutt und Asche legen, die Darkspores. Ihr sollt nun den Teufel mit dem Beelzebub austreiben und eigene genetische Helden in die Schlacht schicken.

DarkSpore - Gen-Erationen von einem ernsthaften Diablo-Konkurrenten entfernt

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Schön bunt, die Effekte!
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Den Rest der 08/15-Geschichte, die mit Videoeinspielern nebenbei erzählt wird, kann man sich sparen. Wichtig ist dagegen, dass ihr nicht den EINEN Gen-Soldaten auf Metzelmission schickt, sondern über ein Heer von Mutanten verfügt. Genauer gesagt schaltet ihr im Spielverlauf 100 unterschiedliche Wesen frei und stellt diese zu beliebigen Trupps aus maximal drei Mitgliedern zusammen.

Aufgeteilt sind diese Kreaturen in fünf verschiedene Genpools und drei Klassen. Das ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil auch alle Feinde diesen Erbinformations-Codes zugeordnet sind. Da Gegner mit derselben genetischen Programmierung doppelten Schaden verursachen, ist zum einen die passende Teamzusammenstellung vor Beginn der Missionen wichtig, zum anderen ist die Kombination der DNA-Typen entscheidend, weil ihr immer nur einen Charakter aktiv spielt, die übrigen Squad-Kameraden sitzen auf der „Auswechselbank“.

Packshot zu DarkSporeDarkSporeErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Per Knopfdruck tauscht ihr diese Figuren aus, falls ihre Lebensleiste gen null tendiert oder ihr taktisch auf biologisch ähnlich ausgerichtete Gegner reagieren wollt. Eingeschränkt wird dieser fliegende Wechsel nur durch einen recht kurzen Timer.

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Wenn das Spiel doch nur so vielseitig wäre, wie die Heldenauswahl.
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Die gewählte Klasse der Avatare ist aber von nachgestellter Bedeutung und hängt in erster Linie von euren Vorlieben ab. Also, ob ihr lieber in den Nahkampf zieht oder den Widersachern aus der Ferne mit allerlei Geschossen einheizt. Das Figurendesign ist jedoch völlig unabhängig von Gentyp oder Klasse, hier habt ihr aufgrund des mächtigen Editors vielfältige Möglichkeiten der Manipulation. Im Vergleich zu „Spore“ sind die kreativen Maßnahmen zwar eingeschränkt, einen schönen Spielplatz für Tüftler stellt der Editor trotzdem dar.

Anders, als die Bezeichnung „Action-Rollenspiel“ suggeriert, sieht es jedoch bei der Charakterentwicklung aus. Auf die Entfaltung der Spielfiguren hinsichtlich der Attribute und Fertigkeiten habt ihr kaum Einfluss. Während die Werte von den Ausrüstungsgegenständen abhängen, sind die bis zu vier Fähigkeiten pro Figur vorbestimmt und erlauben keine Anpassungen an den eigenen Spielstil.

Hektischer Koop-Ringelpiez

Wirken die vielen Anpassungsmöglichkeiten und diversen Charaktere oberflächlich gesehen noch recht komplex, kann das beim eintönigen Spielablauf aus jeglicher Warte nicht mehr behauptet werden. Auf allen sechs Welten, über 24 Levels spielt sich alles nach Schema F ab: Ihr rennt mit eurem Helden durch äußerst lineare, bis auf abwechslungsreich gestaltete Feinde leblose Schlauchlandschaften, killt hier und da einzelne Monster oder eliminiert kleinere ihrer Ansammlungen, teleportiert euch gelegentlich in einen neuen Bereich und macht am Ende die „Horde“ nieder.

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Zumindest die Endboss-Fights sind halbwegs spannend.
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Im finalen Kapitel der jeweiligen Planeten steht euch zudem ein stärkerer Endboss gegenüber, der mehr auf dem Kasten hat als alle vorherigen Kontrahenten. Das war’s dann aber auch schon - es gibt weder Quests noch anderweitig Sinn gebende Aufgaben.

In maximal 20 bis 30 Minuten lasst ihr die einzelnen Bereiche hinter euch. Alibi-Spielziele wie das Sammeln von Kristallen oder das „Entdecken“ von Obelisken wirken nicht nur hastig drangeschustert, sie wurden tatsächlich erst nach Beta-Feedback implementiert und werden ohnehin meist automatisch nebenbei erledigt.

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Der Kreatureneditor ist auch wieder dabei, jetzt auch mit Itemsystem.
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Seinen Reiz soll Darkspore vor allem aus zwei Dingen ziehen. Erstens: der ewigen Itemhatz, der Gier auf neue und vieeeel bessere Gegenstände. Besonders tolle Objekte erhaltet ihr jedoch nur, wenn ihr intensives Levelgrinding betreibt, also immer wieder die gleichen bereits bekannten Welten durchstöbert und zudem auf die einmal gesammelten Items verzichtet, um im nächsten Anlauf alles zu riskieren. Dafür habt ihr aber die Chance, noch wertvollere Ausrüstungsgegenstände für eure Brut zu erhalten - die ihr dann via „Transfiktion“ mit den erbeuteten Goodies aufwertet.

Eintönige Itemhatz ohne spielerischen Tiefgang. Das haben die armen Kreaturen nicht verdient!Fazit lesen

Wenn ihr alleine spielen wollt, seid ihr sogar darauf angewiesen in frühere Levels zurückzukehren, weil die Schwierigkeitsstufe später enorm ansteigt. Das führt uns zum zweiten Punkt - dem kooperativen Modus für bis zu vier Spieler. Wer sich dafür entscheidet, erhält nicht nur einen Erfahrungspunkte-Bonus. Durch die höhere Anzahl von widerstandsfähigen Feindeshorden hagelt es auch potenziell mehr Gegenstände. Doch proportional zur Teilnehmerzahl steigt auch deren Gier exponential an.

Das Resultat vermaledeiten Spieldesigns: Alle Teilnehmer können alles aufheben, aber es gibt keine Handelsmöglichkeiten und so ramscht jeder zusammen, was er sich irgendwie unter den Nagel reißen kann. Wo im Einzelspielermodus meist eine genügsame Spielgeschwindigkeit herrscht, überwiegen im Koop-Modus Chaos und Hektik. Taktische Ansätze - wenn etwa vereisten Kameraden aus der Patsche geholfen wird - sind Mangelware. Zudem kommt es in den gemeinschaftlichen Schlachten noch häufiger zu unerklärlichen Rucklern, die dann trägen Figuren scheinen sogar für Sekundenbruchteile gar nicht auf Eingaben zu reagieren, obwohl das Spiel offensichtlich weiterläuft.

An der übermäßig tollen Optik kann das eigentlich nicht liegen. Das Weltendesign schwankt zwischen armselig karg und ganz hübsch, vor allem die vielen bunten Kampfeffekte sind einen Hingucker wert. Trotz des sehr linearen Levelaufbaus behindern darüber hinaus größere Objekte teilweise die Sicht und erschweren eine übersichtliche Gefechtsführung.

Den Mantel des Schweigens sollte man am besten über den PVP-Modus werfen, in dem sich jeweils zwei Spieler mit einem Team ihrer Gen-Kreaturen gegenüberstehen. Was eigentlich ganz witzig sein könnte, entpuppt sich schnell als Desaster: Da Maxis keine Stufenbeschränkung eingebaut hat, sind die Feinde oft entweder viel zu stark oder zu schwach. Spielspaß kommt in solchen ungleichen Duellen, die nach Sekunden entschieden sind, natürlich überhaupt nicht auf.

Kein Verständnis bringen wir zudem für die permanente Internetpflicht auf. Falls während einer laufenden Session die Verbindung flöten geht, ist auch der mittlerweile erzielt Fortschritt futsch. Na schönen Dank auch!