Heiner GumprechtFürchtet euch nicht, denn Darksiders 2 vertreibt die Langeweile. Vielleicht hat das Spiel keinen sehr großen Wiederspielwert. Vielleicht könnte der Reiter Tod genauso imposant sein wie seine Moves und seine Reaper-Form. Und möglicherweise wünscht man sich hin und wieder, die Hintergrundgeschichte wäre ausgereifter und spannender.
Doch dafür macht das Spiel vieles besser, was im ersten Teil noch negativ auffiel oder einfach zu unausgereift war.
Tod macht vieles besser, was bei Krieg noch gestört hat.So sind die Rätselpassagen nun ordentlichen knackig. Peitscht mich aus und nennt mich Cowboy, aber ich fand die Rätselein im ersten Teil so unnötig, wie sie einfach waren. Und auch wenn wir uns in dieser Hinsicht nicht einig werden sollten, so werden doch alle mit einstimmen und frohlocken, wenn sie die abwechslungsreichen, gut durchdachten und teilweise knackig schweren Rätsel im zweiten Teil angehen.
Diese Rätsel passen sich perfekt den Kämpfen an, die nahtlos in Kletterpassagen übergehen und dann ein Gesamtwerk bilden, das in diesem Genre seinesgleichen sucht. Alles passt ineinander und sorgt für ein Spielgefühl, wie es momentan nur Darksiders 2 vermitteln kann. Dies ist die größte Stärke des Spiels und alleine für sich schon Grund genug, den Titel zumindest mal auszuprobieren.
Ein weiterer großer Pluspunkt sind die halboffenen Welten. Diese mögen sich zwar auf die ersten beiden Reiche beschränken, und das zweite davon ist gerade einmal noch die Hälfte vom Umfang des ersten. Doch wenigstens existieren sie. Im ersten Darksiders musste man noch mühsam dem roten Faden durch die schlauchigen Level folgen. Nun gibt es allerlei zu entdecken und genügend Nebenmissionen, um die Spielzeit noch einmal ein ganzes Stück zu strecken.
Und gerade diese Nebenquests sind es, die manchmal stärker wirken als der Hauptstrang selber. Überraschende Wendungen, die ich in der Geschichte misslich betrauere, weil sie in der Belanglosigkeit und Eintönigkeit untergehen und sterben. Doch in den optionalen Quests holen die Programmierer nochmal alles raus. Interessante Ideen, tolle Dungeons und bockschwere Bossfights. Erneut gibt es hier aber eine Ausnahme, die leider den Grabstein für Tods Würde darstellt und ihn endgültig zum Botenjungen degradiert. Trauriges Thema...
Beeindruckende Bossgegner mit nicht so beeindruckenden Attacken.Ähnlich traurig ist der Grad der Verwirrung, den Tod scheinbar erlitten hat. Alles ist ihm genauso unbekannt wie dem Spieler. Er weiß von nichts, er kennt niemanden und eigentlich ist es ihm auch ziemlich egal. Der gute Tod ist so cool, wie er unwissend ist. Er muss einfach zu hart auf den Kopf gefallen sein oder seine Maske liegt zu eng an. Zumindest erkläre ich mir so, dass er sich nicht mal mehr an den Namen des Führers der himmlischen Scharen erinnern kann.
Ähnlich traurig sind leider die Bosskämpfe. Nein, nicht die Bosse selber. Die sind mehr als beeindruckend. Imposante Wächter, bösartige Kreationen, uralte Dämonen und zeitlose Feinde der Nephilim. Sie alle haben ihre ganz eigenen Stärken, Schwächen und verlangen recht unterschiedliche Taktiken, um besiegt zu werden.
Doch sind sie leider alle so durchschaubar wie bereits die Bosse im ersten Teil. Jeder Gegner beherrscht so an die drei Angriffe. Manchmal sind es vier. Und manchmal sind sich zwei Attacken so unglaublich ähnlich, dass man sie gar nicht einzeln aufzählen kann und will. Und alle werdet ihr bereits nach wenigen Spielminuten (oft dauert es nicht mal so lange) analysiert haben.
Gruuuuuselig...Ab und zu stirbt man bei diesem Versuch, weil der Gegner einem keine Chance zum Nachdenken lässt. Doch spätestens beim zweiten Anlauf habt ihr sie in der Tasche. Wenn eure Chancen gering sind, den Feind in die Knie zu zwingen, liegt das weniger an seinen genialen Strategien als mehr an eurem zu geringen Level. Bei den großen Endbossen, von denen es nicht viele gibt, steigert sich die Gefahr meist, je nachdem, wie viel Schaden ihr ihm bereits zugefügt habt.
Doch mehr als eine neue Attacke und/oder beschworene Helfer braucht ihr nicht zu erwarten. Nein, wahrlich: Die Endbosse sind so leicht zu durchschauen und so einfach zu legen, wie sie imposant sind. Aber Eindruck schinden ist halt nicht alles...
von THQ, Vigil Games
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