„Hier kommt Großes auf uns zu“, schrieben wir nach unserer letzten Sitzung mit Darksiders vor einem guten Jahr: „große Waffen, riesige Gegner, gigantische Areale“. Entsprechend groß waren folglich die Erwartungen an den Kratos-Erben, als wir kürzlich in London die Gelegenheit hatten, das Spiel mehrere Stunden anzutesten. Und soviel sei schon verraten: Groß war auch die Freude dabei.

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Bevor der Genrebegriff „Ego-Shooter“ geprägt war und sich für eine bestimmte Spielegattung etabliert hatte, scherte man Titel gleichen Schlages lange Zeit über denselben Kamm und bezeichnete sie generell als „Doom-Klone“ – was trotz des despektierlichen Untertons die Qualität von Spielen wie Unreal oder Quake keineswegs schmälerte. Insofern sei die Kurzbeschreibung von „Darksiders: Wrath of War“ als „God of War“-Klon mitnichten als Herabwürdigung zu begreifen – im Gegenteil: Von den Besten zu lernen, kann grundsätzlich nicht verkehrt sein.

Darksiders

- Der God of War-Killer angespielt
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Auf in die Schlacht: War und sein dämonischer Wächter Vulgrim sagen Kratos den Kampf an.
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Will heißen: Darksiders bietet packendes Hack’n’Slay, spektakuläre Inszenierung, riesige Gegner und: wtf-Momente am laufenden Band. Und nicht nur weil bis zu Kratos’ nächstem Auftritt noch einiges Wasser den Styx hinunter fließen wird, sollten Fans dieser Art Schlachtplatte Platz für Darksiders auf ihrer Einkaufsliste schaffen.

Dass Kriegsbote War, so der Name des apokalyptischen Reiters, den ihr in Darksiders spielt, mehr sein wird als ein bloßer Klonkrieger des Kriegsgottes, dafür steht der Chefentwickler des Spiels mit seinem guten Namen ein: Joe Madureira ist Comicfans für seine Arbeiten an der X-Men-Serie oder auch Battle Chasers ein Begriff. Von Darksiders ist er offenbar so überzeugt, dass er seinen Pinsel kurzerhand mitsamt den Sprechblasen an den Nagel hängte und sich voll und ganz der Spielebranche zuwandte.

Packshot zu DarksidersDarksidersErschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Apocalypse Wow!

„Und es zog ein anderes Pferd aus, ein feuerrotes, und dem, der darauf saß, wurde die Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen und dass sie einander hinschlachten sollten; und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.“ Die Offenbarung des Johannes, auch bekannt als die Apokalypse, bildet den Rahmen für die Ereignisse von Darksiders.

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Felsenbeißer: Die Boss-Gegner von Darksiders sind spektakulär designt.
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Ihr übernehmt die Rolle des zweiten apokalyptischen Reiters, der in der Mythologie gemeinhin den Krieg symbolisiert, der am Ende aller Tage die Menschen heimsucht. Dass euer Held auf den bedeutungsträchtigen Namen „War“ hört, ist demnach kein Zufall – wenngleich die Bezeichnung „Held“ diskussionswürdig ist: Denn als todbringende Heimsuchung steht ihr weder auf Seiten des Guten oder Bösen, sondern fungiert als Spielball der Mächte in der finalen Schlacht zwischen Engeln und Teufeln.

War against Kratos: Darksiders könnte den Kriegsgott zum gefallenen Engel machen.Ausblick lesen

Von seinen finsteren Mitstreitern verraten, muss War das Gleichgewicht in der apokalyptischen Auseinandersetzung wiederherstellen, nachdem er vom jenseitigen Gericht (fälschlicherweise) verurteilt wurde, die himmlische Ordnung durcheinander gebracht und den Krieg auf die Erde verlagert zu haben. Aus diesem Grund bestreitet ihr euren apokalyptischen Feldzug allein gegen alle – welche der beiden Seiten am Ende die Oberhand behalten wird, interessiert euch herzlich wenig.

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Der teuflische Samael erinnert entfernt an Diablo.
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Insofern habt ihr nicht nur fromm flatternde Engel mit bluttriefenden Schwertern gegen euch, sondern auch eure ehemaligen Verbündeten, wahre Ausgeburten der Hölle mit diabolischen Plänen und Fratzen so hässlich, dass Chewbacca dagegen wie ein schnurrendes Kätzchen wirkt. Zwischen Freund und Feind wird hier nur nach einer Devise unterschieden: Wenn eine Hand die andere wäscht, wird der dazugehörige Körper zumindest vorläufig nicht vom Rest getrennt.

Die Allianzen, die ihr so auf eurem Weg schmiedet, sind daher in beide Richtungen von unheiliger Natur. So geht ihr bereits früh im Spiel ein gefährliches Bündnis mit dem teuflischen Samael ein, einem Diablo-ähnlichen Teufel, der seine Hilfe bei eurer Suche nach dem sogenannten „Zerstörer“ anbietet, dem Inbegriff der Apokalypse, den es seiner Bestimmung zuzuführen gilt. Dass Samaels Forderung nach mehreren entrissenen Herzen der Welt nicht zum Guten gereichen dürfte, liegt als Erkenntnis spätestens mit dem ersten pochenden Organ auf eurer Hand.

Luke Darksider

Bereits in einer der ersten Missionen für den dämonischen Wächter Vulgrim müssen wir eine Schar von 400 Seelen einfangen, die sich in den Ruinen einer zerstörten Stadt erschnetzeln lassen. Habt ihr euch so sein Vertrauen „erkauft“, fungiert Vulgrim in der Folge als sinistrer Berater und Händler, bei dem ihr durch Erschlagen von Gegnern erbeutete Seelen gegen neue Waffen und Fähigkeiten tauschen könnt.

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Der Wächter Vulgrim wird von Mark "Skywalker" Hamill gesprochen.
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Besagter Vulgrim wird im Übrigen gesprochen von Mark Hamill, nicht nur bekannt durch seiner Rolle als Luke Skywalker in der „Star Wars“-Trilogie, sondern auch als Sprecher des heimtückischen Jokers in der Batman-Trickserie, dessen feixenden und irrwitzigen Duktus er auf seine Darksiders-Performance kongenial überträgt.

Dass Darksiders dadurch nicht nur dem Anschein nach eine gewisse verwandtschaftliche Beziehung zu imposanten Comic-Epen pflegt, wird durch diesen Kunstgriff weiter untermauert. Joe Madureiras große Erfahrung beim Erschaffen düsterer Comic-Welten und ausdrucksstarker Figuren hinterlässt beim Design des Spiels jedenfalls deutlich sichtbare Spuren: Der Protagonist War mit seinen riesigen Pranken und dem mannshohen Schwert, eine Art Steintroll, der sich wie einst der Felsenbeißer der „unendlichen Geschichte“ in einer aufsehenerregenden Sequenz aus einem Gemäuer schält, oder die Königin der Schatten, einer Mischung aus verknöchertem Drachen und verschlagener Fledermaus gleich, fügen sich perfekt ins „God of War“-typische Bombast-Gameplay ein.

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Atemberaubend: Die Königin der Schatten ist wahrlich furchteinflößend.
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Neben den spektakulären Boss-Kämpfen setzt dieses vor allem auch auf die zerstörerische Interaktion mit der Umwelt: Wer etwa ein Rudel Ghoule auf sichere Distanz halten möchte, reißt einfach den nächsten Laternenpfahl aus dem Asphalt und schwingt diesen in abschreckenden Bögen durch die Luft. Die trollhohen Zwischengegner benötigen hingegen etwas mehr Durchschlagkraft: Dank seines Monatsabos im Fitnessstudio – bzw. eher seiner göttlichen Herkunft – stemmt War mal eben ganze Autowracks über seine Schultern und schleudert sie auf unvorsichtige Gegner.

Auf den Schwingen des Todes

Ähnlich einem Rollenspiel gewinnt War mit zunehmender Erfahrung immer neue Waffen und Fähigkeiten, so etwa dämonische Schwingen, mit denen er einem gefallenen Engel gleich größere Distanzen schwebend zurücklegen kann. Neben seiner bevorzugten Waffe, dem gigantischen Schwert, erhält er später auch einen tödlichen Wurfstern, demjenigen in Dark Sector nicht unähnlich.

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Feuer mit Feuer bekämpfen: Ein apokalyptischer Reiter weiß sich zur Wehr zu setzen.
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Doch auch passive Fähigkeiten wie effektivere Heilung und vor allem mächtige Zaubersprüche ergießen sich nach und nach in das Charakterblatt: riesige Klingen etwa, die auf Befehl aus dem Boden schießen, oder wirbelnde Kombo-Attacken, bei denen Normalsterbliche nach einmaliger Anwendung der Drehwurm lahm legen würde.

Apropos Normalsterbliche: Da so ein apokalyptischen Reiter für normales Fußvolk weniger als ein müdes Lächeln geschweige denn einen Schwertschwinger übrig hat, lassen sich kleinere Kanonenfuttergegner statt mühevollen Zerschnetzelns auch wahlweise einfach packen und direkt in der Luft zerquetschen – hoffentlich kein Grund für die USK, selbiges auch mit Darksiders zu machen…

Höhenluft schnuppern wir hingegen auch in einer Auflockerungssequenz, in der wir uns den drachenähnlichen Greifen eines himmlischen Gegenspielers „ausborgen“ und damit – ähnlich dem PS3-Flop „Lair“ – auf seinem Rücken durch eine atemberaubende Lavahöhle fliegen und Feuer auf die gefiederten Gegner spucken. Darksiders wird nicht nur groß – sondern auch heiß.