Grey sein Name, grey sein Auftreten und grey auch sein Aussehen, das geradewegs aus dem dicken Random-Topf eines stinkfaulen Charakterdesigners stammen könnte. Irgendwie hat es Dark-Void-Held Will Grey schwer. Nicht nur, dass er so unheimlich 08/15-gepinselt aussieht und heißt, auch sein Spiel versumpft trotz einiger Lichtblicke irgendwo im Mittelfeld.
Vorher lässt er aber erst mal sein Flugzeug bruchlanden. Fernab von Nazis und ihrem grausamen Regime scheppert er Ende der 30er-Jahre mitsamt einer alten Bekannten, namentlich Ava, in einen Dschungel im Bermudadreieck. Was tun, wenn sie übertrieben erkundungsfreudig ist, er aber einfach nur seinen Schädel kurieren will? Natürlich dem Mädel grummelnd hinterherdackeln – Ärger gibt’s ja, das große Shooter-Lexikon schreibt es vor, so oder so. Und der lässt wahrlich nur zwei Minuten auf sich warten, als die beiden von einem Felsbrocken getrennt werden, ein Maschinenwesen um die Ecke biegt und der so friedlich anmutende Dschungel plötzlich gar nicht mehr zum Entspannen einlädt.
Doof auch, dass die Roboköppe schießen können und sogar treffen. Mit einer Wumme im Anschlag heizt Grey durch die Wildnis, ständig das Weibsbild im Ohr, das ihn über Funk durchs Urwald-Tutorial lotst. Das könnte bodenständiger und holzhammerhafter kaum sein: Weder wird die maschinelle Gefahr mysteriös genug ausgebreitet, noch gibt es in den ersten Abschnitten irgendwelche spielmechanischen Überraschungen. Granaten hier, Gears-of-War-Deckungssystem dort, stationäres Geschütz da hinten – okay, kennt man auch ohne lange Einführung.
Im Ganzen akzeptabel, im Detail ernüchternd: der Dschungel, in dem das erste Kapitel spielt.Letzteres wäre ja nicht allzu schlimm, hätte man die Bedrohung länger im Ungewissen brodeln lassen. Aber statt kleine erzählerische Fährten auszulegen und den Motor erst mal im niedrigsten Gang warmlaufen zu lassen, stehen die Blechkerle einfach auf der Matte, torkeln ins Bild und ballern. Der Mythos um die Maschinenkreaturen und die sogenannten „Beobachter“, die später als Strippenzieher hinter den Nazi-Schergen in Erscheinung treten, wird einfach zu ungeschickt genutzt, da man schon nach viel zu kurzer Zeit weiß, mit wem man es zu tun hat.
Man muss ihr Design, das auf gewisse Weise an eine bestimmte Rasse aus Mass Effect erinnert, einfach akzeptieren – und einen wenig lebendigen Dschungel obendrein. Ja, irgendwie fängt Entwickler Airtight Games das Gefühl von landschaftlicher Größe mit hohen Felswänden ganz ordentlich ein. Baumstämme überbrücken tiefe Schluchten und hinter einem Felsen lächelt plötzlich die Sonne hervor. Aber dann vermisst man wieder das organische Wie-aus-einem-Guss-Gefühl eines Uncharted 2 mit seiner atmenden und pulsierenden Natur.
Ihr kämpft gegen Roboter. Viele, seeehr viele Roboter.Während das Robofließband auf vollen Touren läuft, spürt man trotz jubilierenden Vogelgesangs eine anhaltende Statik: Die Vegetation ist kaum animiert, vieles bleibt unbewegt, die Dichte von Gräsern und Pflanzen ist erstaunlich niedrig. Selbst an moosbewachsenen Felswänden stellt man den Übergang zweier Texturen einfach zu leicht fest. Die Sichtweite bleibt genauso ernüchternd wie die Oberflächen von Flugzeugwracks, die in vielen Ecken vor sich hinrotten. Weder technisch noch spielerisch konnte mich dieser Einstieg packen; es passiert einfach nichts Überraschendes, nichts Prickelndes, nichts, was man nicht schon zigmal woanders gesehen hat. Bis auf eine Sache…
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
Tja ja, was soll ich schon groß über diesen Artikel verlieren, außer vielleicht, dass er klasse geschrieben ist, vor allem die Überleitungen von Seite zu Seite gefallen mir. Saubere Arbeit, Sebastian... Dein nächstes Review/Preview behandelt welches Game???...
Gruß, Moritz.
Weißt du: Ich hab hier 'ne Checkliste, nach der jeder Artikel aufgezogen wird. Eine Tabelle zum fröhlichen Abhaken einzelner Bestandteile à la CBS noch dazu. ;)
Außerdem lege ich immer die Teaser-Einleitung-Story-blabla-Schablone an - ey, da kann ja quasi nix mehr schiefgehen!
Das Leben ist so schön angenehm ;)
Seb
Da können Kafka und Poe noch was lernen! Ach, was sag ich: jeder Buchautor kann sich hier noch was ablesen!!!
Okay zwar ließt sich eigentlich jeder Artikel des Autors gleich, denn einen anderen Stil hat er scheinbar nicht, aber wenn er nur ein einziges Buch schreibt, fällt das ja nicht auf. Auf ein Wiedersehen im Feuilleton-Teil der Süddeutschen!
hammer, einfach hammer wie du schreibst.
wenn das von dir angekündigte buch jetz noc rauskommt dreh ich ab :)
welches thema nimmst du dir an?
Aber eigentlich bin ich mehr für ein Buch von dir...ich glaube du wärst in nem anspruchsvollen Sektor gut aufgehoben...vielleicht an der seite kafkas oder edgar allen poes. musst dich nur anstrengen, gleiches an garry ^^ nehmt euch doch die zeit, ihr lebt nur einmal um was in diese welt zusetzen
Was denn genau? Dark Void, eine 500 Seiten lange Bioshock-Vorschau oder ein Buch von mir?
Auch dann, wenn's nur ein dünner Western-"Roman" mit nothing but boobs wird? ;)
Das zieht übrigens immer ^^
Seb
worüber schreibst du garry? wow oder was eigenes?
und sebastian: ich würds kaufen :)
Wenn ich doch blos mehr Zeit und Muße hätte *schnief*
Dennoch bin ich neugierig. Seb, sag mir doch bitte dringend Bescheid, wenn Du Deine Bioshock 2 Preview auf 300 bis 500 Seiten gewälzt hast, ich bin der erste, der die Schwarte kauft und rezensiert. ^^
Nein, ich meine Matthias "Matze" Grimm - und der heißt nicht so, weil er Märchenbücher geschrieben hat.
Einen Link zu posten, das überlasse ich ihm schon selbst ;)
Seb
Nachgedacht? Na klar.
Angefangen oder konzeptioniert? Nope.
Ich hege großen Respekt für jeden, der genug Puste hat, um seine kreative Vision eines Buchs, einer Geschichte durchzuziehen und auf Hunderten von Seiten auszubreiten. Wenn dann noch alle Fäden am Ende zusammenlaufen, ist das großartig - aber das ist mühselig.
Frag mal Kollege Matthias, der kann dir mehr darüber erzählen ;)
Cheers,
Seb
Dann kommt man zu der stelle wo man das erste mal fliegen kann und es macht sehr viel spaß, nur schade das dieser auch sehr schnell wieder verflogen ist.
Werd noch die letzten 1-2 Stunden zocken und dann war es das auch mit dem Game.
vor allem der epische stil liegt dir. schonmal an eignes buch gedacht?