Dark Void – Test

PC | PS3 | XBox 360

Zum in die Luft Gehen

16
von Sebastian Thor, 20. Januar 2010 15:28 Uhr

Grey sein Name, grey sein Auftreten und grey auch sein Aussehen, das geradewegs aus dem dicken Random-Topf eines stinkfaulen Charakterdesigners stammen könnte. Irgendwie hat es Dark-Void-Held Will Grey schwer. Nicht nur, dass er so unheimlich 08/15-gepinselt aussieht und heißt, auch sein Spiel versumpft trotz einiger Lichtblicke irgendwo im Mittelfeld.

Vorher lässt er aber erst mal sein Flugzeug bruchlanden. Fernab von Nazis und ihrem grausamen Regime scheppert er Ende der 30er-Jahre mitsamt einer alten Bekannten, namentlich Ava, in einen Dschungel im Bermudadreieck. Was tun, wenn sie übertrieben erkundungsfreudig ist, er aber einfach nur seinen Schädel kurieren will? Natürlich dem Mädel grummelnd hinterherdackeln – Ärger gibt’s ja, das große Shooter-Lexikon schreibt es vor, so oder so. Und der lässt wahrlich nur zwei Minuten auf sich warten, als die beiden von einem Felsbrocken getrennt werden, ein Maschinenwesen um die Ecke biegt und der so friedlich anmutende Dschungel plötzlich gar nicht mehr zum Entspannen einlädt.

Leider nur Mittelmaß: Nach knapp sieben Stunden rauscht Dark Void aus dem Gedächtnis und verschwindet in der Leere.FazitDoof auch, dass die Roboköppe schießen können und sogar treffen. Mit einer Wumme im Anschlag heizt Grey durch die Wildnis, ständig das Weibsbild im Ohr, das ihn über Funk durchs Urwald-Tutorial lotst. Das könnte bodenständiger und holzhammerhafter kaum sein: Weder wird die maschinelle Gefahr mysteriös genug ausgebreitet, noch gibt es in den ersten Abschnitten irgendwelche spielmechanischen Überraschungen. Granaten hier, Gears-of-War-Deckungssystem dort, stationäres Geschütz da hinten – okay, kennt man auch ohne lange Einführung.

Screenshot zu: Zum in die Luft GehenIm Ganzen akzeptabel, im Detail ernüchternd: der Dschungel, in dem das erste Kapitel spielt.

Letzteres wäre ja nicht allzu schlimm, hätte man die Bedrohung länger im Ungewissen brodeln lassen. Aber statt kleine erzählerische Fährten auszulegen und den Motor erst mal im niedrigsten Gang warmlaufen zu lassen, stehen die Blechkerle einfach auf der Matte, torkeln ins Bild und ballern. Der Mythos um die Maschinenkreaturen und die sogenannten „Beobachter“, die später als Strippenzieher hinter den Nazi-Schergen in Erscheinung treten, wird einfach zu ungeschickt genutzt, da man schon nach viel zu kurzer Zeit weiß, mit wem man es zu tun hat.

Man muss ihr Design, das auf gewisse Weise an eine bestimmte Rasse aus Mass Effect erinnert, einfach akzeptieren – und einen wenig lebendigen Dschungel obendrein. Ja, irgendwie fängt Entwickler Airtight Games das Gefühl von landschaftlicher Größe mit hohen Felswänden ganz ordentlich ein. Baumstämme überbrücken tiefe Schluchten und hinter einem Felsen lächelt plötzlich die Sonne hervor. Aber dann vermisst man wieder das organische Wie-aus-einem-Guss-Gefühl eines Uncharted 2 mit seiner atmenden und pulsierenden Natur.

Screenshot zu: Zum in die Luft GehenIhr kämpft gegen Roboter. Viele, seeehr viele Roboter.

Während das Robofließband auf vollen Touren läuft, spürt man trotz jubilierenden Vogelgesangs eine anhaltende Statik: Die Vegetation ist kaum animiert, vieles bleibt unbewegt, die Dichte von Gräsern und Pflanzen ist erstaunlich niedrig. Selbst an moosbewachsenen Felswänden stellt man den Übergang zweier Texturen einfach zu leicht fest. Die Sichtweite bleibt genauso ernüchternd wie die Oberflächen von Flugzeugwracks, die in vielen Ecken vor sich hinrotten. Weder technisch noch spielerisch konnte mich dieser Einstieg packen; es passiert einfach nichts Überraschendes, nichts Prickelndes, nichts, was man nicht schon zigmal woanders gesehen hat. Bis auf eine Sache…

Kommentare 16
Bitte Logge dich ein oder aktiviere Javascript um einen Kommentar zu schreiben.
Sebastian ThorSebastian Thor23.01.2010 14:35
Guck mal auf die Startseite, und zwar gaaaaanz nach oben ;)
Zitieren
rayman_95rayman_9523.01.2010 00:55
Oh man, was hatte ich mich auf diesen "Jetpack"-Shooter von dem so hochklassigen Publisher Capcom gefreut. Über riesen große Areale mit einem Raketenrucksack fliegen zu können, und alles getaucht in echt schönen Landschaftsaufnahmen... was für ein wunderbares neues Freiheits, bzw. Spielgefühl... Auf hunderte von Metern hohe Bosse war ich ausgerichtet. Auf einen ordentlichen Mix zwischen Flug- und Shooter-Passagen... Auf viele abgedrehte "Sci-Fi"-Waffen und/oder auf einen Koop-Modus. Und dann ist das Endergebnis doch so ernüchternd. Wie du schon gesagt hast, Sebastian, hätte "Dark Void" abolute Oberspitzenklasse werden können. Die bisher erste RICHTIGE Enttäuschung 2010, wo doch dieses Jahr eine Mega-Hit nach dem nächsten folgen soll. Naja, "Alan Wake", "Heavy Rain", "Lost Planet II", "Mafia II", etc. kommen ja immerhin auch noch... Hoffen wir mal das beste.
Tja ja, was soll ich schon groß über diesen Artikel verlieren, außer vielleicht, dass er klasse geschrieben ist, vor allem die Überleitungen von Seite zu Seite gefallen mir. Saubere Arbeit, Sebastian... Dein nächstes Review/Preview behandelt welches Game???...

Gruß, Moritz.
Zitieren
Sebastian ThorSebastian Thor22.01.2010 13:55
Stimmt, weil die den Spielejournalismus wie eine Seuche befallenen Floskeln und Lieblosigkeiten natürlich auch gaaanz weit oben auf meiner Agenda stehen.

Weißt du: Ich hab hier 'ne Checkliste, nach der jeder Artikel aufgezogen wird. Eine Tabelle zum fröhlichen Abhaken einzelner Bestandteile à la CBS noch dazu. ;)

Außerdem lege ich immer die Teaser-Einleitung-Story-blabla-Schablone an - ey, da kann ja quasi nix mehr schiefgehen!

Das Leben ist so schön angenehm ;)

Seb
Zitieren
Episch22.01.2010 10:59
Wow was für ein naturalistischer Stil...dieser Text steht für mich auf einer Ebene mit den großen literarischen Meisterwerken unserer Zeit: "Die Blechtrommel", "Jurassic Park", "Ich, Gina Wild".
Da können Kafka und Poe noch was lernen! Ach, was sag ich: jeder Buchautor kann sich hier noch was ablesen!!!

Okay zwar ließt sich eigentlich jeder Artikel des Autors gleich, denn einen anderen Stil hat er scheinbar nicht, aber wenn er nur ein einziges Buch schreibt, fällt das ja nicht auf. Auf ein Wiedersehen im Feuilleton-Teil der Süddeutschen!
Zitieren
bigbag21.01.2010 22:35
seb du bist echt ein phänomen unter den deutschen journalisten, onlinewelten hat echt was an dir verloren
hammer, einfach hammer wie du schreibst.
wenn das von dir angekündigte buch jetz noc rauskommt dreh ich ab :)
welches thema nimmst du dir an?
Zitieren
h21.01.2010 13:26
Sebastian, selbst das wäre von dir noch lesbar, da du es zweifelsohne mit deinem epischen Stil würzen würdest.

Aber eigentlich bin ich mehr für ein Buch von dir...ich glaube du wärst in nem anspruchsvollen Sektor gut aufgehoben...vielleicht an der seite kafkas oder edgar allen poes. musst dich nur anstrengen, gleiches an garry ^^ nehmt euch doch die zeit, ihr lebt nur einmal um was in diese welt zusetzen
Zitieren
Sebastian ThorSebastian Thor21.01.2010 13:11
@h

Was denn genau? Dark Void, eine 500 Seiten lange Bioshock-Vorschau oder ein Buch von mir?

Auch dann, wenn's nur ein dünner Western-"Roman" mit nothing but boobs wird? ;)

Das zieht übrigens immer ^^

Seb
Zitieren
h21.01.2010 10:01
und wenn ihr euch einfach mal auf den hosenboden setzt und schreibt? kann ja jetz nich die welt sein, andere habens auch geschafft und haben erfolg!

worüber schreibst du garry? wow oder was eigenes?

und sebastian: ich würds kaufen :)
Zitieren
atdiatdi21.01.2010 00:43
Also ich finde 100 Seiten in 4 Jahren nicht übel, Garry. Ich für meinen Teil habe schon ebenso lange eine Idee im Kopf, die aber schon beim Groben Durchdenken im selbigen, etwa in der Mitte von Teil 2 der Trilogie stagniert... Von daher sind 100 Seiten wirklich nicht zu verachten, zumal mancher Roman ja nicht mal so viele auf die Waage bringt. ;)
Zitieren
GarryGarry20.01.2010 16:51
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren an einem Fantasy-Monumentalwerk. Zumindest ist das die Idee in meinem Kopf. Bisher habe ich allerdings erst knapp 100 Seiten zu Papier gebracht.
Wenn ich doch blos mehr Zeit und Muße hätte *schnief*
Zitieren
Leo SchmidtLeo Schmidt20.01.2010 16:45
Eine kleine Stichelei meinerseits: Zwischen einem guten Artikel und einem guten Buch liegen Welten. Nicht, daß ich das meinem Lieblings-Seb nicht zutraue, ich sage nur: Aus einer genial geschriebenen Review (und das ist sie wieder mal geworden, mein Großer) folgt nicht zwangsläufig, daß der Autor auch einen ebenso guten Roman, einen Essayband oder ein Drama zu liefern vermag.

Dennoch bin ich neugierig. Seb, sag mir doch bitte dringend Bescheid, wenn Du Deine Bioshock 2 Preview auf 300 bis 500 Seiten gewälzt hast, ich bin der erste, der die Schwarte kauft und rezensiert. ^^
Zitieren
Sebastian ThorSebastian Thor20.01.2010 16:06
LOL

Nein, ich meine Matthias "Matze" Grimm - und der heißt nicht so, weil er Märchenbücher geschrieben hat.

Einen Link zu posten, das überlasse ich ihm schon selbst ;)

Seb
Zitieren
fahrenheit20.01.2010 16:04
mühselig ja...aber es würde sich doch wohl lohnen? nicht umsonst bist du ja redakteur geworden...weil due eben schreiben kannst. so einfach kommt man bei profimagazinen wie gamona ja auch nich rein, oder? der matthias kreischer hat ein buch geschrieben? wo findet man das?
Zitieren
Sebastian ThorSebastian Thor20.01.2010 15:54
Ach, du meine Güte! Das ist ja fast schon zu viel des Guten. Aber herzlichen Dank dafür :)

Nachgedacht? Na klar.

Angefangen oder konzeptioniert? Nope.

Ich hege großen Respekt für jeden, der genug Puste hat, um seine kreative Vision eines Buchs, einer Geschichte durchzuziehen und auf Hunderten von Seiten auszubreiten. Wenn dann noch alle Fäden am Ende zusammenlaufen, ist das großartig - aber das ist mühselig.

Frag mal Kollege Matthias, der kann dir mehr darüber erzählen ;)

Cheers,
Seb
Zitieren
VexVex20.01.2010 15:51
Der Artikel passt perfekt. Es ist ganz schön zum anfang aber es wird zu schnell ein 08/15 Shooter der keine wirklichen Ideen bietet.

Dann kommt man zu der stelle wo man das erste mal fliegen kann und es macht sehr viel spaß, nur schade das dieser auch sehr schnell wieder verflogen ist.

Werd noch die letzten 1-2 Stunden zocken und dann war es das auch mit dem Game.
Zitieren
fahrenheit20.01.2010 15:42
mal wieder großartig geschrieben sebastian. wer braucht da noch andere spielemagazine, wenn du einfach der integerste unter den redakteurs bist?

vor allem der epische stil liegt dir. schonmal an eignes buch gedacht?
Zitieren