Ich liebe Dark Souls. Kein anderes Spiel hat mich in den letzten Jahren so überrascht (mit Ausnahme von Journey vielleicht), mich so in seinen Bann gezogen, mit seinen mühsamen Auseinandersetzungen und dieser verschachtelten Welt, die ihre Geheimnisse nur so ungern preisgibt. In Lordran habe ich zweimal jeden einzelnen Stein umgedreht, Dark Souls 2 insgesamt dreimal durchlaufen. Die geistigen Vorbilder und Nachfolger Demon's Souls und Bloodborne kenne ich nun ebenfalls, allesamt sind sie großartige Spiele. Jetzt bricht mit Dark Souls 3 in absehbarer Zeit das vorerst letzte Kapitel der Seelensuche an. Und ich glaube nicht, dass es mir noch einmal die Sprache verschlagen kann.

Vielleicht hat uns From Software einfach ein bisschen zu viel des Guten zugemutet. Gerade in letzter Zeit. Vier Veröffentlichungen in nur zwei Jahren (gezählt werden Dark Souls 2, Bloodborne, Scholar of the First Sin und Dark Souls 3), damit spielt der Entwickler aus Fernost schon in der Ubisoft-Liga. Gute Spiele brauchen Reife und auch wenn Miyazaki mit Bloodborne jeden Skeptiker ruhiggestellt haben dürfte, ändert das nichts an der Tatsache der Übersättigung. Ich bin satt von Dark Souls.

Ich war auch eine ganze Zeit satt von Assassin's Creed. Jetzt spiele ich gerade, zwei Jahre nach seiner Zeit, Black Flag mit Inbrunst durch und es fühlt sich toll an. Vor zwei Jahren hätte ich das Spiel nicht einmal anfassen können, zu frisch war das brüderliche Assassin's Creed 3. Für Dark Souls gilt das Gleiche. Der dritte Teil wird auf keinen Fall ein schlechtes Spiel, aber er kommt mir deutlich zu früh. Ein Jahr, von mir aus ein halbes Jahr mehr Zeit, täten jedem von uns gut.

Aber wenn es nur das wäre. Bis hierhin mag ich den ein oder anderen von euch mitgenommen haben, aber ich kenne genug Dark-Souls-Fans, die auf der diesjährigen E3 mit dem Ankündigungstrailer genau das bekommen haben, was sie wollten. Es sei ihnen vergönnt. Es gibt deutlich schlimmere Patzer, die sich Dark Souls 3 leisten kann. Und nicht alle sind mit etwas Gutgläubigkeit wegzuwischen.

Dark Souls 3 - Zu viel des Guten?

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Nicht wirklich das, was ich mir unter einer Herausforderung vorstelle.
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Unfair, gemein, qualvoll – für jedermann?

Zuallererst wäre da die drohende „Vercasualisierung“ zu nennen. Ich weiß, Videospiele sind die Massenmedien unserer Zeit und es ist nur verständlich, dass man eine so erfolgreiche Marke wie Dark Souls einem breiteren Zielpublikum zugänglich machen möchte. Letztlich möchte man eben Geld verdienen, klar. Aber dann soll man es auch entsprechend kommunizieren. Dark Souls 2 wurde als genauso finster, schonungslos und hart beworben wie sein Vorgänger. Herausgekommen sind der Habsucht-Dämon, ein Dutzend Seelengefäße, eine viel zu große Zahl an Leuchtfeuern und New Game + auf Knopfdruck und für einzelne Gebiete. Ich liebe Dark Souls 2 trotzdem. Besonders aufgrund der hervorragenden DLCs, die einiges wieder geradegebogen haben. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass der Nachfolger ein gänzlich anderes Erlebnis war.

Nehmt es mir also nicht übel, dass ich Sorgen hege, wenn man mir für Dark Souls 3 selbst setzbare Leuchtfeuer verspricht. Und einzigartige neue Kampfmanöver, wie der Wirbelangriff der Legion Scimitars. Dark Souls ist kein Monster Hunter, das sich gerade mit immer ausladenderen Angriffsbewegungen selbst karikiert (seht selbst). Wozu die neuen Moves? Dark Souls hat sich schon immer durch seine Optionsarmut im Kampf ausgezeichnet. Die Kämpfe sind doch gerade deshalb so spannend, weil man seine Waffe so genau führen muss, jeden Schlag genau abwägen, das Beste aus dem Wenigen rausholen, das einem das Spiel zur Hand gibt.

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Vor diesem Hintergrund erklärt sich mir auch nicht die Beschleunigung des Kampfgeschehens, die From Software für Dark Souls 3 anstrebt. Sicher, Bloodborne hat es vorgemacht, da ist es verlockend nachzuziehen. Aber zu welchem Preis? Eine halbgare Mischung aus den schnellen Bewegungen von Yharnams Jägern und den alten Schlagpattern von Dark Souls scheint mir kein guter Kompromiss. Zu Dark Souls gehört für mich das Behäbige, die Blöße, die mit jedem Schlag einhergeht, jeder Hieb ein Opfer. Überhaupt: Was ist die neu gewonnene Schnelligkeit schon ohne das Regain-System wert? Halb Bloodborne, halb Dark Souls funktioniert eben nicht.

Das könnte man auch über das ganze Spiel sagen. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass Miyazaki mit Dark Souls 3 so sehr darauf bedacht ist, seine drei Kinder gewaltsam zu vereinen, dass ihm der Sinn fürs Wesentliche, für die eigenen Einflüsse entgleitet. Von Stil und Pacing erinnert das Ganze nur wieder deutlich mehr an den Ursprung, an Demon's Souls. Dazu kommt die Mobilität von Bloodborne und der klagende, faulige Ton Yharnams. Dark Souls bleibt hier nur noch als Gerüst zurück.

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Demon's Bloodsouls 3

Es überrascht mich nicht, dass von über vierzig neuen Gegnertypen und Rüstungssets (die Bekannten nicht mitgezählt) die Rede ist. Ja, Dark Souls 3 scheint tatsächlich so etwas wie Content-Recycling betreiben zu wollen, was Bestiarium und Waffenschrank betrifft. Der Ankündigungstrailer und das vertraute Antlitz eines Riesenkönigs bestätigen die Annahmen.

Recycling kann nichts Gutes bedeuten, denn es verstärkt einen Effekt, der ohnehin schon gefährlich genug ist: den der Repetition, der Wiederholung. Es beginnt sich alles zu wiederholen, wiederkehrende Muster, die sich über die Spiele hinweg etablieren. Der schwarze Drache aus dem ersten Gameplay zu Dark Souls 3 ist so ein Fall. Natürlich soll er auf den Hellkite Dragon der Undead Burg anspielen (der für sich genommen ja schon den roten Drachen aus dem Palast von Boletaria zitierte). Natürlich ist das eine nette Geste für alle Kenner des Erstlings. Mehr als müde darüber lächeln kann man in Ermangelung neuer Anstöße aber nicht.

Dark Souls 3 - Zu viel des Guten?

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Hellkite Dragon, ick hör dir trappsen...
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Ein ähnliches Bild zeichnete sich schon in Dark Souls 2 ab, in dem mindestens ein Drittel aller Bosse (abhängig von der Zählweise) mehr oder minder große Ritter mit mehr oder minder großen Klingen darstellten. Dementsprechend hat man sich mit dem Dancer of the Frigid Valley, dem ersten vorgestellten Boss aus Dark Souls 3, nicht unbedingt den größten Gefallen getan, wenngleich man hier fairerweise das fließende Design und die kluge Einbeziehung der Arena loben muss.

Denn es ist ja noch nicht alle Hoffnung verloren. Miyazaki und seinem Team ist nach wie vor einiges zuzutrauen, dieses Vertrauen haben sie sich mit Bloodborne hart erkämpft. Als größte Hoffnung stellt sich mir als Lore-Enthusiast zurzeit die Grundstimmung, die Atmosphäre der ersten Szenen dar. Der Kreislauf scheint tatsächlich gebrochen, die Age of Dark als Age of Men schließlich und endgültig angebrochen zu sein. Enormes erzählerisches Potenzial, das hier aufgeworfen wird, wenn auch ein Gros der Spieler dies nur in Form der beherrschenden Atmosphäre und Szenerie erleben wird. Aber genau das ist Dark Souls, genau das war Lordran auch schon.

Es ist noch lange nichts verloren, auch wenn die Vorzeichen düster sind. From Software und Hidetaka Miyazaki besitzen die Kompetenz, um auch ihr neuestes Projekt erfolgreich zu stemmen, aber sie müssen sich die Kritik gefallen lassen. Ob Dark Souls 3 wirklich noch einmal so ein großer Wurf werden kann – ich zweifle daran. Aber ich lass mich gerne überraschen. Und das ist es nun wirklich, was From Soft und Miyazaki meisterhaft beherrschen.

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