Die gemalte Welt – na, wem kommt das bekannt vor? Die erste Download-Erweiterung zu Dark Souls 3 führt uns zwar nicht mehr in die Welt von Ariamis, sondern in die von Ariandel, aber Erinnerungen werden trotzdem geweckt: das Gemälde, der Schnee, die Brücke, all das hat man so oder so ähnlich schon in einem früheren Dark Souls gesehen. Trotzdem geht es in Ashes of Ariandel nicht einfach nur um nostalgische Gefühle. Und das ist wichtig, denn besonders groß fällt der DLC leider nicht aus.

Dark Souls 3 - Boss-Kampf gegen Schwester Friede27 weitere Videos

Etwas Wichtiges gleich vorneweg: Wie gewohnt gelangt ihr auch in diesem Souls nur zum DLC-Gebiet, indem ihr an einer bestimmten Stelle eine bestimmte Interaktion startet. In diesem Fall müsst ihr in die Kathedrale des Untergrunds zum Leuchtfeuer „Kapelle der Läuterung“. Dort findet ihr einen neuen NPC neben dem Altar knien, der euch, wenn ihr ihn ansprecht, in die gemalte Welt geleitet.

In Ashes of Ariandel verschlägt es euch in die besagte gemalte Welt von ebenjenem Ariandel, eine eisüberzogene Winterlandschaft, was sich aber idyllischer anhört als es ist. Schon in den ersten Minuten peitscht der Wind den Schnee von allen Richtungen ins Gesicht, die Sichtweite ist niedrig und mit dem langsam einsetzenden Wolfsgeheul wird schnell klar, dass es uns nicht wegen der Temperatur, sondern eher wegen der drohenden Gefahren frösteln sollte. Ehe man sich versieht, ist man von Wolfsrudeln umringt, tänzelt mit dem Schwert in der Hand um verzauberte Bäume, spaziert durch ein heruntergekommenes Dorf mit seltsamen Krähendämonen, watet durch eine Halle von Fleischresten, an denen sich überdimensionierte Fliegendämonen laben, und wird – natürlich – vom ersten Boss ausgeknockt: einmal, zweimal, fünfmal, zehnmal. Und wenn man denkt, es kann nicht mehr schlimmer werden, geht es gerade erst richtig los. Dieses Ashes of Ariandel ist Dark Souls, wie es sein sollte.

Dark Souls 3: Ashes of Ariandel - Stichflamme der Leidenschaft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 177/1791/179
Wunderschön und hochgefährlich – Souls eben, einmal mehr in seiner ganzen Pracht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kurz, aber schwer zu knacken

Mit einer entscheidenden Einschränkung: Es ist, gerade auch im Vergleich zur Bloodborne-Erweiterung The Old Hunters, ein ziemlich kurzes Vergnügen. Nach gerade einmal vier bis sechs Stunden Spielzeit ist das Ende erreicht und das auch noch ziemlich abrupt. Je nachdem, mit welchem Level ihr euch in das DLC-Gebiet begebt – From Software empfehlen Stufe 70 und aufwärts –, könnt ihr noch ein bis zwei Stunden draufpacken oder abziehen. Der empfohlene Level erscheint mir allerdings als vergleichsweise niedrig: Ich hatte mit Stufe 98 im ersten Run (kein NG+) schon hier und da Probleme und will mir nicht vorstellen, wie es erst mit einem schwächeren Charakter gelaufen wäre. Insofern: Spielt den DLC eher später als früher, wenn ihr nicht gefrustet werden wollt. Gerade die Bosskämpfe sind großes Kino, aber richtig harte Nüsse.

Ich will und werde in diesem Bericht ganz bewusst keine konkreten Beispiele nennen, denn jede nicht unbedingt notwendige Information wäre schon ein verhältnismäßig großer Spoiler für ein Abenteuer, das darauf ausgelegt ist, persönlich und ohne zu viel Vorwissen erlebt zu werden. Was ich euch aber sagen kann: Einer der beiden Bosskämpfe spielt auf Anhieb unter den besten fünf der Souls-Serie mit und das sowohl spielerisch als auch inszenatorisch – gerne würde ich ausführlicher davon schwärmen.

Dark Souls 3: Ashes of Ariandel - Stichflamme der Leidenschaft

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Die Gegner wissen, was sie tun und ihr solltet es ebenfalls, um gerade gegen die Bosse überhaupt einen Stich zu sehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Weniger ist nicht immer mehr

Worauf ihr euch auf jeden Fall freuen könnt, sind mehr als ein Dutzend neue Waffen, diverse Zauber, Rüstungen und Wunder; ihr könntet auch auf die eine oder andere Titanitscholle stoßen und freilich lassen sich aus den Boss-Seelen wieder besondere Klingen schmieden. Was mir jedoch gefehlt hat, sind vor allem interessante NPCs. Natürlich laufen auch in der gemalten Welt einige skurrile Figuren herum und nicht jeder von ihnen sollte man vertrauen. Aber ein paar mehr hätten sicher nicht geschadet. Und auch wenn es nicht für jeden von Belang ist: Wieso gibt es eigentlich keine einzige neue Trophäe?

Die Reise in die gemalte Welt ist mysteriös, aufregend und das bisher schwerste Stück von Dark Souls 3 – ist aber zu kurz und bis auf die Bosse zu unspektakulär.Fazit lesen

Gerade in Anbetracht des doch recht hohen Preises hätte ich mir im Großen und Ganzen mehr Einzelspieler- bzw. Story-Content gewünscht, zumal sich einige der Umgebungen und Gegnertypen recht bekannt anfühlen und sogar die Bosse einen leichten Déjà-vu-Flair tragen – für 15 Euro ist das doch recht happig und The Old Hunters hatte für fünf Euro mehr fast dreimal so viel zu bieten. Solltet ihr euch aber für den PVP-Part begeistern können, könnte sich die Investition schon eher lohnen: Nach dem ersten Durchspielen des DLC werden zusätzliche Duell- und Brawl-Modi freigeschaltet und es gibt sogar eine eigene Arena. Ist euch das aber wie mir eher egal, bleibt es bei den genannten vier bis sechs Stunden.