Das Gleiche wie damals mit Lordran und Oolacile, das habe ich erwartet. Das ohnehin schon geniale Hauptspiel verbunden mit der viel besprochenen Erweiterung rund um den gefallenen Ritter Atorias, ein prall geschnürtes Gesamtpaket. Jetzt also mit Dark Souls 2 und den ebenfalls zurecht gelobten Lost-Crowns-DLCs. Vier Königreiche, ein Preis. Wie sehr man sich täuschen kann.

Scholar of the First Sin ist jene Prepare To Die Edition und doch so viel mehr als das. Natürlich dürft ihr hier die Kronen von Sunken King, Old Iron King und Ivory King erwarten, aber darüber hinaus hat sich einiges – und damit meine ich einiges – getan. Scholar of the First Sin versprüht den Charme der Endgültigkeit und ist die finalste, härteste, beste Version, die ihr von Dark Souls 2 erwarten dürft.

Ganz schön große Lobesworte, aber eben auch nicht unverdient. Für einige wird Drangleic selbst in dieser Fassung seine ursprünglichen Versprechen nicht einlösen können und das ist vollkommen nachvollziehbar. Weder ist das hier grafisch auf dem glänzenden Niveau der ersten Trailer, noch versprüht es den Geist der ersten prägenden Stunden in einem Souls-Titel. Aber: Es ist jetzt zumindest verdammt nah dran.

Dark Souls 2: Scholar of the First Sin - Leute, besser wird's nicht

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Kann man sicht nicht dran sattsehen. Jetzt erst recht nicht mehr.
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Dark Souls 2 kämpft mit seinem Status als Nachfolger, macht vielen zu wenig neu, einigen eher zu viel. Irgendwo dazwischen gilt es, die Grenze zu ziehen und das Spiel als das zu betrachten, was es ist: Ein Rollenspiel der besten Sorte, durch seine Stärken ebenso geprägt wie durch seine Schwächen. FromSoftware bittet uns mit dieser Version um eine neue Chance und tatsächlich hat sich ein neuer Anlauf Dark Souls 2 selten so sehr gelohnt wie jetzt.

Eine Welt im Wandel

Dark Souls lebt durch das Unbekannte, die Ungewissheit, welche Gefahr wohl hinter der nächsten Ecke lauern mag, den Reiz, welche Belohnung nach dem kommenden Boss winken könnte. In Scholar of the First Sin spürt ihr diesen Ruf wieder deutlicher, denn es hat sich viel getan in Drangleic. Truhen haben Platz und Inhalt gewechselt, Gegner überfallen euch plötzlich an Stellen, die sicher schienen, vertraute Passagen sind plötzlich nicht mehr passierbar.

Dark Souls 2 - Lost Crowns - DLC-TrailerEin weiteres Video

In Dazwischen wird der Weg zum magischen Sarkophag plötzlich von einer steinernen Statue versperrt und der Verfolger höchstselbst erscheint nun, um das krude Artefakt vor euch zu verteidigen. Bleibt übrigens nicht das einzige Mal, sowohl das mit der Statue als auch das mit dem Verfolger. Oder wie wäre es mit einem schnellen Spaziergang zur blauen Kathedrale, um den so kostbaren Ring des Bindens früh im Spiel zu ergaunern? Müsst ihr wohl oder übel an dem Feuer speienden Drachen vorbei, der sich neuerdings dort niedergelassen hat. Ach, aber der Ring ist ja ohnehin woanders zu finden...

Die Welt hat sich weiterentwickelt und fühlt sich nun deutlich mehr nach dem an, was die Entwickler wohl ursprünglich mit ihr im Kopf hatten. Lichtsteinbucht Tseldora wird seinem Ruf als spinnenverseuchte Hölle nun sehr viel eher gerecht, die wandernden Heide-Ritter haben sich endlich in den Ruinen ihres Ursprungs niedergelassen und auch einige Gegner, die zuvor den DLCs vorbehalten waren, haben sich zögerlich auf die trostlosen Böden von Vendricks Königreich gewagt. Lore-Enthusiasten dürften sich die Hände reiben und zusammen mit aktualisierten Gegenstandsbeschreibungen und einem neuen NPC noch die letzten Geheimnisse aus dem beschriebenen Buch Drangleics quetschen.

Das deutlich angezogene Gegneraufgebot zusammen mit dem veränderten Weltendesign verrückt auch die grundsätzliche Balance des Spiels. Insgesamt gibt sich das Ganze unbestreitbar schwerer, doch den meisten sollte das gerade recht sein. Weil sich essenzielle Items wie die Estus-Flakon-Scherben oder die Matte Glut jetzt deutlich schneller als gewohnt in der Spielwelt auflesen lassen, fällt der Spieleinstieg gleichzeitig etwas gnädiger aus, was insgesamt einen guten Kompromiss darstellt.

Packshot zu Dark Souls 2: Scholar of the First SinDark Souls 2: Scholar of the First SinErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Spätestens wenn ihr zu den DLCs gelangt, solltet ihr euch eine kleine Verschnaufpause gönnen. Einmal durchatmen und gestärkt nach vorn schauen. Die drei Erweiterungen gehören zu dem Besten, was FromSoftware euch zu bieten hat und es ist gut, sie jetzt als festen Bestandteil der Spielerfahrung zu wissen. Vor einem halben Jahr vielleicht noch unverschämt, so etwas den Spielern von Beginn an vorzuenthalten, aber jetzt, wo sich alles zu einem großen Ganzen zusammenfügt, glätten sich die Wogen. Interessiert in einem halben Jahr sowieso niemanden mehr.

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Wenn ihr Dark Souls 2 bislang noch nicht gespielt habt, steht ihr vor einem (Luxus-) Problem: Scholar of the First Sin oder Bloodborne?
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Fünf Plattformen, zwei verschiedene Spiele

FromSoftware war noch nie sonderlich bemüht darum, sich Freunde zu machen und selbst mit Scholar of the First Sin, das sich insgesamt ausgesprochen versöhnlich gibt, halten sie ihre Linie. Die Erweiterung ist zwar für beide Konsolengenerationen plus PC erhältlich, den gleichen Inhalt gibt es dafür allerdings nicht, was in dieser Form wirklich nicht hätte sein müssen.

Scholar of the First Sin ist Dark Souls, wie es sein soll: Überraschend, fordernd und nicht ganz ohne Fehler.Fazit lesen

Dass PS3 und Xbox 360 auf das verbesserte grafische Grundgerüst samt schärferer Texturen und stärkerer Beleuchtung verzichten müssen, dürfte allen Beteiligten vorab klar gewesen sein. Nicht ganz verständlich ist jedoch FromSoftwares Entscheidung, der Old-Gen die neue Gegnerpositionierung, also das zentrale Argument für Scholar of the First Sin, vorzuenthalten. Die Japaner hatten bestimmt ihre Gründe, sämtliche Detailverbesserungen, die per kostenlosem Patch bereits seit Februar fester Bestandteil von Dark Souls 2 sind, von dem angepassten Feindaufgebot zu trennen, besser macht es das natürlich nicht.

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Euphorie und Enttäuschung liegen nah beieinander.
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Auf dem PC sieht es nicht anders aus, nur dass hier zwischen DirectX-9- und DirectX-11-Nutzern unterschieden wird, das Problem bleibt das Gleiche: Scholar of the First Sin wird abhängig von der genutzten Plattform in zwei unterschiedliche Versionen, zwei unterschiedliche Spiele aufgeteilt. Ein altes, wenn auch poliertes Drangleic auf der einen Seite, dass jedoch im Schatten der überarbeiteten Version steht, dem, was es ebenfalls hätte sein können.

Womit wir wieder beim Anfang wären. Bei ungelösten Versprechen und verschenktem Potenzial. In gewisser Weise ist Scholar of the First Sin ein Sinnbild für Dark Souls 2 im Allgemeinen geworden, es polarisiert bis zuletzt, ist sich selbst nie ganz genug. Ein Spiel auf dem Weg zur Perfektion, dass sich doch immer wieder selbst Luft nach oben lässt. Entweder ihr liebt es oder ihr hasst es, daran wird auch Scholar of the First Sin nichts mehr ändern. Aber wenn ihr zu den Erstgenannten gehört, ist das hier das Spiel, was ihr immer wolltet.