HAHAHAHAHA. HAHAHAHAHA. Dies ist (noch) kein Lachen der Verzweiflung oder des Irrwitzes. Es ist eher spöttisch, wissend gemeint. Es sei all denen zugeworfen, die anhand von ein, zwei Bemerkungen ausgemacht haben wollen, dass Dark Souls 2 (DS2) ein leichteres, zugänglicheres Spiel werden würde. Ein für den Massenmarkt optimiertes Produkt. Wer so etwas benötigt, hat leider die letzte Ausfahrt verpasst und sollte schleunigst wenden.

Dark Souls 2 - Lost Crowns - DLC-Trailer12 weitere Videos

Allen anderen, die jetzt nicht die Handbremse gezogen und kehrtgemacht haben, um die Abfahrt nach Skyrim zu nehmen, sei gesagt: Dark Souls 2 kann immer noch ein spielerischer Kotzbrocken vor dem Herrn sein. Nein, falsch. Kann nicht – ist. Vielleicht sollten wir ihn lieber störrisch, oder maulfaul nennen. Auf jeden Fall aber eins: tödlich. Aber das habt ihr ja ohnehin schon gewusst und nur auf Bestätigung gewartet. Nun, hier ist sie. Schwarz auf weiß. Ihr werdet auch diesmal viele Tode sterben, und das ist gut so.

Störrisch. Wild. Bezaubernd!

Dabei will ich ehrlich mit euch sein, Dark Souls kann abschreckend sein. Das war auch bei mir (früher) so. Jetzt muss ich aber in der Vergangenheitsform schreiben, denn diese Zeiten sind vorbei. Und warum? Weil ich dem Rollenspiel eine Chance gegeben habe, mich mit seinem spröden Charme zu bezirzen. Das ist geschehen, obwohl es sich alle Mühe gibt, genau das Gegenteil davon sein zu wollen. Spieler, die eine Anlaufphase, ein Tutorial brauchen, an der Hand geführt werden wollen oder eine Pausentaste benötigen, um über ihre Taktik im Kampf nachzudenken, sollten vielleicht auch noch mal über die Ausfahrt von oben nachdenken. Wobei, da scheint sich schon ein ziemlicher Stau gebildet zu haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dark Souls 2 - Hunde, wollt ihr ewig leben?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 267/2701/270
Auch in Dark Souls 2 werdet ihr es wieder mit erschreckenden Gegnern und überraschenden Herausforderungen zu tun haben.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch DS2 tut alles, damit man sich vom ersten Moment an jeden noch so kleinen Erfolg selbst erarbeiten muss. Ja, das Spiel kann in Arbeit ausarten. Aber in spannender Arbeit! Es gibt hier keine NPCs, die mit einem Ausrufezeichen über dem Kopf bereits aus drei Lichtjahren Entfernung von einer neuen Quest künden. Die meisten Figuren wirken irgendwie depressiv oder höchst melancholisch und teilen das der Welt (sprich: mir!) auch deutlich mit.

Als hätte ich nicht schon genug Last daran zu tragen, dass ich nach meinem Tod einen Fluch erlegen bin, der mich untot durch dieses Reich namens Dranglaec irren lässt. Ja, ich irre tatsächlich herum, denn es gibt keine Map, die mir sagt, wohin ich als nächstes soll oder was mein Ziel ist. Das alles gibt es hier nicht. Ich muss mir die Geschichten der herumlungernden Typen anhören, sie vier-, fünf-, zehnmal ansprechen, damit sie mir endlich ihre aus der Nase gezogenen Informationen preisgeben. Oder mir sogar etwas Wertvolles schenken.

Dark Souls 2 - Zahlreiche Screenshots zum Rollenspiel

Klicken, um Bilderstrecke zu starten (20 Bilder)

Dark Souls 2 - Zahlreiche Screenshots zum Rollenspiel

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/21Bild 250/2701/270
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Packshot zu Dark Souls 2Dark Souls 2Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

So wandere ich ziellos umher, und noch bevor ich etwas erlebt habe, bin ich schon einige Male draufgegangen. Weil ich über eine Klippe gestürzt bin. Zwei riesigen Monstern über den Weg laufe oder das Springen erst wieder üben muss. Plumps, Plumps, Plumps. Sieht aus, wie bei Blindekuh, denke ich mir. Wie lustig. Aber ich fluche, weil ich mich über meine eigene Blödheit ärgere.

Dieser etwas anachronistische Rollenspiel-Todeshauch ist ein fabelhafter Abgesang für Xbox 360 und PS3!Fazit lesen

Das ist aber nicht nur meine Schuld, denn die Steuerung ist wirklich ziemlich gewöhnungsbedürftig. Trotzdem macht die Figur, wenn ich mich geschickt anstelle, meist das, was sie soll. Doch man benötigt eine Weile, bis man in den Flow der Spielmechanik kommt. Diesem Dark-Souls-typischen Rhythmus aus Ausweichen, Hechtsprung und Draufkloppen, wenn sich eine Lücke in der Verteidigung der Spießgesellen auftut. Klick, Klick, Boom – zurück. Und noch mal, bis der Gigant am Boden liegt.

Dark Souls 2 - Hunde, wollt ihr ewig leben?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden3 Bilder
Die Kämpfe steuern sich ähnlich schwerfällig wie im Vorgänger - was der Atmosphäre keinen Abbruch tut.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch auch hier zeigt sich, dass ich DS2 immer wieder unterschätze. Räume ich plötzlich ohne Probleme ein halbes Dutzend Schwergewichte kinderleicht beiseite und scheitere dann im ersten Versuch beim Boss, breche ich zu selbstgefällig zum zweiten Anlauf auf. Daraus werden ein Dritter und ein Vierter. Und noch viel mehr. Weil ich den Erfolg mit wiederkehrenden Mustern verwechsle und nicht mehr auf die NPCs achte, sondern „mein Programm“ achtlos abspulen will. Und das bestraft Dark Souls 2. Immer.

Welch schöner Todeshauch

Dranglaec ist eine Mischung aus herbstlich-melancholischen Landschaften, die trotz der Gefahren zum Träumen einladen, epischer Architektur und teils strunzhässlichen Texturen. Toll, dass endlich auch Tageslicht einkehrt in diesen Test des Durchhaltewillens. Auch wenn man der (an sich neuen) Technik anmerkt, dass sie ihr Ablaufdatum bereits überschritten hat, schmeckt sie noch immer, wenngleich sie auch ihre Schwächen offenbart. Nicht falsch verstehen: Ich würde dieses Spiel gern schon im Gewand der neuen Konsolengeneration sehen. Aber irgendwie steht dem Spiel dieser etwas anachronistische Todeshauch sehr gut. Es ist ein fabelhafter Abgesang von Xbox 360 und PS3.

Und diese auf ihre Art bezaubernde Welt erlaubt keine Fehler. Ich muss mir jeden Meter erkämpfen oder erzittern. Jeder Schritt könnte meinen Tod bedeuten. Latsche ich zu unvorsichtig in eine mir unbekannte Behausung oder Höhle oder wage es gar, einen Nebel zu durchschreiten, kann das sehr schnell mit einer Expresszustellung an Dr. Tod enden. Sprich, ich finde mich am letzten Leuchtfeuer wieder, mein Lebensbalken um ein kleines Stück reduziert.

Bis auf 50 Prozent kann die Lebenskraft permanent sinken. Wenn ich mein Menschenbild nicht wiederherstelle, muss ich solange mit deutlich zusammengeschrumpftem Lebenssaft auskommen. Was sich auf Dauer gar nicht gut macht, wenn man weiter kommen möchte.

Also studiere ich meine Umgebung, taste mich teilweise nur Schritt für Schritt voran, und werde doch immer wieder von Feinden überrascht, die hinter einem Vorsprung lauern. Dafür ist es umso befriedigender, wenn ich durch meine Vorsicht zwar eine Falle auslöse, der Indiana-Jones-Gedächtnisfelsen aber nicht mich überrollt, sondern den lauernden Bösewicht. HAHAHAHA. Da ist es wieder, das Lachen. Und diesmal ist es durchaus ziemlich irrwitzig gemeint. HAHAHAHAHAHAHAHA!

Dark Souls 2 - Hunde, wollt ihr ewig leben?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 267/2701/270
Auch der Online-Modus wird beim gegenseitigen Auslöschen von Lebenslichtern wieder eine wichtige Rolle spielen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es dauert eine Weile, bis man mit dieser Welt warm wird, ihre Gefahren als ebenbürtig anzuerkennen bereit ist. Aber es ist auch ein unwahrscheinlich befriedigendes Gefühl, für kurze Momente zu glauben, sie meistern zu können. Was natürlich ein Fehler ist, aber diese seltenen Augenblicke soll und muss man genießen. Denn die nächste böse Falle wartet bestimmt. Daran ändern auch die jetzt auch in der Bewegung nutzbaren Lebenssteine nichts. Oder die Möglichkeit, mit der „Soul Vessel“ meinen kompletten Charakteraufstieg zurückzusetzen.

Dark Souls 2 - Impressionen aus dem Vorort zur Hölle

Klicken, um Bilderstrecke zu starten (21 Bilder)

Dark Souls 2 - Impressionen aus dem Vorort zur Hölle

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/22Bild 249/2701/270
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das sind nette Features (und gerade Letzteres könnte für Diskussionen sorgen), aber sie verändern an dem harschen Überlebenskampf kaum etwas. Was sich übrigens auch auf das Interface und das Menü bezieht: hier passt Entwickler FromSoftware die Bedingungen des Spiels einfach nahtlos an. Denn zugänglich, intuitiv oder benutzerfreundlich – all das lässt sich über die diesen Teil des Rollenspiels genauso wenig sagen wie über den Rest.

Niemand will alleine sterben

Ja, auch der Mehrspieler-Spaß kehrt zurück. Nun, nicht für jeden wird das im Spaß enden, abhängig davon, ob man lieber mit jemandem zusammenspielt oder die Sitzungen anderer Leute überfällt. Das System ist ziemlich komplex - je öfter ihr bei anderen einbrecht, desto häufiger ist das auch beispielsweise umgekehrt bei euch möglich. Mit bestimmten Eiden oder zaubern lässt sich das alles manipulieren. Zum Zeitpunkt des Tests waren die Online-Server jedoch noch nicht in Betrieb.