Nach der großen Erleichterung folgt das erste Mal so etwas wie Ernüchterung. Leise. Schleichend. Noch während ihr die hintersten Winkel des Eisenkorridors mit Mühe und Not auskratzt, sortieren sich vor eurem inneren Auge die Geschehnisse der letzten paar Stunden. Es waren gute, ohne Zweifel. Und doch will sich die erwartete Begeisterung, das befreiende Händereiben nach getaner Arbeit, nicht so recht einstellen.

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Versteht mich nicht falsch – es ist Ernüchterung auf hohem Niveau. Auf eine bizarre Art und Weise sehnt sich Crown of the Old Iron King nach diesem Gefühl, kann gar nicht anders. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gibt sich das Mittelstück der DLC-Trilogie deutlich unbarmherziger und nüchterner, die schlussendliche Abgeklärtheit kommt also nicht ganz von umsonst. Wenn man stundenlang durch Blut und Schweiß gewatet ist, hält sich die Freude auf den letzten Metern eben in Grenzen.

Hammer und Amboss

War Shulva der Hammer, so ist der Nebelturm der Amboss. Hinter den Überresten des Alten Eisenkönigs, den ihr im Herzen des Eisenschlosses niedergerungen habt, zeichnet sich erneut ein Schlangenaltar aus den Schatten ab und führt euch zur eindrucksvollen Kulisse des architektonischen Meisterwerks, das sich Ruhestätte der Eisenkrone nennen darf. Lasst euch nicht von der schweigsamen Fassade täuschen – im Inneren erwarten euch Feuer, Rauch und Tod.

Dark Souls 2: Crown of the Old Iron King - Unbarmherzigkeit hat einen Namen

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Ausgerechnet der hohe Schwierigkeitsgrad fällt dem zweiten DLC-Happen ein Stück weit auf die Füße.
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Anders als Crown of the Sunken King führt euch FromSoftware nicht mehr in ausschweifenden Bahnen durch ein weites, sinnvoll verschachteltes Areal, sondern versucht sich an einer unvertrauten Vertikalität. Hinab, immer weiter hinab zieht es euch durch die Eingeweide des Nebelturms, vorbei an krächzenden Hochöfen, aschebedeckten Felsnadeln und Bergen von Schwarzpulverfässern. Eigentlich ein Schritt hin zu Reduktion möchte man meinen, aber mit der gelungenen Vorlage im Nacken ein Schritt zur rechten Zeit.

So nämlich setzt der DLC noch einmal eigene Akzente, außerordentlich wichtig für den Mittelteil einer dreiteiligen Serie. Die Erweiterung gibt euch von Anfang an ein klares Ziel vor, hat eine Vision, weiß, wo sie hin will. Die dichte Atmosphäre bedankt sich höflich. Was hat es mit den grotesken Aschegötzen auf sich? Was ist der verfluchten Königin Nadalia widerfahren? Ein Fest für jeden Fan der Dark Souls-Lore.

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Solche eigenen Ideen braucht es aber auch, vereint die Krone des Alten Eisenkönigs sonst doch eine bekannte Kulisse mit einem recht einheitlichen Gegneraufgebot. Drei Ritterbosse – von denen einer in der Form geradezu unverschämt ideenlos ist – passen hervorragend in das Bild der verlorenen Feste, spielerisch bleibt dabei aber natürlich einiges an Abwechslung auf der Strecke.

Dark Souls 2: Crown of the Old Iron King - Unbarmherzigkeit hat einen Namen

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Crown of the Old Iron King verschiebt das Souls-Konzept um ein paar winzige Nuancen. Klappt ganz gut, obschon nicht perfekt.
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Über solcherlei Dinge kann man sich auf seinem Weg durch den Turm jedoch kaum Gedanken machen, so hart sind die Auseinandersetzungen zum Teil. Die Erweiterung macht sich keine Freunde – will sich gar keine machen – und setzt euch ein ums andere Mal ganze Gegnermeuten vor. Aus der Not mach eine Tugend: Dark Souls belohnt tatsächlich so etwas wie taktisches Vorgehen, wenn ihr unterwürfige Fässergoblins in kopflose Giganten lenkt und sie dort mit ihren Artgenossen in den Tod reißt.

Genau hier liegt letztlich die Krux: Crown of the Old Iron King ist die Essenz dessen, was sich viele unter einem guten Dark Souls vorstellen – fordernd, tückisch, erbarmungslos. Und trotzdem fühlt es sich nicht vollkommen richtig an.