Gleich einem unbarmherzigen Ross peitscht der Wind über die Ebenen, hinweg über ausgedörrte Täler und durch nasse Felsspalten. Er trägt einen Duft heran, der alte Erinnerungen weckt. Schemenhaft zeichnen sich vor meinem inneren Auge strahlend weiße Türme und kalte Sonnenstrahlen ab. Ein Widerhall alter Qualen durchströmt meinen Körper. Ich bin schon einmal hier gewesen, habe meine Stiefel auf der Suche nach Erlösung bereits in den aufgeweichten Boden gegraben. Und es tut gut, sich in den Überresten vergangener Tage zu verlieren – ich bin wieder zu Hause.

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Die ersten Schritte hinein in die unbarmherzigen Weiten des Königreiches Drangleic kommen einer Läuterung nahe. All die geraubten Stunden meiner Lebenszeit, all die unausgesprochenen Grauen, die Dark Souls mir zugemutet hat – wie weggewischt. Mit andächtiger Ruhe beschreite ich den Pfad zur flammenerhellten Hütte, wohl wissend, dass mich auf der anderen Seite nur Tod und Leid erwartet. Es ist der einzigartigen Seele von Dark Souls 2 zuzuschreiben, dass ich mich darauf freue.

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Die Erschütterung eines Weltbildes

Etwas mehr als einen Monat hattet ihr nun Zeit, den fabelhaften Abgesang auf die auslaufende Konsolengenerationen zu erleben. Nun schließt sich der Kreis mit der PC-Version. Und so wenig Neuerungen diese auch zu leisten imstande ist, taucht sie die Reise doch in ein völlig neues Licht.

Mit geradezu verächtlicher Leichtigkeit stemmt die vergrößerte Rechenkraft die gewaltigen Landmassen, verirrten Sonnenstrahlen und wogenden Fluten und vereint sie in einem unerschütterlich laufendem Grundgerüst. Weder der Letzte Riese noch das Panorama des Drachenhorts können die butterweiche Darstellung aus ihren Ketten sprengen, ohne Aussetzer liefert Namco Bandai hier endlich die technische Umsetzung, die für den ersten Teil – trotz einer bemühten Moddingcommunity – immer unerreichbar war. Dafür braucht es noch nicht einmal die glanzvollen Lichteffekte, mit denen einem die ersten Bewegtbilder den Mund wässrig machten.

Dark Souls 2 (PC-Version) - Es ist schön, wieder zu Hause zu sein

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Lasst euch von der eigentümlichen Atmosphäre verzaubern.
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Es ist schwer zu fassen, bedenkt man, wie hoch die Wellen der Entrüstung über dem unübersehbaren Grafikdowngrade zusammenschlugen. Und doch kann eine so schlichte Anpassung der Stellschrauben – eine allgemein erhöhte Stabilität – einen so bedeutenden Effekt auf das gesamte Spielerlebnis machen.

Im Angesicht des PC-Ports von DS 2 sehe ich mich gezwungen, mein Bild der sperrigen und eigensinnigen Reihe überdenken. Nun muss ich mir eingestehen, dass die vielen lieb gewonnenen Ecken und Kanten in technischer Hinsicht (Blighttown muss ruckeln, das gehört dazu!) vielleicht doch nicht eine notwendige Erscheinungsform des unversöhnlichen Spielgefühls sind. Der Gedanke erschreckt mich, rüttelt das doch an den eigentümlichen Grundfesten des Phänomens Dark Souls. Es geht eben doch anders.

Packshot zu Dark Souls 2Dark Souls 2Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Aber auch die PC-Version hat ihre Unzulänglichkeiten. Ganz ohne geht es dann nämlich doch nicht.

Viele, ich eingeschlossen, werden sich trotz der lobenswerten grafischen Qualität über den unzureichenden technischen Sprung ärgern. Die vermisste, aber fast erreichte Chance ist wie so oft am niederschmetternsten. Und selbst wenn die grafische Umsetzung viel von der altgedienten Sperrigkeit nimmt, so äußert sich diese erneut an anderer Stelle – bei der Steuerung mit Maus und Tastatur.

Dark Souls gibt es endlich in der Form, wie ihr sie euch schon immer gewünscht habt.Fazit lesen

Die PC-übliche Variante ist beileibe kein Totalausfall und lässt sich nach einiger Eingewöhnungszeit recht schnell verinnerlichen, doch irgendwie fühlt sich der Akt doch grundsätzlich falsch an. Als ob man eine Prothese übergestreift bekäme. All die vertrauten Abläufe sind nun einmal mit dem Pad im Hinterkopf entworfen worden und nach wie vor sollte der USB-Port eures Rechners für ein entsprechendes Kabel reserviert sein.

Dazu kommt, dass grundlegende Eingaben ziemlich umständlich belegt wurden. Etwa, dass der Befehl für eine einfache Interaktion mit Shift + Mausklick gefährlich nah an der Schwelle zur Ausführung eines Hiebes steht - Gespräche mit Personen werden infolgedessen zur Zerreißprobe. Oder dass sich die Anvisierung von Zielen nur durch mühsame Mausbewegungen hin und her schalten lässt.

Dark Souls 2 (PC-Version) - Es ist schön, wieder zu Hause zu sein

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Der Tod ist ein geduldiger Lehrer.
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Was bleibt, ewig und unveränderlich, ist die Unbarmherzigkeit von Drangleics Königreich. Umweht von einem kalten Todeshauch, beschreite ich von der Zeit geschliffene Lande und scheitere im Angesicht der drohenden Niederlage. Es tut gut, sich in den Qualen der verlorenen Tage erneut zu verlieren. Hier gehöre ich hin.

Der PC war nie ein schönerer Ort, um zu sterben.