Seid ehrlich. Am Ende war die Angst doch ein wenig größer als das Vertrauen in ein Studio, das den Anspruch hat, es mache Spiele, die seine Leute "selbst gern erleben wollen", statt Trends hinterherzuhecheln.

Obwohl man den Werken From Softwares ansieht, dass sie nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zusammengedrückt sind, projizierte Dark Souls das bislang größte Echo. Plattformübergreifend und begleitet von einem fast einstimmigen Lied der Begeisterung. Ein Spiel, für viele nahe der Perfektion, das nun fortgesetzt wird - wie viel besser und größer kann es noch werden?

Wer die vergangenen Spielejahre miterlebt hat, insbesondere die beliebten großen Reihen und ihre Entwicklung, musste letzten Dezember vielleicht schlucken. Von den "Straightforward"- und "Direct"-Andeutungen zehrten sämtliche Spieleseiten wochenlang, ebenso wie vor Diskussionen überschwappende Foren. Man möchte nichts hergeben, was man liebt - so ist das eben -, und es schmerzt, wenn es im Vorfeld danach aussieht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Vor allem das Warten nagte. Kein Lebenszeichen, keine Gewissheit. Nur das naive Vertrauen, dass "die das schon machen". Und das bei einem Spiel in einer wenig beneidenswerten Lage: Während Dark Souls eines war, von dem viele Leute im Vorfeld wahrscheinlich nicht mal wussten, dass sie es später lieben werden, sind diese Menschen nun Fans. An ihnen hängen Erinnerungen und Erwartungen.

Dark Souls 2 - Stein vom Herz: Wieso der erste Blick unheimlich beruhigt

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Hier wollt ihr garantiert nicht im Weg stehen.
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From Software steht zwischen zwei Gruppen: jenen, die jeden Pixel auf die Goldwaage legen und auf "Hardcore" abklopfen, und denen, die das vielleicht erst beim nächsten Teil tun werden - und je mehr erstgenannte Gruppe im Laufe des Jahres noch anwächst, desto größer der Knall, wenn Dark Souls 2 als einer der Letzten dieser Generation erscheint. Auf den neuen Richtungsgebern, Tomohiro Shibuya und Yui Tanimura, lastet ein felsenfester Druck. Irgendwann vielleicht auch auf ihren Autos, sollten sie es versauen, aber das ist ein anderes Thema.

Packshot zu Dark Souls 2Dark Souls 2Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Wie kann man die Premiere einordnen? "Puuuuh", war mein erster Gedanke, als der Kameraschwenk ein verfallenes Reich zeigt, mit seinen endlos langen Brücken, schiefen Steinmauern und tristgrauen, verwitterten Bauten.

"Hui", der zweite, als das Leuchtfeuer entflammt und die Statue dahinter in ein geheimnisvolles Licht taucht, gerade als der Namco-Producer die Worte "how much you can get into the game, emotionally und physically" in den Mund nimmt - ein kleines Nach-Hause-Kommen, wenn ihr so wollt. Kurzum: Es sieht aus, wie Dark Souls aussehen muss, läuft offenbar so, wie es immer war, und entfachte zumindest bei mir sofort die alte kribbelnde Entdeckerlust.

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Das sind wunderbare Ausblicke...
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Wie gern hätte ich den Controller in die Hand genommen und den Sturzangriff ausprobiert, als man von der Brücke aus zig Echsen auf dem Boden sehen konnte, jede davon drei Meter lang, inmitten aufsteigender Feuersäulen.

Wie gern hätte ich mich durch Rüstungen, Speere und Schwerter gewühlt, die Sehne des Bogens gespannt, dem miesen axtwerfenden Mistzwerg eine reingezimmert... Doch das war wohl kein Thema für heute.

Die große Panik ist weg

Der Held läuft lieber weiter in einen Bereich, der glatt als vergessener Teil der Stonefang-Tunnel aus Demon‘s Souls durchginge: mit verwirrend angeordneten Holzkonstrukten über feurigen Gruben, auf denen man entlangbalanciert, während man Vorsprünge erkundet, sich ein Herz fasst und fallen lässt auf den Balken darunter, von dem das verräterische Funkeln kommt.

Verzeiht bitte das kurze Ausschweifen. Ich habe keine Ahnung, wie sich Dark Souls 2 abseits des im Video gezeigten Pfades anfühlt - genau genommen weiß ohnehin niemand, wie es sich anfühlt, nur wie es aussieht -, aber allein die ersten Einblicke in die Umgebungen lassen mich träumen. Wie damals, als man mit schlotternden Knien runterging ins Innere des Sturmschreins, das Tal der Schändung mit seinen giftigen Dreckhaufen oder die Kanalisation, an deren Eingang Mutter Riesenratte grüßt.

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Sie werfen sich auf den Rücken und drücken euch damit platt.
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Ich verbrachte eine ganze Weile mit Überlegungen, wie es wohl in den Ecken aussehen mag, die der Vorspieler ausgelassen hatte, wo sich die Pfade kreuzen könnten und welche Gefahren dazwischen lauern. From Software, so scheint es, öffnet wieder urige Kulissen abseits triefender Zuckersüß-Fantasy mit Jahrmarktcharakter, auf denen es aus öden Quest-Buden dröhnt, man solle Katzen finden, Handtaschen stehlen, Schreiben abliefern, Abzeichen sammeln... Die Geschichten erzählt die Umwelt, zum Beispiel mit einem riesigen Drachenskelett, das sich aufrappelt und krachend über euch zusammenbricht.

Und apropos krachend: Dieser Zyklop war wahnsinnig beeindruckend, als er mit blanker Faust durch die Wand schlug und sich aus seiner Zelle befreite. Es scheint, als könnte die Kulisse mehr werden als nur Bühne für einige der bizarrsten Monster, die jemals in einem Action-RPG Gift und Galle spuckten.

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Eingestehen muss ich auch: Als Dark-Souls-Fan schaut man auf Kleinigkeiten. Man freut sich sogar ein bisschen darüber, dass Waffen durch Wände ragen und weder Namco noch FromSoft der Meinung sind, diese Kanten verstecken zu müssen. Man fragt sich, ob man weiterhin mit den Leichen Fußball spielen kann, was zumindest in der Szene mit dem Hund nicht so aussah.

Und man blickt auf den Energie- sowie Ausdauerbalken, beide gleichlang gezogen, die weniger abnehmen, als man es von Dark Souls gewohnt ist. Der Nerd in mir runzelte hier das einzige Mal die Stirn, insbesondere als er sah, wie schnell der speckige Ausbrecherzyklop zu Boden geht.

Vermutlich wurde der Charakter eigens für die Präsentation erstellt und mit Werten weit über denen versehen, die man normalerweise an der Stelle hat.

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Drachen spielen für die Geschichte von Dark Souls 2 eine wichtige Rolle.
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Die Fackel ist eine wunderbare Sache. Der Gedanke daran, wie sehr eine Verknappung an der Abenteurerseele knabbern könnte, wenn man sich runterwagt in alte Ruinen, lässt mich davon träumen, wie Dark Souls 2 hoffentlich werden wird: ein gnadenloses Biest, das euch die Zweifel auf den Rücken bindet, diesmal nur hübscher, mit besserer Beleuchtung und so weiter.

Ich freue mich riesig, dass mir FromSoft die große Panik nehmen konnte. Die kommt hoffentlich später, wenn man selbst knietief drin steckt in alten Grabkammern und Drachenknochen.

Nun interessiert mich brennend: Wie habt ihr diese Videopremiere empfunden? Erleichterung? Mal gucken? Alles Scheiße? Eure Kommentare sind willkommen.

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