Souls ist zu Ende. Zumindest wenn man den Worten Miyazakis folgen mag, der im Interview mit den amerikanischen Kollegen von GameSpot klare Worte findet. Dark Souls 3 als das große Ende der Serie. Thematisch hätte man es nicht besser treffen können, auch im Spiel selbst, und der ein oder andere wird glücklich damit sein, dass From Software sich zu diesem – mehr oder weniger finalen, aber auf jeden Fall notwendigen – Schlussstrich entschließt.

Anmerkung der Redaktion: Weil wir es doof fänden, euch die Liste zu spoilen, haben wir auf unserer Grafik zum Artikel bewusst Bosse abgebildet, die in unserer Liste nicht enthalten sind. Schummelei, wir wissen, aber so bleibt es spannend, und damit ihr euch nicht betrogen fühlt, sagen wir es euch lieber gleich.

Was bleibt uns vom Ende?

Das Wichtige von Demon’s Souls, Dark Souls und Bloodborne lässt sich schwer greifen. Jeder Ableger hat unser Medium um wichtige Facetten bereichert, man denke an das Kampfsystem, Leveldesign, die Art, dem Spieler seine Einflussmöglichkeiten zu kommunizieren. Was bei dieser Frage immer wieder mit ziemlicher Sicherheit vor dem eigenen inneren Auge hervorblitzen wird, das sind die Ungetüme von Bossgegnern, ultimativer Trainingsparcour für die eigenen Fähigkeiten als Spieler, mal mehr, mal weniger.

Dieser Artikel soll in konkretisierter Listenform an diese Highlights der Souls-Serie erinnern, als Nachruf quasi. „Die besten Bosse der Souls-Spiele“ lässt sich dabei so pauschal schwer sagen, einigen wir uns deshalb auf die „erinnerungswürdigsten“, was der eingangs angeführten Thematik auch besser gerecht wird. Redundant zu sagen an dieser Stelle, aber trotzdem wichtig, um Missverständnissen vorzubeugen: Das Folgende ist eine subjektive Einschätzung, das liegt in der Natur der Sache, wo Souls sowieso wie kein Zweites von der Subjektivität der eigenen Erfahrungen mit der Reihe geprägt ist.

Was die Bosse so besonders macht, die uns mehr als alle anderen in Erinnerung bleiben werden, dafür lassen sich verschiedene Skalen ansetzen. Bei offensichtlichen Punkten wie der Präsentation und der Kreativität des Gamedesigns werden wir wohl alle gleichermaßen mitgehen, dahinter scheiden sich bereits die Geister. Mir als Lore-Liebhaber ist der Kontext des Kampfes zum Beispiel ein essenzieller Bestandteil eines guten Bosskampfes, Souls-Masochisten wiegen Bosskämpfe möglicherweise an dem Schwierigkeitsgrad der Auseinandersetzungen auf. Ein anderer legitimer Punkt mag der begleitende Soundtrack sein oder gar welche Drops ein Hüne als Belohnung erwarten lässt. Ihr seht schon, je nachdem, wie man selbst mit den ikonischen Auseinandersetzungen umgeht, kommt man zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

Und zuletzt muss hier aus taktischen Gründen eine gewisse Hierarchisierung zwischen den einzelnen Spielen erfolgen. Bei mittlerweile über 100 verschiedenen Bossen (129, um genau zu sein) kommt es gezwungenermaßen zu Überschneidungen, da nutzt auch die Kreativität der Designer From Softwares nichts. Der Old Monk aus Demon’s Souls und der Spiegelritter aus Dark Souls 2 sind so Kandidaten, die beide mit einer genialen Wendung überraschen, das aber letztlich auf die gleiche Art und Weise tun. Der augenscheinlich besser designte Boss der beiden gibt hier seinen Platz ab, einfach, weil er zu seiner Zeit nicht mehr so überraschen konnte wie das Original.

Platz 10 - Jungfrau Astraea

Eines der tragischsten Schicksale der gesamten Serie und darüber hinaus ein ambivalenter Bosskampf, der einen an seinem Handeln als Spieler zweifeln lässt. Nachdem man in Demon’s Souls das verhasste Sumpfgebiet, das Valley of Defilement, ausgekratzt hat, trifft man am tiefsten Grund der Seuche auf einen unverhofften Gegner – Maiden Astraea, eine liebliche, schutzlose Priesterin, die so gar nicht dem Schema des zerstörerischen Bösewichts entsprechen will. Begleitet von einem eingängigen, barocken Thema und bedrückenden Worten („There is nothing here for you to pillage or plunder.“) stellt man sich nicht dem eigentlichen Erzdämon, sondern ihrem keulenschwingenden Leibwächter Garl Vinland in einer emotional aufgeladenen Auseinandersetzung. Maiden Astraea selbst begeht schließlich Selbstmord und überlässt dem Spieler mutlos ihre Dämonenseele. Ein Kampf, der bis ins Mark geht und symbolisch für die tabubrechende Welt von Demon’s Souls steht.

Dark Souls - Was vom Ende bleibt – die erinnerungswürdigsten Bosse der Souls-Historie

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Jungfrau Astrea - einer von den Bossen, die wir eigentlich nicht töten wollten.
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Platz 9 - Turmritter

Kein anderer Bosskampf der Reihe steht dermaßen stellvertretend für das die Souls-Spiele verkörpernde Prinzip des David gegen Goliath, wie es der Tower Knight aus Demon’s Souls tut. Der Ritter selbst ist die lebendige Verkörperung des Goliath, in einen gusseisernen Harnisch eingemantelt, dazu mit einer riesigen Lanze und einem geradezu absurd mächtigen Turmschild gerüstet, der ihm auch seinen Namen eingebracht haben dürfte. Bevor an eine annähernd faire Auseinandersetzung überhaupt zu denken ist, müssen zusätzlich die Armbrustschützen abgeräumt werden, die links und rechts der Arena auf erhöhten Positionen Stellung bezogen haben und die Spielfigur aus der Entfernung piesacken.

Im eigentlichen Kampf mischt sich schließlich die Legende um David und Goliath mit der sprichwörtlichen Achillesferse, die dem Tower Knight zum Verhängnis wird. Auch wenn die Hiebe auf die Füße des Riesen erschreckend wenig Schaden verursachen, so bringen sie den Ritter schließlich aus dem Gleichgewicht und entblößen seine große Schwachstelle – das Haupt. Ein kreativer Designkniff; mit den verschiedenen Angriffsmustern (Lanzenhieb, Schildschlag, Tritt, Magie) obendrauf ein rundum gelungener, ikonischer und nicht zu verachtender Bosskampf.

Platz 8 – Sir Alonne

Von einem Badass zum nächsten – Sir Alonne aus dem zweiten DLC zu Dark Souls 2 verkörpert das edle Prinzip der Samurai wie kein Zweiter und liefert dem Spieler ganz nebenbei eine der atmosphärisch dichtesten und stilsichersten Auseinandersetzungen der gesamten Reihe. Großen Anteil daran hat der Anführer der aus dem Eisenschloss bekannten Alonne-Ritter selbst, begrüßt er den Spieler doch ganz dem PvP-Knigge entsprechend mit einer stummen Verbeugung und liefert auch sonst ein Duell auf Augenhöhe ab. Es kommt insofern noch besser, als dass der ehrenhafte Wanderer bei einer fehlerlosen Begegnung sogar so weit geht und sich selbst durch einen Seppuku das Leben nimmt. Sir Alonne ist ein wenig der eigene Bro, für den man ohne zu zögern die Hand ins Feuer legen würde und nicht umsonst hat er sich zu einem Liebling der Community gemausert.

Das ganze Drumherum kann sich ebenfalls sehen lassen, das Duell findet vor toller Kulisse mit Postkartencharakter statt und Alonnes Ausrüstungsteile, die nach dem Kampf winken, gehören zu den schicksten von Dark Souls 2, Katana mit Seppuku-Move inklusive. Die Krone setzt dem Ganzen aber der Soundtrack von Yuka Kitamura auf, dessen lateinische Choräle mal eben das Schicksal des Samurais aufgreifen und loregerecht besingen. Man siehe die nachfolgende Übersetzung in Videoform.

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