Das Entscheidende bei der Dark-Souls-PC-Version, so rumpelig und taktlos das an dieser Stelle klingen mag, ist die Qualität der Umsetzung. Vor allem dann, wenn sich der Entwickler – in dem Fall From Software – im Vorfeld ehrlich zurücknimmt und eingesteht, dass der PC als Spielplattform nie so ihre erste Wahl war und man entsprechend keine technischen Wunderwerke erwarten sollte.

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Das tat ich bei der Konsolenversion schon nicht und bekam genau das: einen kantigen, spröden Koloss aus Fels, Brücken und endlosen Mauern. Im Detail etwas karg und ausgeblasst, nirgendwo richtig geschliffen, nirgendwo auf Hochglanz poliert. Es war das fast perfekte Spiel. In Kürze auch für den Rechner.

"Ich will das auf meiner Geforce 973 in 60 Bildern pro Sekunde flutschen sehen, nicht mit 54 und schon gar nicht mit 30. Wozu habe ich denn 32 GB RAM, einen Elfkernprozessor mit neunundsiebzig Teraflops, 4096-Bit-Speicheranbidung an meine MX-GH-4G-zertifizierte Grafikkarte und die „Silent“-Stickstoffeinspritzung?"

"Wenn das nicht klappt, dann wird Dark Souls runtergeladen. Bestenfalls!", so ähnlich klangen einige der Kommentare, im Vorfeld zu beobachten, nachdem From Software eingestand, dass sie als Konsolenentwickler mit dem PC nicht so wahnsinnig viel Erfahrung haben.

Wem das Gefühl gnadenloser Isolation in einer feindseligen, geheimnisvoll verwunschenen Welt wichtiger ist als Polygon, Pomp und Pixel, der wird seine Freude haben. Die Frage ist nur: auf welchem Detaillevel und auch mit Maus und Tastatur?

Dark Souls PC - Ihr werdet alle sterben!

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Diese Riesen bewachen eines der neuen Gebiete. Ein Schlag von ihnen reicht.
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Ich hatte für beide Extremfälle im Vorfeld – 'steuert sich wunderbar' und 'steuert sich, wie die Konsolenversion in Schandstadt läuft' – jeweils einen eigenen kleinen Abschnitt im Vorschaubaukasten zusammenwürfeln lassen. Damit der eine davon nicht umsonst war und der Einseiter nicht schon an der Stelle endet, hier in aller Kürze:

Packshot zu Dark SoulsDark SoulsErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

From Software hat es geschafft, das Spiel sinnvoll für Maus und Tastatur umzusetzen. Alles ist schön intuitiv erdacht und sauber umgesetzt. Die Steuerung geht gut von der Hand und schnell in Fleisch und Bl...“ Lassen wir das.

Anspruchsvoll, packend, unendlich befriedigend - auch auf dem PC eine Reise, die man nie vergisst.Ausblick lesen

Die Maus-und-Tastatur-Variante ist kein Totalausfall, und das wahrscheinlich noch weniger, wenn man tagein tagaus am Rechner spielt. Es klappt irgendwie, kann man benutzen, sofern man nichts anderes zur Hand hat, und dürfte auch halbwegs vorwärts kommen. In einem Spiel, das euch ohnehin nichts schenkt, vielleicht nicht die beste Idee.

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Wer ins Mausoleum will, muss an dem Wächter vorbei.
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Also: Am besten Gamepad anschließen, egal welches. Dann nämlich klappen Block, Zuschlagen, Riposte und Ausweichen so zackig, wie es die Kämpfe gegen Gargoyles, Skelettritter und keulenschwingende Giftriesen erfordern. Dann kann man sich mit einem halbwegs sicheren Gefühl herunterwagen in die Untiefen mit den Basiliskenfröschen oder die Dämonenruinen voller brodelnder Lavapfützen.

Und, wie läuft's?

Ich kann nur von mir und meinen Gewohnheiten sprechen, aber mit Shift zu blocken und mit Tab einen Schildkonter einzuleiten, während man Gegner per Mausradklick anvisiert und zwischen ihnen wechseln möchte (was dann - ich hab es nicht ausprobiert - mit Mausbewegungen funktionieren sollte), das fühlt sich einfach nicht richtig an. Wenn ihr es schafft und euch damit anfreundet, super und wunderbar, aber meins wird das in der Form nicht.

Was beim Anspielen sofort auffällt: Mit der Stickstoffeinspritzung könnt ihr Sinnvolleres anstellen. Das hier ist eine bescheidene Eins-zu-eins-Portierung von einem Studio, das froh ist, etwas der Konsolenfassung Gleichwertiges abzuliefern und PC-Spieler überhaupt bedienen zu können.

Also nehmt, was sie geschaffen haben, und habt den Spaß eures Lebens, auch wenn Oberflächen, Texturen, Effekte und was-nicht-alles keine Verbesserungen erfahren haben. Absolut keine. Nur schärfere (leider offenbar hochskalierte) Auflösung, etwas höhere Sichtweite kürzere Ladezeiten und so weiter.

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In den neuen Gebieten warten auch neue Verbündete.
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Schandstadt, auf der Konsole ein hässlich ruckelnder Abschnitt, so klebrig-zäh wie der Sumpf, durch den man watet, läuft nun flüssig. Oder wie auch immer ihr 30 Bilder pro Sekunde wahrnehmt. Mehr liefert das Spiel nicht, dafür durchgängig. Auch im Finsterwurzgarten, wo sich Nebelschwaden durch Baumreihen wälzen, und in Anor Londo beim Treppenaufgang zur Kathedrale.

Das waren immer so meine und einige eurer Problemzonen auf der Konsole, und es sieht fast danach aus, als hätte From Software die Technik im Griff. Wie gesagt: Erwartet keine frisch vom PC-Schnippeltisch fallende, aufgeblasene Schönheit, nichts, was die Konsolengene vertuschen könnte, aber bei einem Abenteuer, das von seiner Stimmung lebt, dem langsamen Erschließen der Struktur und dem Verstehen der Welt sowie ihrer Regeln, da ist das nicht schlimm.

Und immerhin dürfen PC-Spieler schon Ende August die neuen Gebiete erkunden. Den „Königlichen Garten“ fand ich auf Anhieb nicht so umwerfend, was wohl daran liegt, dass er sehr an den Finsterwurzgarten erinnert, nur etwas heller. In zerfallenen Ruinen führen knirschende Fahrstühle in archaische Arenen, und irgendwo dahinter zeichnet sich eine nach unten führende Stadt bizarrer Monstrositäten ab. Gefüllt mit Magiern, die euch ihre Zaubersprüche in den Lauf donnern, während ihr über alte, klapprige Holzbrücken balanciert – die Anor-Londo-Bogenschützen lassen grüßen. Und Heckenscherenwespenmänner. Die nenne aber nur ich so. Sind gar keine Wespen. Sehen allerdings von weitem so aus. Männer waren es auf jeden Fall mal.

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Freut euch auf ein anspruchsvolles Abenteuer voller gefährlicher Kreaturen.
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Als ich in die neuen Gebiete erkunde und mit dem Grabesdienerschwert immer tiefer vordringe in die Gänge, da kommt er auf einmal wieder, der Respekt vor dem Unbekannten, ein blitzendes Schlachtermesser in der Hand, ein hässlich schiefes Grinsen im Gesicht. Komm schon, sagt er, der Mantikor war doch gar nicht so schwer. Das Leuchtfeuer flackert kurz auf, als ich es entzünde. Funken schlagen rings um. Ich habe nicht mehr zurückgeblickt.