Ich bin noch lange nicht fertig. Ich habe mich noch nicht sattgesehen. Dark Souls 3 bestimmt noch immer einen Großteil meiner außerberuflichen Zockzeit. Doch trotz New Game+ und den baldigen DLCs ist es Zeit für einen Schlussstrich: The real Dark Souls ends here.

Meine Liebe zu Souls begann blauäugig. Mehr als einen neugierigen Blick wollte ich Demon’s Souls, das meinem bevorzugten Spieleschema – kurz, locker, erzählfreudig – so gar nicht entsprach, nicht widmen. Flott einen Kumpel zu mir auf die Couch gesetzt, Konsole angeschmissen und gemeinsam reinschauen. Zumindest mal für eine Stunde. So um mitreden zu können.

Dark Souls - Nicht höllisch schwer – teuflisch gut! (Kolumne)

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Ein Symbolbild für die vielen Tode, die wir in Souls-Spielen gestorben sind – ja, dieser fiese Gesell begräbt mich wenige Augenblicke später unter seiner riesigen Keule.
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Hardcut: 8 Stunden später. Vom Fenster aus schrillt zwei übernächtigten Gestalten die Morgendämmerung beißend ins Gesicht. Wir waren wenig erfolgreich. Wir wurden vom Spiel ein ums andere Mal niedergerungen. Doch trotzdem uns Demon’s Souls die meiste Zeit als hilflose Hüllen hinter sich über das Kopfsteinpflaster von Boletaria hergezogen hat: Wir waren schwer begeistert.

Masochist, oder was?

Die Souls-Serie ist weit gekommen. Von einem kleinen Nischenprodukt, das den westlichen Zockern nur aufgrund einer Petition nicht vorenthalten blieb, bis zu den heutigen Millionensellern war es ein langer Weg. Doch trotz der breiten Akzeptanz und der vielen Liebe, die den Souls-Spielen aus der Zockergemeinschaft entgegengebracht wird, herrschen bei vielen meiner Kollegen und Freunde weiterhin Berührungsängste. Zu einem gewissen Teil kann ich das auch nachvollziehen. Ein Souls-Spiel erfordert nun einmal einen gewissen Grad an Investition. Es braucht Ruhe, es braucht Zeit und es braucht den Willen, es wirklich spielen zu wollen.

Trotzdem ist dieses Ganze „schwerste Spiel wo gibt OMG!!!“-Gehabe Mumpitz. Ich befürchte auch, dass der „Prepare to Die“-Slogan der Souls-Reihe trotz griffiger Catchphrase nicht gerade gute Dienste getan hat. In der Wahrnehmung vieler werden die Spiele deshalb als letzte Bastion von 1337-Skill0r-Core-Gamern wahrgenommen. Das ist aber Quatsch. Ansonsten wäre ich wohl kaum hier, um einen schwärmenden Artikel über das Ende von Souls zu schreiben.

Dark Souls - Nicht höllisch schwer – teuflisch gut! (Kolumne)

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Egal ob erster oder zwanzigster Versuch: Wichtig bei Souls-Spielen ist der Spaß dabei und die Freude danach.
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In Souls geht es nicht darum, besser zu sein als alle anderen oder einen Boss im „First Try!!!“ zu legen. Das ist ein bisschen wie beim Joggen: Wer sich dabei mit Bestzeiten rühmt, hat das Prinzip nicht verstanden. Jeder braucht sein eigenes, aber gemächliches Tempo, um letztlich die eigene Kondition zu steigern. Und so ähnlich verhält es sich auch bei Souls. Der Weg war schon immer das Ziel. Es ist nicht schwer um des Schwersein willens, sondern, um euch euren Erfolg wieder schmackhaft zu machen. Wer darauf konditioniert ist, die Spielwelt richtig zu verstehen, der wird früher oder später siegreich sein – und dabei dermaßen lauthals jubeln wie schon seit Kindheitstagen nicht mehr.

Die vergangenen Wochen habe ich zwei meiner ehemaligen Kollegen erfolgreich an Dark Souls 3 herangeführt. Und es war eigentlich ganz einfach. Wie ein Trainer in der Ringecke während eines Boxkampfes habe ich meinen Schützlingen kleine Tipps auf den Weg gegeben und leicht angedeutet, wann welche Reaktion im Kampf sinnig wäre. Zack – einmal war beim mutierten Crystal Lizard und einmal beim ersten Endgegner das Eis gebrochen. Plötzlich starrten vor Begeisterung und Euphorie glänzende Augenpaare auf den Bildschirm. Wer immer von euch diesen Artikel liest, aber selber noch nicht gespielt hat: Glaubt mir, so schwer ist es gar nicht. Nur Mut.

Praise the Souls

Mit diesem Thema von der Seele geredet (*pun intended), will ich mich ein letztes Mal zum Schwärmen aufbäumen. Keine Spieleserie der jüngeren Vergangenheit hat mich dermaßen gepackt, wie Souls. Die Serie ist ein Quell guter Ideen, eines atemberaubenden Designs und feiner Spielmechaniken.

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Sobald das Kampfsystem beherrscht ist, fühlt es sich mehr nach Tänzeln als einem eisernen Schlagabtausch an.
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Es sind die unheimlich großartigen Kämpfe, die bei Beherrschung einem Balletttanz mit Schwert, Schild und Zauberstab gleichen. Es sind die einprägsamen, sinnigen und zu ihren Spielern sprechenden Levelbauten. Es ist die Geheimniskrämerei um geschichtliche Zusammenhänge und mysteriöse Vorkommnisse. Es sind die ungewöhnlichen Online-Spielereien, die sogar mich Multiplayer-Muffel zu vielen, vielen Runden gegen und mit anderen Spielern motiviert haben. Es sind die zahlreichen Geheimnisse, die die Entwickler absichtlich perfide in den Tiefen des Spiels verstecken und mich so beispielsweise auch Jahre nach Erscheinen noch neue Dinge im ersten Dark Souls entdecken lassen. Es sind … so viele Dinge mehr, an denen ich oftmals sogar jetzt noch Facetten entdecke. Bis Bloodborne hat es beispielsweise gedauert, bis ich verstanden habe, wie vorteilhaft und (fast noch wichtiger) wie unterhaltsam das Hinterlassen von eigenen Nachrichten sein kann.

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Das letzte Mal die Sonne anbeten. Schön war’s!
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Doch ähnlich wie die Souls-Serie, die vorerst ein Ende findet, halte auch ich es: Aufhören, wenn es am Schönsten ist. Genau dieses Timing hat From Software ganz hervorragend hinbekommen. Die Souls-Serie hat mein Spielverhalten geprägt und meine Leidenschaft für Games intensiviert. In diesem Sinne: Danke, Souls. Und schau bald mal wieder auf ein Schlückchen Estus vorbei!

Dark Souls 3 - Die Geschichte der "Dark Souls"-Macher From Software

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