Hayden Tenno ist ein echter Pechvogel. Nicht nur, dass der Held von Digital Extremes' neuestem Titel "Dark Sector" als staatlicher Auftragskiller auf gefährlichem Fuß lebt, das Leben hat ihn auch sonst nicht besonders lieb. Eigentlich will sich der Ex-Agent nach seinem letzten, misslungenen Auftrag zur Ruhe setzen, aber dann kommt alles ganz anders – und ziemlich dicke.

Wir haben dem gebeutelten Helden unter die Arme gegriffen und uns den in Deutschland nicht erscheinenden Shooter genauer angesehen. Und dabei konnten wir vor allem eines lernen: Blut ist wahrlich dicker als Wasser. Besonders dann, wenn dessen Menge mühelos das Volumen eines Luxus-Swimmingpools sprengt.

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Schlachtplatte

Hayden Tenno träumt von einem besseren Leben. Doch anstatt die morschen Gebeine unter Palmen zur Ruhe betten zu können, verlangen seine Auftraggeber einen weiteren Einsatz des Spezialagenten. Im fiktiven osteuropäischen Lasria soll er einen ehemaligen Kollegen erledigen. Der hat sich nämlich gegen seine ehemaligen Brötchengeber gewandt und kocht jetzt sein eigenes, tödliches Süppchen.

Dark Sector - Zu blutig für Deutschland: Der Extrem-Shooter setzt das Gewaltmaß auf einen neuen Höchststand.

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Böser Kunstfehler, weil der Schönheitschirurg zu tief ins Glas geschaut hat: Brüste auf dem Rücken.
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Diskretes Vorgehen in bester "Assassin’s-Creed"-Manier ist für Hayden jedoch nicht gefragt. Denn in Lasria hat sich ein künstlich erzeugter Virus verbreitet, der aus den Bewohnern fiese und unansehnliche Mutanten gemacht hat. Die stürzen sich ohne Vorwarnung und wie von Sinnen auf alles, was zwei Beine hat und noch zappelt. Außerdem gibt es diverse maskierte Sicherheitskräfte, die ebenfalls nicht gerade mit Freude auf Haydens Besuch reagieren. Daneben tauchen gelegentlich einige ziemlich unhöfliche Bossgegner auf, die durch rüpelhaftes Benehmen, gewaltige Körpergröße und einem mutmaßlich ebenso intensiven Körpergeruch hervorstechen.

Damit wäre bereits im Großen und Ganzen der Plot für "Dark Sector" umrissen. Denn die eigentliche Story erscheint eher belanglos und oberflächlich. In Anbetracht des eigentlichen Spielziels – ballern, bis der Arzt kommt – dürfte das jedoch kaum jemanden stören. Immerhin sind die Jungs von Digital Extremes bislang nicht gerade durch komplexe Spiele in Erscheinung getreten, sondern eher durch knallharte, geradlinige Shooterkost.

Packshot zu Dark SectorDark SectorErschienen für PS3, Xbox 360 und PC

Um den vielen Gegnern das Wasser reichen zu können, ist in Tennos Fall nicht wie zu erwarten ein besonders dicker Waffenkatalog erforderlich, sondern die Entwickler haben sich etwas anderes ausgedacht: Der gebeutelte Held wird nämlich nach dem Intro, das gleichzeitig als Tutorial dient, von seinem Widersacher geschnappt und ebenfalls infiziert. Sein rechter Arm beginnt sich daraufhin zu verändern und verschafft ihm nach und nach Upgrades in Sachen Zielgenauigkeit, Telekinese und weiteren nützlichen Fähigkeiten. Als besonderes Schmankerl erhält er außerdem einen überdimensionalen Shuriken-Bumerang. Der kehrt nicht nur grundsätzlich zu seinem Besitzer zurück, sondern ist auch scharf. Sehr scharf.

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Blutwurst

Kenner des Genres haben es fraglos schon bemerkt: Das Szenario ist in etwa so unverbraucht wie das Gesicht von Britney Spears. Und das ist auch der größte Schwachpunkt des Spiels. Denn anstelle einer spannenden Handlung mit vielen Wendungen oder einer gut ausgearbeiteten Story wird viel eindimensionales Geballer beziehungsweise Gefuchtel mit dem Shuriken präsentiert.

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Beliebter Spaß wird immer gefährlicher: Abbrechen von Mercedes-Sternen.
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Das funktioniert in Mehrspielershootern wie der UT-Reihe, an der Digital Extremes früher maßgeblich mitgewirkt hat, absolut problemlos. Doch schon beim 2005 auf den Markt gekommenen DE-Titel "Pariah" zeigten sich die erzählerischen Defizite der Entwickler. Böse Naturen könnten daher auch diesmal auf den Gedanken kommen, dass mangelnde Innovationen mal wieder mit viel Blut kompensiert werden sollten.

Und in der Tat spielt der Gore-Faktor eine wesentliche Rolle. Je nachdem, wo man die Gegner mit dem Wurfgeschoss erwischt, werden die Gliedmaßen abgetrennt, dass es nur so eine Freude ist. Das allein wäre natürlich kein Grund für eine schlechte Wertung. Denn natürlich fließt bei einem Ballerspiel für Erwachsene der rote Lebenssaft zuhauf. Wenn hierin aber nahezu der einzige Sinn der Handlung besteht, dann wird dies sehr schnell langweilig.

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Nur noch ein Schatten ihrer Selbst: Heidi Klum (li.)
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Denn weder der Waffeneinsatz, noch die Steuerung oder die KI können mit besonderen Vorzügen glänzen. Immerhin zwingt der Einsatz des Shurikens in Kombination mit seinen vielfältigen Möglichkeiten zu einem gewissen taktischen Vorgehen. So kann der Flug des Wurfsterns nach dem Abwurf mit dem Analogstick gelenkt werden.

Das ist praktisch, um ansonsten unzugängliche Stellen zu erreichen und funktioniert nach ein wenig Übung auch sehr gut. Denn an einigen Stellen kommt man nur weiter, wenn man mit der Flugsichel einen Schalter umgelegt hat, der auf normalem Wege nicht getroffen werden kann. Außerdem dient das Wurfwerkzeug dazu, in Verbindung mit der Vierecks-Taste Dinge telekinetisch aufzunehmen. Das ist praktisch, weil man sich so beispielsweise auch entfernter herumliegende Knarren schnell in die Hände bekommt.

Erst wenn der letzte Widersacher sein virtuelles Lebenslicht ausgehaucht hat, wird der nächste Abschnitt freigeschaltet. Das ist ärgerlich, wenn sich irgendwo ein Scherge verborgen hält und man dann erst endlos lange durch die Gegend eiert, bis man ihn aufgespürt und erledigt hat. Apropos Knarren: die sind eher unspektakulär. Neben einer handelsüblichen Pistole finden sich unter anderem Pumpguns, Kalaschnikows und handliche Bazookas.

Pistolero

Da die Wummen codiert sind, funktionieren sie bei Infizierten nur ein paar Sekunden, weshalb Hayden sie nach einigen Sekunden wieder fallen lässt. Lediglich die Pistole ist ständig verfügbar. Die verursacht allerdings nur wenig Schaden, weshalb in erster Linie der Wurfbumerang zum Einsatz kommt. Immerhin gibt es einen unterirdischen Schwarzmarkt, auf dem sich der Held im Laufe der Handlung mit Upgrades und neuen Waffen versorgen kann. Bezahlt wird mit Geld, das man an diversen Orten finden kann.

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Regelmäßige Besuche des Ladens sind äußerst empfehlenswert, da die Widerstandsfähigkeit der Gegnerschar im Laufe der Handlung natürlich zunimmt. Gesteuert wird Freund Tenno aus der Verfolgerperspektive. Praktisch: Der L1-Trigger wechselt in den Egomodus mit einer Zielmarkierung. Das ist besonders dann hilfreich, wenn man sich wieder einmal im Kreuzfeuer wild herumballernder Feinde befindet. Ein schneller Druck auf den X-Button lässt den Helden schnell in die gewünschte Richtung hechten und in Deckung gehen, aus der heraus man sehr gut mit dem Zielmodus arbeiten kann.

Das sorgt für eine Menge Beschäftigung und schärft die eigenen Reaktionen, doch leider hat die Sache auch eine Kehrseite. Denn mit der viel gepriesenen Gegner-KI ist es leider nicht weit her. Die Burschen springen zwar in Deckung und rufen auch Verstärkung, doch ansonsten ballern sie blindlings auch dann auf den Spieler, wenn der völlig unerreichbar ist. Sie versuchen weder ihn einzukreisen, noch verhalten sie sich beim Vorrücken sonderlich intelligent, so dass man bereits nach kurzer Zeit ihr Verhalten kennt und sich entsprechend darauf einstellt. Hier hätte Digital Extremes mehr leisten müssen.

Nackt unter Todesschweinen

Auch wenn das Gameplay nicht unbedingt überzeugen mag, haben sich die Entwickler in Sachen Technik ordentlich ins Zeug geschmissen. Die halbzerstörte Stadt mit ihren schlammigen, verregneten Straßen und Gebäuden kommt stimmig daher. Auch die Bewegungen der Figuren sind gut in Szene gesetzt. Blut fließt, wie schon angemerkt, reichlich, und abgetrennte Gliedmaßen oder Köpfe fliegen schon mal im hohen Bogen durch die Gegend.

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Falsch verstandene Nächstenliebe kann zu massiven Atemproblemen führen.
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Akustisch wird Zweckmäßiges geboten. Die Musik ist gut gewählt, und die Umgebungsgeräusche passen zur jeweiligen Situation. Die deutsche Synchronisation glänzt nicht gerade durch besonders einfallsreiche Dialoge, ist aber wenigstens einigermaßen professionell eingesprochen. Die Todesschreie hingegen sind auf Dauer wahrlich belastend und ziehen sich zum Teil schier endlos hin. Das soll wohl Stimmung erzeugen, erinnert aber eher an eine Zahnarztpraxis für Kassenpatienten.

Der Multiplayerteil ist eher spartanisch und bietet neben einem handelsüblichen teambasierten Mannschaftsgeballer den durchaus interessanten "Infektion"-Modus. Dabei übernimmt ein Spieler die Rolle von Hayden und verfügt über dessen Spezialfähigkeiten, während die anderen ihn als Soldaten jagen. Leider sind beide Modi nur online verfügbar, offline bleibt die Küche kalt.

Dark Sector - Zu blutig für Deutschland: Der Extrem-Shooter setzt das Gewaltmaß auf einen neuen Höchststand.

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Insgesamt bleibt "Dark Sector" deutlich hinter den Erwartungen zurück, die man in einen Titel der kampferprobten Entwickler von Digital Extremes stecken konnte. Das ist schade, denn mit mehr Feintuning hätte aus dem Spiel sicherlich mehr werden können. Vielleicht sollten sich die Programmierer bei ihrem nächsten Titel wieder auf das konzentrieren, was sie am besten können: gradliniges Ballern ohne belastende Story. Dann klappt's auch wieder besser mit dem Nachbarn.