Wie heißt es doch so schön? Man hat nur einmal die Chance, einen (guten) ersten Eindruck zu machen. Und dieser ist bekanntlich oftmals entscheidend für die weitere Entwicklung einer Beziehung - mag das nun für Begegnungen zwischen Männlein und Weiblein, beruflichen Partnern oder Spiel und Spieler gelten.

Doch manchmal kommt es auch anders und ein Titel wie Dark Sector offenbart erst nach einigen Stunden und dem Wechsel des Bedienwerkzeuges sein durchaus vorhandenes Potenzial. Wie es zu diesem Zusammentreffen der zweiten Art kommt, schildert euch unser Erfahrungsbericht.

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Die zweite Chance

Bereits vor einem Jahr sollte Dark Sector zu einer Konsolen-Erfolgsgeschichte werden, doch die USK schob diesem Ansinnen einen Riegel vor und verweigerte dem Titel ihr Siegel. Die Folge: keine Veröffentlichung in Deutschland mit anschließender Indizierung. Doch dank einiger Entschärfungen und Schnitte (die sich nicht auf den Spielablauf auswirken) bekam man für die PC-Version immerhin noch das rote "ab 18"-Emblem verpasst. Die Konsolenvergangenheit wurde der 3rd-Person-Shooter jedoch damit noch lange nicht los. Im Gegenteil, sie ist hauptverantwortlich für die eingangs erwähnte zweite Chance. Und das kommt so...

Dark Sector - Auf der Konsole indiziert - jetzt erhältlich für PC

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Das Kombo-System aus Schusswaffe und Glaive funktioniert erst mit dem Gamepad intuitiv.
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Zwei Dinge fallen nämlich sofort auf. Auf der einen Seite die uninspirierte Story, bei der mal wieder ein verrückter Wissenschaftler und mysteriöse Viren im Mittelpunkt stehen, ihr aber ohne große Erklärungen für das Wie und Warum durch die Handlung gescheucht werdet. Zum anderen die völlig überfrachtete und hakelige Maus/Tastatur-Steuerung, mit der man sich nur sehr langsam anfreunden kann und die den Spielrhythmus in denkbar ungünstiger Weise bestimmt.

Nach einem kurzen Prolog, in dem ihr in bewährter Manier Schießprügel zum Einsatz bringt, erweitern sich eure Fähigkeiten und ihr greift zusätzlich auf die Glaive zurück. Dabei handelt es sich um eine Art Säbel-Bumerang, mit dem ihr allerlei Sonderfunktionen- und Fertigkeiten erhaltet. Das ständige Umschalten zwischen normalen Waffengattungen, von denen ihr jeweils zwei Modelle mit euch tragen dürft, und diversen weiteren Mutations-Fähigkeiten gerät zum umständlichen Fingerspiel, das einige Geübtheit und Nervenstärke voraussetzt. Zu allem Überfluss wird man zusätzlich genötigt, herumliegende Munition manuell aufzusammeln, was sich auf Dauer als vollkommene Spaßbremse erweist.

Packshot zu Dark SectorDark SectorErschienen für PS3, Xbox 360 und PC

Schleppender Spielablauf

So schleppt man sich zunächst mehr schlecht als recht durch das fraglos atmosphärisch gestaltete Szenario, bei dem man Entwickler Digital Extremes die Genre-Erfahrung anmerkt. Schließlich hat man mit einigen Unreal Tournament-Folgen sowie Pariah einige passable bis sehr gute Actionspiele vorzuweisen, und die selbst entwickelte Evolution Engine zeigt zumindest in Ansätzen (Lichteffekte, Spezialeffekte), was in ihr steckt – wenn auch nicht durchgängig überzeugend.

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Die Glaive als Blitzableiter: Mit interaktiven Elementen versucht man den Spielablauf abwechslungsreich zu gestalten.
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Störende Pop-ups und nur selten hoch aufgelöste Texturen lassen Dark Sector in die Mittelprächtigkeit abrutschen. Indes hat man sich den einen oder anderen Kniff einfallen lassen, um aus der schnöden Masse herauszuragen. Die Glaive, nimmt einen zentralen Faktor im Spielablauf ein und lässt sich auf vielfache Weise zum eigenen Vorteil einsetzen. Zum einen bekämpft ihr mit dem vielseitigen Kampfgerät eure menschlichen und mutierten Widersacher direkt und steuert das Multifunktionsgerät außerdem in einem Zeitlupenmodus sogar aus einer Art Ego-Perspektive ins Ziel.

Zusätzlich dient die Glaive noch ganz anderen Zwecken: Ihr könnt sie beispielsweise für kurze Zeit mit Elektrizität aufladen, in einen Feuerstern verwandeln oder mit ihr gar weit entfernte Waffen aufheben und zu euch transportieren. Dadurch bekämpft ihr Feinde nicht nur effektiver, immer wieder löst ihr durch Interaktionen mit der Umgebung auch kleinere Schalterrätsel und öffnet beispielsweise sonst verschlossene Durchgänge.

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In Verbindung mit Feuer erhaltet ihr für kurze Zeit eine flambierte Waffe.
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Der zweite Kunstgriff glückt den Entwicklern dadurch, dass ihr von Feinden eroberte Waffen nur für wenige Momente verwenden könnt, bevor sie sich selbst deaktivieren. Damit erhält Dark Sector eine kleine, aber durchaus interessante taktische Komponente, die jedoch durch die ständig vorhandene eigene Waffensammlung größtenteils negiert wird.

Wird erst durch Pad-Steuerung zum soliden Shooter, der einiges Potenzial verschenkt.Fazit lesen

Eure eigenen Bleispritzen dürft ihr in dem nur gelegentlich betretbaren "Schwarzmarkt" aufrüsten und mit Zusatzfeatures wie erhöhter Schusskraft oder Präzision erweitern. Unverständlicherweise ist es später jedoch nicht möglich, diese Zusätze zu verändern oder gegeneinander auszutauschen, was ein grobes Manko darstellt.

Der Knackpunkt: Gamepad

Gut gelungen ist dagegen das Deckungssystem, das ein wenig an Titel wie Gears of War erinnert und euch die Möglichkeit gibt, hinter allen möglichen Objekten Schutz zu suchen. So ist es auch bei Dark Sector möglich, von einer Deckung zur nächsten zu hechten bzw. sich geschmeidig zur nächsten Verteidigungsstellung zu bewegen.

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Der will bestimmt nicht mit uns Gassi gehen, oder?
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Und hier kommt auch der große, eingangs erwähnte Knackpunkt mit am meisten zum Tragen: Aktiviert man sein 360-Gamepad, ändert sich die Spielerfahrung plötzlich gravierend. Statt hakelig-fummeliger Fingerakrobatik an Maus/Tastatur erleben wir ein perfekt auf die Pad-Steuerung ausgelegtes Spiel, das man selbst in den Menüs deutlich besser im Griff hat und ein deutlich ergonomisches Handling an den Tag legt. Abgesehen von der reinen Ziel-Funktionalität, die mit der Maus präziser abläuft, gelingen praktisch alle anderen Aktionen mit dem Pad viel, viel besser.

Unglaublich, wie flüssig der Spielablauf plötzlich von der Hand geht. Selbst das ständige Aufheben von Rubel oder Munition stört dank intuitivem Knopfdruck nun kaum noch, und vor allem das Kombo-System von Schusswaffen und Glaive funktioniert nun wie vermutlich von den Entwicklern beabsichtigt. Wer Dark Sektor zocken will, sollte also auf jeden Fall zum Pad greifen.

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Alle Waffen können erweitert werden. Die Verbesserungen lassen sich später aber nicht mehr ändern.
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Natürlich kann auch der Verzicht auf Maus/Tastatur nicht alle handwerklichen Fehler vergessen machen. Im Kern bleibt Dark Sector ein mittelprächtiger Shooter, den auch die eher faden Bossfights kaum aufwerten können. Die strunzdummen KI-Gegner und stark geskripteten Abläufe in Schlauchlevels machen den Titel zudem nicht wirklich spannender und trotz Pad-Handlings bleibt das rudimentäre Nahkampfsystem mit seinen Finishing-Moves bestenfalls schwerfällig. Die träge Sprint-Funktionalität profitiert überhaupt nicht vom Wechsel des Spielwerkzeugs.

Überzeugend ist jedoch die akustische Hintergrundberieselung, die mit tollen und beängstigenden Soundeffekten für ein gespenstisches Szenario sorgt und die Grusel-Atmosphäre damit hervorragend unterstützt.

Die stark schwankende Qualität von Dark Sector spiegelt sich auch im Multiplayer-Modus wieder. Dieser bietet mit Infektion und Epidemie zwar zwei im Ansatz interessante Modi für bis zu 32 Spieler, allerdings unter Verzicht auf eine Online-Anbindung. Dieser grobe Fauxpas wertet den Mehrspielermodus bis zur Unkenntlichkeit ab.