Satte 93 Prozent vergab Kollege Sebastian vor anderthalb Jahren an das Action-Rollenspiel Dark Messiah of Might and Magic auf dem PC. Nun erlebt der Titel seine Wiedergeburt auf der Xbox 360 – mit vielen versprochenen Gameplay-Erweiterungen, weshalb die Entwickler auch den Namen um den Beisatz Elements ergänzt haben.

Man möchte denken, dass diese Zeit im Hause Arkane Studios genutzt wurde, um das Spiel zu verbessern. Doch so unglaublich es klingen mag, genau das Gegenteil ist eingetreten: Elements ist viel schlechter geworden, als ich es für möglich gehalten hätte.

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Mumien, Monstren, Mutationen!

Die Liste der Probleme, Fehler und unverzeihlicher Stümperei ist so lang, dass sie eigentlich den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Von der Rollenspiel-Vorlage ist beispielsweise lediglich ein Rohbau übrig geblieben, der dieser Genre-Bezeichnung kaum noch gerecht wird. Wo die PC-Fassung zumindest rudimentäre RPG-Aspekte zuließ, wurde bei Elements an allen Ecken und Enden der Inhalt zusammen gestrichen.

Dark Messiah of Might and Magic: Elements - Unfassbar: 1 1/2 Jahre mehr Zeit brachten nur Murks!

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Mein Taschengeld bekommst du nicht!
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Beispiel gefällig? Gerne! Fangen wir an bei dem für ein Rollenspiel wohl entscheidendsten Augenblick: dem Spielbeginn bzw. der Charaktergenerierung. Während die PC-Version euch auch nach der Entscheidung für Krieger, Mage, Assassine und Bogenschütze noch reichlich Flexibilität gewährt und ihr aus verschiedenen Skill-Trees auswählt, bleibt ihr hier von Anfang bis zum bitteren Ende auf eine Charakterklasse festgenagelt.

Wählt ihr also den Kämpfer, dürft ihr das ganze Spiel über nur mit dem Schwert herumfuchteln, äquivalent verhält es sich mit der Zauberei des Magiekundigen oder den Dolchen des Meuchelmörders. Wo ihr zuvor halbwegs frei entscheiden konntet, in welche Richtung sich eure Spielfigur im Laufe des Spiels entwickeln soll, landet ihr hier sofort in einer Sackgasse, aus der es kein Entrinnen gibt. Ist ja auch bequem, denn auf diese Weise hat man sich den ganzen Skill-Tree einfach gespart und ihn mir nix- dir-nix aus dem Spiel eliminiert. Übrig geblieben ist nur ein kümmerlicher Rest, der der Rede nicht weiter Wert ist.

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Hier kommt die neuartige Dolchinson Doppelklingen-Rasur!
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Die logische Konsequenz: Ihr habt bei Levelaufstiegen gar nicht erst die Wahl, neue Fertigkeiten auszuwählen. All dies geschieht vollautomatisch nach den Vorgaben der Programmierer. Aus dem Ego-Rollenspiel mit Actionanleihen wird auf diese Weise ein stupider Hack & Slash-Prügler ohne jeglichen Tiefgang, der zudem mit massiven Bugs verseucht ist.

Stümperhafte Fehler machen dieses Spiel zu einer Zumutung!Fazit lesen

Festgenagelt!

Die Festlegung der Charaktere in Elements auf eine Angriffsart führt zu einigen skurrilen Auffälligkeiten. Obwohl ihr als Kämpfer eigentlich nur Schwerter führen könnt, liegen überall Gegenstände herum, die sich nicht aufheben lassen. Köcher beispielsweise, oder Dolche. Andererseits könnt ihr Objekte aufheben, die dann gar nicht in eurem Inventar landen, sondern nur euren Sammeltrieb befriedigen und in einem Arsenal verstauben.

Es hat den Anschein, als hätte die Zeit nicht gereicht, die weggesparten Inhalte auch aus dem Spiel zu entfernen, doch was haben die Entwickler in den anderthalb Jahren dann überhaupt getrieben? Am Gameplay gab es praktisch keine Änderungen und auch die Story ist identisch zum Vorgänger (Details zu beiden Punkten entnehmt ihr bitte Sebastians Review).

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So ist’s recht: Immer schön hinten anstellen!
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Das Resultat dieser "Bemühungen" ist ein erschreckend stupides Hack & Slay-Spielgeschehen, das euch sehr wenig Abwechslung bietet. Eigentlich benötigt ihr nur den rechten Bumper, mit dem ihr einen Angriff nach dem anderen auslöst und den meist schwachen Gegnern in kürzester Zeit den Garaus macht. Die wenigen Kombo-Attacken, die euch zur Verfügung stehen, sind völlig unbrauchbar und bringen euch keinerlei Vorteile.

Fehler ohne Ende

Doch als wäre das alles nicht schon genug, gesellen sich zu den inhaltlichen Problemen noch allerlei technische Fehler, die schon die Grenze zur Stümperei überschreiten. Schlimm sind beispielsweise die Clipping-Fehler, über die man praktisch an jeder Ecke stolpert.

So kann es schnell geschehen, dass man plötzlich bis zum halben Oberkörper im Boden versinkt oder in Häusermauern verschwindet oder einfach nur hoffnungslos an einem Objekt hängen bleibt und den Spielstand neu laden muss. Wenn man denn überhaupt einen Speicherstand angelegt hat, denn Elements sieht nur Checkpoints vor. Wer das Spiel abspeichern möchte, muss selbst aktiv werden, wenn der Fortschritt nicht im Nirwana landen soll. Aber auch das Neuladen ist mit Stress verbunden, weil die Ladezeiten einfach grausam lang sind und man zu viel Zeit mit dem Anstarren von Ladebildschirmen verbringt.

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"Wer hat gesagt, wir seien nicht Feuer und Flamme für das Spiel?"
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Von entscheidender Bedeutung ist auch die verhunzte Steuerung: Zum einen ist sie viel zu träge ausgefallen und ihr bewegt euch durch die Fantasywelt wie eine Schnecke. Drehungen werden dadurch zur Qual, aber besonders schlimm ist das Springen: Viel zu ungenau und schwammig ist diese körperliche Aktivität ausgefallen, zumal sie regelmäßig benötigt wird und euch dann häufig zur Verzweiflung bringt.

Einige dieser Bugs und Probleme führen sogar zu unregelmäßigen Abstürzen des Spiels, teilweise sogar beim Laden von Spielständen - was natürlich völlig inakzeptabel ist. Dasselbe gilt für die häufig vorkommenden Soundaussetzer: Entweder bleibt der akustische Hintergrundteppich gleich ganz weg oder die Geräuschkulisse setzt mit Verspätung ein. So erklingen die Todesschreie getöteter Feinde mitunter erst Sekunden nach deren Ableben - was für unfreiwillig komische Momente sorgt.

Bei all diesen Negativpunkten treten Aspekte wie die wackelige Framerate fast schon in den Hintergrund. Diese sind schwer erklärlich, da die Optik im Vergleich zur PC-Fassung deutlich abgespeckt wurde und viele Texturen flach und breiig wirken. Innenräume sind zudem deutlich zu dunkel geraten, Details sind dadurch meist gar nicht auszumachen.