Mit Kanonen begrüßt zu werden ist meist nicht so angenehm. Wenn sie geladen sind, noch viel weniger. Und wie sieht's mit bis zum Anschlag gestopften Déjà-vu-Kanonen aus? Gemeint sind solche, die auch noch aus allen Rohren feuern. Das kann durchaus angenehm sein und man versinkt in den Erinnerungen an vergangene Tage. So wie ich, als ich zum ersten Mal Dante's Inferno spielen durfte.

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„Hallo Kratos“, salutiere ich ehrfürchtig, als ich dem Treiben auf dem Fernseher den ersten flüchtigen Blick schenke. „Hallo Koloss von Rhodos“, schießt es hinterher, als sich plötzlich eine gigantische Pranke ins Bild schiebt und ihre fünf Griffel, jeder einzelne davon so groß wie ein ausgewachsener Mann, in den Boden gräbt. Dann blicke ich nach oben - und sehe die großen Brüste einer noch größeren Frau. Ungefähr zwanzig Meter, um genauer zu werden. „Das ist Kleopatra“, sagt Producer Jonathan Knight. Aha, die sah aber mal anders aus, oder? Also mit hübschem Näschen, hübschem Lachen und … na ja, hübsch einfach. Zumindest nicht dermaßen verwest und zornig. Nicht so leichenblass, so geschändet und verkommen.

Dante's Inferno - Metzelfest aus der Hölle

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Die sah auch mal anders aus: Pharaonin Kleopatra.
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Damals, ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen: Ihre Haut hatte keine Risse, ihre Fingernägel waren keine säurefarbenen Keimteppiche. Und vor allem: Aus ihren nackten, von Rissen durchzogenen Brustwarzen krabbelten keine missgebildeten Kinder mit Klingen statt Armen, die blutlechzend alles angreifen, was sich bewegt. Aber so läuft die Sache eben im zweiten Kreis der Hölle, „Lust“ genannt. Wahrscheinlich ist das Empfinden weiblicher Ästhetik hier unten ein anderes als in irdischen Gefilden. Wahrscheinlich gibt es später noch größere, noch kräftiger auftretende Endbosse - sagt Knight. Und wahrscheinlich sollte man sich lieber damit anfreunden, dass es in Dante's Inferno ein wenig anders zugeht – ekelig, blutig und verdorben bis ins Letzte.

Ich starre ihn ihre leeren Augen und aus allen Poren strömt ein Flüstern in drei Silben: Geh-oh-Weh. Wie damals in God of War 2, und zwar beim ersten Kampf gegen den Koloss von Rhodos, muss ich ihr erst in einer Tour auf die Finger klopfen, bis sie diese vor Schmerz stöhnend wegzieht und die Plattform loslässt, die sie nach unten drückt. Jetzt schnell sein! Der Boden bewegt sich kurzzeitig nach oben. Aber lange genug wenigstens, um den Schalter mit einem Schlangenkopf zu erreichen und auszurichten – mitten ins Gesicht Kleopatras.

Monsterzoo des Teufels

Dann geht das Spiel von vorne los, bis ich zum rechten Schalter gelange, der Flammen aus dem Rachen der Schlange züngeln lässt und die Pharaonin brutzelt. Das war ein hartes Stück Arbeit. Aber der Weg dahin auch ein unheimlich befriedigender: Nicht nur die kleinen Horrorblagen, auch klingenbestückte Furien mit wogenden Brüsten und gehörnte Albtraumkreaturen wüten hier unten im zweiten der neun Höllenkreise. Und der ist in etwa so gemütlich wie eine Couch aus Holz, so viel ist sicher: Unbehaglich starrende Schlangenköpfe, grau in grau verlaufende Plattformen, die sich ein düsteres Nichts winden, das man auf der Erde wohl Himmel nennen würde.

Dante's Inferno - Metzelfest aus der Hölle

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Frauen sind eigentlich schön und gut. Und wichtig. Aber sicher nicht solche!
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Und obendrein dieser flammende Schlund, aus dem sich ein Gegner nach dem anderen zwängt. Aber was will Kreuzritter Dante auch erwarten, nachdem seine Geliebte Beatrice von Luzifer höchstselbst geschunden wurde und ihre Seele fortan in der Unterwelt vor sich hinwimmert? Dass ihn die Auswüchse des Leibhaftigen ziehen lassen, nur weil es am Rande auch eine Liebesgeschichte ist? Keine Chance. Außerdem wäre es schade, würden seine Sense und das Kruzifix, Dantes heiliges Duo im Kampf gegen die Teufelsbrut, Staub ansetzen – muss ja nicht unbedingt sein.

Brutal, schnell, schonungslos: Das war der erste Level von Dantes Höllenritt. Mal sehen, wie der Rest aussieht.Ausblick lesen

Er benutzt sie lieber. Und zwar richtig: Vertikal und horizontal schwingend, wie man es schon in zig anderen Metzelspielen gesehen hat. Und wisst ihr was? Selbst wenn man Kratos im Rausch seiner persönlichen Vendetta bis ans Ende begleitet hat, selbst wenn man Devil May Cry oder Schlitzritzfetz I - VII in- und auswendig kennt: Das sieht einfach stilvoll und richtig cool aus. Und macht vor allem Spaß. Die Sense hat eine ungeheure Reichweite und zieht bei jeder Bewegung einen blendenden Schweif hinter sich her. Man kann Gegner damit packen und sie brutal in den Boden rammen, während ringsum ein Schwall aus Blut den Bildschirm tränkt.

Die Macht des Kreuzes

Oder man zückt das Kruzifix und brennt den Kreaturen weiße Strahlen ins Gesicht – sogar unendlich oft hintereinander, eingeflochten in eine Kombo oder im Sprung. Denn im Gegensatz zu Dantes magischen Fähigkeiten, die in Verbindung mit LT über die Daumentasten ausgelöst werden, ist die Macht des Kreuzes unerschöpflich, aber weniger durchschlagend. Magische Fähigkeiten, das sind übrigens nach und nach erlern- sowie aufrüstbare Trümpfe, die Dante etwa blitzschnell in den nächsten Gammelhaufen preschen lassen, bevor er seine Sense durch ihr ranziges Fleisch zieht, bevor sie grüne Energiespähren hinterlassen und Dantes Lebensenergie wieder auffüllen.

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Eins steht fest: Zimperlich geht Dante mit seinen Gegner nicht um.
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Aber: Wer nicht sparsam mit diesen extravaganten Manövern umgeht, steht schnell doof da – umringt von fauligen, geifernden und die Zähne bleckenden Gestalten. Und muss sich eine bessere Taktik als „Immer feste druff“ überlegen, denn der Schwierigkeitsgrad ist happig. Zumindest in dem Abschnitt, den ich spielen konnte. Wie in God of War ist es nämlich höllisch wichtig, sich mit dem rechten Stick zur Seite zu rollen und hin und wieder auch mal zum Block anzusetzen. Die Ekelbrocken kennen jedenfalls keine Gnade. Im Gegensatz zu unserem Höllenritter.

Klar, er wildert hier unten wie ein Stier, aber er hat auch eine andere Seite: Eine, die sich der Kreaturen annimmt, um ihre Seelen zu erlösen, zu reinigen. Immer wieder hat man die Möglichkeit, sie zu packen, um sie entweder in der Luft zu zerfetzen (Böse) oder sie einem Ritual der Reinigung zu unterziehen (Gut). Die dafür erhaltenen Punkte könnt ihr in zwei Talentbäumen verjubeln, die sich grob in Magie und brachiale Nahkampfangriffe unterteilen lassen. Nützlich ist außerdem das „Redemption Meter“, eine sich mit jedem Treffer füllende Leiste. Sobald sie voll ist, wirbelt Dante doppelt so schnell, richtet mehr Schaden an und lässt mehr Gekröse durch die Luft fliegen.

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Dem Weib immer feste auf die Finger klopfen – das hilft.
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Zumindest in der Version, die wir in Deutschland höchstwahrscheinlich nicht mit USK-Bienchen drauf in den Regalen finden. Laut Aussage von Jonathan Knight sei man gerade damit beschäftigt, das Spiel für den hiesigen Markt anzupassen. Wie weit das geht, darauf wollte er sich nicht festlegen, aber ihr könnt es euch sicher denken.