Ich sag's mal vorweg: Danganronpa Another Episode: Ultimate Despair Girls ist für mich persönlich das wohl abgefuckteste Spiel des Jahres, das in seiner Skurrilität und seinem Wahnsinn kaum zu überbieten ist. Wird schwer, diese surrealen Eskapaden der letzten Spielstunden treffend zu beschreiben - aber ich gebe mein Bestes. Wir reden hier immerhin von einem Spiel, in dem ihr mithilfe einer Megaphon-ähnlichen Allzweckpistole Jagd auf amoklaufende Roboter-Teddybären macht, die tausende Menschen massakrieren...

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Diese von Anfang bis zum Ende durchgezogene Verrücktheit ist im Grunde genau das, was ich von einem Ableger der Danganronpa-Teile erwartet habe. Man muss schon eine Vorliebe für abgedrehte Anime-typische Over-the-Top-Inszenierungen und comichafte, schräge Charaktere haben sowie gewisse, unerklärliche Absurditäten, wie sie gegeben sind, einfach akzeptieren können. Andernfalls wird man nur angesichts des ganzen irrsinnigen, aber minimal ernstzunehmenden Endzeitszenarios sich ganz schön veräppelt vorkommen und mit jeder weiteren Spielminute immer weniger verstehen, was eigentlich die ganze Zeit wieso vonstattengeht.

Ohnehin sollte man zumindest den ersten Hauptteil, Danganronpa: Trigger Happy Havoc, gespielt hat, bevor man sich dem schrillen und doch zugleich düsteren Spektakel hingeben will. Generell lassen sich gewisse abstruse Elemente und Handlungsdetails besser nachvollziehen, wenn man mit den vorigen Spielen bereits so seine Berührungspunkte hatte, da der Ableger zeitlich zwischen Teil 1 und Teil 2 einzuordnen ist.

Danganronpa Another Episode: Ultra Despair Girls - Killerteddybären und terroristische Schulkinder, ja, das ist mein Japan

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Tote überall: Es fließt jede Menge Blut und wie schon in den Teilen davor, wird mit vielen Abstrahierungen und knallbunten Farben zur Entschärfung stilistisch gearbeitet.
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Verderbt euch wirklich nicht den Spaß, sofern ihr die Reihe noch nicht kennt, aber für Murder Mysterys und Mindfuck-Twists zu haben seid, denn in der Hinsicht bieten die Danganronpa-Hauptteile teilweise sogar überraschendere und spannendere Momente, als in so manch einem Teil der ebenso dafür bekannten Detektiv-Spielreihe Ace Attorney. Von den textlastigen Visual-Novel-Abschnitten und dem Ace Attorney ähnlichen Prozesssystem hat man sich allerdings nun in Danganronpa Another Episode verabschiedet; dafür steht nun reichlich Third-Person-Shooter-Action im Vordergrund.

The Worst, Most Despair-Inducing Incident in the History of Mankind

Danganronpa Another Episode: Ultimate Despair Girls geht näher auf die in Teil 1 noch oberflächlich thematisierte, weltverändernde Tragödie ein, die nun ihren Lauf nimmt. Unterwegs seid ihr dabei mit Komaru Naegi, der jungen Schwester des Protagonisten aus Teil 1, und Toko Fukawa, eine Schülerin, die ebenso aus dem Vorgänger stammt und darüber hinaus eine zweite Persönlichkeit als berüchtigter Serienmörder(!) besitzt, zu der sie jedes Mal beim Niesen(!!) wechseln muss.

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Die unscheinbare Toko kann nach dem Persönlichkeitswechsel als ihr zweites Ich "Genocide Jack" die gefährlichen Monokumas mit Scherenkombos in Einzelteile hacken.
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Beide erleben, wie ihre vertraute Welt von heute auf morgen zur reinsten Hölle wird, als ihre Stadt von tausenden aggressiven, mordlustigen Monokumas überrannt wird (das sind diese schwarz-weißen Bären aus dem ersten Teil, die keine Pandas sind, sondern fiese Roboter, und sprechen können sie auch und - ach, vergessen wir's einfach). Massenmorde, Angst und Zerstörung sind die Folge und inmitten alledem kämpft ihr um euer Überleben.

Ein wahnwitziger Ableger und zugleich ein knallbuntes, makaberes Spektakel. Noch düsterer als es die Hauptteile jemals waren.Fazit lesen

Glücklicherweise erhaltet ihr gleich am Anfang die Hacking Gun, eine ausgefallene Schusswaffe, mit der sich die alles andere als putzig ausschauenden Teddybären auf unterschiedliche Weise bezwingen lassen. Im fortwährenden Spielverlauf bekommt ihr es mit variantenreichen Monokuma-Arten zu tun, die immer wieder eine andere Kampftaktik benötigen; parallel dazu erweitert sich euer Munitionsarsenal stetig, wodurch euch immer mehr Möglichkeiten gegeben werden, sich an die Gegnertypen anzupassen. Die Auswahl reicht von Feuerkugeln bis hin zu sehr speziellen Patronen, mit denen ihr unter anderem eure Feinde sogar zum Tanzen (!) bringen könnt.

Das eigentlich Verblüffende dabei ist, dass sich der Ableger durch die Shooter-Elemente rein spielerisch sehr eigenständig anfühlt, ohne dabei wie ein Fremdkörper trotz der fehlenden Visual-Novel-Parts gegenüber der vorigen Teile zu wirken. Mag vielleicht auch daran liegen, dass vereinzelte Grundelemente, die man stark mit der Reihe assoziiert, größtenteils erhalten geblieben sind. Zu denen zählt mitunter der selbstironische, aber auch typisch japanisch-verquere Humor.

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Euch stehen im Spiel verschiedene Patronenarten zur Verfügung, mit denen ihr die mörderischen Teddybären unter anderem unter Strom setzen könnt.
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Viele Gags und Referenzen zielen wie immer stark auf die Anime-Popkultur ab und dürften nicht jedem zugänglich sein; ein gewisser Teil setzt Hintergrundwissen über die gängigen Klischees der Fanszene voraus. In den meisten Fällen handelt es sich aber mehr um die Sorte sinnbefreiten Humor, die vom surrealem Trash lebt. So begegnet ihr beispielsweise Monokumas, die mit mexikanischer Tracht und Schnauzer unterwegs sind, und grundlos anfangen einen Gemeinschaftstanz einzulegen, sobald ihr die Waffe auf sie richtet.

Inszenierter Horror, grafischer Horror

Bei all der eigensinnigen Selbstironie, die das Spiel zutage fördert, bietet es aber auch genug Horroratmosphäre durch Momente, die euch mit vereinzelt eingestreuten Schockmomenten tatsächlich kalt erwischen können. Auch die vorigen Danganronpa-Teile hatten sich dafür ausgezeichnet, mit stetigen Handlungsfortschritt ein immer düsteres und vermehrt beklemmendes Gefühl zu wecken. Wobei das alles von der eigenen Wahrnehmung abhängt, denn es lässt sich trotz des gewollten Trash-Faktors nicht ganz verleugnen, dass das Spiel rein optisch schon sehr danach ausschaut, als wäre es mithilfe des billigsten 3D-Modellprogramms aus den letzten Dekaden designt worden. Da können auch provokant schrill geratene Farbkompositionen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die urbane Umgebung größtenteils eher wie eine Pappkulisse wie aus einem alten Monsterfilm der 70er Jahre wirkt.

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Komaru wird mehr als einmal im Spiel ins Schwitzen kommen, nicht nur wegen der tödlichen Gefahren...
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Apropos, gegen monströse Mecha-Endbosse werdet ihr auch oft kämpfen, die mitunter einen großen „What the Fuck“-Anteil des Spiels ausmachen und euch euer angelerntes Können abverlangen. Je nach Schwierigkeit werdet ihr euch jedenfalls nicht nur mit schwer bezwingbaren Gegnern rumschlagen müssen, sondern auch mit der chronischen Munitionsnot, die euch stetig zur sparsamen Nutzung eurer Patronen animiert. Kleinere Rätseleinlagen sorgen immer mal wieder für Abwechslung, während die in der Gegend überall zu findenden Notizen spannende Hintergrundinfos zu den ganzen apokalyptischen Ausmaßen und einer sich im Hintergrund abspielenden Verschwörung erzählen.

So mag Danganronpa Another Episode zwar letzten Endes kein Spiel sein, das durch seine Optik punktet, dafür aber in Sachen Spielspaß und Spannung zumindest für die Fans der Reihe als eine sinnvolle Ergänzung erscheinen wird, die sich perfekt in das Kanon einfügt und die gleiche verrückte Kreativität wie seine Vorgänger vermittelt. Wer jedenfalls in erster Linie die Geschichte aufgrund der vielen Unklarheiten aus dem ersten Teil spielt, bekommt hier seine Antworten präsentiert - und generell auch alles, was man noch so von einer Handlung der Marke Danganronpa so erwartet: Viele Überraschungen, sehr gemein inszenierte Charaktertode und eine oft unterschätzte, sehr spannende Geschichte rund um Hoffnungslosigkeit, Verschwörungsszenarien und aufkeimenden Freundschaften.