Man nehme die Mordfälle von „Ace Attorney“, packt diese mit einem Rhythmusspiel und einem Shoot’em Up zusammen und vermischt sie am Ende noch mit einem Comedy-Manga. Das Resultat dieser durchgeknallten Kombination dürfte Danganronpa 2: Goodbye Despair ergeben.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Trailer

Ein mörderischer Schulausflug am Strand

Vor einem Jahr kam das japanische Murder-Mystery-Spiel Danganronpa: Trigger Happy Havoc aus dem Hause Spike Chunsoft nach Europa und wusste eingefleischte Detektivspiel-Fans positiv zu überraschen. Dabei drehte sich die Geschichte um eine Klasse bestehend aus hochbegabten Schülern, die aus unerfindlichen Gründen in einem isolierten Schulgebäude ohne Erinnerungen wieder zu sich fanden und gezwungen wurden, sich gegenseitig umzubringen, um zu entkommen. Gleich zu Beginn gab sich der Drahtzieher hinter der Einsperraktion als schwarzweißer Teddybär(!) namens Monokuma zu erkennen und garantierte demjenigen die Flucht, dem es gelingen sollte, die anderen Mitschüler umzubringen, ohne entlarvt zu werden. Auch in Danganronpa 2: Goodbye Despair macht der sadistisch veranlagte Monokuma den neuen Schülern das Leben schwer. Das Setting wurde diesmal auf mehrere kleine Inseln verlagert, die miteinander über Brücken verbunden sind. Mit jedem weiteren Kapitel erhält man Zugang zu einer neuen Insel.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Von Sommerinseln, sadistischen Teddybären und Schulklassenmorden

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 37/431/43
Noch haben die Schüler Spaß während ihres Strandtrips, doch bald beginnt das blutige Morden erneut.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

So abgefahren es auch klingt, so erfrischend anders präsentiert sich der Erzählstil mitsamt der schillernden Figuren und der knallbunten Optik. Dabei bildet besonders der spezielle, doch sehr typisch japanische Humor einen starken Kontrast zu den teilweise sehr bizarren Mordfällen. Um Letztere geht es auch hauptsächlich im Spiel. Während die Schüler versuchen, einen Ausweg von dem komplett von der Außenwelt abgeschotteten Ort zu entkommen, kommt es mehr als einmal zu grausamen Morden. In jedem Kapitel wird ein Mordfall behandelt, bei denen der Spieler in typischer „Ace Attorney“-Manier Beweise sammeln und seine Mitschüler befragen muss.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Von Sommerinseln, sadistischen Teddybären und Schulklassenmorden

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 37/431/43
Der verrückte Monokuma macht den Schülern mehr als einmal das Leben zur Hölle.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wurden alle Beweisstücke zusammengetragen, läuft das Kapitelfinale auf ein sogenanntes Class-Trial hinaus. In diesem Spielabschnitt liefern sich die Schüler in einem gerichtsaal-artigen Raum Argumentationsschlachten und versuchen, den Mörder zu entlarven. Liegen die Schüler richtig, wird der Mörder exekutiert. Erwischt es letzten Endes aber einen Unschuldigen, werden alle bis auf der Täter hingerichtet. Letzterer bekommt dann die Freiheit geschenkt.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Von Sommerinseln, sadistischen Teddybären und Schulklassenmorden

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 37/431/43
Nachdem ein Mitschüler einem Mord zum Opfer fällt, muss der Rest der Klasse den Mörder während des Class-Trials entlarven.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Argumentationsschlachten im wahrsten Sinne

Während der Diskussionen stehen dem Spieler sogenannte Argumentation-Bullets zur Verfügung. Dabei handelt es sich um die gesammelten Beweise, die bei den entsprechenden Aussagen der anderen Zeugen während der Debatte abgeschossen werden müssen. Das Besondere dabei sind die Aussagen, die als Text wortwörtlich durch den Raum schwirren, während der Spieler die Widersprüche ausfindig machen und dann mit der entsprechenden Munition per Fadenkreuz zielgenau auf diese schießen muss. Dabei sitzt euch die Zeit im Nacken und läuft diese ab, heißt es dann Game Over. Wurde der Class Trial erfolgreich beendet und der Täter entlarvt, wird anhand eurer Trefferquote und der richtigen Beweisführung eine Höchstpunktzahl samt Rang (für diverse Bonus-Inhalte) berechnet.

An sich weist das Gameplay mit Arcade-Charakter während der Prozesse durchaus eine gewisse Dynamik auf, kann aber auf Dauer sich als regelrechter Spaßdämpfer entpuppen. Je nachdem welchen Schwierigkeitsgrad (von insgesamt dreien) man anfangs gewählt hat, gibt es diverse zusätzliche Funktionen oder Hindernisse, die euch die Argumentation erschweren. Nicht selten kann es passieren, dass ihr eigentlich den Widerspruch eindeutig ausfindig machen könnt, aber aufgrund der zu schnell vorbei rasenden Texte mit eurer Munition schlecht trefft.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Von Sommerinseln, sadistischen Teddybären und Schulklassenmorden

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 37/431/43
Die Beweise und Zeugenaussagen sind während der Debatten eure stärkste Waffe - im wahrsten Sinne.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gelegentlich müsst ihr euch auch mit einem Diskutanten wortwörtlich duellieren, indem ihr euch per Button-Smashing mithilfe eurer Argumentationsschwerter (!) durchsetzt oder in einem Rythmusspiel in richtigen Abständen die entscheidenden Knöpfe drücken müsst. Obwohl die Visualisierungen der Diskussionsphasen größtenteils sehr interessant aufgemacht sind, verliert der Handlungsfaden dadurch einiges an Fahrt. Wer also wirklich nur primär die Geschichte fließend verfolgen will, dem sei der leichteste Schwierigkeitsgrad empfohlen, sonst könnten sehr schnell Frustmomente aufkommen.

Gute Englischkenntnisse sollte man auch auf jeden Fall nicht nur allein schon wegen der allgemeinen Sprachausgabe besitzen. Während des Klassenprozesses gibt es hin und wieder Spielabschnitte, bei denen bestimmte Schlüsselwörter gesucht werden, die den nächsten Hinweis geben. Dabei müssen verschiedene Buchstaben zu einem gesuchten Begriff zusammengefügt werden. Manchmal ist dabei vornherein nicht ersichtlich, welches Wort am Ende herauskommen soll. Sieht man von einigen Funktionen ab, die die Diskussionsdynamik ausbremsen, sind die Debatten mit den Mitschülern spaßig zu verfolgen und sind vor allem sehr spannend, was nicht zuletzt an den abgefahrenen Wendungen liegt.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Von Sommerinseln, sadistischen Teddybären und Schulklassenmorden

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 37/431/43
Während der "Hangman's Gambit"-Phase muss der Spieler die gesuchten Schlüsselworte herausfinden, um zu einer Schlussfolgerung zu kommen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein gelungener Spagat zwischen Murder-Mystery und Parodie

Obwohl die Mordfälle größtenteils dramatische Ausmaße annehmen, nimmt sich das Spiel öfters mal nicht ernst. In vielen Szenen brechen die Charaktere die vierte Wand oder vermitteln Referenzen aus der japanischen und auch westlichen Popkultur. Oft schlägt das Spiel auch die extreme schwarz-humorige Richtung ein, spätestens dann, wenn die Mörder entlarvt werden, woraufhin eine animierte Exekutionsszene folgt, die nicht nur sehr morbide sondern auch teilweise übertrieben skurril daherkommt. Es ist sicherlich schwer vorstellbar, solange man es nicht selbst erlebt hat.

Unterm Strich sollte man gerade für den speziellen, japanischen Humor etwas übrig haben, da die Dialoge größtenteils davon leben. Andernfalls wird man wohl nicht soviel von dieser sehr kontrastreichen Kombination aus Mystery-Thriller und Parodie abgewinnen können, da eventuell die Gags zu befremdlich wirken.

Danganronpa 2: Goodbye Despair - Von Sommerinseln, sadistischen Teddybären und Schulklassenmorden

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 37/431/43
Zu den neuen Class-Trial-Features gehört der Logic Dive. Während Hindernissen ausgewichen werden müssen, entscheidet man sich zwischen mehreren Pfaden, die mögliche Lösungsansätze darstellen sollen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Danganronpa 2: Goodbye Despair hat in Sachen Spannung definitiv nichts im Vergleich zum Vorgänger eingebüßt. Wie schon beim ersten Teil läuft die ganze Geschichte am Ende auf einen gewaltigen Mindbender-Twist hinaus, der es in sich hat. Trotz aller Übertreibungen und Verrücktheit schafft das Spiel bis zuletzt erstaunlich konsistent in seiner inneren Spielwelt-Logik zu bleiben und beweist einmal mehr, vorab die entscheidenden Hinweise und Details subtil in die Geschichte unterzubringen. Mit jedem weiteren und abgeschlossenen Fall will man die Handlung nur noch weiterverfolgen und sich tut schwer daran, das Spiel weg zu legen.