Daemon Vector (PC Review)
von Jörg Pitschmann

Japanophiles Hack'n'Slay mit Zombies und Höllenhunden sowie differenzierte Charakterentwicklung mit einer verzweigten Handlung klingt gut, fanden wir. Und deshalb haben wir auch mit einigem Interesse das neueste Produkt aus dem Hause Frogster Interactive erwartet.

Denn schließlich lieben wir alle Diablo & Co., und als weltoffene und tolerante Spieletester, die wir nun einmal sind, freuen wir uns natürlich immer, wenn in dieser Richtung etwas Neues präsentiert wird.

Aber leider - erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Die gute Nachricht vorweg: wir lieben Diablo & Co. immer noch. Die schlechte Nachricht: Daemon Vector gehört nicht dazu. Und warum das so ist, könnt Ihr im folgenden erfahren.

Hackordnung
Eigentlich ist alles gut. Die Story von Daemon Vector verspricht zwar nicht gerade große Innovationen, aber spannend und flott klingt sie allemal. Und darum geht's: im 14. Jahrhundert senden diverse Königreiche Expeditionen in bislang fremde Länder. Man vermutet in den unbekannten Gefilden Reichtümer ungeahnten Ausmaßes, Grund genug also, die besten Entdecker vom Schlage eines Maro Polo in die Spur zu schicken. Dummerweise stellt sich heraus, daß nicht jeder gefundene Schatz zur Vermehrung des eigenen Reichtums dient, sondern so manche Truhe auch unliebsame Überraschungen enthält. Im vorliegenden Falle entpuppt sich ein geheimnisvolles Siegel, das auf den Namen Fu-Xi hört, als Unglücksbringer.

Daemon Vector - Schnetzelei aus der untersten Schublade! Die Gurke des Jahres?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Denn kaum, daß es geöffnet wurde, verwandelt es seuchenartig alle Menschen um sich herum in blutrünstige, seelenlose Zombies. Und da diese bekanntermaßen stets auf Nahrungssuche sind, entwickelt sich aus dem kleinen Faux-Pas sehr schnell eine grenzübergreifende Krise, denn natürlich bekommen die Überlebenden die Situation nicht mehr in den Griff.

Während sich die Seuche also rasend schnell verbreitet und sich allmählich der Glaube breitmacht, es gehe nunmehr dem Ende der Menschheitsgeschichte entgegen, betreten zwei junge, unverbrauchte Helden die Bühne und schicken sich an, mit der gottlosen Brut aufzuräumen.

Daemon Vector - Schnetzelei aus der untersten Schublade! Die Gurke des Jahres?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie nicht anders zu erwarten, ist dies der Punkt, an dem der Spieler in die weitere Handlung eingreift. Dazu wählt man anfangs entweder den dynamischen, muskelbepackten Schwertschwinger Asgard Roy als Spielfigur, oder man schnetzelt sich mit der süßen, drahtigen Hellebardenträgerin Rhea durch die untoten Horden.

Je nachdem, für welchen der beiden Charaktere man sich entscheidet, schlägt man entweder den männlichen (alles ohne Sinn und Verstand niederprügeln, was irgendwie herumläuft) oder den weiblichen (möglichst leise und mit taktischem Feingefühl versehen alles filettieren, was irgendwie herumläuft) Weg ein.Je nachdem, für welche Figur man sich entscheidet, schlägt man auf seinem Weg zum Sieg unterschiedliche Pfade ein. Auf diese Weise soll der Spieler motiviert werden, das Abenteuer mit beiden Helden zu durchlaufen. Soweit, so gut. Doch leider hat sich sehr schnell gezeigt, daß die Charakterwahl weitestgehend Makulatur ist, denn jeder Levelabschnitt ist eigentlich mit beiden Figuren spielbar. Denn an die Stelle von echten Adventure-Herausforderungen oder womöglich Rätselstoff tritt hier ein stumpfes Herumgehacke, bis sich keine andere Figur außer der eigenen mehr rührt. Natürlich erwartet niemand bei einem Hack'n'Slay, daß die Entwickler das Schießpulver neu erfinden.

Denn schließlich geht es stets darum, möglichst viele Gegnerhorden effizient zu erledigen, um den eigenen Charakter zu Ruhm, Sex und Ehre zu führen. Und daß man selbst mit simplen Mausklick-Orgien wahrhaft geniale Spiele entwerfen kann, zeigten uns die Blizzard-Jungs schon vor Urzeiten mit ihrer Diablo-Reihe.Ging dabei die größte Faszination von der Möglichkeit des Sammelns epischer Items, verbunden mit einem ausdifferenzierten Upleveln des eigenen Helden aus, so reduziert sich der epische Charakter im vorliegenden Titel auf dumpfes Draufgehaue, das mehr an türkischen Fußball erinnert als an ein Rollenspiel.

Steuerfahndung
Nicht viel besser sieht es mit der Steuerung des Spiels aus. Grundsätzlich dient die Maus als Haupteingabegerät. W, A, S, D lassen den Helden egoshootermäßig in die übliche Richtung laufen, um jedoch auch in die entsprechende Richtung zu sehen, muß man gleichzeitig mit der Maus in die gewünschte Richtung schwenken. Die beiden Nagertasten dienen für die unterschiedlichen Angriffsmodi, die mittlere löst einen Zauber aus, der sich in der Regel auf mehrere Gegner gleichzeitig anwenden läßt. Mit dem Mausrad scrollt man durch die Items, zu deren Benutzung muß man jedoch die Q-Taste bedienen.

Dinge wie Items sammeln, Türen öffnen oder Entwickler von grottigen Spielen verhauen erledigt man mit dem Aktionsbefehl, der über die Leertaste ausgelöst wird. Zwar kann man die Tastaturbelegung frei ändern, doch eine Umbelegung empfiehlt sich nur bedingt, da sie das schlechte Handling nicht wirklich verbessert. Außerdem reduziert sich im Endeffekt die Steuerung zumeist auf das inflationäre Fingerspiel mit der Maus. Einziger Vorteil des Klick-Gemetzels: es geht leicht von der Hand. Oder positiv ausgedrückt: man braucht nicht drei Tage Einarbeitungszeit, um die Steuerung zu lernen. Das wiederum dürfte all jene Zocker erfreuen, die neben zwei Armen und zwei Beinen auch zwei Gehirnzellen ihr Eigen nennen.

Daemon Vector - Schnetzelei aus der untersten Schublade! Die Gurke des Jahres?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Perspektivlosigkeit Neben den Gameplay-Schwächen ist es aber vor allem die mangelhafte Technik, die »Daemon Vector« das Genick bricht. So ist die Bildschirmauflösung auf maximal 800 x 600 Pixel festgelegt - die Konsolenversion läßt grüßen. Darüber hinaus ist die Perspektive nicht frei wählbar. Zwar bewegt man seine Figur im bekannten Third-Person-View durch die Levels, doch leider nicht frei zoom- und drehbar. Besonders ärgerlich: der Blickwinkel ist fest eingestellt, so daß man stets nur wenige Meter vor seinen Helden blicken kann. Und über die zahlreichen Clipping- und Perspektivfehler decken wir lieber gleich den Mantel des Schweigens.

Denn wenn der Held in sein Verderben latscht, weil sich im entscheidenden Moment aufgrund einer Drehung eine hübsch-häßliche Mauer vor dem Blick des Betrachters auftut, sind wahrlich auch die letzten Zweifel über die Qualität dieses Spiels zerstreut. Immerhin: dadurch, daß das Spielprinzip immer gleich abläuft, bedarf es schon nach wenigen Minuten eigentlich keiner großartigen Übersicht mehr.

Daemon Vector - Schnetzelei aus der untersten Schublade! Die Gurke des Jahres?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Man betritt einen Level, erledigt alles, was zwei oder mehr Beine hat und entschwindet durch eine sich dann öffnende Tür in den nächsten Abschnitt, wo das Spielchen von vorne beginnt - Langeweile inbegriffen. Aber es gibt Variationen: so verliert manchmal nämlich einer der Gegner beispielsweise einen Messingschlüssel, mit dem sich wiederum ein Tor öffnen läßt, das den Weg freigibt.Freies Speichern ist ebenfalls nicht drin, sondern das Spiel bietet nach jedem Abschnitt die Möglichkeit zum Sichern. Da jedoch der Schwierigkeitsgrad nicht wirklich eine harte Nuß ist, wird wohl kaum jemand auf die Idee verfallen, während einer Mission zu speichern. Hat man einen gesamten Level erfolgreich durchlaufen und -litten, wird man mit einer kurzen Zwischensequenz fragwürdiger Herkunft belohnt, gefolgt von einer neckischen Killstatistik, die die eigenen Fortschritte aufzeigt.

Wer dann noch durchhält, darf auf der Übersichtskarte sein nächstes Einsatzgebiet wählen, wobei man im Laufe der Handlung immer mehr mögliche Prügelstätten zur freien Auswahl bekommt. Natürlich kann man auch die bereits abgeschlossenen Levels nochmals durchspielen, nur - wer will das schon? Ach ja, dann ist da ja noch das Level-Up-System. Je mehr Erfahrung der Held (oder die Heldin, wir sind da durchaus tolerant) sammelt, desto besser kann er zulangen.

Daemon Vector - Schnetzelei aus der untersten Schublade! Die Gurke des Jahres?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das wird allerdings durch die immergleichen Soundschnipsel, verbunden mit extrem nervigen und vor allen Dingen oftmals unpassenden Schrittgeräuschen wieder ausgeglichen. Der einzige wirkliche Vorteil des Spiels: es läßt sich schnell und rückstandslos wieder von der Festplatte entfernen. Und das ist doch auch schon was.

Daemon Vector - Schnetzelei aus der untersten Schublade! Die Gurke des Jahres?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 3/91/9
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das wird allerdings durch die immergleichen Soundschnipsel, verbunden mit extrem nervigen und vor allen Dingen oftmals unpassenden Schrittgeräuschen wieder ausgeglichen. Der einzige wirkliche Vorteil des Spiels: es läßt sich schnell und rückstandslos wieder von der Festplatte entfernen. Und das ist doch auch schon was.