Muss man sich Sorgen um den Cyberpunk 2077-Entwickler CD Projekt RED machen? Negativschlagzeilen im Sommer und die spärlichen Infos bezüglich des neuen Titels ließen Fans ratlos zurück. In einer neuen Umfrage haben sich nun einige Mitarbeiter zur Situation beim polnischen Entwickler geäußert.

Cyberpunk 2077 - CD Projekt RED: (Ex-)Mitarbeiter vom Witcher-Entwickler sprechen über die Arbeitssituation

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Wie sind die Arbeitsbedingungen beim polnischen Entwickler? Bild: media.glassdoor.com
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Vor nicht allzu geraumer Zeit geriet der polnische Top-Entwickler CD Projekt RED ins Kreuzfeuer negativer Bewertungen über die Unternehmensbewertungsseite Glassdoor, wo Arbeitnehmer anonym ihre Unternehmen bewerten können. Innerhalb kürzester Zeit sammelten sich dort zahlreiche negative Bewertungen an. Überschriften wie "Ich weiß nicht, wie wir The Witcher 3 hinbekommen haben", "Der Erfolg ihrer Spiele lastet auf den Schultern der Mitarbeiter" und "Größtes Mobbing-Spieleunternehmen in Polen" sprachen eine deutliche Sprache.

Das ging so weit, dass sich CD Projekt RED in einem Statement zu rechtfertigen versuchte:

"Wir arbeiten ständig daran, RED zu einem guten Arbeitsplatz für alle zu gestalten, aber wir haben auch einige Werte etabliert, die fundamental für das stehen, was wir sind und wie wir arbeiten."

Mit den Werten dürfte das Unternehmen durchaus die Bereitschaft andeuten, während der Crunch-Times überdurchschnittlich lange zu arbeiten und Überstunden hinzunehmen - eine Praxis, die in der IT-Branche und auch in der Spieleindustrie üblich ist.

"Diese Art, Videospiele zu kreieren, ist nicht für jedermann. Es erfordert den ständigen Willen, 'das Rad neu zu erfinden' - selbst dann, wenn man auf persönlicher Ebene glaubt, dass alles wie geschmiert läuft. Aber wisst ihr was? Wir glauben, dass genau dieses 'Rad neu erfinden' das ist, was ein Spiel besser macht. Wenn man Spiele mit der Haltung 'Nah dran reicht aus' entwickelt, bewegt man sich nur in der eigenen Komfortzone. Und ihr wisst, wo die echte Magie wirkt."

Eine sehr blumige Umschreibung für die ambitionierten, manche würden wohl auch sagen Stress induzierenden Arbeitsbedingungen bei CD Projekt RED. Dass einige Mitarbeiter vor lauter Arbeit keine Zeit mehr für die eigene Familie oder überhaupt ein Privatleben haben, dürfte programmiert sein.

Neue Herausforderungen durch Wachstum

Der Erfolg gibt ihnen Recht, möchte man sagen, denn die Witcher-Reihe zählt zum Besten, was es in Sachen Gaming da draußen gibt. Und wer einmal die Luft da oben geschnuppert hat, wird einen gewissen Druck verspüren, diese Qualität weiterhin zu halten. Dementsprechend hoch dürften die eigenen Ziele des Unternehmens beim nächsten Projekt Cyberpunk 2077 sein. Zudem ist das Unternehmen seit der Gründung 1988 (damals noch als IT-Dienstleister unter dem Firmennamen Optimus tätig) bis heute von sieben Personen zu Beginn von CD Projekt RED in 1994 auf eine Belegschaft von über 400 angewachsen. Eine aus unternehmerischer Sicht enorm hohe Herausforderung, die es zu meistern gilt. Immerhin trägt die Führung eine große Verantwortung für jeden einzelnen Mitarbeiter.

Unterschiedliche Meinungen

Youtuberin Madqueen Show hat sich die Mühe gemacht, 43 teils ehemalige Mitarbeiter zu befragen und - wie sollte es anders sein - unterschiedliche Meinungen über den polnischen Entwickler erhalten:

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"In meiner zehnjährigen Karriere war ich in Unternehmen, die einem Überstunden ohne Bezahlung aufdrückten, einem eine Kündigung mit einmonatiger Frist überbrachten - und einen dann baten, nochmal Überstunden zu machen. Ich war in Unternehmen, die Studenten zum Selbstmord trieben durch den Druck und durch Mobbing vom Chef. Aber selbstverständlich hat man davon nie etwas erfahren, da diese Unternehmen kaum Bedeutung haben. CD Projekt RED ist aus meiner Sicht einer der besten Unternehmen innerhalb der Industrie, was die Arbeitsbedingungen betrifft", so ein Senior Developer, der aktuell an Cyberpunk 2077 arbeitet.

Cyberpunk 2077 - CD Projekt RED: (Ex-)Mitarbeiter vom Witcher-Entwickler sprechen über die Arbeitssituation

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Cyberpunk 2077 ist das neue Spiel von CD Projekt RED, um das sich derzeit 300 Mitarbeiter kümmern
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"Als sie sich bei Bioware wegen eines dreimonatigen Crunchs beschwerten, mussten wir lachen. Während der Entwicklungszeit von Witcher 3 crunchten viele Leute seit über einem Jahr, manche sogar seit drei Jahren. Die Arbeit an Witcher 3 wurde mit jedem Monat nur noch schlimmer. Die Moral sank auf einen Tiefpunkt, bis sich alle nur noch beschwerten. Einige von uns hofften dennoch darauf, dass sich die Situation bei Cyberpunk 2077 ändern würde. Aber als wir zum Cyberpunkt-Projekt wechselten, wurde alles nur noch schlimmer und chaotischer. Zu dem Zeitpunkt wollte fast jeder in meinem Team nur noch weg", erzählte dagegen ein anderer aktueller Mitarbeiter.

Ein anderer Befragter zeigte sich dagegen verständnisvoll für die Ausrichtung des Unternehmens: "Ich möchte bei diesem Entwickler bleiben, denn es ist die letzte Festung der Hoffnung zwischen all den Unternehmen, die nach Kontrolle gieren wie EA und Activision. Aber es ist auch eine Firma, die Geld machen muss, um das Budget nicht zu überziehen. Und jetzt wird sie größer und braucht noch mehr Geld, um sich zu halten. Andere Unternehmen würden jetzt darauf setzen, Spiele zu entwickeln, die 'gerade gut genug' sind. So ist es bei CD Projekt RED definitiv nicht. Aber die Art, wie hier Spiele entwickelt werden, ist pures Chaos."

Wenn man sich die Meinungen durchliest, kommt man tatsächlich nicht umhin, zu glauben, dass die meisten negativen Meinungen dem momentanen Wachstum des Unternehmens geschuldet sind. Doch Chaos war schon immer Bestandteil von CD Projekt RED. So arbeiteten an The Witcher zahlreiche Quereinsteiger mit, da das Unternehmen zu dem Zeitpunkt noch zu unbekannt und Polen nicht attraktiv genug für internationale Fachkräfte war. Wir werden also sehen müssen, was nach Cyberpunk 2077 kommt.

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