Zwei Tassenmännchen bringen sich um ihre Seelen und euch um den Verstand: Cuphead ist Old School bis in den letzten wunderschönen Pinselstrich. In unserem Test zum Spiel erfahrt ihr, warum ihr Cuphead lieben, hassen und dann wieder lieben werdet.

Ladies and Gentlemen, willkommen in einem ganz besonderen Spiel...!

Cuphead - Announcement-TrailerEin weiteres Video

Viele Jahre war es in Arbeit, zwischenzeitlich fast schon zur Vaporware geworden und nun ist Cuphead doch fertig und erschienen. Gut so, denn ohne Cuphead wäre die Welt um ein wahrlich schönes Spiel ärmer. Kein Titel zuvor hat Stil und Charme alter Zeichentrickfilme besser eingefangen. Dabei erzeugt Cuphead eine ganz bemerkenswerte Stimmung, die bei aller überdrehten Comichaftigkeit stets auch etwas Bedrohliches hat. Das geht bereits beim Intro los: Die „Tassenmännchen“ Cuphead und Mugman werden im Casino übermütig und verspielen ihre Seelen an den Teufel höchstpersönlich. Doch es gibt einen Ausweg: Wenn sie die offenen Seelen-Schulden anderer Kreaturen eintreiben, lässt der Teufel Cuphead und Mugman vom Haken.

Cuphead - Tasse statt Masse

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Die Medusa bei Cuphead wird euch ins Schwitzen bringen
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Dummerweise rücken besagte Schuldner ihre Seelen nicht freiwillig raus. Man merkt, dass der actionreiche Side-Scroller einst eine reine Boss-Parade war: Allein oder im Koop-Modus ballert ihr auf wildes Großgemüse, einen verrückten Flaschengeist, eine aggressive Sonnenblume, eine mächtige Medusa und vieles mehr. Die Bosse sind oft riesig und durchlaufen mehrere Verwandlungsstufen. Sie sind so liebevoll und detailliert gestaltet, dass man sich kaum an ihnen sattsehen kann – obwohl dafür keine ruhige Sekunde bleibt, denn Cuphead verlangt eure vollste Aufmerksamkeit.

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Kampf reiht sich an Kampf
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Für Auswendiglerner

Ihr könnt zwar mehrere Treffer einstecken, habt aber stets nur ein Leben: Erledigt euch ein Gegner, startet ihr den Level von vorne. Das ist anfangs noch nicht so wild, da die Duelle nach dem Durchschauen der Angriffsmuster teilweise nur ein, zwei Minuten dauern. Später werden die Kämpfe aber länger, vielfältiger und noch fordernder, sodass es schnell zur Weißglut treibt, wenn eine zuvor noch nicht gesehene Attacke plötzlich binnen Sekunden eure verbleibenden Trefferpunkte frisst.

Checkpoints in den Kämpfen gibt es nicht, dafür aber optional einen leichteren Schwierigkeitsgrad. Erledigt ihr die Endgegner in ihrer einfacheren Form, könnt ihr zwar auf den Oberweltkarten der insgesamt vier Spielabschnitte weiter vorrücken, kassiert aber nicht die wichtigen Seelen ein und erfüllt so nicht den Auftrag des Teufels. Stellt euch also darauf ein, euch irgendwann mit dem normalen Schwierigkeitsgrad zu arrangieren. Zumal euch in der Easy-Variante einiges entgeht, da manche Evolutionsstufen der Bosse dort komplett wegfallen.

Run & Gun & Fly

Während seiner Entstehung wurde Cuphead häufiger dafür kritisiert, nur eine Verkettung von Bosskämpfen zu sein, also haben die Entwickler weitere Elemente eingebaut: Die sogenannten „Run & Gun“-Level erinnern an Contra und Konsorten. Hier pustet ihr eher eine Vielzahl an kleineren Widersachern weg, außerdem spielt akkurates Springen häufig eine etwas größere Rolle. Da diese Level stets von den großen Bosskämpfen abgekoppelt sind, fühlt sich das ganze Spiel recht stückhaft an. Zumindest bringen die „Run & Gun“-Level eigene Mini-Bosse mit, die euch teilweise auch gut auf Trab halten. Insgesamt haben uns diese Level sogar noch mehr gefordert, auch da sie seltsamerweise keine Easy-Variante haben.

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Auf in die Lüfte!
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Darüber hinaus gibt es Shoot-em-up-Segmente, in denen Cuphead und Mugman zu kleinen Flugzeugen werden. Die Mausoleen der einzelnen Welten schließlich setzen einzig auf eure Sprungskills. Hier müsst ihr eine Urne vor anrückenden Geistern bewahren, die sich von euren Projektilen nicht stoppen lassen. Ein gut getimter Sprung erledigt sie aber, denn die Geister sind alle pink und pinke Objekte spielen in der Cuphead-Welt eine besonders Rolle: Springt ihr auf sie drauf und im richtigen Moment wieder von ihnen ab, sammelt ihr einen Punkt für euren Spezialangriff-Vorrat. Mit diesem könnt besonders starke Attacken ausführen. Spart ihr euch mehrere Spezialangriffe auf, packt ihr alternativ schließlich eine noch mächtigere Fähigkeit aus und macht euch zum Beispiel kurz unverwundbar.

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Shopping gegen den Frust

Die einzigen Items in Cuphead sind große Goldmünzen, die sehr spärlich über die Spielwelt verteilt wurden. Ihr gebt sie in einem Shop aus und deckt euch dort mit neuen Waffen und Perks ein: Ihr opfert gerne Feuerkraft für eine automatische Zielsuche? Oder richtet lieber richtig viel Schaden an, auch wenn ihr euch dafür besonders nah an eure Ziele heranwagen müsst? All das ist möglich und bringt eine gewisse Tiefe in das ansonsten sehr simple Spielkonzept. Habt ihr irgendwann richtig den Bogen raus, merkt ihr, dass Cuphead ein ziemlich kurzes Spiel ist: Könner legen die Bosse in wenigen Spielstunden. Danach könnt ihr immer noch an eurer vom Spiel bewerteten Performance feilen. Oder ihr spielt Cuphead nochmal, einfach weil es so verdammt gut aussieht.