CSI: Miami (PC-Test) (von Patrick Streppel)

Zum dritten Mal schickt Ubisoft das Crimelab auf Spurensuche: Nach zwei Abstechern ins verspielte Las Vegas basiert der jüngste Teil auf der Ablegerserie CSI: Miami. Trotz sommerlicher Kulisse und neuen Charakteren ändert sich am Spielprinzip nichts:

Während klassische Adventure-Spieler angesichts steriler Render-Bildchen und schnarchiger Beweis-Untersuchung nur den Kopf schütteln werden, kommen Nachwuchskriminologen, Fans der Vorgänger und hart gesottene Serien-Anhänger wohl erneut auf ihre Kosten.

Die US TV-Serie CSI - kurz für "Crime Scene Investigation" - ist ein Phänomen. Nach dem überwältigenden Erfolg der Originalserie startete parallel die Ablegerserie CSI: Miami, welche das gleiche Prinzip auf einen neuen Schauplatz übertrug.

Neue Charaktere, neue Geschichten und doch ähnliche Mordfälle - trotzdem wurde auch CSI: Miami großer Erfolg zuteil. Mittlerweile ist in den USA gar eine dritte Serie, CSI: New York gestartet - doch soweit ist Publisher Ubisoft noch nicht. Zusammen mit Entwickler 369 Interactive veröffentlichten die Franzosen bereits zwei Versoftungen der Original-Serie (für die Xbox als Bundle), jetzt geht mit CSI: Miami auch das Spiele-Franchise in die dritte Runde. Und auch hier ist alles beim alten.

Hungrige Handtasche
Für eine Einführung bleibt nach Spielstart keine Zeit, stattdessen schickt uns Teamchef Horatio Caine sogleich auf den ersten Einsatz: Auf

einem Golfplatz hat ein Alligator einen Spieler verspeist - Details über die Identität des Opfers liegen jedoch nicht vor. Auch ist die Frage ungeklärt, ob der letzte Mittagsimbiss des tot aufgefundenen Krokodils bloßes Pech oder geplanter Mord war. Wer hätte schon ahnen können, dass das arme Tier nach einem Kampf mit einem Artgenossen ausgerechnet auf dem grünen Rasen verreckt, anstatt den Leichnam in der sumpfigen Umgebung zu verdauen?

Mit einem Verdacht im Hinterkopf macht sich der namenlose Spieler an die Überprüfung des Tatorts: Sorgfältig das Krokodil und die nähere Umgebung nach möglichen Indizien absuchen, den abgetrennten Arm des Opfers einsammeln und mit dem Spezialspray die Blutspur zum Wasser zurückverfolgen. Als nächstes wird ein naher Zeuge befragt, der die Zahl der möglichen Opfer auf zwei Personen, Vater und Sohn, verringert. Typisch TV-Drehbuch: Während Vater und Zeuge befreundet sind, hat dessen Töchterchen mit dem Sohn ein

CSI: Miami - CSI, Runde 3: Das Miami Crime Lab auf Spurensuche

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Techtelmechtel - dumm nur, dass auch die Beziehung zwischen Vater und Ehefrau des Zeugen weit über bloße Freundschaft hinausgeht. Die Mordfälle in CSI: Miami enthalten reichlich persönliche Schicksale, sind dadurch aber auch einen Tick schwieriger als in den Vorgängern.Mut zum Detail
CSI: Miami möchte möglichst realistisch sein, was durch eine relativ detaillierte Verbrechensaufklärung erreicht werden soll. Neben linearen Dialogen, in denen Zeugen Punkt für Punkt ausgequetscht werden, bildet die Beweisuntersuchung die wahreHerausforderung des Spiels. Diese läuft im Prinzip wie den Vorgängern ab: Pixel für Pixel die gerenderten Bildchen absuchen, dann für die Beweisaufnahme und Untersuchung die richtigen Werkzeuge wählen. Von einfachen Handschuhen oder Pinzetten, Puder für Fingerabdrücke oder Gips zum abformen reicht das Sortiment über Chemikalien bis hin zu Infrarotsensoren.

Packshot zu CSI: MiamiCSI: MiamiErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Nachdem wir den Tatort sorgfältig nach Hinweisen abgesucht und mit unseren Tools alles eingesammelt bzw. alle Proben genommen haben, besuchen wir das Labor. Die fesche Valera kommentiert zwar unsere Funde, an den Geräten müssen wir jedoch selbst Hand anlegen: Wie in den Vorgängern lassen sich unter dem Mikroskop zwei Haare oder Fasern vergleichen, der PC scannt Auto-, Schuh- oder Fingerabdrücke sowie DNS Proben und vergleicht diese mit der Datenbank der Polizei. Eine neue Herausforderung stellt das zusammenlegen von Scherben oder Fotos dar.

Erdrückende Beweislast
Wichtig ist zudem die fachkundige Meinung von Gerichtsmedizinerin Alex Woods, die beispielsweise feststellt, dass das Opfer bereits tot war als es vom Krokodil verspeist wurde. Um solche Tatsachen zu untermauern, blendet das Spiel hin und wieder Animationen ein, an denen Fans der Körperwelten eine wahre Freude haben. Mit den gesammelten Indizien gehen wir schließlich zu Yelina Sallas, die in der Datenbank weitere Informationen sucht, Verdächtige zum Verhör lädt oder Durchsuchungsbefehle beschafft.

Leider kann genau diese Detailverliebtheit dem gewöhnlichen Spieler, der kein CSI-Fan ist, schnell auf den Keks gehen. Waren Objekte in den Vorgängertiteln oftmals auf Anhieb zu sehen, suchen wir in CSI: Miami lange den Bildschirm ab - haben wir ein Detail übersehen oder etwas im Labor nicht richtig untersucht, geht es im linearen Spielverlauf nicht weiter, auch wenn das weitere Vorgehen eigentlich klarund die Beweislast erdrückend ist. Auf Wunsch lässt sich zwar die Färbung des Cursors an interessanten Stellen aktivieren, für Spielspaß sorgt das jedoch ebenso wenig wie die kryptischen Hilfestellungen unserer Kollegen. Aussagen wie "Sie sollten das Krokodil noch einmal untersuchen", helfen oft auch nicht weiter, kosten aber Punktabzug in der abschließenden Bewertung.

Neu eingefärbt
Spielerisch ist bei CSI: Miami also alles beim alten - Stärken und Schwächen wurden fast unverändert übernommen, lediglich kleine Gameplay-Erweiterungen und minimal komplexere Fälle erhöhen den Anspruch an die Spieler-Gemeinde. Die Benutzung der verschiedenen Tools ist aber spätestens im dritten Spiel für Serien-Fans zur Routine geworden und die Benutzung des DNS-Scanners ruft schon im zweiten Fall leichtes Gähnen hervor. Zum Glück sind die Fälle gut geschrieben - richtig Spannung kommt aber auch hier nicht auf.

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Optisch erinnert CSI: Miami an seine Vorgängertitel. Auch wenn die unscharfen Hintergründe einen deutlich sommerlicheren Charakter haben als die kühlen Las Vegas-Szenarien, hat sich bis auf neue Charaktere und die veränderte Farbpalette wenig getan. Der Grafikstil ist der gleiche und selbst die Menüs sind lediglich orange eingefärbt worden, inhaltlich aber identisch. Das ermöglicht Fans der Vorgänger zwar einen schnellen Einstieg, spricht aber nicht gerade für die Innovationsfreude der Entwickler: Die Spielserie entwickelt sich auch in ihrem dritten Teil nicht weiter und dümpelt stattdessen in der Mittelmäßigkeit.Atmosphärekiller
Leider sind die CSI-Spiele damit noch immer ein Beispiel, wie man TV-Umsetzungen nicht machen sollte: Anstatt auf real gefilmte Schauspieler zurückzugreifen, stehen animationsarme Rendermännchen vor uns, die mit ihren Vorbildern äußerlich nur wenig gemeinsam haben - lediglich die Original-Stimmen kann man Ubisoft in Punkto Atmosphäre zu Gute halten. Doch da die Knetköpfe beim Sprechen nicht mal ihre Lippen bewegen, reißt das so richtig viel natürlich nicht heraus.

Wenn es bei CSI: Miami gleich zu Beginn ein Opfer gibt, dann wohl die

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Atmosphäre der erfolgreichen Vorlage: Anstatt reale Orte abzubilden, setzt uns Entwickler 369 sterile Renderbilder vor. Sollte man nach zwei Spielen meinen, dass die Grafiker den Umgang mit 3D-Studio gelernt haben, so beweist die Realität etwas anderes: Die Tatorte sind so undetailliert und statisch wie je zuvor - mühevoll ausgearbeitete Umgebungen oder auflockernde Animationen sucht man als grafikverwöhnter Spieler vergebens.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ komplexe, logische Fälle + authentische Beweisanalyse + Original-Stimmen

Contra:
- lieblose Grafik mit sterilen Umgebungen und leblosen Charakteren - sich wiederholender, linearer Spielverlauf - Nervige Bildschirm-Suche - kaum Unterschiede zu den ersten beiden SpielenPro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ komplexe, logische Fälle + authentische Beweisanalyse + Original-Stimmen

Contra:
- lieblose Grafik mit sterilen Umgebungen und leblosen Charakteren - sich wiederholender, linearer Spielverlauf - Nervige Bildschirm-Suche - kaum Unterschiede zu den ersten beiden Spielen