Trotz Dementi von Seiten Cryteks kommen immer mehr Details auf, die ein schlechtes Licht auf die Zustände innerhalb des Unternehmens werfen.

Crytek - Cryteks Bosse fahren Ferrari, Mitarbeiter werden nicht pünktlich bezahlt

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Was ist dran an den Anschuldigungen der Mitarbeiter?
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Seit einem Plus-Bericht von Gamestar, der über die Zustände innerhalb Cryteks berichtete und enthüllte, dass Crytek im April angeblich kurz vor dem Bankrott stand, kommen immer mehr Details ans Licht, die von ehemaligen oder aktuellen Mitarbeitern mitgeteilt wurden.

Interessanterweise dementierte Crytek bereits den Bericht von Gamestar, denn im selben Bericht soll Mitgründer Avni Yerli immerhin selbst über den drohenden Bankrott gesprochen haben, der dank einer Finanzspritze in letzter Sekunde abgewendet werden konnte.

Seit dem Bericht melden sich immer mehr Mitarbeiter bzw. ehemalige Mitarbeiter Cryteks aus aller Welt, die dem Bericht zustimmen und mehr Details mitteilen. So soll Crytek in den letzten Monaten mehrere Projekte aufgegeben haben, darunter neue IPs und auch das Sequel zu Ryse - Son of Rome.
Die Arbeiten zum Sequel wurden eingestellt, nachdem sich Microsoft und Crytek nicht einig darüber geworden sind, wer die Rechte an dieser Reihe besitze. Es heißt, Microsoft beanspruchte die Rechte für sich, während Crytek sie nicht aus der Hand geben wollte. Auf Anfrage teilte ein Sprecher Microsofts auch mit, dass es zu dieser Reihe auch momentan nichts mitzuteilen gebe.

Mit der Einstellung mehrerer Projekte wie Ryse 2 stand Crytek damit auch ohne Finanzier in Form eines großen Publishers hinter sich da. Viele Mitarbeiter seien dadurch verunsichert worden, teilt ein derzeitiger Mitarbeiter per Mail mit. Als Spiele-Entwickler ist Crytek nun mal auf Deals mit Publishern angewiesen, die die Projekte finanzieren und somit Geld in die Kassen spülen.

Als Mitgrund für die finanziellen Probleme sehen einige auch Cryteks Vorhaben, ganz auf Free-To-Play zu setzen, statt weiterhin das zu machen, wofür Crytek bekannt und worin Crytek gut ist - grafische Wunderkerzen, die heller scheinen als alles andere aus der Industrie. Doch selbst diese Entscheidung sei lediglich vage durchdacht. "Anstatt sich auf die Stärken des Unternehmens zu konzentrieren, also auf die CryEngine und auf innovative Titeln, springen wir einfach immer auf den neuesten Trend auf", so ein Mitarbeiter. "Nur dass wir es jedes Mal zu spät tun, und damit unserer Konkurrenz hinterherrennen."

Dadurch gebe es keinerlei Identität, weder für die Produkte noch für das eigene Firmenprofil. Das sei nicht nur für die Fans frustrierend, sondern auch für die Mitarbeiter. So wäre es auch kein Wunder, wenn Projekte angefangen, aber nicht beendet würden. Dass dieses kreative Problem auch schnell ein finanzielles würde, ist nachvollziehbar.

Und den finanziellen Notstand bekamen prompt auch die Mitarbeiter zu spüren. Statt welche zu entlassen [was man Crytek auch zugutehalten muss], entschied sich die Führungsriege, die Lohnzahlungen zu verschieben. Vier Mitarbeiter aus Frankfurt teilten mit, dass sie ihr Gehalt vom März erst mit zweiwöchiger Verspätung erhielten.

Allerdings soll es sich dabei nicht um einen Einzelfall gehandelt haben. Derlei Praktiken sollen bei Crytek in der Vergangenheit schon öfters vorgekommen sein, wie zwei Quellen berichten. Zudem soll die Erfahrung in dieser Hinsicht je nach Standort variieren. So sollen einige Mitarbeiter von Crytek UK berichtet haben, dass sie lediglich 30 - 40 Prozent ihres Gehaltes erhalten haben, während andere berichten, dass sie seit Monaten keinen Lohn mehr gesehen haben.

Verständlich, dass Mitarbeiter in Frankfurt den Anblick ihrer Chefs Cevat und Avni Yerli, die in den letzten Monaten in ihren Ferraris zur Arbeit fahren, nicht besonders gutheißen. Eine Quelle nannte diesen Umstand "einen Schlag ins Gesicht". Allerdings muss man doch sagen, dass ein Ferrari als Dienstwagen noch lange nicht bedeutet, dass man sich als Chef über die Mitarbeiter hinwegsetzt. id-Software-Mitbegründer John Carmack war zu seinen Glanzzeiten selbst dafür bekannt, gleich mehrere Ferraris zu besitzen und es gibt keine Stimmen, die behauptet hätten, er hätte sich seinen Mitarbeitern gegenüber unfair verhalten.

Doch das Interieur des Firmensitzes in Frakfurt deute dafür schon eher auf einen verschwenderischen Umgang mit den finanziellen Mitteln hin. Teure Büroeinrichtungen und Zubehör seien an der Tagesordnung. Und Trotz der finanziellen Probleme wurden Flüge von Mitarbeitern zwischen den Studios noch immer abgenickt, statt diese Ausgaben einzusparen. Erste Klasse versteht sich.

Da ist es dann auch nicht verwunderlich, dass führende Mitarbeiter ihre Posten und das Unternehmen verlassen. Denn ein weiteres, gravierendes Problem sei auch die mangelnde Kommunikation innerhalb Cryteks. Vier Quellen berichteten, dass es den Mitarbeitern nicht gestattet sei, per Email über Gehaltsangelegenheiten zu sprechen. So wirke es, als wolle Cryteks Führung das Problem lieber totschweigen, statt es zu lösen.

Vielleicht liegt es daran, dass Crytek eine deutsche Firma ist, aber das Management und die bürokratischen Prozesse innerhalb des Unternehmens sollen so desaströs sein, dass es zu einem Running Gag wurde, denn niemand soll mehr gewusst haben, wem man was mitteilen soll, wie eine Quelle mitteilt.

Crytek hat den gesamten Bericht der Gamestar und auch alle weiteren Details dementiert. Man arbeite derzeit mit Hochdruck an der CryEngine und den Spielen Warface, Homefront: The Revolution, Hunt und Arena of Fate.

"Es enttäuscht mich sehr, dass Crytek diese Anschuldigungen weiterhin verneint", so ein ehemaliger Mitarbeiter. "Sie sind allesamt wahr."