Wohl jeder kennt die Situation: Im Fernsehen läuft gerade ein spannender Film. Doch schon nach relativ kurzer Zeit scheinen einzelne Szenen und Handlungsstränge seltsam vertraut. Klar, worum es geht: Die Rede ist von einem Déja Vue, dem irrationalen Gefühl, einen eigentlich ganz neuen Augenblick schon einmal erlebt zu haben.

Crysis: Warhead - GC 08 TrailerEin weiteres Video

Im jüngst veröffentlichten, eigenständig lauffähigen Crysis-Addon Warhead drängen sich uns an quasi jeder Ecke Déja Vues auf. Das liegt nicht etwa an unseren hellseherischen Fähigkeiten oder daran, dass wir den Titel bereits auf der Games Convention probegespielt haben. Die Lösung ist viel trivialer: Wir haben einzelne Aspekte von Warhead tatsächlich schon erlebt. Und zwar in Crysis selbst.

Crysis: Warhead - Noch besser als das Original?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Sieht aus wie Crysis, ist aber Warhead. Die optischen Unterschiede sind wahrlich gering.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Expansion Pack erzählt nämlich just die gleiche Geschichte von sich zankenden Amerikanern und Nordkoreanern sowie einfallenden Aliens auf einer Südseeinsel. Einzig der Blickwinkel ist ein anderer. Denn statt erneut in der Rolle des vergleichsweise profillosen Nomad in die Schlacht zu ziehen, schlüpfen Spieler diesmal in die Kampfrüstung des markanten Psycho. Der begeisterte uns als Nebencharakter bereits im Hauptprogramm mit coolen Sprüchen der Marke Bruce „Stirb Langsam“ Willis. Nun spielt der egozentrische Actionheld par excellence die erste Geige. Gut so!

Batman wäre neidisch

Crysis-Spieler erinnern sich, dass Psycho immer mal wieder den Weg von Nomad kreuzte, ansonsten aber, typisch „Frontschwein“, auf anderen Teilen der Insel im Alleingang Außerirdische jagte. Was er dabei erlebt, erfahrt ihr nun in Warhead. Wie zu erwarten, gestaltet sich der virtuelle Abenteuerurlaub im Paradies ähnlich dem in Crysis. Im schicken Nanosuit, einem Hightech-Strampelanzug, der selbst Batman neidisch machen würde, legt er sich mit scharenweise Nordkoreanern und Aliens an.

Crysis: Warhead - Noch besser als das Original?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Riesen-Alien-Alarm! Genau der richtige Job für einen Psycho wie uns.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Verbesserungen am Superhelden-Strampler gibt es nicht. Nach wie vor markieren vier Spezialfähigkeiten den Unterschied zwischen vielen toten Feinden und einem quicklebendigen Ausnahme-Soldaten. In der Standardeinstellung dient der Overall als schützender Kugelfang. Erst wenn die Schildenergie aufgebraucht ist, nimmt der Held selbst Schaden. Geheimnistuer und Spanner aktivieren die Schleichfunktion, die sie quasi unsichtbar macht. Angriffe aus dem Hinterhalt sind so kein Problem mehr.

Wer rabiater zu Werke gehen möchte, greift vermehrt auf die Stärke-Einstellung zurück. Gegner-Weitwurf und Hochsprung werden dadurch zur Paradedisziplin. Nicht minder nützlich ist die Tempo-Funktion. Die macht neue Sprintrekorde ebenso möglich wie zügiges Entkommen aus Gefahrenzonen.

Wahre Meister kombinieren die Spezialfähigkeiten geschickt, um als Ein-Mann-Armee nicht nur ordentlich auf den Putz zu hauen, sondern dabei auch noch cooler auszusehen als Mr. Willis in seinen besten Zeiten.

Drama, Baby, Drama!

Obgleich Warhead dem großen Bruder Crysis auf den ersten Blick wie ein eineiiger Zwilling gleicht, gibt es doch Detailunterschiede. Die Inszenierung etwa. Die ist noch knalliger, noch pompöser, und vor allem nimmt sie stärker Bezug auf den Protagonisten. Der Spieler erfährt Interessantes über Psychos Persönlichkeit, seinen Humor, seine Macken. Die Bindung zum Helden ist so ungleich höher als noch in Crysis.

Crysis: Warhead - Noch besser als das Original?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
So schaut er aus, der nette Herr Psycho. Ein wahrer Held, nicht wahr?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nichtsdestotrotz ist auch Warhead lupenreines Actionkino. Wer echte Story- und Charaktertiefe erwartet, der wird nach wie vor enttäuscht. Dazu trägt vor allem die langweilig präsentierte Haupthandlung bei. Gerade Crysis-Spieler wissen schließlich bereits genauestens, wie sich die Alienhatz entwickelt. Das erstmalige Auftauchen der Außerirdischen, spektakulär zugefrorene Landschaften und sogar das Ende sind wohl vertraut, Überraschungen entsprechend rar gesät.

Da werd‘ ich gern zum Psycho! Warhead ist perfekt inszenierter Ballerspaß, dem es nur ein wenig an Story-Frische fehlt.Fazit lesen

Dass Entwickler Crytek den Kern des Spiels unangetastet ließ, das merkt man Warhead faktisch von der ersten Minute an. Dass dies bei einem Ausnahmeshooter wie Crysis aber gar nicht so verkehrt sein muss, dessen ist man sich ebenfalls schnell bewusst. Warhead macht schlicht und ergreifend Spaß. Alles wirkt unheimlich ausgereift, Detailverbesserungen lassen das Geschehen noch runder wirken.

Crysis: Warhead - Noch besser als das Original?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Brr, ist das kalt hier! Da hilft nur ballern, bis die Wumme glüht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neben der bereits angesprochenen Inszenierung fällt insbesondere die Entscheidungsfreiheit positiv ins Gewicht. Die Areale und damit die Non-Linearität fallen zwar etwas kleiner aus, der Spieler wird verstärkt an der Hand genommen, damit die Gefahr des Verlaufens gar nicht erst gegeben ist. Doch die Vielfalt in der Herangehensweise an die Missionen wurde erhöht.

Wähle ich den vom Programm empfohlenen Weg und fahre im dicken Panzer gen feindliche Basis? Oder schlage ich mich zu Fuß durch und schalte die Gegner im Verborgenen hinterrücks aus? Situationen, in denen der Spieler, sprichwörtlich an ein bestimmtes Vehikel gekettet, eine bestimmte Route zurück legen musste und keine Möglichkeit hatte, auszusteigen, gibt es nicht mehr. Es obliegt zu jedem Zeitpunkt euch, ob ihr per pedes oder motorisiert über die Insel brettert.

Erweiterter Waffenschrank

Ein wenig Feintuning hier, ein anderer Story-Blickwinkel da: Warhead macht Vieles genau so wie Crysis, Einiges aber doch auch neu. Frische Waffen zum Beispiel. Für den extrastarken Kawumms-Faktor sorgt der Granatwerfer, der selbst Panzer in Windeseile zu Altmetall verarbeitet. Weniger brachial zeigen sich die Maschinenpistolen, von denen Psycho in jeder Hand eine halten darf.

Crysis: Warhead - Noch besser als das Original?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Gestatten, des Psychos neue Maschinenpistolen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auf kurze Distanz mähen die vollautomatischen Wummen ganze Feindscharen nieder. Auf weite Entfernung ist die Streuung allerdings zu hoch. Nicht von schlechten Eltern sind ferner die neu implementierten EMP-Granaten. Die lassen 08/15-Soldaten zwar kalt. Nanosuit-Träger reagieren dafür umso empfindlicher, da die Anzug-Funktionen durch den Elektroimpuls versagen und die Panzerung den Geist aufgibt.

Crysis: Warhead - Noch besser als das Original?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 23/291/29
Schlechte Karten: Im Mehrspielermodus nur mit einer Pistole bewaffnet auf die Jagd zu gehen, kommt einem Selbstmord gleich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zum krönenden Abschluss noch ein paar Worte zum Mehrspielermodus, der losgekoppelt von der Einzelspieler-Erfahrung daher kommt und auch separat installiert werden muss. Der Crysis Wars genannte Multiplayer-Part samt 21 großer Karten, davon sieben komplett neu, ist unterteilt in den altbekannten Power-Struggle-Modus sowie das neu hinzugefügte Deathmatch und Team-Deathmatch. Letztere erfreuen vor allem Fans schneller und unkomplizierter Gefechte. Ohne viel Einarbeitungszeit geht ordentlich die Post ab.

Power Struggle erstrahlt größtenteils in altem Glanz. Einzige Änderung: Um den Sieg davon zu tragen, müssen Spieler nicht mehr zwingend die gegnerische Basis einäschern. Läuft ein vorgegebenes Zeitlimit ab und die Stützpunkte stehen noch, gewinnt, wer im Lauf der Partie am meisten Energie gesammelt hat.