Da stehst du nun also, du einsamer Soldat. Mit deinem Helm und der Gasmaske, die dein Gesicht verdeckt. Mit zittrigen Armen hältst du ein Sturmgewehr umschlungen und ich überlege: Soll ich dich abmurksen? Ich könnte dir das Genick brechen. Oder dir ein Messer von Hinten in die Rippen schieben. Oder dich mit einem Pfeil an die nächste Hauswand nageln? Ich könnte dir auch eine Mine an den Rucksack packen, hier aus dieser alten verwüsteten chinesischen Pagode springen und aufs Knöpfchen drücken. Ach weißt du was...ich lasse dich leben. Denn in „Crysis 3“ habe ich die Wahl, kann schleichen und Feinde umgehen wie schon bald in „Metal Gear Solid: Ground Zeroes“.

Weil ich die Wahl habe...

Das erste „Crysis“ war ein Sandkasten, der zum Buddeln, zum Erkunden und zum Austoben einlud. „Crysis 2“ lotste uns dann auf mehr oder weniger vorgeschriebenen Routen durch Manhattan und New York. Und „Crysis 3“? Das fühlt sich auf unserem rund dreistündigen Anspieltermin im Herzen Münchens richtig frisch, fidel und vor allem weitläufig an.

Nehmen wir einfach mal Chinatown: Wir arbeiten hier auf einem Areal, was einen Häuserkomplex umfasst, der aus knapp 8 ½ Wohnungen besteht. Warum die halbe Wohnung? Nun, Chinatown ist ziemlich ausgebombt, überall lodern kleine Feuer, Balken sind eingestürzt und eine der Wohnungen ist halb abgerissen, dafür gibt`s hier Pfeilnachschub. Warum gerade der Bogen so viel Laune macht, verrate ich gleich.

„Wir geben euch ein Ziel, wie ihr hinkommt ist euer Bier“ erklärt Producer Mike Read die Grundidee von „Crysis 3“. Klingt nach Marketing-Blablub, erweist sich aber als wahr und absolut gerechtfertigt. Wir können eine kleine Armee an Cell-Soldaten auch einfach umgehen, uns immer wieder unsichtbar machen, Verstecke nutzen, größere Patrouillen separieren und dann einzeln ausschalten. Der Anzug macht`s möglich, wobei auf einem der höheren Schwierigkeitsgrade – wir spielen gerade auf „Veteran“ – die Nano-Energie sehr schnell in den Keller geht.

Crysis 3 - Ausführlich gespielt: Bist du John McClane oder Solid Snake?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 57/611/61
Ja, das hier ist wirklich In-Game-Grafik. Und ja, Psycho sieht mit seinen Falten, Narben und Barthaaren aus wie ein echter Mensch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Markierte Menschen mit Dreieck auf dem Kopf

Da die Cell-Söldner außerdem verdammt gut treffen, ist Planung die halbe Miete. Über die Q-Taste auf dem PC zücken wir unser Fernglas und aktivieren den Visor-Modus. Der zeigt uns alle Gegner in der Umgebung an. Halten wir die Taste gedrückt, werden die Feinde ähnlich wie in „Battlefield 3“ markiert. Der Vorteil: Jeder Tango trägt jetzt ein umgekehrtes Dreieck auf dem Kopf, was seinen Alarmstatus anzeigt: Grün heißt „alles easy, lass mal eine Rauchen gehen“. Gelb heißt „Echo, Delta, Charlie ausschwärmen. Feindkontakt steht kurz bevor“ und Rot steht für „Zentrale, wir werden überrannt. Broken Arrow, schick verdammte Scheiße nochmal alles her was ihr habt“.

Und ja, ich sehe es schon in euren gierigen Augen: Ihr wollt wissen wie ihr die Cell so richtig sauer machen und eine kleine Armee alleine umlegen könnt. Gut, dann verrate ich es euch. Nur fürs Protokoll: Ich wollte die Cell eigentlich leben lassen.

Mit dem Pfeil an die nächste Wand

Die mächtigste Waffe ist euer Composite Combat Bow, ein Hightech-Bogen, der Pfeile in der Größe eines Besens verschießt. Die Geschosse erinnern an die Na`vi-Pfeile aus James Camerons „Avatar“ und funktionieren genau so gut zum Aufspießen von Eindringlingen. Mit einem einfachen Tastendruck könnt ihr aus einem einfachen Karbon-Pfeil eine Waffe für effizienten Flächenschaden schaffen. Empfehlenswert sind beispielsweise die Airbursts, die in der Luft explodieren. Ziele ich also in etwa in die Mitte von zwei Soldaten, werden beide aus den Springerstiefeln geschleudert.

Crysis 3 - Ausführlich gespielt: Bist du John McClane oder Solid Snake?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Die Areale sind deutlich größer und laden zum „Experimentieren“ ein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Alternativ können wir auf Elektro-Bolts stellen, die sich allerdings weniger gegen Infanterie und mehr Geschütze anbieten. Die Cell haben das ganze Gebiet rund um die zertrümmerte Pagode und jedes Stockwerk mit solchen Selbstschuss-Gatlings hochgerüstet. Auch gegen die MG-Türme gibt es wieder zwei Wege: Entweder den Elektropfeil auswählen und die Elektronik rösten.

Oder aber ein paar Häuser weiter die Treppe bis nach ganz oben gehen. Von sicherer Entfernung packt ihr dann wieder das Fernglas aus und könnt die Selbstschussanlagen mit einem kleinen Mini-Game hacken. Und was tun Selbstschussanlagen? Sie schießen selbst und zwar auf Cell-Soldaten, die gegen ihre ehemaligen Verbündeten aus der Gadget-Abteilung keinen Stich machen.

Crysis 3 - Screenshots aus dem Großstadtdschungel

Klicken, um Bilderstrecke zu starten (9 Bilder)

Crysis 3 - Screenshots aus dem Großstadtdschungel

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/10Bild 52/611/61
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die K.I.: Sniper auf 8 Uhr

Gegen Gatling-Türme ist kein Kraut gewachsen, aber ansonsten macht die künstliche Intelligenz einen richtig guten Eindruck, weil sie ihre Ressourcen richtig nutzen. Ich kann mich eigentlich nur an „F.E.A.R“ von Monolith erinnern, wo sich die KI anfühlte, als würde ich gegen echte Menschen antreten. Töten wir beispielsweise einen Soldaten per Kopfschuss aus hoher Distanz, schallt ein „Sniper im Operationsgebiet. Alle Mann in Deckung“ aus dem Funk. Die Cell-Einheiten verdrücken sich dann ins dichte Gras, suchen Schutz in den Häusern und versuchen sich möglichst in Räumen aufzuhalten, die wir mit dem Präzisionsfernrohr kaum anvisieren können.

Unglaublich geile Technik, tolle Ideen, deutlich mehr Freiheit durch sehr viel größere Areale und sogar die Geschichte könnte dieses Mal gut werden.Ausblick lesen

Auch „rushen“ uns die Truppen oft, greifen also massiert mit zwei, drei Mann über die Treppe an, während ein zweites Team bereits im ersten Stock ist und versucht, uns in die Zange zu nehmen. Aussetzer gibt`s allerdings hier und da auch, etwa wenn wir mit dem Bogen nicht treffen. Wäre ich Soldat, würde mich so ein 1,50 Meter langer Pfeil in der Hauswand vor mir doch irgendwie stutzig machen.

Crysis 3 - Ausführlich gespielt: Bist du John McClane oder Solid Snake?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 57/611/61
Pro-Tipp: Gegner markieren, die Farbe der Dreiecke symbolisiert ihren Alarmstatus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Für die McClanes unter euch: Waffenaufsätze für mehr Boom-Boom
Wer jetzt Lust bekommt, in die Offensive zu gehen, sollte öfter mal die Taste für Waffenupgrades bemühen. In „Crysis 3“ dürft ihr nämlich jede Waffe mit jeweils drei Aufsätzen in drei Kategorien aufpimpen. Kämpfen wir mit dem Scar-2-Sturmgewehr, ist besonders der Unterlauf-Granatwerfer interessant. Verschanzen sich drei Typen hinter einer Wand, schafft ihr damit ein dickes Loch oder bombt verschanzte Scharfschützen aus der Deckung.

Barbecue-Alien

Spannend ist auch der „Muzzle Break“, eine Komponente, die den Rückstoß verringert und dadurch die Präzision erhöht. Für den Häuserkampf bieten sich außerdem Schrotflinten an, die ihr mit entzündbarer Munition laden könnt. Trifft die Kugel auf, explodiert der Phosphor und tötet sehr schnell mehrere Gegner hintereinander.

Crytek denkt allerdings auch an die Balance und lässt euch nur begrenzt Spezialmunition abfeuern. Für automatische und halbautomatische Waffen könnt ihr außerdem aus jeweils drei Visier-Typen wählen. Das feste Reflex-Visier bietet sich für aggressive Verhandlungen auf mittlere Distanz an, das Laser-Visier mit 3,5-fachem Zoom für Fernkämpfe.

Nach rund einer Stunde der Cell-Jagd setzt ein Skript ein, ein gewaltiges Raumschiff kommt aus dem Orbit geschossen und vernichtet fünf Kampfhubschrauber der Cell. Die Söldner-Armee wird aufgerieben, der Kommandant brüllt verzweifelt ein letztes „Wir stehen unter schwerem Beschuss. Verluste bei 90 Prozent“ in sein Headset, ehe ich erlebe wie er und seine letzten fünf Soldaten von einem Scorcher lebendig gegrillt werden.

Crysis 3 - Ausführlich gespielt: Bist du John McClane oder Solid Snake?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
Crytek hat uns gebeten, die Story geheim zu halten. Tatsächlich haben wir dramatische Szenen rund um Psycho erlebt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Diese Alien-Brutzler sind extrem gefährlich, weil sehr schwer zu töten. Die Insekten-ähnlichen Mech-Krabbler setzen auf Fühler aus Stahl, die sie bei Beschuss vor sich hochfahren und dadurch in etwa so gut gepanzert sind wie die Limousine des US-Präsidenten. Mit konventionellen Waffen können wir hier kaum etwas ausrichten, meine einzige Chance ist ein spezieller Alien-Raketenwerfer, der ganze Schwärme von Geschossen losschickt und die Panzerung knackt. So gehen drei von vier Aliens Hops, doch dann macht es Klick, klick – nix geht mehr, Munition leer. Werde ich etwa auch auf dem Grill landen?