Temperatur-Metaphern gehören zum Standard-Repertoire des Spiele-Journalisten: Möchte er seine Wertschätzung zum Ausdruck bringen, spricht er von „heißer Action“, einem „heißen Tipp“, „macht heiß auf mehr“, „juchheißasa“ - oder er möchte einem das Spiel einfach nur „wärmstens ans Herz legen“. Manchmal brodelt die Gerüchteküche nahe am Siedepunkt, oder es werden hitzige Wertungs-Debatten geführt – es sei denn die Begeisterung kocht ohnehin über.

Für Cryostasis allerdings muss die Floskel-Bibel revidiert werden. Der Tiefkühl-Shooter aus russischer Entwicklung schickt kälteresistente Spieler in die garstige Polarregion, wo ein havarierter Kreuzer seiner mutierten Crew ein eisiges Grab ist. Ob uns das Grusel-Spiel beim Anspielen auf einem Presseevent in Prag wahrhaft schock-gefrostet oder kalt gelassen hat, servieren wir euch in unserem Preview – heiß und fettig wie immer.

Cryostasis: Sleep of Reason - Trailer: GC 2008

Wie ein Leichentuch aus Schmerz liegt die klirrende Kälte des Polarmeeres auf dem havarierten Wrack der „Nordwind“. Der heulende Sturm treibt seine Böen wie dornige Eiszapfen vor sich her bis tief unter die Haut von Alexander Nesterow. Seit Tagen ist der Meteorologe auf der Suche nach dem verschollenen Eisbrecher, der einst während einer Mission spurlos verschwand und seitdem zum Mysterium geworden ist, zur Geistermär wie der Fliegende Holländer.

Cryostasis: Sleep of Reason - Tiefgekühlt und schockgefrostet: Der Horror-Shooter sorgt für eiskalte Grusel-Schauer.

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Der Eisbrecher "Nordwind" ist Schauplatz mysteriöser Vorfälle.
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Denn statt ihr jenseitiges Leben friedlich im tiefgekühlten Zustand als Fischstäbchen weiter zu frosten, äh… fristen, sucht die Besatzung den unheiligen Ort blutlüstern und putzmunter heim. Und bildet damit nur einen Gegner unter vielen für den Protagonisten, der stetig gegen den drohenden Kältetod zu kämpfen hat. Cryostasis ist kein Survival-Horror-Spiel von der Stange – eher ei(n)s vom Stiel…

Kalte Schauer

Trotz seiner Namensähnlichkeit zu einem bekannten, mantrahaft als „Edel-Shooter“ bezeichneten Spiel aus Frankfurt bietet Cryostasis nicht Dauer-Action pur, sondern eher subtilen Survival-Horror mit Gänsehaut-Garantie. So bahnt sich der Spieler an Bord der „Nordwind“ seinen Weg durch menschen- aber nicht zombieverlassene Gänge, in deren Schatten das Grauen lauert und nach Frischfleisch giert.

Packshot zu Cryostasis: Sleep of ReasonCryostasis: Sleep of ReasonErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Glücklicherweise ist selbst auf dem frostigen Boden des Polareises ein Kraut gegen solcherlei Ungeziefer gewachsen: Wenige Schritte nach dem Betreten des Atom-Bootes haltet ihr eure erste Schusswaffe in Händen: ein Gewehr, das zum Nachladen dermaßen lange benötigt, dass euer Herzschlag beim Abfeuern des zweiten Schusses auf den immer näher rückenden Zombie bereits auf Dauerfeuer-Niveau gestiegen sein dürfte.

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Der Nordwind ist seiner Besatzung ein eisiges Grab geworden.
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Spätestens hier wird deutlich: Cryostasis gibt sich zwar äußerlich wie ein klassischer Shooter der Marke Crysis, innerlich pumpt aber das Blut des „Resident Evil“-Stammbaums durch seine eisigen Venen. Das Motto dessen Urahns, „Alone in the Dark“, scheint zudem Pate für die Ausleuchtung der Innenräume gestanden zu haben, denn diese fällt so spärlich aus, dass selbst der Schein der Taschenlampe nach zwei virtuellen Metern von der Finsternis restlos geschluckt wird und sich in undurchdringlicher Schwärze verliert. Das erzeugt zwar ein intensiv klaustrophobisches Spielgefühl, lässt den Spieler aber schon nach wenigen Minuten an seiner natürlichen Sehstärke zweifeln.

Wer aus dem Dunkeln von rüden Zombies angefallen wird, muss im Übrigen um seinen Lebenssaft nicht bangen: In Cryostasis wird kein Blut vergossen, stattdessen verliert euer Charakter Körperwärme. Diese lässt sich an Wärmequellen wie Heizkörpern, Lagerfeuern oder laufenden Motoren wieder herstellen. Was auf den ersten Blick befremdlich wirkt, erweist sich als wichtiges Design-Konzept: In unbeheizten Regionen reagiert der Spiel-Charakter auf die eisige Kälte in ähnlicher Weise allergisch wie der Teufel bei Kontakt mit Weihwasser.

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"Die Hände - zum Himmel..."
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Längere Märsche durch tödliche Eisregionen ziehen daher schnell so manche Frostbeule nach sich: Wer hier nicht ständig nach neuen Wärmequellen Ausschau hält oder selbst durch Fackeln oder Granatwürfe welche schafft, stirbt schnell den Kältetod. Speziell Ausflüge an die eisige Oberfläche mit ihren arktischen Stürmen erweisen sich so als spielerische Herausforderung. In diesen Momenten ähnelt Cryostasis einem rätsellastigen Shooter wie Half-Life 2.

Das zweite Feature, mit dem Cryostasis sich von der Konkurrenz abzuheben gedenkt, ist die „Mental Echo“-Fähigkeit des Helden. Diese lässt euch die Erinnerung der toten Besatzungsmitglieder im Moment ihres Ablebens nachempfinden – inklusive der Option, in die Vergangenheit einzugreifen und dadurch die Gegenwart zu beeinflussen.

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Die Flashbacks erlebt ihr in grieseligem Schwarz-Weiß.
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Wem es während solcher Flashback-Szenen beispielsweise gelingt, den Seemann vor dem Tode zu bewahren, der hat in der Gegenwart einen Zombie weniger zum Gegner. Neben solch handfestem Nutzen bringen die Zeitreisen aber auch wichtige Einblicke in die mysteriöse Vorgeschichte des Geisterschiffes, sowie wichtige Hinweise auf die Lösung mancher Rätsel.

Die Mischung aus Survival-Horror, Ego-Shooter und Rätselspiel sorgt für eisigen Grusel. Bei mir steht Cryostasis ab sofort auf der Watchlist.Ausblick lesen

Auf die Frage nach ihrem Lieblings-Flashback gaben die Entwickler übrigens mit einem Schmunzeln im Gesicht eine Szene an, in der sich der Spieler in die Erinnerung einer Kuh teleportieren wird. Damit hat Cryostasis seiner Konkurrenz zumindest jetzt schon eines voraus. Niemand wird sagen können: „There is no cow level“…