Noch vor ein paar Wochen sahen Analysten das Ende des Crowdfunding gekommen. Die Unterstützer seien der Sache überdrüssig geworden, zu viele Projekte gescheitert, die Investitionsfreude stark zurückgegangen. Aktuelle Erfolge jedoch strafen die vermeintlichen Experten Lügen und zeigen, dass deren allgemeine Berechnungen nichts wert sind. Das Crowdfunding folgt Regeln, die sich den Wirtschaftsexperten nicht so bald erschließen werden.

Es war ein schwerer Schlag für manchen Fan von The Stomping Land, als in der vergangenen Woche über dessen mutmaßliche Einstellung berichtet wurde. Unterstützer sahen sich außer ihrer Hoffnung auch ihrer Investition beraubt, was so manchen Crowdfunding-Kritiker einmal mehr dazu veranlasste, gegen das Kickstarter-Konzept und das Risiko zu wettern, das mit jeder Unterstützung einhergeht. Es sei zudem eine Frechheit, so konnte man in einschlägigen Foren lesen, dass Studios mittlerweile Geld bekämen, ohne ein auch nur ansatzweise fertiges Produkt abgeliefert zu haben.

Haben wir denn eine Wahl?

Doch eine Alternative zum Crowdfunding können auch die dessen entschiedensten Kritiker nicht nennen, zudem sie meist von der Industrie beauftragt sind oder schlicht zu jener Gruppe von Spielern gehören, die recht zufrieden sind mit dem 08/15-Angebot der großen Publisher und mit deren Geschäftspraktiken, zu denen oft dubiose Vorbestellungsoptionen gehören, die ein weit höheres Risiko bedeuten als die verwegensten Crowdfunding-Projekte.

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Ein Hauch von Retro - gespickt mit der ersehnten Portion Innovation. Crowfall könnte diese Anforderungen erfüllen.
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Den Crowdfunding-Unterstützern geht es letztlich auch gar nicht darum, ein fertiges Projekt präsentiert zu bekommen. Im Gegenteil - denn sie wollen ja gerade die Entwicklung mit beeinflussen. Was sie jedoch sehen wollen, ist Innovation auf der einen und ein Retro-Aspekt auf der anderen Seite - zudem absolute Transparenz in Bezug auf das Projekt. Sie wollen wissen, wer hinter der Sache steckt und warum diese Leute glauben, alte Träume mit genügend Geld und Zeit zur virtuellen Realität werden lassen zu können.

Der Winter naht

Ein Metagame, das grob gesagt dem entspricht, was man von der Erfolgsserie Game of Thrones her kennt, in dem Spieler um die Herrschaft einzelner Königreiche kämpfen und ein Feudalwesen pflegen werden, in dem nicht nur Loyalität, sondern auch Intrigen und Verrat an der Tagesordnung sind. Und weil das alles in einer komplett zerstörbaren Umgebung passiert, ist die Welt nach der vierten Jahreszeit zum Untergang verurteilt. Die virtuellen Charaktere jedoch leben und kämpfen auf der nächsten Welt weiter gegen neue und alte Feinde - oder mit ihnen.

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Die Ähnlichkeit mit Game of Thrones ist nicht zufällig, denn Crowfall-Zeichner Marc Simonetti gehört zu den bekanntesten Künstlern hinter dem GoT-Franchise.
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Das Projekt mit all seinen Mechaniken zu beschreiben, sprengt den Rahmen dieser Kolumne - zudem sich die Kanäle gerade erst geöffnet haben und die Informationen zu fließen beginnen. Wir werden auf jeden Fall bald mehr über dieses äußerst interessante Projekt berichten, von dem das MMO-Genre mindestens ebenso viel profitieren könnte wie die Crowdfunding-Szene, in der offensichtlich doch noch jede Menge Kraft und Geld steckt.

Pantheon: Rise of the Fallen - ein Start, auch ohne Kick

Weit weniger Erfolg als Crowfall hatte auf Kickstarter dereinst Brad McQuaids MMO-Projekt Pantheon: Rise of the Fallen. Dem Vanguard-Erfinder fehlte der Rückhalt der Community, die offenbar nicht vergessen wollte, welche offenen Baustellen McQuaid bei seinen früheren Arbeiten hinterlassen hat.

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Der Entwickler ließ sich jedoch nicht davon abhalten, auch ohne die finanzielle Initialzündung und auf eigenes Risiko weiter an Pantheon zu arbeiten. Wie viel zumindest an der technischen, konkret der landschaftlichen Seite von Pantheon gearbeitet wurde, zeigt ein aktuelles Video, das gleichzeitig beweist, dass das Kickstarter-Aus noch lange nicht das Ende eines ehrgeizigen Vorhabens zur Folge haben muss.

EverQuest Next - kompletter Reset?

Weit mehr Sorgen als um Pantheon muss man sich in diesen Tagen tatsächlich um EverQuest Next machen. Nachdem SOE von der Investmentfirma Columbus Nova übernommen worden war und diese als erste Amtshandlung weitreichende Entlassungen veranlasst hatte, verkündete die neu benannte Daybreak Game Company, dass man sich auch von Storybricks verabschieden werde.

Das Team hinter Storybricks hatte ursprünglich ein eigenes MMO in Planung, wurde dann jedoch von John Smedley angeheuert, um EverQuest Next mit einer ganz neuen Form von künstlicher Intelligenz zu garnieren. Bei Storybricks handelt es sich um Konzept, Software und Patent, das virtuelle Welten revolutionieren könnte, indem es NPCs mit einem wirklich autonomen Verhalten und mit Emotionen ausstattet und ihnen die Möglichkeit gibt, aus Begegnungen mit Spielern und ihresgleichen zu lernen und wirklich dynamisch zu reagieren.

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EverQuest Next
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Ein tiefgreifendes Konzept also, das entscheidenden Einfluss auf das Design einer virtuellen Welt hat - nicht minder tiefgreifend als die Frage nach dem passenden Geschäftsmodell, die man sich bei Daybreak plötzlich erneut stellt. Entsprechend stellt sich die Fangemeinde eine andere Frage: Wie weit ist die Entwicklung von EverQuest Next eigentlich tatsächlich vorangeschritten? Steht dem Projekt gar ein kompletter Reset bevor?

H1Z1 - Sprachbarrieren

Dagegen hat das deutlich später als EverQuest Next angekündigte H1Z1 bereits gehörig Fahrt aufgenommen, ist spielbar und wir regelmäßig gepatcht und erweitert. Im Gegensatz zu den Rollenspielern, die noch immer mit dem Kontruktionskasten Landmark abgespeist werden, bekommen Survival-Fans zumindest einen Eindruck davon, dass ihr Spiel sowohl für die Community als auch für Daybreak ein großer Erfolg werden könnte.

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Entsprechend geben sich die Entwickler große Mühe, die Fans zu betreuen - auf allen Kanälen und mit regelmäßigen Sendungen über das Spiel und seine Bewohner. Eine Community-Arbeit, mit der Daybreak auf jeden Fall neue Standards setzt und sich weiter von den nur mäßig betreuten Spielen dieses Gernes abhebt. Bleibt nur zu hoffen, dass auch das deutschsprachige Publikum irgendwann in den Genuss solcher Bemühungen kommt.

Skyforge - Vorbereitungen laufen

Mit einem lokalisierten Skyforge kann die deutsche Community in jedem Fall schon bald rechnen, denn wie Allods Team und deren Publisher aktuell mitteilen, ist die Closed-Beta-Phase bereits für den 11. März angesetzt. Wer einen garantierten Platz darin haben möchte, muss allerdings eines der Gründerpakete kaufen, die zwischen 17,99 und 64,99 Euro kosten.

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Neben dem Zugang zu den Beta-Tests versprechen die Pakete allerdings auch einige nicht näher benannte Gegenstände, die man ansonsten durch Quests freispielen muss sowie einen Haufen Argents - so nennt sich die Währung im Spiel. Entsprechend groß ist die Sorge der Fans, dass das Geschäftsmodell von Skyforge zu einem ähnlichen Desaster werden könnte wie einst das von Allods Online.

Path of Exile - geschenkt, aber dennoch lukrativ

Das wäre äußerst bedauerlich, denn das auch und gerade ein faires Geschäftsmodell ordentliche Gewinne generieren kann, beweist Path of Exile, das man nun wirklich als kostenlos bezeichnen darf und das dennoch die Kassen klingeln lässt. Genügend auf jeden Fall, um die Belegschaft aktuell auf 57 Mann aufzustocken und innerhalb der nächsten Monate in neue, größere Büros umzuziehen.

Doch natürlich fließen die Einnahmen auch ins Spiel - aktuell in verschiedene Lokalisierungen - darunter auch die deutsche. Und was die Zukunft betrifft, so hat man bei Grinding Gear Games offenbar auch weitreichende Pläne und schon Erweiterungen für viele Jahre in der Schublade - und das alles zum Nulltarif für die Spieler.

HEX - PvE fürs TCG

Zum Nulltarif soll auch HEX kommen - jenes Trading-Card-Game, das vor gut anderthalb Jahren erfolgreich auf Kickstarter aufgeschlagen war und das sich seither in der Entwicklung befindet - und mittlerweile auch in der Open Beta. Doch während die Fans von Magic: The Gathering wegen der Ähnlichkeit und Komplexität begeistert sind, scheinen Anfänger bisweilen Probleme mit dem Einstieg in HEX zu haben, aus dem irgendwann auch mal ein MMO werden soll.

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Umso wichtiger ist es, dass die Entwickler in der kommenden Woche endlich den heißersehnten PvE-Modus ins Spiel bringen, der Anfängern helfen dürfte, die ersten Hürden zu überwinden und ins vergleichsweise komplexe Spiel zu finden. Was genau dieser Modus bringt, wie weit Cryptozoic mit der Entwicklung von HEX insgesamt ist und wie es mit dem Geschäftsmodell und dem Publishing in Europa aussieht, werden wir uns auf jeden Fall in Kürze etwas genauer anschauen.