Angenommen man würde sich mitten in eine Cosplay-Veranstaltung schummeln und so laut es geht den Namen „Sephiroth“ brüllen. Es würde vielleicht 20 Sekunden dauern und eine Lawine aus „Buh“-Rufen wäre die Retourkutsche. Warum das so ist? Weil der olle Sephi wohl einer der denkwürdigsten Obermotze der Spielgeschichte ist. Nicht umsonst belegte er Platz eins in unserer gamona Top 10 der fiesesten Bösewichter .

Ähnlich wie der restliche Cast aus Final Fantasy 7 ist der weißbehaarte Schlimmfinger den Fans der Reihe am ehesten im Gedächtnis geblieben. Kein Wunder, gilt doch das PSone-Meisterwerk bis heute als bester Teil der Reihe. Nun will Square dem Mythos mit Crisis Core ein neues Kapitel hinzufügen. Eine echte Bereicherung fürs Franchise oder doch nur simple Markenausschlachtung? Wir klären auf…

Die Antwort auf alle Fragen

Um die Geschichte von Crisis Core zu erklären, muss man eigentlich am Ende des neuen Square-Prachtrollenspiels anfangen – dem Beginn von Final Fantasy 7. Also jenem legendären Abenteuer, welches den Kampf des jungen Cloud und seiner Freunde gegen Oberschurke Sephiroth und dessen Plan, die Welt zu zerstören, porträtierte. Jenes Spiel, das für seine tiefen Emotionen und tollen Charaktere berühmt wurde.

Crisis Core: Final Fantasy VII - Der Saga letzter Akt: Das packende Rollenspiel zeigt die Ereignisse vor dem legendären siebten Teil.

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Ein Bild, wie man es schon in Final Fantasy 7 oft gesehen hat: das Shinra-Hauptquartier in Midgar.
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Die Zerstörung Nibelheims, der Kampf im Lebensstrom gegen den One Winged Angel, Aeriths Tod oder Jenovas Enthauptung – mindestens eine Lieblings-Szene dürfte wohl jeder FF-Fan benennen können. Das Coole daran: Huschten viele dieser Momente in Teil sieben noch als kurze Erinnerungssequenz über den Bildschirm, dürft ihr in Crisis Core die meisten davon erstmals selbst nachspielen.

Und hier liegt auch das große Problem der Crisis Core-Hintergrundgeschichte: Das PSP-exklusive Abenteuer spielt zeitlich mehrere Jahre vor FF7 und nimmt immer wieder Bezug auf das „Hauptspiel“. Wer Final Fantasy 7 also noch nicht gespielt hat, dürfte mit den Anspielungen und Enthüllungen der Story nicht viel anfangen können. Lässt man den immensen Nostalgie-Faktor überdies außen vor, gestaltet sich die Handlung im Grunde reichlich banal.

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Ein Traum: Die CutScenes erreichen beinahe Advent Children-Qualität.
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Für Fans – und von denen gibt es sicherlich nicht wenige – kommt Crisis Core allerdings einer Offenbarung gleich: Liebgewonnene Charaktere wie Tifa oder Cloud haben hier ihren ersten Auftritt, offene Fragen werden beantwortet, und das gleichermaßen rührende wie faszinierende Ende bildet den perfekten Übergang zum siebten Teil. Einige Storysequenzen werden dabei in schicken Renderszenen gezeigt, die in ihrer optischen Pracht beinahe an den Kinofilm Advent Children heranreichen.

Prügeln in Echtzeit

Spielerisch merkt man den Anspruch, die Fans mit möglichst vielen Dialogen und Zwischensequenzen zufrieden stellen zu wollen, relativ schnell. Wirklich tiefgründig zeigt sich das Gameplay nämlich nie. Mit nur 15 Stunden Laufzeit ist Crisis Core zudem eines der kürzesten Final Fantasy. Vor allem das Aushängeschild eines jeden Rollenspiels – die Charakterentwicklung – wurde stark vereinfacht.

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Schritt nach vorn: Die flotten Echtzeitkämpfe spielen sich hervorragend.
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Aber der Reihe nach: Standesgemäß bewegt ihr euch durch verschiedene Levels, die grafisch allesamt der japanischen Steampunk-Stilisierung entsprechen. Mal erkundet ihr die Kellergewölbe in Nibelheim, durchstöbert Shinras Makoreaktoren oder durchstreift die Slums von Midgar - fröhlich-bunt wird es dabei nie. Leider bleiben die Umgebungen stets streng linear bzw. begrenzt und lassen jegliche Möglichkeit zur freien Erkundung vermissen.

Zudem sind sämtliche Settings bis unter den Rollenspiel-Rand mit Zufallskämpfen gefüllt. Egal wohin ihr auch lauft - mit zwei bis drei kleinen Scharmützeln gegen mythische Monster oder feindliche Soldaten müsst ihr mindestens rechnen. Soweit, so bekannt. Allerdings geht Square beim Kampfsystem völlig neue Wege. Statt eurer Party in rundenbasierten Schlachten bestimmte Aktionen zuzuweisen, prügelt ihr euch in Echtzeit.

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In FF7 nur in Rückblenden zu bewundern, dürft ihr Clouds Kumpel Zack nun erstmals selbst spielen.
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Hauptcharakter Zack ist dabei der einzige aktive Kämpfer, der sich per Tastendruck auf einen anvisierten Gegner stürzt. Mit den Schultertasten wählt ihr im Bedarfsfall Items oder Materia-Zaubersprüche aus einer kleinen Liste am Boden, weicht per Viereck-Button feindlichen Attacken aus oder blockt harte Schläge ab. Besonders komplex ist dieses System zwar nicht, spielt sich aber erfrischend flott, angenehm fordernd und lässt sich durchweg gut bedienen.

Alles eine Frage des Glücks

In einem Anflug von übersteigertem Innovationszwang ist Square übrigens noch eine weitere Neuerung eingefallen, die in der vorliegenden Form allerdings wenig durchdacht erscheint - das Digitale Bewusstsein System (kurz: DBW). Im Stile eines Glücksspiel-Automaten rotieren in der oberen Bildschirmecke stets drei mit verschiedenen Zahlen versehene Charakterportraits.

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In der linken, oberen Ecke läuft der DBW-Anzeige stetig mit.
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Kommt die DBW-Anzeige zum Stehen und verharrt zudem auf der richtigen Kombination aus Charakter und Zahl, hagelt es Verbesserungen der Statuswerte oder Auffrischung der Mana- bzw. Lebensbalken. Klingt ja ganz nützlich, oder? Im Grunde schon, dummerweise kann der Spieler zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf die DBW-Anzeige nehmen. Es hängt also allein vom Zufall ab, ob ihr Boni freischaltet oder nicht.

Erzählerisch stark, spielerisch ein Leichtgewicht – Crisis Core dürfte wohl nur FF7-Liebhaber wirklich beglücken.Fazit lesen

Richtig ärgerlich wird es jedoch, wenn das Spiel auf diese Art unnötig schwierig wird. Zu allem Unglück hängen nämlich auch die Stufenanstiege eures Charakters und dessen Zauberfähigkeiten von diesem System ab. Beschert euch das Glück also nicht die passende Zahlenkombination, dümpelt ihr auf der immer gleichen Stufe herum. Für Rollenspiel-Fanaten, die gerne das Maximum aus ihrem Helden herauskitzeln, ein schwerer Schlag.

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Nur wenn die Kombination aus Charakterbild und Zahlen stimmt, erhaltet ihr Boni oder Heilung.
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Schön: Viele Zahlenkombinationen lösen starke Limitangriffe (wie den Octaslash) aus, die dem Gegner besonders heftig zusetzen, oder beschwören mächtige Drachen oder feurige Dämonen. Sehr schade: Dank DBW-System dürft ihr die fulminanten Attacken der beschworenen Kreaturen nicht selbst auslösen, sondern müsst auf deren (im Falle unseres Tests) extrem seltenen Einsatz hoffen.

Missionen ohne Wiederspielwert

Darüber hinaus beschränkt sich Crisis Core auf relativ wenige Spielelemente, um etwas Abwechslung in den stetig währenden Mix aus Cut-Scenes und Echtzeitkämpfen zu bringen. Ab und an lockern kleine Minispielchen das Geschehen auf, auch die Hauptmissionen beschränken sich zum Glück nicht allein auf Metzelquests. So müsst ihr z.B. gegnerische Roboter per Scharfschützengewehr ausschalten oder sucht den Dieb eurer hart erkämpften Gil-Münzen.

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In den linearen Nebenmissionen wartet stets ein kleinerer oder großer Obermotz auf Zack.
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Weitaus lästiger sind da die Nebenquests: „300 aufregende Zusatzmissionen sorgen für besonders hohe Langzeitmotivation“, verspricht uns die Packungsrückseite reißerisch. Die Realität sieht leider anders aus: Über ein schnödes Menü wählen wir die kleinen Aufträge an, bewegen uns nach einer der vielen Ladezeiten durch den x-ten Levelschlauch, an dessen Ende nach unzähligen Zufallskämpfen ein kleiner Bosskampf wartet.

Liegt dieser im Staub, ist die Mission beendet. Spannung oder Motivation? Fehlanzeige. Als Belohnung gibt es meist einen völlig nutzlosen Gegenstand und Geld, das ihr dank der Itemvielfalt im Spiel sowieso nie ausgebt. Auch wenn mancher Fan nun aufschreit: So stark Square Enix seine Geschichte auch erzählt, so enttäuschend wirkt doch die spielerische Komponente.