Hobby-Kriminologen können sich freuen: Nach diversen CSI-Versoftungen erscheint am 29.06. mit »Criminal Intent« ein Spiel zur gleichnamigen Fernsehserie. Hersteller Xider konnte bei der Programmierung aus dem Vollen schöpfen, denn das Skript wurde von Serienautoren verfasst. In der Haut von Ermittler Bobby Goren alias Vincent D'Onofrio müssen Morde aufgeklärt und böse Buben hinter Schloss und Riegel gebracht werden. Wir haben schon mal einen Blick auf die fertige Version geworfen.

Kriminelle Energie
Traum für die Einen, endlose Langeweile für die Anderen - Spiele wie die zur CSI-Reihe haben von jeher die Zockergemeinde gespalten. Während sich Fans über das Lösen von kniffligen Kriminalfällen freuen und dabei auch gnädig über manchen technischen Mangel hinwegsehen, reagieren Hardcore-Gamer zumeist verächtlich auf das actionarme Geschehen am Bildschirm. Nicht anders dürfte es »Criminal Intent« ergehen, dem neuen Point-and-Click-Adventure zur gleichnamigen beliebten Serie. Als psychologisch geschulter Detective Robert Goren macht man sich daran, vier wirklich vertrackte Mordfälle zu lösen, wobei sich die Erzählstruktur erfreulicherweise sehr an die TV-Serie anlehnt - mit einigen Abstrichen. Denn das CI-Team ist ohne Gorens Sidekick Eames, verkörpert von Kathrin Erbe, nicht vollständig. Leider sucht man sie im Spiel vergebens. Bobby ist und bleibt hier ein Einzelgänger, was Fans der Serie fraglos bemängeln werden.

Criminal Intent - Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett und dieses Adventure würde ihr sicher auch Spaß machen

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Inhaltlich folgt das Programm dafür seinem TV-Vorbild recht genau. So hat man den möglichen Täter unter Umständen schon bald nach Beginn der Ermittlungen im Visier, kann ihm aber den Mord noch nicht nachweisen. Oder man folgt zunächst einer falschen Spur, bis man dies durch richtiges Kombinieren erkennt. In sorgfältiger Millimeterarbeit wird daran gearbeitet, genügend Indizien zusammenzutragen, so dass man den Übeltäter überführen kann. Wichtig ist es, neben der Unterscheidung von echten und falschen Spuren besonders bei den Befragungen von Zeugen und Verdächtigen mit Bedacht zu Werke zu gehen. Denn die Delinquenten schnappen schneller ein als eine Zwölfjährige, der man Tokyo-Hotel-Witze erzählt. Der richtigen Fragetechnik kommt also eine zentrale Bedeutung zu.

Sprich mit mir!
Die Art der Gesprächsführung kann man stets selbst bestimmen. Je nachdem, in welche Richtung ein Gespräch verläuft, kann man den guten Bobby die nächste Frage in unterschiedlicher Weise stellen lassen. Dabei muss man entscheiden, ob er sich beispielsweise einfühlsam verhält, geradlinig fragt oder womöglich unhöflich wird. Die Möglichkeiten sollten mit Bedacht gewählt werden. Ein harter Bursche in einer Bar wird einem eher weiterhelfen, wenn man den geradlinigen oder womöglich schroffen Inspektor heraushängen lässt, als wenn man Hausfrauenbetroffenheit zeigt.

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Ein Fall für USK 18: Polizist im Stundenhotel!
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Jede Antwort erzeugt ein bestimmtes Resultat. Bringt sie den guten Bobby weiter, füllt sich ein grüner Balken allmählich. Führt sie hingegen zu nichts oder gar dazu, dass sich der Zeuge verschließt, wird nach und nach ein roter Balken gefüllt. Das ist praktisch und eine gute Hilfestellung bei der Überlegung, in welcher Art man weitermachen sollte. Nachteilig ist allerdings, dass man die Fragen nicht im Multiple-Choice-Verfahren auswählen kann, sondern lediglich den Umgangston und Gorens Verhalten. Welche Frage der Detective dann schlussendlich stellt, weiß man nicht.

Laborratte
Natürlich darf in einem Kriminal-Klick-Spiel auf keinen Fall das Labor fehlen. Anders als in der Fernsehserie, in der klassische Spurensicherung und -auswertung im Stile des CSI nur am Rande vorkommen, schaut Goren regelmäßig in verschiedenen kriminaltechnischen Einrichtungen vorbei. Jedes eingesammelte Beweisstück wandert nämlich zunächst ins Inventar und kann zur Analyse bei den Kollegen eingereicht werden. Außerdem hat man die Möglichkeit, Zeugen und Verdächtige überwachen zu lassen.

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"Wie oft soll ich's denn noch sagen? Ich habe KEINE Blähungen!"
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Sobald Resultate vorliegen, erhält der Ermittler eine Nachricht auf seinem jederzeit einblendbaren PDA und kann sich die Ergebnisse abholen. Sie werden dann in dem Gerät gespeichert, so dass man jederzeit Zugriff auf den Verlauf der bisherigen Ermittlungen hat. Schade ist allerdings, dass Beschattungen niemals negative Konsequenzen haben können. Insofern neigt man dazu, wirklich jeden Gesprächspartner bespitzeln zu lassen. Die Gefahr, dass derjenige abtauchen oder womöglich dienstrechtliche Schwierigkeiten machen könnte, weil eine Observierung in die Hose geht, ist nicht gegeben. Hier wäre es sicherlich spaßiger - und auch realistischer - gewesen, wenn man solche Faktoren mit eingebaut hätte.

Interessant ist das Laptop an Gorens Arbeitsplatz. Dort kann man die verschiedenen Indizien und Beweisstücke eingeben, die dann auf ihre Fall-Relevanz analysiert werden. Sind sie von Bedeutung, tauchen sie in einer Tabelle auf, die in die Bereiche Tätermerkmale, -persönlichkeit und -motiv unterteilt ist. Je mehr Inventarobjekte hier klassifiziert werden, desto besser wird das daraus resultierende Täterprofil, das man wiederum mit den Verdächtigen abgleichen kann. Meint man, genug Beweise für die Schuld einer Person zusammengetragen zu haben, holt man sich im Büro des Captains einen Durchsuchungsbefehl, um letzte Zweifel auszuräumen - oder man stellt fest, dass man danebenlag.

Eine Frage der Technik
Während das Spiel inhaltlich einige recht reizvolle Aspekte bietet, präsentiert sich »Criminal Intent« von seiner technischen Seite eher durchwachsen. Natürlich sollte man von einem Point-and-Click-Adventure keine optischen Revolutionen erwarten. Doch leider bietet die kantige und flach ausgeleuchtete Grafik alles andere als einen Augenschmaus. Auch die Texturen der Gesichter wirken fast wie aufgeklebt. Zwar wurde Vincent D'Onofrio recht gut getroffen, doch der zweite bekannte Seriencharakter, Captain James Deakins, sieht seinem lebenden Vorbild nicht ähnlich.

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Auch die Animationen und Bewegungen der Figuren sind steif und ruckeln über den Bildschirm. Immerhin konnte mit der Stimme von Christian Weygand der Originalsprecher von Detective Goren verpflichtet werden. Andere bekannte Stimmen sucht man allerdings vergeblich. Dafür ist die gesamte Vertonung professionell, so dass man beim Zuhören keinen Ohrenkrebs bekommt. Die Musik ist ebenfalls gut gewählt und unterstützt die zugrunde liegende Melancholie der Serie.