Hey, besser das als gar nichts. Viel näher werdet ihr der Jahrtausendwende, The Offspring in Dauerschleife und der kompromisslosen Lockerheit dieser Zeit nicht mehr kommen ohne Dreamcast-Controller in der einen und Capri-Sonne in der anderen Hand. Und überhaupt: So schlecht ist das hier gar nicht, wenn man beide Augen zukneift.

Crazy Taxi: City Rush - Trailer

Oder zumindest nicht so schlecht, wie die Kombination „free to play“ und „mobiles Spiel“ mutmaßen lässt. Lassen wir die erstaunlich verlustfreie iOS- und Android-Portierung des Originals und die überflüssige PSP-Sammlung Fare Wars mal beiseite, ist Crazy Taxi: City Rush nun der erste neue Teil der Reihe seit über zehn Jahren. Eine Reihe, deren Ruhm genauso wild und kurzweilig war wie das Konzept der Fun-Racer-Taxifahrten dahinter.

Wer an dieser Stelle aus Macht der Gewohnheit „Geldmacherei!“ schreit, während er Publisher für ihre Unart rügt, große Namen des schnellen iOS-Rubel willens zu verheizen (japp, ich sehe in eure Richtung, 2K), hat nicht einfach Recht oder Unrecht. Es liegt an euch und euren Erwartungen diesem Pausenfüller gegenüber.

Crazy Taxi: City Rush - Besser als befürchtet, schlechter als erhofft

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Sieht rasanter aus als es sich spielt. Zumindest ein bisschen.
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Mehr ist City Rush nämlich keinesfalls und zumindest insofern unterscheidet es sich nicht sonderlich von seinen großen Vorbildern. Überhaupt sind die optischen und weitestgehend auch inhaltlichen Parallelen kaum zu übersehen und Grund genug, das mobile Crazy Taxi nicht vorschnell als plumpe Geldschaufelmaschine zu verteufeln.

Auf Dreamcast und iPad gleichermaßen ist es oberstes Gebot, Fahrgäste möglichst schnell, vor allem aber völlig überdreht und rabiat am Zielort abzusetzen. Gurte und Airbags braucht hier niemand, die Straßenverkehrsordnung schon gar nicht. Alles gut soweit.

Zurück in die Zukunft

Tickte die Uhr vor über zehn Jahren aber noch gleichmäßig herunter, ist die Sache mit dem Chronometer im Jahr 2014 so eine Sache. Konntet ihr vormals so viele Leute durch die Stadt kutschieren, wie ihr im Rahmen der knapp bemessenen Zeit eben geschafft habt, fahrt ihr jetzt eine fest vorgeschriebene Zahl Passagiere herum. Das nennt sich dann Mission und ist zumeist nach einer Minute geschafft, demnach also der nicht ganz unbegründete Kniefall vor der eigenen Plattform – und ein Stück weit dem kostenlosen Geschäftsmodell.

Crazy Taxi: City Rush - Besser als befürchtet, schlechter als erhofft

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Einen Panzer gibt's auch. Das macht +5 Prozentpunkte bei der Endwertung.
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Dieses stützt sich neben der gelegentlichen Einblendung externer Werbung grundlegend auf In-App-Käufe. Für sich genommen keine schlimme Sache, beschränkt sich die Kritik an diesem Vertriebsmodell vorrangig auf die Notwendigkeit dieser Zusatzausgaben – und genau diese ist bei Crazy Taxi: City Rush zu quasi keinem Zeitpunkt zwingend gegeben.

Ihr könnt eine Handvoll Euro für den sofortigen Kauf eines schnelleren Taxis auf die virtuelle Kassentheke knallen, oder ihr erspielt es euch ohne jedwede Nachteile selbst. Ihr könnt Diamanten, eine von zwei Währungen im Spiel, nachkaufen, oder sie euch durch Levelaufstiege selbst verdienen. Ihr könnt das Portemonnaie für das Umgehen der Wartezeit auf weitere Missionen zücken oder einfach ein paar Stunden warten. All diese Mechanismen greifen sinnvoll und vor allem fair ineinander, sodass sich hier niemand betrogen fühlen muss. Wer Crazy Taxi auf normale Weise, also mal für zwei, drei Bahnfahrten am Tag daddeln will und keine maßlosen Forderungen stellt, hat keine immensen Einschränkungen zu befürchten. Nur einige Preise der möglichen In-App-Käufe könnten noch eine Ecke nach unten korrigiert werden.

Crazy Taxi: City Rush - Besser als befürchtet, schlechter als erhofft

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Jetzt mal ehrlich: Sooo schlecht sieht's doch gar nicht aus, oder?
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Die Missionsstruktur mit ihren unterschiedlichen, erstaunlich abwechslungsreichen Aufträgen ist eine ebenso sinnvolle Anpassung wie der reduzierte Comic-Anstrich, durch den Crazy Taxi gerade auf Standbildern zwar keine Schönheit, in Bewegung aber zumindest eine recht flotte Biene ist. All das ist nachvollziehbar, selbst für Highscore-Jäger von damals weitestgehend verkraftbar. Es sind nicht diese notgedrungenen Änderungen, an denen sich die Geister scheiden: es ist die Steuerung.

Obwohl sich die Taxis bereits in der iOS-Version des Originals verblüffend schmissig durch die Stadt jagen ließen, fahren ihre kleinen Brüder diesmal auf den für ihre Plattform so typischen Schienen. Wischen geht über freies Lenken, automatisches Vollgas über einen dosierten Bleifuß. Mit der Dreamcast-Zeit im Hinterkopf ein Sakrileg, auf dem iPad eine verständliche, aber gezwungenermaßen sehr passive Steuerungsalternative. Durch ein paar kleine Kniffe versucht euch SEGA noch etwas entgegenzukommen, bleibt dann aber doch auf halber Strecke stehen. Mit den geschickten Drifts von damals hat das nicht mehr viel zu tun; für Komplexität ist auf einem Touchscreen kein Platz mehr. Schöne neue Welt.