Kann ein Spiel begeistern, ohne das A und O aus dem Wälzer „In fünf Schritten zum erfolgreichen Titel, den jeder mag“ zu befolgen? Kann man sich an einem Spiel erfreuen, das ohne super Grafik, mitreißende Melodien und ohne Geschichte auskommt? Die Antwort ist: ja, klar! Aber leider nicht für lange Zeit. Crazy Machines Elements ist auf der einen Seite eine Perle im schmutzigen Meer der Trash-Spiele und Klon-Titel, auf der anderen einfach nur nervig.

Crazy Machines Elements - Ingame Action: Das Spiel mit den Elementen

Wer die Vorgänger der Crazy-Machines-Reihe oder TIM - The Incredible Machine kennt, wird nicht sonderlich überrascht sein, woraus der Aufbau und das Spielprinzip des Tüftel-Games bestehen. Es ist einfach jedes Mal das Gleiche und bisher war das auch immer gut so.

Crazy Machines Elements - "Es gibt kein großes Genie ohne einen Schuss Verrücktheit"

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Über 100 Level stehen zur Auswahl.
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Für alle anderen ist es schnell erklärt: Ein senil wirkender Professor, der jeden Einstein-Ähnlichkeitswettbewerb gewinnen könnte, spornt euch dazu an, völlig verrückte Rätsel zu lösen, und das mit allem, was zur Verfügung steht, und noch viel weniger. Da kann es schon mal heißen: "Saug diesen Crash-Test-Dummy in die Röhre, aktiviere so einen Schalter, der die Taschenlampe anmacht, damit ihr in Kombination mit einer Lupe das Seil durchtrennen könnt und damit den Amboss auf einen weiteren Schalter fallen lasst und...". Ihr seht, worauf es hinausläuft, oder?

Die Rätsel sind fast immer gleich aufgebaut. Ihr seht euch einer wackeligen Konstruktion gegenüber, auf der ein Irrer die verschiedensten Dinge montiert hat: Bretter, Schanzen, Raketen, Laserkanonen, Anti-Gravitationswaschmaschinen und ’nen Toaster. Nun ist es an euch, vorgegebene Objekte so mit den bereits platzierten zu kombinieren, dass eine Kettenreaktion in Gang gesetzt wird und am Ende etwas Lustiges passiert. Beispielsweise fällt ein Basketball durch den entsprechenden Korb oder eine kleine Aufziehmaus erreicht ihr sicheres Versteck. Hurra!

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Flieg, Rakete, flieg! Lauf, Roboter, lauf!
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Jetzt stellt sich natürlich ein kleines Problem ein, das auf alle wartet, die keine Erfahrung mit dieser Art Spiel und keinen Doktor in Physik gemacht haben. Denn die verdammten Objekte bewegen sich so ungemein realistisch, dass jeder Millimeter wichtig wird. Auch nur einen Hauch zu weit oben angesetzt und die ganze Aktion war für die Katz. Dann heißt es: Fehler suchen, neu anordnen und wieder von vorne beginnen. Kostet Nerven und raubt Ungeduldigen bereits zu Anfang den Spielspaß. Das Problem hierbei: Niemand verrät einem, wo die Sache einen Haken haben könnte. Da bleiben nur Beobachtung und Analyse. Und der Frust, wenn man den Fehler nicht finden kann.

Doch verzwickterweise wird man Crazy Machines Elements damit nicht los. Nachdem man den Titel vor Wut gegen die nächste Wand werfen wollte, vergehen keine fünf Minuten, bis man sich wie ein frisch verliebtes Pärchen vorkommt. Man ist zwar sauer aufeinander und hat die Schnauze voll, aber es war doch trotzdem alles so schön. Und das Hochgefühl, wenn MEINE Konstruktion funktioniert... Komm noch mal her, du kleiner Suchtfaktor. Kannst ja nichts dafür, dass ich in Newtons Augen ein Volldepp bin.

Alles strahlt im alten Glanz

Die Macher von Crazy Machines Elements haben viel Wert darauf gelegt, ihr Spiel im neuen Gewand erstrahlen zu lassen. Es wurden, wie der Name bereits verrät, Element- und Wettereffekte hinzugefügt. Brennende Fässer zünden Lunten an, die mit einer netten Animation Sprengstoff in die Luft jagen - doch nur, wenn es nicht regnet! Sonst wird alles gelöscht und hinfortgespült. Starke Winde treiben die Windräder an, die ihrerseits Energie liefern können. Und so weiter und so fort.

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Die Lichteffekte können sich vor allem in der Nacht sehen lassen.
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Die Effekte sehen dabei unerwartet gut aus. Feuer und Blitze haben einen gewissen Charme und die wechselnden Hintergrundbilder wirken liebevoll kreiert. Die Spielwelt wechselt von Tag zu Nacht, regnerisch zu sonnig und von einem warmen Sommernachmittag zu einem kalten Dezemberabend. Besonders die Licht- und Schatteneffekte schmeicheln dem Auge und schenken ihm ein paar schöne Momente.

Doch was haben diese ganzen Neuerungen gebracht? Nicht wirklich viel. CME ist einfach nur ein weiterer Teil einer mittlerweile recht vertrauten Spielmechanik. Die Aufgaben variieren von lächerlich einfach bis unlösbar-"Ich muss alle Menschen töten"-schwer. Anfänger haben hier eine besondere Hürde zu überwinden: Man sieht sich einer absurden Konstruktion gegenüber, die mit Objekten gefüllt wurde, deren Fähigkeiten und physikalische Beschaffenheit man nicht kennt; aber man soll genau diese nutzen, um etwas zu erreichen, was eher in den Bereich IQ-Test passt als zu einem gemütlichen Spielabend.

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Dir hab ich den Erfolg nicht zu verdanken, Prof.
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Unterstützen soll mich dabei der bereits erwähnte Professor, der sich immer mal während der Ladezeiten meldet und seine Genialität mit unglaublich hilfreichen Tipps wie "Regen ist kalt und nass" zum Besten gibt. Das sind Informationen, auf die man gewartet hat, wenn man seit einer Stunde versucht, mit einem brennenden Teekessel ein Windrad anzutreiben. Die Beschreibungen der Objekte selbst sind knapp, jedoch nützlich. In einem Satz und mit ein paar Icons, die mir zeigen, welche Eigenschaften beispielsweise der Pick-up hat, wird alles Relevante auf den Punkt gebracht. Und danach hilft nur noch eins: üben, ausprobieren, neu anordnen, wieder ausprobieren.

Lustiger Zeitvertreib ohne wirklich neue Ideen.Fazit lesen

Die Grafik hat seit Crazy Machines (2004) einen großen Sprung gemacht, hinkt dem Attribut „schön“ aber immer noch um Welten hinterher. Das ist bei einem Rätselspiel nicht weiter tragisch, verstärkt aber das Gefühl, nur einen weiteren Ableger vor sich zu haben, der kurz davor ist, wieder in der Versenkung und aus dem Gedächtnis zu verschwinden. Viel schlimmer trifft es die Musik.

Anfangs kam mir der Gedanke: "Hey, chillig! Die Musik passt zu dem, was man sieht, und wirkt erstaunlich beruhigend". Sie hilft sogar, sich besser auf das zu konzentrieren was, man gerade macht, und weckt den Wunsch, mehr davon zu hören. Doch leider gibt es kein 'Mehr'. Gleichklingende Songs wiederholen sich immer und immer wieder, bis sie mir aus den Ohren herauskommen und ich die Optionen nach der Stummschaltung durchforste und Radio höre.

Wenn du es baust, wird er kommen

Crazy Machines Elements verfügt über eine Menge verschiedener Level. Und je weiter man kommt, umso schwieriger wird die Herausforderung, umso größer werden die Level und umso zahlreicher die Objekte. Es entstehen gigantische Kettenreaktionen und immer, wenn man denkt, mehr kann es ja nicht werden, erscheinen neue Dinge auf dem Bildschirm und neue Möglichkeiten ergeben sich, die der Fantasie einen kleinen Amoklauf ermöglichen.

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So viel Spielzeug *sabber*
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Wem das aber immer noch zu wenig ist, der kann sich an den Level-Editor wagen. Hier hat man keinen nervigen Hobby-Wissenschaftler, der einem sinnlose Tipps an den Kopf schmeißt, und die fehlende Geschichte kann einem getrost egal sein. Wenigstens baut man hier seine eigenen Konstruktionen und muss nicht jemanden dabei helfen, seinen blöden Mist zu Ende zu werkeln. Fang doch nichts an, was du nicht zu Ende bringen kannst!

Im Editor lässt sich so ziemlich alles einstellen: vom Hintergrundbild über das Wetter bis hin zur Tageszeit. Letzteres sollte so oder so stets auf 'Nacht' gestellt sein, denn nur so kommen die Neuerungen aus Elements auch zur Geltung.

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Das Wetter hat tatsächlich Einfluss auf den Spielablauf. Lustiger Einfall!
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Nun könnt ihr munter drauflos bauen. Nichts ist zu verrückt, niemals ist etwas nicht umsetzbar. Die Möglichkeiten sind erdrückend und gleichzeitig berauschend. Doch wer denkt, er könne ewig so weitermachen, bis der ganze Bildschirm aus Kettenreaktionen, Explosionen und fliegenden Müll besteht, wird enttäuscht.

Zum einen müssen fast alle Objekte im Rätselmodus freigeschaltet werden, zum anderen kostet jede Platzierung Geld. Hat man seine Reserven erreicht, ist Bauen nicht mehr möglich. Man muss sich also in seinem Ideenreichtum einschränken lassen und mit dem zufriedengeben, was man hat. Schade! Gerade hier hätte der Rätselaspekt viel rausreißen und auch diejenigen Begeisterung lehren können, die nicht alle Level abschließen konnten.