Welche Zutaten benötigt eigentlich ein gutes Spiel? Action, Strategie, Taktik? Wenn das so zutreffen würde, dann hätte »Crazy Machines 2« nicht den Hauch einer Chance, denn im neuesten Produkt aus dem Zwickauer Hause FAKT Software findet sich nichts davon. Dass das Spiel dennoch eine echte Spaßbombe ist, hat es ganz anderen Faktoren zu verdanken. Und das sind weder Sex, noch Gewalt.

Crazy Machines 2 - Trailer #2Ein weiteres Video

Dass logische Physik-Knobeleien alles andere als öde sein müssen, haben uns die Jungs von FAKT Software schon 2004 mit dem ersten Teil ihrer verrückten Maschinen bewiesen. Das Spiel konnte mit einer glaubwürdigen Physikengine sowie zahlreichen, knallschweren Experimenten überzeugen, bei denen es galt, bestimmte Aktionen auszulösen oder Kettenreaktionen hervorzurufen. Für den zweiten Teil ihrer anspruchsvollen Denkakrobatik haben die Macher nachgelegt und sich einiges einfallen lassen.

Crazy Machines 2 - Nichts für Schulabbrecher: Die verrückten Maschinen sorgen für gehörig Kopfzerbrechen.

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So eine Abrissbirne kann schon mächtig Kopfzerbrechen bereiten...
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200 Denksportaufgaben warten auf die Rätselgemeinde, für deren Lösung insgesamt 150 Bauteile zum Einsatz kommen. Dabei müssen Versuchsanordnungen so konstruiert werden, dass sie die gewünschte Aufgabe erfüllen. Im Zentrum steht wieder der schrullige Professor, als dessen Assistent der Spieler fungiert. Wie schon aus dem Vorgänger bekannt, ist der gute Mann ziemlich verrückt und stellt einen vor verzwickte Aufgaben, etwa nach dem Schema: »Lasse Billardkugeln in einer bestimmten Reihenfolge in einen Auffangbehälter plumpsen, während gleichzeitig eine Kanone abgefeuert wird und ein alter Eimer von einem Regal fällt.«

Packshot zu Crazy Machines 2Crazy Machines 2Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Dazu steht für jedes Experiment eine festgelegte Anzahl von Elementen zur Verfügung, die zur Lösung der Aufgabe benutzt werden dürfen. Die Anforderungen steigen in ihrer Komplexität vom Schälen einer Banane hin zum Physik-Nobelpreis. Und zumindest solche Naturen, die schon in der Schule beim Physikunterricht lieber Schiffe Versenken gespielt haben als den Ausführungen des Lehrers zu lauschen, werden ihre Mühe haben mit den Rätseln haben. Das sollte allerdings niemanden davon abhalten, es auszuprobieren, denn vielfach gibt es mehr als nur eine Lösung.

Chaostheoretiker
Wie schon erwähnt, kommt der Professor auf reichlich schräge Ideen. Um zum Beispiel einen Fernseher in Betrieb zu nehmen, müssen mehrere kleinere Generatoren in Betrieb genommen werden. Als Antriebskraft dienen eine Mini-Dampfmaschine sowie eine Batterie. Außerdem soll bitteschön noch eine kleine Lampe oberhalb der Glotze funzeln.

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Als unser Chef einmal ein riesiges Fass aufmachen wollte...
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Also gilt es, die zur Verfügung stehenden Antriebsriemen und -räder sowie einen kleinen Ventilator und ein paar Kardanwellen so zu arrangieren, dass die Flimmerkiste angeht. Das Aussehen des Arrangements ist dabei zweitrangig, es zählt nur das Ergebnis. Die Bauteile werden ganz einfach mit gedrückter Maustaste auf dem Spielfeld positioniert. Ein Klick mit der rechten Taste öffnet ein Kontextmenü, über das man einige Teile drehen, kippen oder spiegeln kann. Anders als noch im ersten Teil ist es diesmal nicht nötig, jedes Element pixelgenau zu positionieren, damit es funktioniert.

Außerdem kann man mit dem Mausrad stufenlos zoomen, so dass besonders bei komplizierten Anordnungen zielgenau gearbeitet werden kann. Zudem kann das Arrangement auch gekippt und geneigt werden, was zwar eine schöne Tiefenwirkung produziert, spielerisch jedoch nur selten zum Einsatz kommt. Besonders elegante Lösungen werden übrigens mit zusätzlichen Bauteilen belohnt, die für die Konstruktion eigener Versuchsanordnungen wichtig sind.

Laborwerte
Was in der reinen Beschreibung recht trocken klingt, erweist sich in der Praxis als unterhaltsam und ist ein echter Zeitkiller. Denn spätestens, wenn man einen Versuch zum fünften Mal startet, weil man den richtigen Dreh noch nicht gefunden hat, vergisst man schnell die Zeit um sich herum. Eine der großen Stärken des Programms liegt fraglos in seiner Langzeitmotivation. Hinzu kommt, dass oft mehrere Wege zum Erfolg führen.

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Schon seit 1989 schwer angesagt: die chinesische Lösung.
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Natürlich gibt es für jedes Experiment auch eine von den Entwicklern vorgesehene Bauanleitung, die man sich nach Beendigung des Versuchs anschauen kann. Wer jedoch eine andere Lösung findet und dabei womöglich nicht alle vorgegebenen Bauteile verwendet, wird mit einer extra hohen Punktzahl belohnt. Um zu testen, ob die eigene Konstruktion den gewünschten Erfolg bringt, kann man seine Experimente jederzeit starten und so schnell feststellen, ob und wo der Schuh noch drückt.

Choleriker mit hormonell bedingten Gewaltphantasien seien übrigens an dieser Stelle beruhigt: »Crazy Machines 2« ist keineswegs ein amokförderndes Spiel. Um Frustausbrüchen und zertrümmerten Monitoren vorzubeugen, haben die Jungs von FAKT diesmal ein mehrstufiges Hilfesystem integriert. Wer nicht weiterkommt, kann sich zunächst ein paar Texthinweise beim Professor abholen. Die bringen jeweils einen Punktabzug in der Gesamtwertung mit sich, können aber sehr hilfreich sein, weil sie beispielsweise verraten, mit welchem Bauteil man wo beginnen sollte.

Wenn das nicht reicht, hilft vielleicht eine Lupe weiter, die einen kleinen Teil der gesamten Versuchsanordnung aufdeckt und zeigt, welche Elemente sich an dieser Stelle befinden. Kommt man auch dann nicht weiter, beendet man entweder das Spiel und erschießt ein paar virtuelle Gegner in seinem Lieblingsshooter, oder man bleibt friedlich und lässt sich die Komplettlösung anzeigen. Dann gibt es zwar keine Punkte zu holen, dafür kann man sich aber umgehend auf das nächste Rätsel stürzen.

Versuchskaninchen
Insgesamt tüftelt man sich im Karrieremodus durch 15 Kapitel mit je zehn Experimenten. Anfänger sollten in jedem Fall das zusätzlich vorhandene, ebenfalls aus zehn Teilen bestehende Tutorial durchspielen, denn es macht einen mit den unterschiedlichen Bauteilen und Versuchscharakteristika vertraut. Die einzelnen Episoden unterscheiden sich in erster Linie durch thematische Grafiksets, aber auch durch die Art der Versuche.

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Sieht aus wie das Modell einer Folterkammer der Inquisition, ist aber keine.
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Die Experimente reichen dabei von »einfachen« Schwerkraftaufgaben hin zu futuristisch angehauchten Anordnungen mit Laserkanonen, Explosionen und robotergesteuerten Ereignissen. Besonderes Augenmerk haben die Entwickler im neuen »Crazy Machines« auf die Online-Anbindung ihrer virtuellen Versuchslabors gelegt. So kann man beispielsweise eigene Entwürfe ins Internet stellen und sich daran erfreuen, wie sich andere Zocker die Zähne an den Aufgaben ausbeißen.

Umgekehrt kann man natürlich auch die selbst entworfenen Experimente anderer Hobby-Laborratten testen. Um ein möglichst großes Spektrum an verschiedenen Aufgaben abzudecken, haben die Entwickler zusätzlich zu den vorhandenen Bauteilen einige Extra-Elemente spendiert, die man allerdings erst frei spielen muss. Je weiter man im Karrieremodus voranschreitet, desto mehr dieser Zusatzteile werden verfügbar.

Zurück in die Zukunft
Technisch macht »Crazy Machines 2« einen mehr als ordentlichen Eindruck. Selbst bei höchster Zoomstufe bleiben die einzelnen Gerätschaften und Bauteile klar erkennbar und lassen sich deshalb exakt positionieren. Auch in Punkto Licht- und Schattenwirkung trifft man auf nette Effekte wie Fackelschein oder Funkensprühen, was für eine dichte Spielatmosphäre sorgt.

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Von wegen jugendfrei: farbige Kondome müssen aufgeblasen werden (links im Bild). Da hat die USK gepatzt!
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Besitzer von PhysX-tauglicher Hardware kommen übrigens in den Genuss von 20 Extraaufgaben, die sich die speziellen Effekte der Engine zunutze machen. Doch auch ohne die neuesten Grafikspielereien sieht das Programm ansprechend aus, so dass sich auch Besitzer älterer Rechner nicht ärgern brauchen. Die Vertonung, einer der Hauptkritikpunkte des ersten Teils, ist diesmal professionell und äußerst unterhaltsam.

Besonders ältere Semester erfreuen sich an einer Wiederauferstehung von Doc Brown, dem verrückten Wissenschaftler aus der beliebten »Zurück in die Zukunft« Filmreihe. Dessen deutsche Stimme Lutz Mackensy leiht nämlich dem Professor im Spiel seine Stimme, was Fans der Filme zu einem verzückten Dauergrinsen verleitet.

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Von wegen »kein Ballerspiel«
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Da der zauselige Alte zudem des öfteren Kommentare von sich gibt, die verdächtig an Doc Brown erinnern, fühlt man sich in manchen Augenblicken fast schon in dessen Zeitreiselabor versetzt. Auch musikalisch gibt es wenig zu meckern, denn das Programm wartet unter anderem mit angenehmen Swing-Klängen auf, die durchaus zur Atmosphäre passen. Schade nur, dass sich die Melodien häufig wiederholen. Wem das auf Dauer zuviel wird, der greift beherzt in die Optionen und behebt das Problem nachhaltig.

Dann herrscht konzentrierte Ruhe im Labor, oder man hört über einen externen Player seine eigene Musik beim Tüfteln.
Wer seinem PC neben feurigen Feldschlachten, blutigen Ballerorgien und rasanten Rasereien mal etwas Ruhe gönnen will, sollte sich »Crazy Machines 2« unbedingt anschauen. Es lohnt sich!