Unglaublich aber wahr - schon elf Jahre sind vergangen, seit wir das erste Mal mit Crash Bandicoot im gleichnamigen Videospiel die PlayStation unsicher machten. Seit diesem ersten Jump n' Run-Abenteuer des wendigen Beuteldachses ist nicht nur eine geraume Zeit verstrichen, es sind auch etliche weitere Spiele erschienen.

Allerdings hat Entwickler Naughty Dog nach vier Spielen die Lust verloren und den Stab weitergegeben. Mittlerweile hat Radical Entertainment die Entwicklung der Reihe übernommen und nun Crash of the Titans vorgelegt, in dem der Protagonist mal wieder gegen seinen Erzfeind Dr. Neo Cortex antritt.

Crash of the Titans - E3 2007 Trailer

Bösartige Freizeitgestaltung

Dieser entführt aus Spaß an der Freude, oder besser gesagt Bosheit, Crashs Schwester Coco und zieht sich damit natürlich den Zorn des flinken Hüpfers zu. Ehrensache, dass er sich auf die Verfolgung macht und unterwegs eine ganze Reihe von Jump n' Run-Abenteuern erlebt, die jedoch alles andere als taufrisch wirken. Im Gegenteil - sowohl Gameplay als auch Optik und Gesamtpräsentation wirken mehr als altbacken und überholt. Das gilt übrigens nicht nur für die PS2- und Xbox-360-Fassung, auch die Wii-Version bietet trotz Wiimote-Steuerung kaum innovative Ansätze. Doch der Reihe nach...

Crash of the Titans - Titanisch öde: Dieses Jump and Run-Trauerspiel hat die Beutelratte nicht verdient.

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Nach dem Patch ist vor dem Patch.
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Im Grunde handelt es sich bei Crash of the Titans nämlich um ein Jump n' Run alter Schule. Ihr hüpft mit eurer Spielfigur durch absolut lineare Levels, wobei die kleineren Plattform-Passagen nicht nur prinzipiell sehr simpel gehalten sind, sie werden fast schon zur Nebensache. Im Mittelpunkt stehen nämlich die Kämpfe, denn ständig stellen sich euch kleinere und größere Widersacher in den Weg, die euch davon abhalten wollen, die Pläne von Neo Cortex und seinen Schergen zu durchkreuzen.

Leider sind aber diese Fights recht inspirationslos ausgefallen und auch die Kombos bestehen meist aus relativ simplen Button-Kombinationen und bieten daher kaum Herausforderungen für erfahrene Gamer. Selbst auf der Wii wird von den Bewegungssensoren nur sehr selten Gebrauch gemacht, sodass in allen drei Versionen größtenteils dasselbe Gameplay entsteht.

Packshot zu Crash of the TitansCrash of the TitansErschienen für DS, GBA, PS2, Wii, Xbox 360 und PSP kaufen: Jetzt kaufen:

Over and over again

So sind die recht kurzen Missionen immer wieder demselben Ablauf unterworfen: Ihr springt ein wenig in der Gegend rum, um Orte zu erreichen, an denen sich die Monster versammelt haben, um ihnen Saures zu geben. Dort angekommen räumt ihr teilweise Dutzende Feinde aus dem Weg, was anfangs völlig problemlos vonstatten geht, nur um euch zu zentralen "Arenen" durchzukämpfen, wo die "Titanen" auf euch warten: Besonders große und kräftige Widersacher.

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Auch diesmal beherrscht Crash noch seinen Wirbelangriff.
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Und nun kommt der Clou: Diese fiesen Kontrahenten könnt ihr "patchen". Sobald ihr sie attackiert, erscheint nämlich eine Sternenanzeige über ihren Köpfen, die ihr mit weiteren Hieben ausfüllt und sie somit für einige Momente kampfunfähig macht. In dieser Zeit genügt das Drücken einer weiteren Taste, um die Viecher zu besteigen und die Kontrolle zu übernehmen. Somit steuert ihr die Monster und habt Zugriff auf all ihre speziellen Fertigkeiten.

Mehr als ein Dutzend unterschiedlicher Titanen könnt ihr im Spielverlauf auf diese Weise kontrollieren. Nein, falsch: Nicht könnt, sondern müsst, denn das Spielgeschehen setzt dies zwingend voraus. Oftmals kommt man ohne die Fähigkeiten der Riesen nämlich gar nicht weiter, viele Hindernisse lassen sich nur mit ihnen aus dem Weg räumen. Doch es gibt auch einige Titanen, die ihr nicht selber besiegen könnt. Daher müsst ihr euch die "Nahrungskette" des Spiels zunutze machen.

Crash of the Titans ist ein 08/15-Jump n' Run, das keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt.Fazit lesen

Also gilt es zunächst herauszufinden, mit welchem Monster sich die anderen Kontrahenten am besten bekämpfen lassen, und so "patcht" ihr einen Riesen nach dem anderen, um schließlich eine Chance gegen den fiesesten Widersacher zu haben, der schließlich ebenfalls eurem Willen unterworfen wird. Das ist anfangs spannend, doch wenn man diesen Vorgang hunderte Male durchgemacht hat, nutzt sich das schnell ab und wird irgendwann zur Routine.

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Wer ist der Nächste in der Nahrungskette?
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Was übrigens für das gesamte Gameplay gilt, denn leider ähnelt sich der Aufbau der meisten Levels und Vieles wirkt daher vorhersehbar. Zwischendurch sollen Surf-Passagen auf einem Hoverboard für Abwechslung sorgen, doch eigentlich nerven sie nur, wirken aufgesetzt und nicht wirklich ins Spielgeschehen integriert.

Aufgesetzte Spielinhalte

Ähnliches gilt für die Herausforderungs-Missionen, die man in jedem Level durch deutlich sichtbare Portale erreicht. In einer vorgegebenen Zeit gilt es dort, kleinere Aufgaben zu bewältigen, die euch beispielsweise mit Bonus-Mojo belohnen - magischer Energie, die man während des ganzen Spielverlaufs nebenbei einsammelt und mit denen euer Charakter automatisch verbessert wird und so weitere Fähigkeiten freischaltet. Allzu viel Spieltiefe dürft ihr euch davon jedoch nicht versprechen, viele der Fertigkeiten sind nämlich für das Gameplay völlig unerheblich.

Radical scheitert leider auch bei dem Versuch, das Spiel über längere Zeit interessant zu halten, dafür drehen sie urplötzlich an der Schwierigkeitsschraube. Quasi von einem Moment zum anderen tretet ihr plötzlich gegen Unmengen von Feinden an, gegen die man oft einfach keine Chance hat, da sie einen in Kombo-Ketten gefangen halten und über den Jordan befördern. Frust pur macht sich breit und dummerweise wurden in den Levels selbst keine Checkpoints eingebaut.

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Gegner ohne Unterlass: Der Schwierigkeitsgrad schwankt immens.
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Solltet ihr also alle eure Leben verlieren, müsst ihr die Mission von Anfang an spielen, was lediglich durch den Fakt abgemildert wird, dass die Levels recht kurz sind. Erschwert wird der Spielablauf zusätzlich durch die starre Kameraperspektive, die sich nicht manipulieren lässt. Oft genug müsst ihr daher an Lianen oder auf Plattformen springen, die man nicht richtig einschätzen kann, und trudelt daher in den Abgrund. Unverständlich bleibt, warum man die Perspektive nicht anpassen kann.

Aus technischer Sicht ist augenscheinlich, dass alle Versionen auf der PS2-/Last-Gen-Variante aufbauen. Optisch unterscheiden sich alle Fassungen nur marginal und auch auf der Xbox 360 sind lediglich einige verbesserte Partikeleffekte und etwas aufgemotzte Grafiken zu sehen. Die Unterschiede sind jedoch letztendlich zu vernachlässigen. Auf der Wii wird zudem die Wiimote nur sehr selten zur speziellen Motion-Steuerung eingesetzt, womit der theoretisch größte Vorteil dieser Konsole in der Praxis negiert wird. Koop-Fans dürfen sich übrigens gemeinsam mit einem Freund in das Abenteuer stürzen, was ja auch nicht zu verachten ist.