Counter-Strike umgibt bis heute diese besondere Aura. Wer nicht erst mit der PlayStation 2 zum Spielen kam, erinnert sich noch an die herrlichen Sommertage vor zwölf Jahren und wo er sie verbracht hat. Im Internetcafé. Ein abgedunkelter Raum, flackernde Röhrenmonitore und unzählige Dosen Cola. Großartig und jeden Zehner pro Stunde wert. Aufgeteilt in Counter- und Terrorteams berauschte man sich an der eigenen Reaktionsschnelligkeit, denn wieder hat man mit einem präzisen Feuerstoß einen Headshot erzielt. Keine Runde glich der anderen. Counter-Strike hat mit seiner Spieldynamik, Balance und taktischen Möglichkeiten für grenzenlose Euphorie gesorgt. Wer gehofft hat, dass Nexon mit seinem Free-to-play-Titel Counter-Strike Nexon: Zombie (CSNZ) das alte Meisterwerk neu aufpoliert hat, muss jetzt ganz stark sein.

Überlegen wir mal, welche Shooter-Klassiker empfänglich für eine Zombie-Mod sein könnten. Painkiller? Könnte funktionieren. Doom? Da auch. Man ballert ja quasi schon auf zombieähnliche Monster. Mir fallen jetzt noch Serious Sam und Unreal Tournament ein. Man denke jetzt an eine typische Situation in einer CS-Partie, beispielsweise den Sturm des Mansion-Gebäudes als Counter. Verstecken hinter der Hecke, schnell hoch, Sperrfeuer auf die Fenster, wieder ducken, schnell zur Hintertür rennen. Sinniert tatsächlich ein Spieler in solchen Momenten darüber nach, dass er in diesem Setting eigentlich lieber auf Zombies ballern oder vielleicht sogar gerne selbst einen spielen würde?

Wie unvereinbar diese Konzepte sind, zeigt CSNZ in zahlreichen Spielmodi. Ganz besonders sticht dabei Zombie-Hero heraus und damit bringen wir gleich das Schlimmste hinter uns. Alle Spieler starten als Menschen (in Counter- oder Terroruniform) in die 15-sekündige Vorbereitungsphase. Das Übliche geschieht: Waffen kaufen, kleine Grüppchen bilden und schon mal zur ersten guten Position der altbekannten Maps laufen. Anschließend werden willkürlich ca. drei Menschen zu unbewaffneten Zombies, die von jetzt an Jagd auf die Menschen machen um sie ebenfalls zu verwandeln. Die Menschen versuchen sich über das Zeitlimit zu retten.

In diesem Modus erschließt sich auch der Sinn der vermeintlich teuersten Noob-Waffe. Die Para ist trotz der 100 Schuss und massig Schaden einfach nur ein klobiges Teil, von dem man normalerweise besser die Finger lässt. In CSNZ ist das Ding allerdings euer bester Freund. Hier werden Rambo-Fantasien vom donnernden Dauerfeuer mit weit aufgerissenen Augen wahr. Bis ihr dann doch relativ schnell untot seid.

Stellt euch das mal so vor: Ihr seht den Zombie vor euch. Die Waffe ist durchgeladen. Das ganze Magazin wartet darauf, in das Vieh gepumpt zu werden. Ihr feuert und könnt die Distanz zum Zombie halten, weil er durch die Treffer gebremst wird. Ihr feuert weiter. Irgendwann muss dieses dumme Ding doch sterben. Ihr schaut auf die Munitionsanzeige: noch 40 Schuss, noch 20, noch zehn. Keine Munition mehr. 100 Schuss sind auf den Zombie eingeprasselt und ihr habt bestenfalls 20 bis 30 Sekunden gewonnen. Während nämlich zwangsweise nachgeladen wird, rennt der Zombie euch entgegen und erledigt euch mit einem Schlag. Willkommen im Untoten-Team. Wer sich fragt, wieso der Zombie nicht hoppsgeht, bekommt folgende Antwort: 4000 bis 7000 Lebenspunkte!

Counter-Strike Nexon: Zombies - Umsonst ist fast zu teuer

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Nur 4000 LP. Da haben die drei Jungs ja leichtes Spiel.
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Eine „Strategie“ fürs mögliche Überleben sieht wie folgt aus: Ihr campt mit den anderen Menschen in einer schwer zugänglichen Ecke und vereint eure Feuerkraft auf den Zombiemob, der gegen den Kugelhagel anrennt. Wer sich nicht der Herde anschließt und sein Glück allein versucht, wird weggeputzt und darf dann mit den Zombies andere verirrte Schäfchen jagen oder sich dem Dauerfeuer der Camper-Gruppe aussetzen.

Packshot zu Counter-Strike Nexon: ZombiesCounter-Strike Nexon: ZombiesErschienen für PC

Draufgehen werdet ihr als Zombie wahrscheinlich nicht. Doch selbst wenn, ist das nicht schlimm. Sollten die Menschen es tatsächlich fertigbringen, einen Anaboliker-Zombie kaputtzuballern, respawnt das Vieh nach ein paar Sekunden. Je mehr Spieler an der Partie teilnehmen, desto erdrückender ist die Übermacht der Zombies und die Chance bis zum Ablauf des Zeitlimits durchzuhalten, geht gegen Null. Wer mal wieder über eine komplette Konzept-Verfehlung den Kopf schütteln will, soll sich bitte einloggen und über fünf bis zehn Runden seine eigenen Erfahrungen machen. Ich habe es nicht länger ausgehalten.

Brains!

Auch Zombie-Escape funktioniert nach dem selben System, nur wird hier gerannt anstatt geballert. Die Menschen müssen quasi einen Spießroutenlauf durch das Level zum Zielpunkt absolvieren. Dabei werden sie von den unsterblichen 7000-LP-Warum- schieße-ich-überhaupt-auf-die-Viecher-Zombies verfolgt. Ein Treffer und man ist mal wieder im Zombie-Team. Prinzipiell könnte so eine rasante Flucht durch das Level ja recht spaßig sein, aber wer hier nur den kleinsten Fehler macht, wie zum Beispiel zu früh abzuspringen oder kurz die Orientierung verliert, wird von den Zombies eingeholt. Blöd ist das vor allem für die Leute, die die Map eventuell nicht auswendig können. Solche Menschen soll es ja geben.

Wenn man „Mods, die die Welt nicht braucht“ googelt, sollte diese hier an erster Stelle stehen.Fazit lesen

In Zombie-Scenario kämpft ihr mit euren Mitspielern gegen in Wellen angreifende KI-Zombiehorden. Es besteht keine Gefahr, selbst zum Zombie zu werden. Wird man von den Zombies gekillt, erfolgt nach kurzer Wartezeit der Respawn als Mensch und das Spiel geht von vorne los. In diesem Modus sind die Zombies reines Kanonenfutter. Die Gefahr geht von der schieren Masse aus. Da sind wir allerdings beim Problem des Ganzen, denn auch hier lautet die Devise stumpf und ergreifend, sich ein fettes MG zu kaufen und in die anstürmende Kolonne zu feuern, bis das Magazin leer ist. Das macht vielleicht für wenige Runden Spaß, aber das monotone Geballer wird sehr bald zäher als Zombiehaut und man langweilt sich ob der mangelnden Herausforderung.

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Dauerfeuer auf das Pack: Welle für Welle wird weggeklatscht.
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Potential hingegen hat Zombie-Shelter. Hier muss die Heimbasis ausgebaut und gegen KI-Zombies verteidigt werden. Für Abwechslung sorgt der Tag-und-Nacht-Wechsel. Am Tag sucht man nach Materialien und Nachts muss die Basis gegen die anrückenden Zombies geschützt werden. Auch das Sammeln von Rohstoffen erfordert Teamwork, da die wertvollen Ressourcen ebenfalls von Zombies bewacht werden. Für einen Spieltag erhält man einen Talentpunkt, der in die Kategorien Kampf, Überleben und Technologie investiert werden kann. So hat man als Kämpfer Zugang zu mehr Waffen und kann Luftschläge anfordern. Hat man in Technologie geskillt, können mehr Gebäudetypen errichtet werden. Überleben ermöglicht dabei nur ein effizientes Sammeln von Ressourcen. Dieser Modus fußt tatsächlich auf einem ansatzweise durchdachten Schema und macht zwischen der restlichen Grütze einen vernünftigen Eindruck.

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In Zombie-Shelter habt ihr zu Beginn erst einmal nur eine Axt.
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Wer übrigens einfach nur eine klassische Runde Counter gegen Terror auf den bekannten Maps zocken möchte, kann das gerne machen. Da entblößt sich aber bittere Ironie. Der beste Spielmodus ist ausgerechnet jener, der bis heute noch zahlreiche LAN-Parties rockt: der traditionelle nämlich. Allerdings sind neben den klassischen Waffen auch neu editierte Waffen wie die Minigun verfügbar, was sich wiederum auf die Spieldynamik und Balance auswirkt.

Alle bekannten Counter-Strike-Waffen sind prinzipiell verfügbar. Allerdings stellt sich die Frage, welche Waffen überhaupt noch Sinn machen. Im Hero- und Escape-Modus sind Scharfschützengewehre nämlich völlig obsolet und Pistolen irgendwie auch. Oft sind nur die wirklich dicken Wummen mit großem Magazin eine strategische Option.

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Eine relativ sinngebende Beschreibung für die gesamte Mod
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Verbesserungen, zusätzliche Charaktere und Zombieklassen können im Item-Shop gegen spielinterne Punkte oder Echtgeld für eine bestimmte Zeit freigeschaltet werden. Einen wirklichen Unterschied macht das aber auch nicht mehr. Neue Waffen können mit Gebrauchsgütern und Bauplänen hergestellt werden, falls es dabei keinen Fehlversuch gibt und die Materialien flöten gehen.