Keiner will die Guten spielen. Das war schon im Kindergarten so: Keiner wollte Polizist sein, alle Gangster. An dieses frühkindliche Bedürfnis konnten Rockstar mit ihrer GTA-Reihe nahtlos anknüpfen, denn es macht weitaus mehr Spaß die Regeln zu brechen und über die Pixel-Fußgänger zu heizen als im virtuellen Straßenverkehr an jeder roten Ampel stehen zu bleiben. Spiele sind Eskapismus, man will etwas machen, was in der Realität nicht funktioniert.

C.O.P. – The Recruit geht den umgekehrten Weg. Eigentlich kein schlechter Gedanke, denn die Masse an Gangstersimulationen kann einem inzwischen die Lust am Bösesein vergällen. Als bekehrter ehemaliger Raser wird man in eine Polizeitruppe aufgenommen und soll nun auf dem DS beweisen, dass man das Zeug zum Erretter der Stadt hat – GTA unter verkehrten Vorzeichen.

Cop: The Recruit - Trailer

To protect and to serve

Im Gegensatz zum innovativen GTA Chinatown Wars geht es bei C.O.P. recht traditionell zu: In der 3D-Ansicht jagt man durch Straßenschluchten, konfisziert vorbeifahrende Vehikel, ballert die schweren Jungs nieder und liefert sich Verfolgungsjagden – Polizeialltag eben. Tatsächlich sieht das Spiel mehr wie ein PlayStation-Spiel aus, was für den DS durchaus erstaunlich ist. Ladezeiten halten sich in Grenzen und selbst bei Höchstgeschwindigkeit läuft alles ruckelfrei. Zudem ist das hier dargestellte New York von erstaunlichen Ausmaßen – ein absolutes Novum auf Nintendos Doppelbildschirm.

Cop: The Recruit - GTA-Herausforderer: Konkurrenz für Chinatown Wars?

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Dank Karte weiß man immer, wo es lang geht.
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Technisch liefert sich C.O.P. also keine Blöße und kann zumindest in Sachen Programmierung punkten. Weniger einfallsreich ist leider das Missionsdesign ausgefallen: Meist werden simple Verfolgungsjagden geboten, auch ein paar Schusswechsel sind dabei. Vom Schema weichen einzig die Razzien ab, bei denen taktischer vorgegangen werden muss. Ansonsten läuft das übliche Einerlei auf „Schnapp den Kerl“ hinaus. Wie schon bei GTA gibt es allerdings immer wieder ein paar Nebenmissionen, die an bestimmten Straßenecken auf den Vorbeifahrenden warten: Einen Raser verfolgen oder ein Gangsternest ausheben.

Bei letzteren kommen zum Beispiel die Shoot-Outs zum Tragen, die extrem unglücklich gestaltet sind. Auf dem oberen Bildschirm findet die Action statt, auf dem unteren steuert man mittels des Stylus die Sicht. Hat man einen Gegner im Fadenkreuz kann dieser eliminiert werden, C.O.P. läuft allerdings unblutig ab: Getroffene Bösewichte verschwinden einfach von der Bildfläche. Die Mechanik belastet jedoch das Handgelenk und ist auf Dauer einfach zu umständlich. Zwar kommt diese Steuerung einem Ego-Shooter am nächsten – ist aber auf Dauer sehr krampfig.

Packshot zu Cop: The RecruitCop: The RecruitErschienen für DS kaufen: Jetzt kaufen:

Nähmaschinen auf der Straße

Auch die Fahrzeuge selbst lassen sich nicht sehr befriedigend steuern und schlingern bei jeder Lenkbewegung – der Experte würde raten, den Reifendruck zu überprüfen. Beunruhigend ist zudem der Sound der Karossen, der mehr an eine Nähmaschine mit Turbolader denn ein echtes Fahrzeug erinnert.

Cop: The Recruit - GTA-Herausforderer: Konkurrenz für Chinatown Wars?

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Fußgänger können aufatmen: In C.O.P. – The Recruit wird keiner überfahren.
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Ebenfalls recht knifflig ist das Finden und Navigieren von einem Auftragsort zum nächsten, denn erst muss die entsprechende Lokalität auf der Karte gefunden und markiert werden, erst dann kann unser frischgebackener Polizist seine Arbeit aufnehmen. Immerhin: Die lästigen Verfolgungsjagden mit den Gesetzeshütten fallen weg, schließlich ist man selbst einer der Guten.

Ohnehin kann man nicht viel Böses anstellen. Die riesige Stadt sieht zwar recht belebt aus und überall schlendern Fußgänger über die Gehwege – doch ist eine Interaktion mit diesen nicht möglich, weder kann man sie umfahren (was ja OK ist), noch zeigen sie sonstige Reaktionen. Das ist zwar nicht wirklich wichtig, lässt aber auch das richtige GTA-Feeling vermissen. Noch störender sind allerdings die häufigen Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern: Entgegenkommende Vehikel tauchen oftmals urplötzlich vor der Stoßstange auf, ein Ausweichen ist nicht möglich.

Immerhin: In der Stadt sind ähnlich dem übergroßen Vorbild ein paar Sammelaufgaben versteckt. So kann man ein paar Fotos schießen (wozu auch immer) und ein paar Barrieren durchfahren. Auch das Stylen des Charakters fällt leider weg, einzig die Waffenbestände lassen sich in diversen Geschäften wieder ordentlich auffüllen.