Bärenstark, schweigsam und unbesiegbar: So kennen wir Conan, den Barbaren, der sich bereits in zwei Kinofilmen durch Heerscharen von Gegnern geschnetzelt hat. Als Robert E. Howard in den 30er Jahren die Roman-Figur des heldenhaften Cimmeriers erschuf, hätte sich der amerikanische Schriftsteller wohl nie erträumen lassen, dass sein Charakter zum Inbegriff des Fantasy-Genres werden würde. Auch heute noch, ein dreiviertel Jahrhundert später, begeistert der grimmige Muskelprotz Tausende Fans rund um den Globus.

Grund genug also, dem Klingen schwingenden Barbaren ein weiteres Stelldichein auf unseren heimischen Konsolen zu spendieren. Mit dem just für PlayStation 3 und Xbox 360 veröffentlichtem Action-Adventure Conan verschlägt es euch auf den fiktiven Urkontinent Hyboria, dessen gefährliche Reiche ihr in bester God of War-Manier erkunden müsst. Ob der Literatur-Barbar aus dem Schatten des griechischen Kult-Kriegers treten kann? Unser Review verrät es euch.

Conan - E3 2007 Trailer: No Equal

Mittlerweile ist es gut drei Jahre her, dass Conan unsere heimischen Konsolen aufsuchte. Damals schickte TDK Mediactive den metzelnden Barbaren mit eher mäßigem Erfolg auf neue Abenteuer für Xbox, PlayStation 2 und GameCube. Heute stehen die Chancen für Conan etwas besser.

Conan - Wenn das Arnie wüsste: Diese müde Klopperei stammt direkt aus der Steinzeit.

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Dieses skeletterne Mammut präsentiert sich als einer der Endgegner.
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Denn seit gut zwei Jahren schwirrt allen Metzel-Fans nur noch ein Charakter im Kopf herum: ein griechischer Kämpfer namens Kratos, der in seinen Videospielen mit dem Titel God of War zu Ruhm und Ehre gelangen konnte. Ausschlaggebend dafür war vor allem ein ebenso einfaches wie motivierendes Spielprinzip: epische Kämpfe, gepaart mit spektakulären Sprungeinlagen und kleinen Rätseln.

Gut geklaut ist halb gewonnen

Die Entwickler von Nihilistic Software und Paradox Entertainment wollen auf den Erfolgszug der God of War-Serie aufspringen und produzierten mit „Conan“ eine Adaption des griechischen Kriegsgottes. Kein Wunder also, dass sich der düstere Cimmerier in weiten Teilen an seinem Vorbild orientiert – sowohl spielerisch, als auch storytechnisch. Als Parallelen fallen dem geübten Hack & Slay-Fan sofort eine eingängige Steuerung auf, aber auch Heerscharen von Gegnern, verschiedenste Kombos und natürlich eine unwesentliche Story.

Packshot zu ConanConanErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

In Conan trefft ihr auch auf verschiedenfarbige Symbole, in diesem Fall Runen, die aufgesogen werden und für einen Wiederanstieg der Lebensenergie, dem Aufladen von magischer Kraft sowie als Aufrüstfunktion genutzt werden. Auf den ersten Blick bekommen Genre-Fanatiker also all das geboten, was sie bei der God of War-Serie so glücklich gemacht hat. Aber reicht das aus?

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Allgemein erinnern die Kämpfe stark an die Abenteuer von Kratos.
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Widmen wir uns zuerst der Handlung, die genau so grob gestrickt ist, wie unser Held selbst. Die Story des Spiels nimmt ihren Anfang irgendwo in den Ruinen eines verwunschenen Schlosses, in dem ihr euch gleich zu Beginn durch blutlose Geisterritterhorden kämpfen dürft. Wenig später trifft Conan auf eine merkwürdige Statue, die auf einem blauen Energiequell steht.

Mit einem kräftigen Hieb zerstört er die Statue, nicht wissend, dass er gerade ein Siegel zerbrochen hat, das über Jahre hinweg großes Unheil verschlossen hielt. Der von ihm entfesselte böse Zauberer ist leider alles andere als dankbar, zaubert unseren Helden bewusstlos und beraubt ihn seiner magischen Rüstung. Allerdings ist Conan kein Barbar, der so etwas auf sich sitzen lassen würde.

Ganz im Gegenteil: In Form eines blutrünstigen Killers schnetzelt unser Protagonist in den kommenden sieben Spielstunden alles auf zwei, drei oder sieben Beinen nieder, bis er seinen Peiniger gefunden und besiegt hat. Und im Gegensatz zu diesem lässt Conan niemanden bewusstlos zurück. Euer Job ist es also jetzt, die verloren gegangenen Teile der Rüstung wieder zu beschaffen und das Böse in Form des Zauberers Dingfest zu machen.

Robert E. Howard würde sich im Grab umdrehen, wenn er diese zensierte Version sehen würde. Schade!Fazit lesen

Immer feste drauf …

Dazu stehen ihm drei Waffentypen zur Verfügung: von einem Einhänder mit Schild, der sich besonders gut für die Abwehr eignet, über zwei Einhandwaffen bis hin zu den verschiedensten Zweihändern, mit denen man sogar den größten Drachen innerhalb kürzester Zeit in Schaschlik verwandeln kann. Darüber hinaus kann Conan auch mit der Umgebung interagieren.

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Conan und seine Weggefährtin A'Kanna: Ihr dürft kurz in die Rolle der schönen Amazone schlüpfen.
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Da gibt es zum Beispiel riesige Steinbrocken, die unser Held ohne sichtliche Anstrengung aufhebt und mit einem kräftigen Satz einem der Gegner an den Kopf wirft. Aber nicht nur das, Conan vermag noch viel Größeres zu bewerkstelligen. Um beispielsweise auf einen höher gelegenen Befestigungswall zu kommen, wirft unser Protagonist kurzerhand einen Baum um, damit er über den hölzernen Pfad auf die Mauer klettern kann.

Nach wenigen Spielminuten wird aber klar, dass die zur Verfügung stehenden Waffen allesamt in nur zwei Kategorien eingeteilt werden können. Entweder haben sie eine kurze Reichweite, so dass ihr nur die Gegner trefft, die in unmittelbarer Nähe stehen, oder ihr benutzt eine Waffe mit großer Reichweite. Dann kommt es schon mal vor, dass ihr mit einem Schlag gleich mehrere Gegner in eurer Umgebung ins Jenseits befördert.

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Diese Bluteffekte gibt es in der deutschen Version nicht zu sehen.
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Dieses Manko versucht die schiere Masse an zur Verfügung stehenden Kombos wettzumachen. Conan bekommt nach jedem der zahlreichen Levelaufstiege neue Varianten geboten, wie er seinen Gegnern den Garaus macht. Da dürfte es selbst hartgesottenen Beat em Up-Fans schwerfallen, sich an die einzelnen Schlagkombinationen zu erinnern. Allerdings könnt ihr die neuen Fähigkeiten nicht kostenlos erlernen. Dafür gibt es sogenannte rote Runen, die sich nach dem Töten eines Gegners aus seinem Körper lösen und von euch aufgesogen werden.

Diese Art des Charakteraufbaus zieht sich durch das komplette Spiel. Mit grünen Runen lädt sich beispielsweise eure Lebensenergie wieder auf, während ihr mit blauen Runen die Leiste aufladen könnt, die für die magischen Fertigkeiten benötigt wird. Conans Zauberkönnen entwickelt sich zwar erst im Laufe des Spiels, stellt aber dennoch eine gekonnte Abwechslung zu den teilweise etwas eintönig wirkenden Metzelpartys dar.

Abwechslung pur?

Während eurer Odyssee durch die teils ziemlich düsteren Reiche Hyborias trefft ihr auf viele verschiedene Gegner. Eigentlich! Denn in Wirklichkeit haben die Entwickler nur ein Dutzend unterschiedlicher Gegnertypen in das Spiel implementiert. Da sich die Heerscharen aber immer in ihrem Aussehen und ihrer Stärke ändern, wird euch hier eine größere Abwechslung suggeriert, als es eigentlich der Fall ist.

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Sex sells: Zum Glück sind diese Schönheiten nicht der Zensur zum Opfer gefallen.
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Dennoch: Auch die Gegner schlafen nicht und halten euch ununterbrochen auf Trab, da immer wieder neue Horden euren Kopf rollen sehen wollen. Lässt der Ansturm dann kurze Zeit nach, kann das eigentlich nur eines heißen: Bosskampf! Die Endgegner in „Conan“ wissen wirklich zu gefallen, bieten sie doch zahlreiche taktische Finessen und Action am laufenden Band.

Entstellte deutsche Version

Eigentlich präsentiert sich uns mit Conan bisher ein durchaus solides Hack & Slay-Gemetzel, wenn da nicht eine extrem geschnittene deutsche Version des Titels veröffentlicht worden wäre. Die Unterschiede fallen erst richtig auf, wenn man nur einige Minuten in der amerikanischen Version des Spiels umhergeschnetzelt hat: Zensur, wohin das Auge blickt.

Dass es in Deutschland keine abgetrennten Gliedmaßen auf dem Bildschirm zu sehen geben würde, war von vornherein klar. Aber selbst der kleinste Blutspritzer wurde nun von der Zensurschere entfernt. Publisher THQ wollte einem roten USK-Siegel auf alle Fälle entrinnen, so dass sich die Welt von Hyboria nun weniger erwachsen anfühlt, als sie nach den Vorstellungen von Robert E. Howard eigentlich sein müsste. Hier geht das ganze Flair des düsteren und blutrünstigen Barbaren verloren.

Technisch anspruchsvoll?

Von technischer Seite präsentiert sich Conan als durchschnittliches Action-Adventure. Zwar weiß die grafische Darstellung an manchen Stellen durchaus zu überzeugen, an anderen Stellen wirkt das Spiel hingegen weniger ausgereift und stellt nur ein Minimum der Grafikleistung dar, die die PlayStation 3 und Xbox 360 zu leisten vermögen.

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Conan muss sich vor vielen Monstern beweisen.
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Das zeigt sich auch an der noch nicht ganz optimalen automatischen Kameraführung, die oftmals in den falschen Momenten schwenkt. Lob gebührt den Entwicklern hingegen für die Kampfanimationen und vor allem auch die tollen Bosskämpfe. Was Effekte betrifft, präsentiert sich die deutsche Fassung mit Ausnahme einiger Partikel-Spielereien leider nur auf Durchschnittsniveau.

Für Ärger sorgt auch ein Bug auf soundtechnischer Ebene, bei dem die orchestrale, dynamische Musikuntermalung nur in Fragmenten oder mit deutlichen Verzögerungen wiedergegeben wird. Bei einer Szene, in der ein riesiger Tintenfisch ein Schiff angreift, ertönt zwar die Hintergrundmusik, Soundeffekte sind aber leider gar nicht zu hören. In diesen Bereichen wäre ein wenig mehr Entwicklungszeit bitternötig gewesen.