Abgedroschenes Szenario trifft auf grandiose neue Ideen – so unser arg abgekürztes Fazit zu Company of Heroes, das wir anno 2006 mit grandiosen 94% über den grünen Klee lobten. Doch seit damals ist viel passiert. Unter anderem bekam der Strategiekracher mit Warhammer 40.000: Dawn of War 2 Konkurrenz aus eigenem Hause, die das Genre nochmals entscheidend umkrempelte.

Kann der altehrwürdige „Grand Senieur“ der Weltkriegs-Strategie da noch mithalten? Mit frisch aus Dawn of War 2 geklauten Ansätzen tritt das nunmehr zweite, aber allein lauffähige Add-On „Tales of Valor“ den Versuch an.

Company of Heroes: Tales of Valor - Trailer

Ein kurzes Wort zum Einstieg

Drei neue Kampagnen sollen es sein, die Entwickler Relic uns Mitte April kredenzt. Wir haben uns das Weltkriegs-Paket bereits näher angeschaut und dürfen über zwei der der drei Feldzüge Rapport erstatten. Bevor wir euch mit den teils einschneidenden spielerischen Änderungen konfrontieren, ein paar allgemeine Worte vorweg. Die von uns gespielte Version ist weit gediehen, bis auf einige Abstürze beim Laden von Missionen sowie kleinere KI-Probleme macht „Tales of Valor“ auf uns einen recht vollständigen Eindruck.

Company of Heroes: Tales of Valor - Ausführlich angespielt: Addon Nummer zwei

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Das Rohr des Grauens: Für jeden Abschuss hagelt es Erfahrungspunkte.
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Optisch gleicht der Titel dem Hauptprogramm, von einigen neuen Texturen abgesehen, wie ein Ei dem anderen. Insbesondere gegen das auf der gleichen Engine basierende Dawn of War 2 macht Tales of Valor keinen Stich. Modelle, Animationen, Oberflächenstrukturen und Explosionen, sie alle sind zwar nach wie vor hübsch anzuschauen, aber nicht mehr ganz taufrisch. Vorteil: Der Ressourcen-Hunger hält sich in Grenzen. Wer Company of Heroes mit geschmeidigen 30 Bildern oder mehr pro Sekunde wahr nimmt, der hat auch mit dem Expansion Pack keine Probleme.

Panzer statt Basis

Eines kann man den Entwicklern von Relic garantiert nicht vorwerfen: Ideenarmut. Mit jedem neuen Spiel versucht das Studio, Genregrenzen auszuloten und zu erweitern. Tales of Valor, obwohl nur Add-On-Charakter, macht da nicht Halt und krempelt die aus Company of Heroes bekannte Spielmechanik gehörig um. Bereits die erste Kampagne entfernt, analog zu Dawn of War 2, den Basisbau gänzlich und schickt uns stattdessen mit (anfangs) nur einem Panzer ins Feindesland.

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Kopf runter und durch führt zu Nebenwirkungen wie Tod und Verstümmelung. Immer schön in Deckung bleiben verlängert hingegen das Leben.
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Fast fühlen wir uns an ein Action-Rollenspiel erinnert, wenn wir mit unserem „Super-Tank“ aus der Vogelperspektive hordenweise Infanteristen, Jeeps und Panzer aufs Korn nehmen. Obgleich wenig strategisch und auf Dauer leicht stupide, vermag die Spielmechanik dank der famosen Inszenierung rasch zu fesseln. Mauern zerbröseln, Häuser krachen in sich zusammen, Explosionen vernebeln die Sicht und feindliche Fahrzeuge werden effektgeladen in verkohlte Einzelteile zerlegt.

Alles neu macht das Add-On: Tales of Valor klaut bei Dawn of War 2 und mischt dessen Features neu ab.Ausblick lesen

Dass der Action-Reigen nicht gar so schnell langweilig wird, verdankt er dem neu implementierten „Direct Fire“-Feature. Auf Wunsch übernehmen wir per Maus die Steuerung des Panzerrohrs, visieren Feinde haargenau an und drücken im richtigen Moment ab. Das Spielgefühl wird so direkter, die taktische Bandbreite höher.

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Waren früher wesentlich effektgewaltiger: Feuerwerksböller.
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Gleichsam an Rollenspiele erinnert das rudimentäre Erfahrungspunktesystem. Mit jedem ausgeschalteten Gegner tröpfeln Erfahrungspunkte auf unser Konto, die wir in neue Fähigkeiten investieren, darunter schnelleres Nachladen, ein zweites Maschinengewehr gegen Infanteristen oder Sprengkörper, die nahe Feinde erledigen. Schade nur, dass der Fähigkeitenbaum äußerst übersichtlich, um nicht zu sagen mager, ausfällt. Die Qual der Wahl stellt sich nie ein, da wir mehr als genug Erfahrung sammeln, um sämtliche Skills zu erlernen.

Dawn of War 2 light

Die zweite Kampagne steckt uns in keinen stählernen Kampfkoloss, sondern überträgt uns die Kontrolle über mehrere Infanterietrupps, die alle, ähnlich wie in Dawn of War 2, über spezifische Fähigkeiten verfügen. Vom Granatenwurf bis hin zum Anbringen von Sprengladungen werden sämtliche Skills abgedeckt, die zum Überleben im Feindgebiet erforderlich sind.

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Kriegsgemälde: Alle Missionen werden von stilisierten Collagen eingeleitet.
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Frische Waffen gibt’s auf dem Schlachtfeld ebenfalls vereinzelt einzusammeln. Die Bandbreite des Vorbilds aus eigenem Hause wird allerdings zu keinem Zeitpunkt erreicht. Unterschiedlich effektive Ballermänner kommen ebenso wenig vor wie Panzerungen oder moralverstärkende Reliquien. Auch die Begabungen der Jungs bleiben vergleichsweise blass: Größere MG-Magazine, der verbesserte Umgang mit der Panzerfaust und geschicktere Granatwürfe sind das höchste der Gefühle.

Ebenso wie in der ersten von uns gespielten Kampagne plagt auch hier ein zu niedriger Schwierigkeitsgrad den Company of Heroes-Profi in uns. Allzu viel taktisches Kalkül, geschweige denn strategische Weitsicht, ist nicht vonnöten, um die actionlastigen Missionen zu überstehen. Im Gegenteil: Deckung suchen, flankieren und fleißig Granaten werfen, mehr bedarf es eigentlich nie, um selbst die größte Übermacht auszuspielen. Am Anspruch sollten die innovationsfreudigen Entwickler also besser noch arbeiten, um Veteranen nicht vollends zu unterfordern.