Also wirklich, ich fange doch hier nicht schon wieder von vorne an und erzähle von der glorreichen Vergangenheit von Company of Heroes. Reden wir lieber von der Zukunft. Mitte November, so viel ist ja bereits bekannt, kommt ein neues Add-on von CoH 2 auf den Markt. Ja, genau, kein Downloadable Content, sondern eine Erweiterung in einer schicken Schachtel, die dann im Laden steht. Und auch Ardennes Assault ist in guter Relic-Tradition ohne den Haupttitel spielbar.

Company of Heroes 2: Ardennes Assault - Launch Trailer

Noch besser als erwartet

Und was ist drin? Nach der Mehrspieler-Erweiterung Western Front Armies gibt es diesmal eine komplette Kampagne mit 18 Missionen. Um mir einen Eindruck zu verschaffen, flog ich nach Brüssel und fuhr dann nochmal eine gefühlte Ewigkeit durch die belgische Pampa zu den Bastogne Barracks. Hier waren die Alliierten im Winter 1944 zunächst von den Deutschen eingekesselt, schlugen aber danach entscheidend zurück und beendeten Nazi-Deutschlands Ardennenoffensive.

Dabei war der Gegenangriff der kombinierten Streitkräfte der US-Amerikaner, Franzosen und Briten auf die Wehrmacht kein Spaziergang, wie so häufig der Eindruck entsteht, wenn von den letzten beiden Kriegsjahren die Rede ist. Frei der Nase nach geschrieben: Erst der D-Day in der Normandie, flugs über den Rhein und dann fiel schon Berlin. Nein, die Ardennenoffensive, bei den Alliierten vor allem unter Battle of the Bulge bekannt, war eine blutige Schlacht. Für die US-Amerikaner gar die blutigste des kompletten Zweiten Weltkrieges, 20.000 Landsleute ließen dabei ihr Leben. In der Mehrspielererweiterung The Western Front Armies gab es mit Faymonville bereits eine bekannte Karte dazu. Über eine fehlende Einzelspielerkampagne wurde trotzdem gemault - erfolgreich. Eine Mission davon konnte ich nun ausgiebig antesten.

Company of Heroes 2: Ardennes Assault - Es riecht nach Rundenstrategie

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Vor entsprechender Kulisse präsentierte Relic die Erweiterung Ardennes Assault. In den Bastogne Barracks war das Add-on spielbar.
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Relic hatte in den Bastogne Barracks eine lange Tafel aufgebaut, inmitten mehr oder weniger funktionstüchtiger Panzer und anderem Kriegsgerät. So manches Geschützrohr zeigte bedrohlich in Richtung der langen Tafel, auf denen die Rechner zum Probespielen platziert waren. Auf den Bildschirmen kommt so manches davon zum Einsatz, denn ich muss die Deutschen im belgischen Ort Houffalize in die Zange nehmen und vertreiben.

Mir kommt natürlich direkt Opposing Fronts aus dem ersten Company of Heroes in den Sinn und ich frage Mitch Langran von Relic in einer kleinen Spielpause, warum es keine deutsche Kampagne gibt: „Wir haben das in Erwägung gezogen, aber am Ende war der Battle of the Bulge ein Sieg der US-Amerikaner. Es wäre nicht so reizvoll gewesen, den Spieler auf die Verliererseite dieser Schlacht zu stellen“, sagt Langran, der die Entwicklung der Kampagne leitet.

Company of Heroes 2: Ardennes Assault - Es riecht nach Rundenstrategie

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Mit dem Rundenstrategieeinschlag wagen die Entwickler einen mutigen Schritt, der tatsächlich aufzugehen scheint.
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In der ersten Ankündigung war für diese Schlacht von drei komplett neuen Kompanien die Rede und ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass hier die üblichen paar Spezialfähigkeiten den Unterschied ausmachen sollten. In der Mehrspieler-Erweiterung The Western Front Armies gab es bei den US-Amerikanern ja schon Kommandeure, über deren Spezialisierung eine Partie ihre eigene Note bekommen konnte; je nach Gusto und Karte mit Fuß-, Panzer- oder Luftstreitkräften. Doch Relic hat mich überrascht. Es ist viel mehr als das.

Nachdem ich einen der vorbereiteten Spielstände geladen habe, sehe ich plötzlich eine strategische Karte mit einem Teil Belgiens vor mir, inklusive voneinander abgegrenzter Territorien. Huch, was ist denn das? Total War im Zweiten Weltkrieg? Auf der Minimap sind drei Symbole zu sehen: Eine für die Airborne Company, eine für die Mechanized und eine für Support. Alle sind jeweils eine eigene Streitmacht und unabhängig voneinander einsatzfähig. Die Namen sagen es schon – die Airborne unter Johnny Vastano setzt auf Luftunterstützung, etwa Bomben und Strafing Runs von Jagdfliegern, bei Bill Edwards' Mechanized kommen mehr Fahrzeuge zum Einsatz und die Support-Kompanie von Kurt Derby kann sich mehr als die anderen auf die Unterstützung durch Artillerie verlassen.

Sieht so die Zukunft von Company of Heroes aus?

Im Klartext: Ja, in Company of Heroes 2: Ardennes Assault verbindet Relic Runden- mit Echtzeitstrategie. So ziehe ich auf der Minimap die drei Kompanien rundenweise und schicke sie auf die 18 Echtzeitmissionen, die es im Rahmen der Kampagne geben wird. Elf davon sind klassisch gescriptet, verriet mir Langran, die sieben anderen warten mit variablen Missionszielen auf, die sich bei jeder Partie verändern. Der Erfolg bei allen ist entscheidend dafür, wie gut ich meine Kompanien in Schuss halten kann. Je effektiver ich vorgehe, desto mehr Requisition bekomme ich danach.

Relic wagt in den Ardennen einen womöglich hoch effektiven Überraschungsangriff auf andere Strategie-Gefilde.Ausblick lesen

Die Verluste wie die gewonnene Kampferfahrung sind permanent und haben Auswirkung auf die Gesamtverfassung meiner Streitkräfte. Mit Requisition kann ich sie wieder aufpäppeln, aber auch die Kompetenzen meines Kommandeurs verbessern oder neue Truppentypen freischalten. Requisition ist die Ressource des Rundenstrategieteils. Jede Kompanie hat vier Fähigkeitenbäume.

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Insgesamt 18 Echtzeitmissionen wird die allein lauffähige Erweiterungen bieten. Ordentlich Strategiefutter für verregnete Herbsttage.
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Ich wähle also die Support-Kompanie und arbeite mich in Houffalize von Süden aus ganz CoH-klassisch Sektor um Sektor nach Norden vor. Dort sind befreundete Kampfverbände unter schwerem Beschuss, unter anderem auch durch deutsche Artilleriegeschütze. Die bringe ich unter meine Kontrolle und richte sie gegen die Wehrmacht. Meine Support-Kompanie hat ein paar sehr praktische Spezialfähigkeiten, die es bei den anderen beiden nicht gibt: So kann ich etwa bestimmte Sektoren unter Artillerie-Überwachung stellen. Nähern sich feindliche Truppen, gibt es einen tödlichen Stahlregen.

Weil es den rundenbasierten Strategiemodus gibt, ist auch der Verlauf der Kampagne nicht immer gleich. Scheitert eine Mission, geht es zurück auf die Minimap. Die Ziele bleiben unerfüllt bestehen, die Verluste sowie die Erfahrung aus dem Versuch ebenfalls. Das kann so weit gehen, dass eine Kompanie komplett aus dem Spiel ausscheidet, wenn sie zu starke Verluste erleidet. Die Schlacht soll in einem solchen Fall aber nicht verloren sein. Die Karte ist mehr als bloßes Mittel zum Zweck: So gibt es auch Ereignisse wie Hunger, die meine Kompanien bei einem Zug schwächen, oder zusätzliche Requisition.

Es mutet am Anfang etwas komisch an, dass Company of Heroes jetzt einen zarten Rundenstrategiemodus bekommt, aber Relic will damit die Wiederspielbarkeit der Kampagne erhöhen, wie sie mir sagten. Die versuchte Vermählung wirft natürlich Fragen auf: Wie verändern sich die Missionen, wenn ich sie mit einer anderen Kompanie angehe? Wie genau gewinnen die Truppen Requisition, wie Erfahrung für ihre Kampffähigkeiten? Kann ich gezielt darauf hinarbeiten, um die Kampagne auf meine Weise besser bestreiten zu können?

Company of Heroes 2: Ardennes Assault - Es riecht nach Rundenstrategie

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Ardennes Assault setzt die durchgehend hohe Qualität seiner Vorgänger fort.
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In Bastogne spielte ich die Houffalize-Mission mit unterschiedlichen Kompanien und Schwierigkeitsgraden. Weil im Norden der Karte meine Verbündeten von mir abgeschnittenen Einheiten ständig nach Unterstürzung schrien, sind etwa die Airborne- und Support-Kompanie etwas besser geeignet als die Mechanized. Natürlich gibt es auch die Artilleriegeschütze auf der Karte selbst, die ich einsetzen kann, aber so habe ich mehr Wahlfreiheit.

„Wir wollten dem Spieler mehr Kontrolle geben und Entscheidungsgewalt darüber, in welcher Weise der Battle of the Bulge verläuft. Wir haben uns mehrere Optionen angeschaut und uns dann für die Minimap entschieden. Der Spieler bekommt dadurch strategische Wahlmöglichkeiten: Welche Missionen wollen sie spielen, mit welchen Kompanien und in welcher Reihenfolge“, sagt Mitch Langran.